Einige spontane Gedanken zu Trump’s Inauguration


Nun ist es also soweit.

Die Welt steht ab dem heutigen Tag einem US-Präsidenten gegenüber, dem nichts wichtiger ist als er selbst. Es geht ihm ausschließlich um sich und sein Ego, sein Firmenimperium, seine Macht sowie natürlich darum, sein Vermögen zu vermehren. Trump, der narzisstische Protz-Präsident – keine guten Aussichten für die USA und die Welt. Denn natürlich hat die US-Politik Auswirkungen auf die Welt, positive wie negative. Unter Trump sind aus vielerlei Gründen vor allem negative Auswirkungen zu befürchten.

Dafür sprechen nicht zuletzt dessen Äußerungen über die NATO (1), zu Russland (2) und die diversen Ankündigungen von Menschenrechtsverletzungen (3) etc. Sogar ein Handelskrieg scheint nicht ganz auszuschließen zu sein. (4) Es gäbe unzählige weitere Beispiele, doch dann wäre ich wahrscheinlich morgen noch nicht fertig mit diesem Blog-Eintrag. 😌😉
Was jedoch bereits die genannten Beispiele zeigen: Die Menschen interessieren ihn nicht. Sicherlich, er schafft es, die Menschen so einzulullen, dass diese wirklich denken, er würde sich für die einzelnen Menschen interessieren. Doch mit seinem Verhalten zeigt er genau das Gegenteil. Das Problem dabei ist, dass viele seiner Anhänger dies gar nicht sehen wollen oder können. Sie sind (noch?) zu verblendet von Trump’s Ruf als – vermeintlicher – Super-Geschäftsmann. Schon das ist ein Märchen. (5) Doch irgendwie schafft Trump es, sich weiterhin als der Gewinner schlechthin darzustellen. Weshalb er letztlich nichts weiter als ein Blender ist. Ein Blender, der mit Prunk und Protz seine zahlreichen Misserfolge. (6) Dass ihn die realen Sorgen und Probleme der Menschen egal sind, zeigt auch sein Umgang mit „ObamaCare“: Es interessiert ihn nicht, dass plötzlich Tausende von Menschen ohne Krankenversicherung dastehen könnten (7). Zumal der einzige Grund für die Ablehnung von „ObamaCare“ der ist, dass sie vom ersten schwarzen Präsidenten geschaffen wurde. Was mit den Menschen passiert, interessiert weder die Leute in Trump’s Kabinett noch zahlreiche republikanische Kongressmitglieder. Aber klar, die haben ja auch genug Geld, um sich über so etwas keine Gedanken machen zu müssen. Es hat schon eine gewisse Ironie, dass es möglicherweise besonders viele Trump-Anhänger sind, die am Ende ohne Versicherung dastehen könnten. Nun, sie wollten es nicht anders. Sie haben jemanden gewählt, der sich noch nicht einmal annähernd vorstellen kann, wie es ist, nicht zu wissen, wie man durch den Monat kommt. Sie haben jemandem ihr Vertrauen geschenkt, der es nicht verdient hat. Sie haben Trump’s unzähligen Lügen geglaubt oder sie einfach ignoriert. Wer so verblendet ist, nicht hinter die Fassade von Trump zu blicken, muss dann halt nun auch mit den Folgen leben. So ungerecht das auch klingt. But that’s life!
Schließlich müssen diejenigen, die Trump niemals als Präsident wollten, auch mit ihm leben. Insbesondere diejenigen, die voraussichtlich am stärksten unter Trump’s Präsidentschaft zu leiden haben.

Aber nun zu einem weiteren Problem: Die Unwissenheit des neuen US-Präsidenten. (8) Dies ist wahrscheinlich der größte Unsicherheitsfaktor, denn ein Präsident der USA muss wissen, wovon er spricht und, vor allem, was die Folgen seines Tuns sein könnten. Obama hat dies getan und wurde dafür von Trump und anderen Republikanern als «schwach» bezeichnet. Dabei sollten doch gerade die Republikaner noch wissen, wohin Unwissenheit führen kann – so lange sind die beiden Amtszeiten von G.W. Bush nun auch noch nicht her. Und die Folgen von Bush’s Handeln sind bis heute spürbar. Die Republikaner schieben die Schuld an der Entstehung von Daesh zwar gerne Obama und insbesondere Hillary Clinton zu, die Wahrheit ist jedoch: Ohne Bush’s Irakkrieg würde es Daesh heute wohl nicht geben. Aber gut, die Republikaner waren, wie unzählige konservative Politiker, schon immer gut darin, die Schuld anderen zuzuschieben – insofern ist es keine Überraschung. Allerdings ist es schon eine echte Unverschämtheit, dass Trump im Wahlkampf Obama als «Gründer» von Daesh bezeichnet hat. (9) Sicher, Obama hat im Jahr 2011 die US-Truppen komplett aus dem Irak abgezogen. Aber was wäre denn die Alternative gewesen? Wegen Bush’s krankem Krieg auf Jahrzehnte ein Land besetzen? Fakt ist, Daesh existierte schon zu diesem Zeitpunkt – selbstverständlich unter anderem Namen und noch vollkommen unbekannt. Dennoch hat natürlich auch Obama Fehler gemacht, insbesondere im syrischen Bürgerkrieg. So hat Obama eine «rote Linie» gezogen, ist dann jedoch vor einem Einschreiten zurückgeschreckt. Die Gründe dafür sind klar, allerdings wirkt es nun einmal irgendwie „schwach“, wenn gesagt wird «Bis dahin und nicht weiter» und es dann keine Konsequenzen gibt.

Doch zurück zu Trump: Für mich ist der neue Präsident (diese Bezeichnung fällt mir ehrlich gesagt noch ziemlich schwer) in erster Linie ein Opportunist. Wenn man sich mal ansieht, wie oft dieser Mann schon seine Meinung geändert hat, kann man eigentlich nur zu diesem Schluss kommen. Auch seine diversen Kandidaturen lassen darauf schließen: Für einen Ableger der Reform Party, für die Demokraten und seit 2006 die Republikaner. Zwar gibt es auch einige Dinge, die sich nicht unbedingt geändert haben. So z.B. seine Meinung zur NATO, wobei ich den Eindruck habe, dass Trump gar nicht klar ist, wie wichtig die NATO eigentlich für die weltweite Sicherheitsarchitektur ist. Sicherlich könnte die NATO einige Reformen gebrauchen, doch ist sie seit rund 70 Jahren auch in der Lage gewesen, sich an veränderte Bedingungen anzupassen.
Ansonsten jedoch scheint sich Trump vor allem die Meinung zuzulegen, von der er meint, das diese ihn zum anvisierten Ziel bringt. Ich bin mal gespannt, wie lange er seinen jetzigen Kurs durchhalten wird, wenn er vielleicht doch mal merkt, dass eine Mehrheit der Amerikaner diesen ablehnt. Allerdings denke ich, dass er jetzt erst recht in seiner eigenen Realität festhängen wird. Denn jetzt ist er der wahrscheinlich mächtigste Mann der Welt.
Und angesichts seines spaltenden Wahlkampfes ist eines sicher: Trump wird nicht der Präsident aller Amerikaner sein. Das zeigt schon eine Umfrage, laut der 55% der Befragten der Meinung sind, die Feierlichkeiten zur Inauguration seien vor allem Feiern der Trump-Anhängern. Als Obama ins Amt eingeführt wurde, waren ebenfalls 55% der Meinung, die Feierlichkeiten seien für alle Amerikaner. (10) Auch bei seiner Rede nach dem Amtseid machte Trump nicht den Eindruck, dass er zu allen Amerikanern sprach oder überhaupt sprechen wollte. Er ist der Präsident einer Minderheit – auch das zeigt eine Umfrage. (12)

Doch um zu diesem Schluss zu kommen, muss man eigentlich nur hören, was er bisher so von sich gegeben hat und sehen, wie er sich gibt.

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Zu den diversen Artikeln:

(1)
http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-nennt-nato-obsolet-a-1130088.html

http://www.tagesspiegel.de/politik/reaktionen-auf-trump-interview-nato-ist-besorgt-ueber-trumps-aeusserungen/19256356.html

(2)
http://www.aachener-zeitung.de/news/tagesthema/hintergruende/trump-und-russland-eine-geschichte-mit-vielen-unbekannten-1.1531370

http://www.fnp.de/nachrichten/politik/Lawrow-hofft-auf-neue-Beziehungen-zu-USA-nbsp-unter-Trump;art46560,2427894

2014 sprach er übrigens so über Putin’s Russland:
http://m.huffpost.com/de/entry/14220438

(3) http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/us-wahl-donald-trump-folter-gesetze-aendern

https://www.hrw.org/de/news/2017/01/12/world-report-2017-demagogen-bedrohen-menschenrechte

(4)
http://www.dw.com/de/us-firmen-warnen-trump-vor-handelskrieg/a-37171060

http://www.finanztreff.de/news/wird-trump-einen-globalen-handelskrieg-anzetteln/11683891

https://www.merkur.de/wirtschaft/ifo-berechnung-trumps-handelskrieg-bringt-usa-rezession-6984392.html

(5) http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/donald-trump-die-wahrheit-hinter-trumps-milliarden-a-1077765.html

http://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/amerika-donald-trumps-pleiten-pech-und-pannen-14161803.html

http://www.n-tv.de/politik/Trump-ist-ein-Prozesshansel-article17843151.html

(6) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-protzt-mit-flugzeug-hotels-und-strandclub-a-1081527.html

http://www.krone.at/welt/protz-orgie-zu-trumps-einzug-ins-weisse-haus-reiche-partygaeste-story-548684

http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/wirtschaft/So-protzig-fliegt-Donald-Trump-article15618596.html?imageIndex=8

Das gilt übrigens auch bspw. für seine Tochter Tiffany:
http://www.berliner-zeitung.de/politik/tiffany-trump-so-protzt-donalds-juengste-tochter-mit-ihrem-luxus-leben-25098014

(7)
http://www.n-tv.de/politik/Millionen-US-Buerger-bangen-um-Obamacare-article19589167.html

(8)
http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/usa/id_78091938/republikaner-sind-besorgt-ueber-trumps-unkenntnis.html

(9) http://www.ksta.de/politik/totalausfall-donald-trump-nennt-obama–gruender-des-is–24541060

(10)
http://www.gallup.com/poll/202565/americans-inauguration-politics-patriotism.aspx

(11)  http://www.gallup.com/poll/201977/trump-pre-inauguration-favorables-remain-historically-low.aspx
(englischer Sprache)

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Hier noch einige weitere Links zu nicht uninteressanten Artikeln zu dem, was die Welt von Trump möglicherweise zu erwarten hat:

Zu Trump’s Außenpolitik
http://de.reuters.com/article/usa-trump-aussenpolitik-idDEKBN1540NU

Die Präsidentschaft Trumps und der kommende Konflikt zwischen Europa und Amerika

http://www.n-tv.de/politik/Jetzt-kommt-Praesident-Trump-article19578142.html

https://www.merkur.de/politik/donald-trump-wird-us-praesident-kritiker-warnen-zr-7309275.html

Zu Trump-Tweets
http://www.badische-zeitung.de/ausland-1/us-botschafter-haelt-trump-tweets-und-reale-us-politik-fuer-zwei-welten–132660343.html

http://www.stern.de/wirtschaft/news/donald-trump-tweets-im-fakten-check–so-schadet-er-den-us-firmen-7230910.html

Diverses

Pressestimmen zu Trump’s – zu dem Zeitpunkt noch bevorstehenden – Amtseinführung:
http://www.stern.de/politik/ausland/presseschau-zu-donald-trump—im-oval-office-sind-instinkte-nicht-genug–7291128.html

Ein etwas älteres, dennoch sehr empfehlenswertes Interview zu Trump:
http://www.zeit.de/kultur/2016-10/judith-butler-donald-trump-afd-populismus-interview

Zum Schluss noch der Link zu einer interessanten Website mit Studien zu den Elections:
http://www.electionstudies.org/

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