Gedanken zur Bundestagswahl 2017 – AfD


Normalerweise gehe ich gern nach dem Motto «Das Beste kommt zum Schluss» vor. Dieses Mal passt das jedoch nicht so ganz, denn nach SPD, der Linken und CDU nehme ich mir nun die AFD vor. Und die ist definitiv nicht „das Beste“ – im Gegenteil: Diese Partei steht so ziemlich für alles, was eine zivilisierte Gesellschaft nicht wollen kann! Das Parteiprogramm der AfD ist da recht eindeutig. Natürlich sehen das AfD-Anhänger anders, wobei man sich oftmals fragt, ob diese überhaupt das Parteiprogramm der AfD (1) gelesen haben. Denn wenn sie das hätten, wäre ihnen z. B. folgendes klar:
Die AfD präsentiert sich gerne als Partei, die Sorgen ernst nimmt und sich um die „kleinen Leute“ kümmern will. In Wirklichkeit jedoch hat sie diese nie ernst genommen, da sie von Anfang an mit den ‚Sorgen‘ der Menschen gespielt hat. Denn sie haben teils realistische – vielleicht sogar in manchen Situationen normale – Sorgen letztlich mit einer stramm rechten, aber mindestens sehr verengten, Weltsicht vermischt. Dies hat jedoch vor allem dazu geführt, dass die Menschen, die wirkliche Sorgen bzw. Probleme haben mit den sogenannten besorgten Bürgern in einen Topf geworfen werden. Wodurch die AfD in gewisser Weise genau das erreicht hat, was sie offensichtlich wollte. Nun geben nicht nur hauptsächlich die ‚besorgten Bürger‘ den Ton an, sondern diejenigen, die vernünftige Lösungen wollen und auch gesprächsbereit wären, werden nicht mehr wahr- bzw. ernstgenommen. Daraus sind dann letztlich die Wähler mehr geworden, die sich entschlossen haben, AfD zu wählen – wenn auch ’nur‘ aus Protest. Da will man dann auch nicht sehen, dass gerade diese Partei 1. für genau diese Situation (mit-)verantwortlich ist und 2. sich eigentlich einen Dreck um die wirklichen Probleme der Menschen schert, solange diese nicht zu ihrer Ideologie passen – oder nicht passend gemacht werden können. Aber klar ist doch, es wären gerade die „kleinen Leute“, die unter den Vorhaben der AfD zu leiden hätten. Um das zu erkennen, reicht ein genauer Blick ins oben genannte Parteiprogramm (doch Vorsicht: Es könnte zu regelmäßigen Übelkeitsschüben während des Lesens kommen). Da ist die Privatisierung der Arbeitslosenversicherung nur ein Beispiel für das, was die AfD so plant. Ach ja, und von der Steuerpolitik, die die AfD dort skizziert, würden vor allem die profitieren, die ohnehin schon genug haben. Also ist die AfD letztlich nichts als eine Mogelpackung! Doch wie fast alle rechten Parteien schimpft auch die AfD ständig auf ‚die Eliten‘ bzw. die ‚Etablierten‘ und stellen sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit als „Stimme des ‚Volkes'“ dar. In Wirklichkeit zeigen, neben den falschen Versprechungen, allein die Machtkämpfe in der AfD, dass es bei ihnen eher noch viel schlimmer „abgeht“ als bei den sogenannten etablierten Parteien. Zuletzt besonders deutlich wurde das AfD-Gemauschel bei der NRW-AfD – doch diese mindestens fragwürdige Wahlliste ist wohl nur die Spitze des Eisberges. (2) Und überhaupt, wenn es nach Pretzell und seinen Leuten geht, ist ohnehin alles in Ordnung und absolut rechtens. Nun, das würde sich mit Sicherheit anders anhören, wenn auf diese Weise eine Wahlliste von CDU, SPD, den Grünen oder der Linken zusammengemauschelt worden wäre. Man stelle sich die Forderungen und Statements von AfDlern vor… Zum Gruseln. So aber – alles gut, AfDler dürfen das! Ein weiteres, etwas älteres Beispiel ist der Konflikt um den antisemitisch gesinnten Gedeon (3), der jedoch eher wie ein Konflikt zwischen Petry und Meuthen schien: Allein schon die Tatsache, dass Petry nach Stuttgart gefahren ist, um zu ‚vermitteln‘, zeigte genau das. Wäre es bspw. einmal andersherum und Meuthen würde in einer ähnlichen Situation nach Sachsen in den Landtag fahren…Petry würde schäumen und sich jede Einmischung verbitten! Den Verdacht hatte ich von Anfang an, und nun im Nachhinein bin ich mir sicher, dass dieser ganze ‚Konflikt‘ nicht viel anderes war als PR. Hauptsache, Aufmerksamkeit; egal wie.
Doch nun zu weiteren Widersprüchen der AfD: Da wäre bspw. die immer wieder geäußerte Aussage von Meuthen, er wolle eine AfD, die weder antisemitisch noch rassistisch und extremistisch sein solle. Zugleich übt er aber den Schulterschluss mit Höcke, der schon mehrmals seine wahre Gesinnung gezeigt hat. Dann gibt es noch den Herrn Gauland, der sogar die „Identitären“ ‚einlädt‘.  Und nicht zuletzt die sog. Reichsbürger, die sich auch in der AfD finden. Wenn diese Personen bzw. Gruppierungen keine rassistische Gesinnung haben, was ist dann in den Augen der sogenannten bürgerlichen AfD-Vertretern eine rassistische Gesinnung? Zahlreiche Aussagen von AfD-Politikern haben die völkisch-nationalistische Gesinnung derjenigen gezeigt. Auch hört man sehr wenig von der AfD, wenn es darum geht, rechten Extremismus zu verurteilen – seien es die unzähligen Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte oder immer häufiger werdende Angriffe auf „ausländisch“ oder „nicht-deutsch“ aussehende Menschen. Wenn die AfD aber nichts mit Extremismus zu tun haben will, sollte sie so etwas auch verurteilen. Zumal AfDler ganz schnell dabei sind, wenn es um Linksextremisten oder auch nur linke Aktivisten geht: Da wird jede noch so kleine Sachbeschädigung angeprangert, die Aktivisten werden als ‚Linksfaschisten‘ o.ä. bezeichnet und selbst ein Tortenwurf auf die Storch wird angezeigt. (4) Nebenbei: Derjenige, der besagte Torte geworfen hat, wurde sogar von Storch persönlich an den Pranger gestellt – inklusive Morddrohungen. (5) Überhaupt wird mittlerweile jeder, der gegen Rechtsextremismus ist, als linksradikal oder -extremistisch eingestuft. Dass sogar die CDU als „linksgrün-versifft“ bezeichnet wird, zeigt, wie unfassbar klein das Weltbild dieser Leute ist. Die CDU ist nämlich alles andere als „links“ – auch wenn sie in einigen Fragen seit Merkel’s Kanzlerschaft in die Mitte gerückt. Doch „links“ ist das nicht! Doch für die Ewiggestrigen ist alles „linksgrün-versifft“, was nicht ihrer menschenfeindlichen Ideologie entspricht. So ist es auch nicht überraschend, wenn rechte Extremisten in den Augen der AfD offenbar ungestraft jede Schweinerei begehen ‚dürfen‘. Und damit nicht genug, gewisse AfD-Vertreter stacheln doch mit ihren Anti-Asyl-Parolen etc. solche Leute sogar noch zusätzlich an – z. B. eben sogenannte besorgte Bürger. Frei nach dem Motto «Verteidigt euch gegen die bösen, verräterischen Linken!» wird jede Möglichkeit genutzt, den politischen Gegner zu attackieren. Doch so etwas ist einer Demokratie unwürdig! Wobei natürlich auch die AfD immer wieder versucht, sich als „ganz normale, demokratische Partei“ darzustellen, die auf dem „Boden des Grundgesetzes“ steht. Dies erscheint jedoch in einem ganz anderen Licht, sieht man sich einmal die Forderungen, Parolen etc. an, die AfDler von sich geben. So z. B., wenn sie wieder einmal tönen, der Islam gehöre nicht zu Deutschland und man solle Moscheen verbieten. Das würde definitiv gegen die im Grundgesetz zugesicherte Religionsfreiheit verstoßen. Und außerdem: Natürlich gehört der Islam zu Deutschland! So wie bspw. das Judentum auch zu Deutschland gehört! Hier in Deutschland leben Christen, Atheisten, Moslems, Juden, Buddhisten, Hindus, Anhänger von Naturreligionen etc. (6) Und deshalb gehören all diese Religionen letztlich zu Deutschland – eben durch die Menschen, die an die jeweilige Religion glauben. Das Haupt-Feindbild der AfD ist aber eben der Islam. Warum? Weil sie nicht verstehen (wollen), dass islamistischer Terrorismus nicht der Islam ist. Terroristen brauchen immer eine Ideologie, um ihre Taten zu rechtfertigen. Bei der RAF war es eine linke Ideologie, beim NSU war es eine rechte Ideologie und bei Daesh, Al-Qaida etc. ist es der Islam. So wie es auch christliche Terroristen gibt, die das Christentum für ihre Taten missbrauchen. Genau das tun islamistische Terroristen. Doch für diese Dinge interessiert man sich bei der AfD & Co. nicht. Wichtig ist nur, dass man pauschalisieren kann. Aber: Wehe dem, der Sachsen als „Failed State“ bezeichnet oder die AfD für pöbelnde AfD-Anhänger (mit-) verantwortlich macht. Diese Art von „Pauschalisierung“ ist selbstredend abzulehnen, wie diverse AfD-Politiker gerne deutlich machen. Doch wo ist der Unterschied? Tja, wahrscheinlich wird dieser nur von ihnen selbst gesehen. Das sind dann wieder Dinge, über die AfDler nicht gerne sprechen. Sehr gerne redet die AfD dagegen darüber, dass die Zuwanderung unsere christlichen Traditionen und überhaupt die deutsche Kultur zerstört. Doch wenn AfDler auch nur einen Schimmer vom Christentum hätte, wüssten sie, dass das, was sie von sich geben, nicht mit christlichen Werten vereinbar ist. Stattdessen greifen sie bei der AfD regelmäßig die Kirchen an, weil diese sich z. B. auch in der Flüchtlingshilfe engagieren. (7) Aber das ist AfD: Alles angreifen, was nicht der eigenen ideologisch gefärbten, verengten Weltsicht entspricht. Da spielt es auch keine Rolle, ob man Lügen verbreitet, einfache Lösungen (die niemals wirklich funktionieren würden) propagiert oder  seine „Gegner“ diffamiert – Hauptsache, Aufmerksamkeit. Jetzt habe ich schon einen längeren Text als ich ihn mir eigentlich vorgestellt hatte und mir fällt immer noch mehr ein. 😌😖 Also wird es wohl darauf hinauslaufen, dass ich beizeiten einen weiteren Text zum Thema schreibe. Das folgende möchte ich aber noch in diesem Text haben:
Denn es regt mich seit Langem kolossal auf, dass für sämtliche Probleme, die es zum größten Teil schon seit Jahren gibt, wurden Flüchtlinge bzw. Migranten im Allgemeinen und, natürlich, Angela Merkel verantwortlich gemacht. Dabei kann sie für manche Fehler nichtmal etwas, da einige Fehler von Regierungen schon vor Jahrzehnten gemacht wurden. Ein Gegensteuern greift nicht von jetzt auf gleich, braucht vielleicht Jahre. Ich bin absolut kein Fan von Kanzlerin Merkel, aber ich finde es einfach unmöglich, dass eine Person für einfach alles verantwortlich gemacht wird. Wie weit soll das noch gehen? Ist Merkel demnächst auch für unpassendes Wetter verantwortlich? Das ist einfach nicht realistisch. So wie große Teile der Vorstellungen, die AfD und Co. haben, nicht unbedingt realistisch sind. Aber was spielt das für eine Rolle, wenn man ohnehin nur z. T. unverschämte Forderungen stellt und sich nicht einmal an die Wahrheit halten muss? Denn „Protestwähler“ und AfD-Anhänger geben ihnen trotzdem ihre Stimme – wie ich schon weiter oben beschrieben habe. Und am Ende müssen ohnehin andere die Trümmer beseitigen, die durch die hetzerische Rhetorik der AfD entstanden sind. Denn die „Angstpartei für Deutschland“ hat kein Interesse daran, Verantwortung zu übernehmen, da sie sich dann selber entlarven würde. Schon in den Bundesländern, in denen die AfD in Landtagen sitzt, wird klar, dass die AfD nur folgendes kann: Laut und unverschämt sein sowie mit unsinnigen Anfragen die jeweiligen Regierung von wichtigen Dingen abhalten wollen. Denn für die AfD ist eines lebenswichtig: Dass dieses abstrakte, subjektive Angstgefühl mindestens bestehen bleibt. Solange sie dieses erfolgreich erhalten bzw. weiterverbreiten können, werden sie Wählerstimmen sicher haben. Deshalb sollte an diesem Punkt angesetzt werden. Egal, wie schwer es wird, wir als Gesellschaft haben keine andere Alternative, als der AfD entgegenzutreten. Ob in Form von Demonstrationen, Reden, Texten, Bildern – wie auch immer. Hauptsache, die Menschen merken, dass diejenigen, die AfD, Pegida etc. hinterherlaufen, nicht in der Mehrheit sind! Sie wirken im Netz nur so, weil sie technische Hilfsmittel nutzen, die eine kleine, laut brüllende Minderheit größer erscheinen lassen. Natürlich müssten auch die Medien ihre Berichterstattung über AfD & Co. verändern. Vor allem, wo der Bundesrepublik ein Wahlkampf bevorsteht, in dem die AfD offenbar mit gezielten Provokationen auf sich aufmerksam machen will. Und genau da sollte ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr. Denn jetzt will ich wirklich langsam zum Ende kommen, zumal ich zugeben muss, dass dieser Text vielleicht z. T. recht komplex geworden ist. Ich habe mir allerdings schon Mühe gegeben, meine wirklich unzähligen Gedanken zur AfD halbwegs zu ordnen. 😊 Und überhaupt: Das Leben besteht nun einmal generell aus komplexen Zusammenhängen – auch, wenn AfD-Politiker und -Anhänger das bekannterweise anders sehen. Aber ob es manchen Menschen passt oder nicht: Einfache Lösungen helfen bei komplexen Zusammenhängen einfach nicht! So, und nun wünsche ich Ihnen/Euch noch einen schönen Sonntag! Deshalb zum Ende hin noch etwas angenehmes (das Bild stammt aus dem letzten Sommer):

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▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫
Quellen/Links:
(1)  https://correctiv.org/recherchen/neue-rechte/artikel/2016/03/14/das-afd-programm-entschluesselt/

http://kattascha.de/?p=1923

http://www.merkur.de/politik/parteiprogramm-wofuer-afd-steht-laut-geheimpapier-bald-stehen-will-6214919.html
http://www.ksta.de/politik/afd-parteiprogramm-schluss-mit-abtreibung-und-arbeitslosenversicherung-23724692

(2) https://www.wz.de/home/politik/nrw/afd-streitet-um-nrw-wahlliste-1.2323292
https://m.faz.net/aktuell/politik/inland/wahlliste-der-afd-in-nrw-verursacht-chaos-14554408.html

(3) http://www.welt.de/politik/deutschland/article156358925/Kritik-an-bizarrem-Hineinregieren-von-Petry.html
http://www.focus.de/politik/deutschland/so-kommentiert-deutschland-afd-streit-afd-co-chef-meuthen-hat-ein-desaster-erlitten-seine-autoritaet-ist-dahin_id_5656866.html

(4) http://www.berliner-zeitung.de/politik/tortenwurf-auf-afd-aber-bitte-mit-sahne–23644314

(5) https://netzpolitik.org/2016/von-storch-postet-namen-und-bild-des-tortenwerfers-auf-facebook-auf-den-pranger-folgen-morddrohungen/
(6) https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201622/umfrage/religionszugehoerigkeit-der-deutschen-nach-bundeslaendern/

http://remid.de/info_zahlen/

(7)
http://blog.initiativgruppe.de/2016/05/29/afd-zielt-auch-bei-den-kirchen-unter-die-gurtellinie/
P. S.: Als ich meine Quellenlinks zusammensuchte, fiel mir beim Durchsehen der Suchergebnisse ein Eintrag auf. Es handelte sich um einen bei WordPress geposteten Blog, in dem behauptet wurde, die „taz“ sei für Euthanasie, um diese gegen Trump und AfD einzusetzen. Ich dachte, ich lese falsch! Habe dann einen Screenshot gemacht, da ich nicht auf so etwas verlinken möchte.

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Hier der Artikel, um den es ging:
https://m.taz.de/!5358234;m/
Ich habe keine Ahnung, wie man aus irgendetwas in diesem Artikel schließen kann, dass die „taz“ „Euthanasie-Phantasien“ hat. Aber ich bezweifle, dass der Artikel von den Leuten, die o. g. Blogeintrag ernstgenommen haben, überhaupt gelesen wurde. Anders ist so etwas nicht zu erklären – außer vielleicht mit reiner Boshaftigkeit. Das musste ich nun noch schnell loswerden. 😉

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9 Gedanken zu “Gedanken zur Bundestagswahl 2017 – AfD

  1. du meine güte… ziemliches gedankenchaos 😉

    gegenfrage: warum gibt es die afd? weil merkel seit der „eurorettung“ keine alternativen in betracht gezogen hat. weil deutschland milliarden verbrannt hat, um griechenland zu helfen. allerdings nicht den griechen, sondern den banken! das geld sehen wir nie wieder.

    das jüngere erstarken der afd ist ebenfalls auf merkel (bzw. die gesamte unionspolitik, merkel steht nur stellvertretend im rampenlicht) zurückzuführen. die flüchtlingswelle schadet deutschland massiv und nachhaltig auf jahrzehnte. importierte arbeitslosigkeit, steigende kriminalität und ein bröckelnder sozialstaat werden zu sozialen unruhen führen, die sich gewaschen haben. die vorboten sind bereits da, z.b. sexuelle übergriffe von männern aus machokulturen, die westliche frauen als „freiwild“ betrachten oder eben die terroranschläge von ansbach, würzburg und berlin (plus mehrere vereitelte versuche!).

    zieht man all das in betracht, wundert mich eher, dass die afd in umfragen bisher „nur“ bei 15% steht. ich hätte eher 30% vermutet.

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    1. Okay, was die Finanzkrise und ihre Folgen angeht, stimme ich im Großen und Ganzen noch zu. Es war und ist definitiv die falsche Politik.

      Was den auf die Flüchtlingskrise bezogenen Teil angeht, muss ich widersprechen. Es ist klar, dass die große Zahl an Flüchtlingen eine Herausforderung für die gesamte Gesellschaft ist. Ebenso klar ist, dass rund eine Million Flüchtlinge auch Probleme verursachen. Dennoch bin ich zutiefst davon überzeugt, dass es nichts Gutes bringt, wenn in dem Maße gegen Flüchtlinge und Migranten generell gehetzt wird, wie es AfD & Co. tun. Denn das führt doch erst zu einer noch größeren Spaltung der Gesellschaft. Letztlich spielt die AfD sogar den islamistischen Daesh-Terroristen in die Karten: Durch deren Anti-Islam-Parolen wird es für die Rekrutierer von Daesh nämlich noch einfacher, mit ihren vermeintlichen Argumenten junge Menschen anzuziehen und zu manipulieren. Aber das nur am Rande.
      All das, was Sie da nennen, sind vor allem subjektive Gefühle. Zumal eine womöglich gestiegene Kriminalität u.a. auch auf politisch motivierte Straftaten zurückgeht. Überhaupt haben Gewalttäter einfach keine bestimmte Nationalität. Kriminelle gibt es in jeder Gesellschaft. Dasselbe gilt für Sexualverbrechen und Sexismus. Wer behauptet, dass es in Deutschland bis vor zwei Jahren keine Sexualverbrechen und keinen Sexismus gab, weiß nicht, wovon er/sie spricht. Viele von denen, die jetzt über frauenfeindliche muslimische Machos schimpfen, waren 1997 gegen ein Verbot von Vergewaltigung in der Ehe. Oder die Rechten, die sich jetzt gerne als Frauenrechtler darstellen (jedenfalls, wenn es um deutsche, blonde Frauen geht), ansonsten aber seit Jahren für ihre Frauenfeindlichkeit bekannt sind. Und die AfD ist da auch nicht besser mit ihrem Frauenbild. Das ist eine Doppelmoral, die bei mir Übelkeit auslöst. Zumal es verdammt viele Frauen gibt, die von deutschen Männern vergewaltigt, belästigt oder begrapscht wurden. Aber das scheint für manche kein Skandal zu sein. Das ist ein Beispiel, warum ich mit der AfD ein Problem habe. Es gäbe noch viele, viele andere. Durch deren Pauschalisierungen wird es keine Lösung der Probleme geben. Komplexe Probleme sind nicht mit einfachen Lösungen zu lösen. Ich könnte jetzt noch einiges schreiben, beschränke mich aber darauf, kurz noch was zu den angesprochenen sozialen Unruhen zu schreiben: Diese Gefahr besteht doch vor allem dadurch, dass gewisse Leute gezielt zu Hass anstacheln. Würde die Gesellschaft endlich zusammenstehen und verstehen, dass ein friedliches Zusammenleben an uns allen hängt, bräuchte auch bei zwei Millionen Flüchtlingen niemand sozialen Unruhen befürchten. Leider ist die vergiftete Saat der AfD schon z. T. aufgegangen.

      Liebe Grüße, Marisa P.

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  2. ich stimme ihnen zu, dass die afd leider tatsächlich spaltend wirkt und indirekt (ungewollt) die extremisten auf allen seiten stärkt. doch man sollte nie vergessen: die afd ist nur ein symptom, nicht die ursache! die politik von cdu & spd haben die afd erst groß gemacht.

    beim thema flüchtlinge empfinde ich ihren standpunkt als etwas – sorry – naiv. die große anzahl an flüchtlingen ist nicht nur eine „herausforderung“, es ist ein ernstes problem. leider bedenken viele menschen, die sich – sicherlich mit den besten absichten – für flüchtlinge stark machen, nicht die langfristigen folgen für unsere gesellschaft.

    wenn plötzlich 1-2 millionen menschen aus einem völlig anderen kulturkreis ins land kommen (der großteil davon jung, männlich und nur gering qualifziert), kann das nicht gut gehen.

    es fehlt wohnraum, es fehlen arbeitsplätze und vor allem fehlen perspektiven für diese leute! die meisten haben schlicht keine zukunft. und sobald sie das merken, wird es hier noch richtig heiß hergehen. dann wenn eine größere gruppe an menschen nichts mehr zu verlieren hat und sieht, dass es den anderen (uns deutschen) doch relativ gut geht, dann wird es explosiv. das meinte ich u.a. mit den sozialen unruhen.

    ich denke, wir kommen hier auf keinen gemeinsamen nenner. trotzdem alles gute für ihren blog. ich persönlich werde aus protest im herbst übrigens afd wählen. nicht, weil ich die partei gut fände, sondern weil ich keine andere wählbare alternative sehe und merkel & co. das signal brauchen: „stopp, so geht es nicht weiter“.

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    1. Bin leider nicht eher zum Antworten gekommen. 😌
      Naja, ein bisschen ist das ja ohnehin Ansichtssache, und ich bin einfach der Meinung, dass es für ein komlexes Problem nie nur eine Ursache gibt. Die Grundlage für die AfD wurde im Grundsatz vor 26 Jahren gelegt. Fehler in der Zuwanderungspolitik wurden schon von den Kohl-Regierungen gemacht. Das alles hat sich letztlich angesammelt und hat über zunehmende Politikverdrossenheit zur AfD geführt. Aber wie gesagt, das ist Ansichtssache.
      Was die Flüchtlingsthematik angeht, habe ich ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet. Dabei sehe ich vor allem die langfristigen Möglichkeiten, die ein solcher Zuwachs an Menschen mit sich bringt. Ja, die große Anzahl in kurzer Zeit stellt derzeit ein Problem dar. An diesem wird aber nach und nach gearbeitet. Natürlich braucht das seine Zeit, das ist doch logisch. Ein großes Problem ist hier, dass viele Menschen aber keine Geduld aufbringen wollen. Leider braucht es Geduld, um eine solche Aufgabe zu bewältigen. Denn es ist doch gerade gut, wenn junge Menschen kommen. Junge Menschen lernen meist schneller als ältere – das ist nicht nur bei „uns“ so. Das heißt, selbst wenn sie keinen Schulabschluss machen konnten oder keine Ausbildung haben, können sie dies in Deutschland machen. Dem steht allerdings die derzeitige Politik gegenüber, die mehr um Verschärfungen bemüht ist, als darum, dass die Mammutaufgabe Integration gemeistert wird. Deshalb sehe ich eher ein Problem darin, wenn die Politik so weitermacht wie bisher und sich weiterhin nach und nach mehr auf AfD-Linie begibt. Denn so werden die von Ihnen genannten Problembereiche nicht beseitigt werden. Das geht nur mit Investitionen, vernünftiger und humaner Migrationspolitik und (echten) Verbesserungen für Integrationsmaßnahmen. Wenn die Politik sich ernsthaft um all diese Dinge kümmern würde, wäre in zwei Jahren das Gröbste geschafft.
      Was die erwähnten männlichen Flüchtlinge angeht: Das ist etwas, was ich von Anfang an als vollkommen unlogisch betrachtet habe. Während sich von allen Seiten über die zahlreichen „alleinreisenden jungen Männer“ beschwert wird, wird zugleich verhindert, dass deren Familien legal nachkommen können. Das ergibt für mich einfach keinen Sinn. Ja, klar bedeutet Familiennachzug, dass noch mehr Menschen aufgenommen werden müssen. Aber zum einen legal und zum anderen würde es mit ziemlicher Sicherheit die Integration der jungen Männer erleichtern. Und es ist nun einmal so, dass sehr viele junge Männer sich allein auf den Weg gemacht haben, um zu verhindern, dass deren Familien auf der gefährlichen Flucht ums Leben kommen. Und das alles wäre im Übrigen völlig unnötig, wenn die EU endlich Möglichkeiten zur legalen Einreise schaffen würde. Zu dem Thema gäbe es noch einiges zu sagen, aber meine Antwort ist schon jetzt wieder so umfangreich geworden. 😌😉

      Deshalb nur noch etwas zum letzten Teil Ihrer Antwort: Was ich absolut nachvollziehen kann, ist dass Sie Ihren Protest zeigen wollen. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, dass man eine Partei wählen will, von der ganz klar keine Lösungen zu erwarten sind, die absichtlich die Gesellschaft spaltet und erst die Gefahr sozialer Unruhen entstehen lässt. Es bräuchte vielmehr eine Regierung, die sich wirklich um all die vorhandenen Probleme kümmert, anstatt über Verschärfungen zu streiten, die weder Wohnungsnot beseitigen, noch fehlende Integrationskurse schaffen – als Beispiel. Doch die ist nicht mit der CDU zu erwarten – und erst recht nicht von der AfD. Mit der AfD im Bundestag wird es in Zukunft erst recht Blockaden geben und wichtige Dinge könnten darüber untergehen. Was es definitiv nicht wieder geben darf, ist eine GroKo! Aber aus Protest eine Partei zu wählen, die die Spannungen in unserem Land vergrößert, erscheint mir einfach völlig suspekt. Meine Meinung ist einfach: Nur mit einer vernünftigen, sozialen und humanen Politik mit Augenmaß können soziale Unruhen verhindert werden.

      Es stimmt, auf einen Nenner kommen wir wohl nicht, dennoch möchte ich mich für Ihren Kommentar und Ihre Antwort bedanken.
      Ihnen Alles Gute für die Zukunft.
      Liebe Grüße, Marisa P.

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  3. Die fehlenden Perspektiven- das ist doch der Punkt. Da wird gegen Flüchtlinge gewettert und deren Aufnahme und vorhergesagt das die Leute zum Problem werden wenn sie merken das hier keine Perspektiven vorhanden sind. Das ist das Problem wenn Angela Merkel ständig sagt man müsse etwas gegen Fluchtursachen tun, dann aber diese nicht benennt und natürlich nichts dagegen tut.

    Die Flüchtlinge haben hier eine Perspektive-anders als in ihren Heimatländern. Dort gab es keine, daher sind sie hier. Wir führen dort Kriege, wir stehlen ihnen dort Ländereien, die Möglichkeit ihre Familien zu ernähren. Nahrung, Einkommen…

    Hier leben wir in einem Land das sich nicht so um Nachwuchs schert. Schon vor Jahren wurde gesagt jede Frau müsse 2 Komma irgendwas Kinder bekommen, was aber nicht gewollt war. Statt dessen bekommen Deutsche zuwenig Nachwuchs, geben diesen frühzeitig in Fremdbetreuung und die Gesellschaft überaltert. Wer wird denn künftig hier arbeiten? Wer wird denn die ganzen Alten und Pflegebedürftigen versorgen? Bereits jetzt leben wir mit der „Generation Beziehungsunfähig“ Soll das besser werden wenn wir so weiter machen?

    Hier gibt es Arbeitsplätze, Bildungsmöglichkeiten. Klar haben wir Probleme aber im Vergleich zu den Orten von denen die Flüchtlinge stammen ist hier alles super.
    Wir müssen das zusammen anpacken. Zusammenhalten statt andere abzulehnen und Dinge die uns fremd sind nicht als Bedrohung und Gefahr betrachten, sondern als Möglichkeit.

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    1. Ja, genau das ist auch meine Sichtweise. Die ganze Flüchtlingspolitik ist völlig falsch angelegt. Da wird z. B. immer wieder Integration gefordert – bis hin zum Integrationszwang -, aber nichts dafür getan, dass die Integration gelingt. Stattdessen eine Verschärfung nach der anderen. Und überhaupt wollen viele Deutsche einfach nicht verstehen, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Ich bin der Meinung, dass es einfach kaum möglich ist, sich wirklich zu integrieren, wenn man dauernd schief angeguckt wird und die Gesellschaft den „Neuen“ von vornherein misstrauisch gegenüberzusteht. Das kann doch nicht funktionieren. Wenn man diese Meinung äußert, kriegt man «Jetzt sollen wir auch noch verantwortlich für gescheiterte Integration sein? Das ist doch ‚deren‘ Angelegenheit.» oder ähnliches zu hören. Diese Ignoranz regt mich sowas von auf!

      Richtig, das Bekämpfen von Fluchtursachen wird fast mantraartig wiederholt, aber nicht umgesetzt. Dabei gäbe es genug Möglichkeiten, wirklich etwas zu tun. Aber es wird einfach weitergemacht wie bisher. Wie z. B. im Falle Afrikas. Ausbeuten ohne Ende, und sich dann wundern und jammern, wenn Flüchtlinge kommen. Dasselbe gilt für Krieg bzw. Konflikte im Allg. Afghanistan bspw.: Erst macht man bei der Zerstörung des Landes mit und dann wird sich geweigert, afghanische Flüchtlinge aufzunehmen, weil es ja ’sichere‘ Regionen in Afghanistan geben soll. Eine zynischere Politik ist kaum noch möglich. Und dann wird dich gewundert, warum die Rechten stärker werden. Immerhin müssen die sich angesichts der unzähligen Asylverschärfungen ja regelrecht bestätigt fühlen.

      Zu den fehlenden Perspektiven in den jeweiligen Heimatländern: Deshalb finde ich auch die Bezeichnung „Wirtschaftsflüchtlinge“ so schrecklich. Es geht doch den meisten in erster Linie um ein menschenwürdigeres Leben – und eine Zukunft für ihre Kinder. Wer z. B. von Verhungern bedroht ist, ist doch nicht weniger in Lebensgefahr als jemand, der politisch verfolgt wird. Wie ich schon schrieb: Zynischer geht es kaum.
      Und ja, es gibt einige Probleme in Deutschland, aber es geht uns im Vergleich zu unzähligen anderen Ländern (sorry😌:) verdammt nochmal
      gut. Deutschland steht weder am Rande des Abgrundes, noch nehmen die Schutzsuchenden irgendwem was weg.
      Ich habe selber nicht viel (materiell/finanziell gesehen), aber das kann ich doch nicht auf Menschen schieben, die einfach nur leben wollen. Die Ursachen meiner Probleme muss ich schon bei mir suchen. Probleme wurden noch nie dadurch gelöst, dass man die Schuld anderen zuschiebt. Aber das nur am Rande.
      Jetzt habe ich schon wieder viel mehr geschrieben als ich wollte😌, aber das ist einfach ein Thema, das mich sehr beschäftigt.

      Liebe Grüße, Marisa P. 🌸

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      1. Ja, es gibt diese Themen da reichen einfach wenige Worte nicht, weil man es aus allen Perspektiven betrachten kann und muss.
        Ich stimme dir auf jeden Fall 100% zu.
        Erschreckend finde ich aber auch in weiten Teilen der Bevölkerung vorhandene Unwissenheit. Wenn so ein Spruch kommt wie: „Afrika, was haben die denn schon?“, dann läuft es mir eiskalt den Rücken runter. Und das war mal das Land der Dichter und Denker. Heute das Land der Castingshow-Gaffer.ohne Ahnung.

        Viele Grüße
        Asmaa

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  4. Genau so ist es. Da gibt es soviele Punkte, die es zu beachten gibt, weshalb ich davon ausgehe, dass ich mich hier noch öfter mit diesen Themen befassen werde.

    Ja, das ist absolut erschreckend. Was ich allein in den letzten Monaten an Vorurteilen und Halb-/Nichtwissen mitbekommen habe… 😱
    Und viele interessiert nicht einmal, wie es wirklich ist.
    Afrika ist da ganz oben dabei, ebenso der Nahe Osten. Und das in einer Zeit, in der fast jeder die Möglichkeit hätte, sich umfassend zu informieren. Das ist aus meiner Sicht der größte Vorteil von Smartphones & Co. Leider nutzen viele Leute die heutige Technik, um ihre Vorurteile noch zu vertiefen.

    Dazu kommt dann noch der ganze Blödsinn wie Dschungelcamp, Big Brother, Castingshows etc.

    Vielleicht ist das jetzt auch ein Vorurteil, aber ich denke, dass so etwas schon zu mehr Oberflächlichkeit und weniger Nachdenken führt.
    Liebe Grüße, Marisa P. 🌸

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