Hass und Hetze im Netz – Teil 1


„Hass und Hetze im Netz“ – eine Thematik, die nicht neu ist, aber offenbar erst in letzter Zeit in den Fokus vieler Menschen gerückt ist. Aber es ist ja eigentlich auch kaum noch zu übersehen.

Vor einigen Jahren noch trat „Hass im Netz“ insbesondere in (Schüler-) Netzwerken auf, auf denen dann mehr oder minder gezieltes Mobbing gegen einzelne Personen, sehr oft im Teenager-Alter, betrieben wurde. Das gibt es natürlich auch heute noch – möglicherweise sogar in noch größerem Ausmaß als ‚damals‘ -, aber den größten Raum nehmen heute Hasskommentare im Allgemeinen ein. In besonderem Maße betroffen sind ’natürlich‘ Politiker*innen, Journalist*innen und andere in der Öffentlichkeit stehenden Personen, doch es kann jeden treffen. Die Gründe dafür sind einfach: Den hasserfüllten Kommentatoren passt es nicht, wenn jemand eine Meinung äußert, die nicht in dessen verengtes Weltbild passt. Dabei redet gerade die AfD nur allzu gerne von Meinungsfreiheit. Laut AfD ist diese nämlich in besonderem Maße von „Politicial Correctness“ massiv bedroht. Über dieses Thema hatte ich ja auch schon einmal geschrieben (https://marisasminds.wordpress.com/2016/12/27/einige-spontane-gedanken-zu-political-correctness-und-angeblich-verlorener-meinungsfreiheit/).

Hier im ersten Teil zu „Hass und Hetze im Netz“ möchte ich jedoch vor allem erst einmal auf diverse Tweets eingehen, die meisten zur gestrigen Talkshow von Anne Will. Es ging um das Thema: «Wie mit kriminellen Zuwanderern umgehen?» Zunächst einmal eine seltsame Fragestellung, da sie impliziert, dass mit kriminellen Zuwanderern anders umgegangen werden sollte als mit kriminellen „Deutschen“. Oder wird es bald das Thema «Wie umgehen mit kriminellen Einheimischen?» geben? Ich denke eher nicht. Und dann wird sich gewundert, dass die AfD weiteren Zulauf bekommt. Doch ich möchte nicht die Sendung „Anne Will“ bewerten, daher komme ich nun zu dem eigentlichen Teil des Beitrags.
Zunächst jedoch einige Sätze zur Zusammenstellung der Tweets: Um nicht jeden einzelnen Tweet hochladen zu müssen, habe ich sie grob sortiert und mehr oder weniger nach Thema zusammengestellt. Ich habe lange überlegt, welche Tweets ich nehme, doch letztlich habe ich mich (zunächst) hauptsächlich für verhältnismäßig ‚harmlose‘ Tweets entschieden – wobei „harmlos“ Ansichtssache ist. Anfangen werde ich mit Tweets, die eher allgemein „Anne Will“ bzw. die Thematik betreffen:

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1.) «… fast ausschließlich gegen Deutsche.» Nein, es gibt nahezu täglich Angriffe auf Flüchtlinge oder vermeintliche Flüchtlinge, denn manchmal reicht es, „nicht-deutsch“ auszusehen. Das ist auch eine Realität, auch wenn viele das offenbar nicht wahrhaben wollen. Gewalt ist auch in Deutschland nicht auf eine Nationalität beschränkt, ebenso wie es unter allen Nationalitäten Gewalttäter gibt – ja, auch Deutsche. Und wenn man dann noch hinzunimmt, dass -logischerweise – weit mehr „Deutsche“ als „Nicht-Deutsche“ in Deutschland leben, erscheint es noch erschreckender, wieviele „Nicht-Deutsche“ Opfer von Gewalt werden.
2.) «… keine Papiere haben und nicht abschiebbar sind …» Ja, weil die meisten dieser Menschen fliehen musste. In einem Land wie Syrien bspw. kann man nicht mal eben neue Papiere beantragen, wenn diese durch den Krieg abhanden gekommen sind. Das ist nicht so abwegig, wie manche sich das vorstellen. Ja, dieser Umstand wird von einigen wenigen auch ausgenutzt, um ihre Identität zu verschleiern, aber diese Menschen stellen eine Minderheit dar. Eine Mehrheit der Flüchtlinge sind wirklich Schutzsuchende, die einfach nur ein menschenwürdiges Leben in Frieden wollen.

3.) Ja, es muss schön sein, wenn man sich das so einfach machen kann… Nein! Es sind diese Pauschalisierungen, die jede vernünftige, objektive Diskussion von vornherein unmöglich machen. Mit kriminellen Ausländern ist genauso umzugehen, wie mit kriminellen Deutschen – das sollte eigentlich Konsens sein in einem Rechtsstaat.

4.) Vielleicht sollte man das den Richtern überlassen, ich denke, die wissen, was sie tun. Zumal es eben sehr wohl Fälle gibt, bei denen mit dem, was im Tweet „Sozialpolitik“ genannt wird, besser gefahren wird. In dem Zusammenhang sei nur am Rande erwähnt, dass Gefängnisse gerade bei jungen Menschen eher dazu führen, dass sie aus diesem Kreislauf nicht mehr herauskommen. Und dass die Radikalisierung von jungen Leuten besonders in Gefängnissen betrieben wird, sollte auch kein Geheimnis mehr sein. Da kann ein anderer Weg mehr als hilfreich sein. Im Übrigen sollte jeder eine zweite Chance verdienen, wenn es sich nicht gerade um extreme Schwerverbrecher handelt. Und eine solche Chance ist vor allem für junge Straftäter wichtig.

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1.) Ein weiterer Tweet mit einer so dämlichen Pauschalisierung, bei der sich jeder weitere Kommentar erübrigt.
2.) Aha, ein «Maghreb-Zuwanderer» hat also keine „Forderungen“ zu stellen. Man könnte auch daraus lesen, dass ein «Maghreb-Zuwanderer» nicht das Recht darauf hat, im deutschen Fernsehen seine Meinung zu äußern. Das ist unfassbar!
3.) Dass die „Idiotären“ auch ihren Senf dazugeben müssen, ist nicht wirklich verwunderlich. Auch nicht die Dummheit der Aussage. 😈
4.) Nein, es ist immer noch Angstmache, denn es ist Schwachsinn. Es gibt einfach keinen Grund, sich «fremd im eigenen Land zu fühlen». Deutschland ist immer noch Deutschland und wird Deutschland bleiben. Nur weil etwa eine Million Flüchtlinge auf rund 80 Millionen Einwohner insgesamt und  etwa 16,4 Millionen Einwohner mit Migrationshintergrund gekommen ist?! Übrigens haben rund 7,8 Millionen Einwohner in Deutschland eine ausländische Staatsbürgerschaft.

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Mehr zur Bevölkerung (-sentwicklung) in Deutschland und Demografie im Allgemeinen unter den am Ende des Beitrags angegebenen Links.
Nun einige Tweets, die sich auf Simone Peter beziehen:

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1.) Wirklich viel ist hier nicht zu kommentieren, denn es scheint, als sei der/die Verfasser*in vor allem pikiert, weil niemand von der AfD eingeladen war. Na und, dafür bekommt heute abend Petry ihre Plattform bei „Hart aber Fair“. Und das, obwohl u. a. die ARD erst kürzlich vom ENF-Kongress in Koblenz ausgeladen wurde. Also kein Grund, sich zu beschweren.
2.) Hmm, «Grüfri» … Das ist so blöd, dass mir glatt die Worte fehlen… 😵
3.) Was bitte hat das Eine mit dem Anderen zu tun?! Das eine ist ein Haus, das andere ist ein Land. Nicht wirklich vergleichbar.
4.) Nein, Frau Peter hat nicht «alle Polizisten unter Generalverdacht » gestellt! Sie hat lediglich eine gerechtfertigte Frage geäußert und zugleich gesagt, dass die Polizei an sich gute Arbeit geleistet hat. Dass sie diese Aussage sogar zurücknehmen musste, zeigt, wie weit die Menschenfeinde in diesem Land schon die Diskussionen steuern. Das sollte uns eigentlich mal zu denken geben. Aber über dieses Thema hatte ich ja schon einmal geschrieben.
5.) Dieser Nutzer scheint also zu meinen, es sei eine «kranke Ideologie», wenn man in einem Statement auf das Grundgesetz verweist. Ansonsten gilt so ziemlich dasselbe wie unter 4.).

Es folgen nun Tweets, die sich hauptsächlich auf die AfD beziehen:

 

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1.) Genau deshalb sagen zahlreiche Menschen, dass das, was Seehofer macht, absolut falsch ist. So fühlen sich die AfDler erst recht bestätigt. Dabei müsste es in die andere Richtung gehen: Ihnen sollte nämlich vielmehr klargemacht werden, dass diese vermeintlichen Lösungen keine sind.

2.) Naja, es kommt darauf an, welches Volk gemeint ist. Denn das „Volk“, das AfD-Anhänger meinen, ist ein anderes „Volk“ als „das Volk“, das ich meine. Für AfD & Co. zählen nur die zum „Volk“, die ihr verengtes Weltbild teilen; für mich besteht „das Volk“ aus rund 80 Millionen. Und das ist bestimmt nicht ausschließlich dumm – bei dem „Volk“ der AfD kann man Dummheit jedoch nicht ausschließen. (😈)

3.) Ein Tweet, der eigentlich nicht so ganz hier rein passt. Allerdings stellt der Nutzer eines der Probleme, die es derzeit gibt, recht gut dar: «Inhalte sind im Grunde unwichtig». Genau das ist ein wirklich großes Problem, denn Politik ohne Inhalte wäre Politik mit Emotionen. Und das ist bislang niemals gut gegangen.

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1. und 2.) Tja, ‚liebe‘ CSU, so sieht’s aus: Kein Unterschied mehr zur AfD – abgesehen vom Namen. Immerhin besitzt die CSU die Dreistigkeit, sich „christlich-sozial“ zu nennen. Dabei sind sie weder das Eine, noch das Andere.

3.) Es sollte besser heißen: „Seine CSU/AfD-Linie“. Ansonsten wie oben.

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1.) Der Nutzername sagt alles. Jaja, «Ausgrenzung der AfD» – kommt doch mal mit etwas Neuem!

2.) Jeder Kommentar überflüssig. 😱

3.) Dieser Nutzer sollte vielleicht erstmal in der Realität ankommen. Denn die ist nun einmal hart und komplex.

 

Zum Ende des ersten Teils noch einige Beispiele für das seltsame Verständnis von Demokratie, Meinungsfreiheit und Freiheit im Allgemeinen:

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Hach ja, es ist beinahe putzig, dass Rechte offenbar nie merken, dass sie ständig von sich auf andere schließen… Aber wehe, irgendjemand hält den Rechten den Spiegel vor. Das konnte man bspw. während/nach den letzten beiden Tatorten sehen. Da haben sich offenbar einige angesprochen gefühlt, anders sind die teils heftigen Reaktionen kaum zu erklären.
Der folgende Tweet bzw. der dazugehörige Screenshot zeigt sehr gut, was die AfD wirklich unter Meinungsfreiheit und Demokratie versteht:

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Der Screenshot, auf den sich der Tweet bezieht, ist recht eindeutig.

Dennoch: Wenn es um die eigene Meinung geht, beruft man sich auch sehr gerne auf das Grundgesetz, das man ansonsten mit Füßen tritt:

 

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Das war es jetzt erstmal, der zweite Teil folgt so bald wie möglich. In ihm werde ich mich dann, aufbauend auf diesen ersten Teil, noch etwas stärker mit dem immer öfter auftretenden Hass befassen. Und zwar auch mit dem Aspekt, dass der Hass aus dem Netz in das reale Leben ausstrahlt.

Bis dahin wünsche ich Ihnen/Euch eine möglichst gute Zeit.

 

Links zur Bevölkerung in Deutschland:

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/Bevoelkerungsstand.html;jsessionid=497BDBEF85E8DAE83D5042B2F71306D0.cae2#Tabellen

http://www.bamf.de/DE/Infothek/Statistiken/statistiken-node.html
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Demografie_Deutschlands

https://m.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/IB/Artikel/Integrationsgipfel/2014-11-28-Datenblatt.html

 

 

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