Die Provokationen der AfD


Um ehrlich zu sein hatte ich nicht vor, schon wieder über die AfD zu schreiben – überhaupt heute einen weiteren Beitrag zu verfassen. Aber es muss sein. Denn die AfD hat wieder einmal erreicht, in aller Munde zu sein. (1) Durch denjenigen, der auch schon die notorische Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck verteidigt (2) und sich über seine Ideologie vom «afrikanischen Ausbreitungstyp» (3) ausgelassen hat. Dieser Höcke hat nun wieder verbal „geschossen“. Auf einer Versammlung, bei der rund 150 Menschen anwesend waren. Ich möchte ungern selber hier wiedergeben, was er da von sich gegeben hat. Daher habe ich mich entschieden, unter (4) zu einem Transkript des gesamten Textes von Höckes ‚Rede‘ zu verlinken. Nur soviel: Wenn er von einem «Denkmal der Schande» spricht, kann man das freilich auf zwei Arten verstehen – wenn einem der Rest dessen, was er gesagt hat, nicht bekannt ist. Denn zusammen mit dem, was er in seiner ‚Rede‘ so von sich gegeben hat, bekommt diese eine Äußerung eine bestimmte Richtung. Und das kann man nur ‚übersehen‘, wenn man es absichtlich ignoriert. Ich weiß nur eines ganz genau: Es ist eine Schande, dass sich so jemand wie Höcke Politiker nennen darf. Denn er ist nichts weiter als ein Demagoge, der bis vor relativ kurzer Zeit noch völlig unbekannt und unbedeutend war. Jetzt spielt er sich als der «Retter des deutschen Volkes» – bzw. das, was er und seine Anhänger für das Volk halten – auf, obwohl er in Wirklichkeit genau das zerstören will. Denn das deutsche Volk ist mehr als 150 Personen, die einem Volksverhetzer zujubeln. Das deutsche Volk besteht – ich weiß, ich wiederhole mich 😉 – aus etwas mehr als 80 Millionen Menschen; über 80 Millionen Individuen aus verschiedenen Kulturen, mit unterschiedlichen Wurzeln und mit eigenen Charakteren. Das ist Vielfalt, die es zu bewahren gilt, denn das ist es, was unser Land ausmacht. Nur so kann es friedliches Zusammenleben geben. Die meisten Menschen wissen das und, vor allem, schätzen dieses Land dafür. Auch im Ausland. Vor einigen Monaten habe ich mich erstmals gefragt, ob es vielleicht sein kann, dass es diese vermeintlichen Patrioten nicht ertragen können, dass Deutschland auch im Ausland wieder ein angesehener Staat ist bzw. dass unzählige Menschen aus allen möglichen Nationen Deutschland positiv sehen. Mehr noch, viele Nationen sind neidisch darauf, dass es in unserem Land den meisten Menschen relativ gut geht. Hier in Deutschland jedoch tun manche Leute so, als stünde unser Land kurz vorm Abgrund. Das muss für Menschen, in denen Zustände wie bspw. in vielen afrikanischen Ländern oder aber auch in Ländern wie dem Kosovo, vollkommen verrückt klingen. Dazu möchte ich bald aber noch einen separaten Text schreiben, da dies in diesem Beitrag den Rahmen sprengen würde. Jedenfalls kam seitdem dieser Gedanke immer wieder auf – so auch vor einigen Tagen. Und ich dachte wieder einmal: Wie kann es sein, dass sich Menschen als Patrioten bezeichnen (lassen), die mit ihrem Verhalten jedoch alles dafür tun, dass das Land geschwächt wird?! Die Antwort ist einfach: Weil sie diese freiheitlich-demokratische Grundordnung verachten. Sie verachten, wofür unser Land heute steht, denn es steht auch für eine (relativ) offene Gesellschaft. Sie wollen eine Herrschaft des Unrechts, damit sie wieder all ihre menschenverachtenden Grundeinstellungen kritiklos äußern können. Ja, es mag überspitzt sein, doch genau diese Gefahr besteht, wenn sich nichts ändert! Zur Zeit sieht es leider genau so aus. Dabei wäre es gerade angesichts der anstehenden Bundestagswahl wichtig, dass ein Umdenken, insb. im Umgang mit der AfD, einsetzt.
Vor einiger Zeit war in diversen Medien zu lesen, dass die AfD für den Bundestagswahlkampf in diesem Jahr plant, mit gezielten, tabubrechenden Provokationen Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. (5) Natürlich ist ironischerweise damit gemeint, die Aufmerksamkeit der vermeintlichen ‚Lügenpresse‘ auf sich zu ziehen. Denn ausgerechnet diese garantiert der AfD eine Plattform, die sie anders kaum bekommen würde. Und die AfD nutzt das gezielt aus. Dieses Vorgehen zeigt, dass die führenden Köpfe der AfD ganz genau wissen, was sie tun. (6) Zunächst wird dafür gesorgt, dass die bekannten, am häufigsten gesehenen, gelesenen oder gehörten Medien an den Pranger gestellt werden. Redet man lange genug von der ‚Lügenpresse‘, die Meinungen und gar die Wahrheit unterdrückt, kommt irgendwann ein Punkt, an dem die Journalisten das Gefühl bekommen, sich verteidigen zu müssen. Was erstmal völlig normal ist, klar. Doch das Geschrei wird immer lauter, bei sogenannten Demonstrationen von Rechten wird z. T. ununterbrochen ‚Lügenpresse‘ im Wechsel mit den anderen üblichen Parolen gebrüllt. Also fangen viele Medien an, ihre Berichterstattung zu überdenken. Das es schon längst so weit gekommen ist, zeigt die Tatsache, dass bspw. die Tagesschau vor einigen Monaten die Entscheidung getroffen hat, die AfD nicht mehr „rechtspopulistisch“ zu nennen. (7) Das ist aber für viele Menschen – auch für mich – kein Überdenken der Berichterstattung, sondern ein Einknicken vor den rechten Hetzern. Dass das von diesen zu großen Teilen wirklich so empfunden wurde, zeig(t)en schon die Reaktionen einiger AfDler. Das kann doch nicht der richtige Weg sein! Genausowenig, wie jede gezielte Provokation der AfD am besten auf der Titelseite zu bringen oder in nahezu jede zweite Talkshow einen AfD-Politiker – oder jemanden, der der AfD nahesteht – einzuladen. Zumal es oftmals nicht die AfDler sind, die am Ende als – ich nenne es mal – Verlierer des Abends dastehen. Und das nicht, weil den anderen die Argumente fehlen würden, im Gegenteil. Nein, es ist das Eingehen auf jeden noch so dämlichen Versuch, die restlichen Anwesenden zu unüberlegten Sätzen zu bringen. Es muss doch möglich sein, sich als erfahrene*r Politiker*in nicht von irgendwelchen AfDlern in die Ecke treiben zu lassen! Warum dreht man den Spieß nicht einfach mal um?! Natürlich nicht auf die Art, wie es die AfD tut, sondern mit Niveau. Es muss darum gehen, den Menschen zu zeigen, dass die AfD nichts anderes kann, als zu provozieren und gegen alles mögliche zu sein. Mit Argumenten, Inhalten und – wie erwähnt – Niveau. Nicht zurückbeleidigen, sondern jegliche Beleidigungen ignorieren oder auch – je nach Situation – mit einer klugen Reaktion kontern. In den letzten Monaten wurde mir jedoch bei jeder Talkshow mit AfD- und auch CSU-Beteiligung klarer: Es braucht eine komplette Veränderung im Umgang mit Parteien und Gruppierungen wie AfD, Pegida etc. Und das bei weitem nicht nur in Deutschland: So haben bspw. die Medien in den USA einen sehr, sehr großen Teil dazu beigetragen, dass ab morgen jemand ins Weiße Haus zieht, der narzisstisch, unbeherrscht und unwissend ist. Das, was am 08. November 2016 in den USA passiert ist, sollte den Medien hier bei uns in Europa eine Warnung sein. Es muss so schnell wie möglich eine Veränderung geben, besser sofort. Sicher, das ist unmöglich – dennoch: Die Zeit drängt. Mehr denn je. Möglichkeiten gäbe es mit Sicherheit einige, es bräuchte vielleicht etwas Umgewöhnung, aber ist es das nicht wert? Ist es nicht auch Aufgabe der Medien, eine Gesellschaft darüber aufzuklären, wofür eine Partei wirklich steht? Ganz besonders dann, wenn eine Partei systematisch versucht, eine Gesellschaft immer mehr zu spalten, um die demokratische Grundordnung zu unterlaufen. Ja, auch das ist Aufgabe der Medien!

Zum Schluss noch einige Sätze darüber, wie ich die o.g. ‚Rede‘ von Höcke sehe:
Ich bin mir absolut nicht sicher, ob diese Abartigkeit zu der ’neuen‘ Provokations-Strategie der AfD gehört. Auf der einen Seite erscheint es mir nicht so, auf der anderen Seite traue ich den AfDlern alles zu. Zumal die Statements nicht unbedingt darauf schließen lassen, dass Höcke irgendwelche Konsequenzen zu fürchten hat. Im Gegenteil, stattdessen greift man dort wieder darauf zurück, dass man behauptet: «Ich/Er wurde falsch verstanden». Nein, da ist nichts falsch verstanden worden. Genausowenig, wie die „Storchenfrau“ auf der «Maus ausgerutscht» ist (8) oder Petry in Interviews «falsch wiedergegeben» wurde. (9) Nein, das gehört zur Strategie, mögliche konservative Wähler nicht zu verprellen, wenn  mal wieder jemand absichtlich oder unabsichtlich das wahre Gesicht der AfD gezeigt hat. Wie schon geschrieben, ich bin nicht sicher, ob es eine geplante Provokation war. Jedoch bin ich mir sicher, dass Höcke ganz genau wusste, was er da von sich gibt. Wenn nicht, weiß ich nicht, wie er überhaupt Lehrer werden konnte…

▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫ ▫

Links:

(1)
http://www.stern.de/politik/deutschland/bjoern-hoecke–die-reaktionen-auf-seine-umstrittene-rede-7289586.html

http://www.tagesschau.de/inland/hoecke-rede-109.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/dresdner-rede-von-bjoern-hoecke-afd-waehler-haben-das-recht-auf-irrtum-verwirkt/19278246.html

http://www.mz-web.de/politik/umstrittene-rede-afd-funktionaer-bjoern-hoecke-macht-die-ziele-seiner-bewegung-klar-25578614

http://m.focus.de/politik/deutschland/skandalrede-hoecke-zeigt-zweifelhafte-alternative-auf-entscheidet-er-die-bundestagswahl_id_6520136.html

Nachdem ich mit dem Schreiben dieses Beitrags fertig war und ich mich mal mit Nachrichten lesen befasst habe, weil ich heute morgen nicht dazu gekommen bin, habe ich diesen Kommentar zu Höckes ‚Rede‘ entdeckt. Da ich diesem wirklich nur zustimmen kann, wollte ich ihn nun auch noch mit reinnehmen:

http://mobil.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Die-AfD-hat-ihr-Ziel-erreicht-article19593172.html

(2)
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.die-afd-und-der-rechte-rand-hoecke-verteidigt-holocaust-leugnerin.8604d6e9-a736-42d4-97c5-312157219047.html

(3)  http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/afd-politiker-bjoern-hoecke-prophezeit-ein-neues-mittelalter-13964195.html

https://www.freitag.de/autoren/andreas-kemper/antisemitische-ns-verherrlichung-durch-hoecke

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-bodo-ramelow-nimmt-bjoern-hoecke-nach-afrika-rede-aufs-korn-a-1067560.html

(4)
http://pastebin.com/jQujwe89
(5)
http://m.swp.de/ulm/nachrichten/politik/afd-setzt-im-wahlkampf-auf-provokationen-14200807.html

(6)
https://m.heute.de/interne-partei-papiere-belegen-wie-die-afd-gezielt-provoziert-46353072.html

Hier noch ein Interview, das zwar bereits aus dem Juni letzten Jahres stammt, aber dennoch recht interessant ist:

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2016/06/interview-protestforscher-david-bebnowski.html

(7)  http://www.tagesspiegel.de/medien/nachrichtensendungen-der-ard-tagesschau-nennt-afd-nicht-immer-rechtspopulistisch/14709042.html

http://meedia.de/2016/10/19/petry-spricht-von-einem-wunder-tagesschau-nennt-die-afd-nicht-mehr-rechtspopulistisch/

(8) http://meedia.de/2016/02/09/ich-bin-auf-der-maus-ausgerutscht-twitter-spott-fuer-beatrix-von-storchs-absurde-schiessbefehl-erklaerung/

http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2016-02/beatrice-von-storch-maus-computer

http://www.sz-online.de/nachrichten/wieder-mit-der-maus-ausgerutscht-3438720.html

(9)
http://www.nwzonline.de/politik/petry-hat-sich-mit-zeitung-in-der-wolle_a_6,0,3816792968.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/afd-chefin-was-frauke-petry-nicht-gesagt-haben-will-1.2852182

Beitragsbild von: http://de.dreamstime.com/photos-images/menschlichkeit.html

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