Einige Gedanken zum Thema Islamophobie


Es ist ein schwieriges, vielschichtiges und viel zu selten angesprochenes Thema:
Die immer stärker zu Tage tretende Islamophobie.
Das zeigt nicht nur der „Muslim-Ban“ (der laut Trump keiner sein soll) – im Gegenteil:
Diese Entwicklung gibt es nicht erst seit gestern, sondern sie schwelt seit langem unter der Oberfläche der Gesellschaft. Leider werden solche Entwicklungen aber gerne ‚übersehen‘.
Ich hatte schon länger vor, zu dieser Thematik mal etwas zu schreiben, irgendwie kam aber immer was dazwischen. Nun habe ich gestern morgen einen Artikel gelesen, in dem es um die Darstellung des Islam in den Medien ging, der mich – neben bestimmten anderen Ereignissen – dazu veranlasst hat, einen Text zur um sich greifenden Islamophobie zu verfassen.

Manchmal wirkt es auf mich wie ein Virus, das sich immer weiter in der Welt verbreiten kann, weil es immer mehr Wirte findet. Und das nicht erst seit AfD und Co.
Nein, die Tendenzen zur Islamophobie waren schon lange vorher da.
Schon der Generalverdacht nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York hat gezeigt, wie schnell durch einige wenige Terroristen eine ganze Religion an den Pranger gestellt wird. Seitdem sind die Vorurteile über den Islam immer mehr geworden. Auch, weil diese Problematik kaum ernsthaft thematisiert wurde. Kurz nach 9/11 wurde das Problem des Generalverdachtes zwar immer mal wieder von einigen Medien erwähnt, aber eine wirkliche Positionierung dazu fehlte.

Dabei haben doch gerade die Medien eine große Verantwortung in diesen Dingen, bzw. sollten Medien diese Verantwortung wahrnehmen. Allerdings ist es eher so, dass durch die Art und Weise der medialen Berichterstattung ein Zerrbild entsteht, das zwangsläufig bei vielen Menschen zu einem negativen Bild über den Islam führen muss. So wird bspw. viel zu selten über diejenigen berichtet, die sich integriert haben, denen ihre neue Heimat wichtig ist und die einfach nur an einen Gott glauben, der zufälligerweise „Allah“ und nicht „Jahwe“ genannt wird. Überhaupt wird viel zu wenig objektiv dargestellt, was der Islam wirklich ist. Denn der Islam ist nicht das, was die Terroristen von Daesh, Al-Qaida, Taliban, Al-Shabab, Boko Haram u.v.m. propagieren.
Der Islam ist unglaublich vielschichtig.
Und genau das ist zahlreichen Menschen gar nicht klar.
Sie hören/lesen/sehen immer nur die negativen Ereignisse, die mit einzelnen bzw. wenigen Moslems zusammenhängen. Ob islamistischer Terrorismus, Kriminalität im Allgemeinen, fehlende Integration o. ä. – es wird fast ausschließlich von diesen Problemen berichtet.
Natürlich ist auch das Aufgabe der Medien – das steht nicht zur Diskussion.
Mir geht es lediglich um die fehlende Ausgewogenheit. Ich meine, es ist doch nun wirklich nicht verwunderlich, dass so irgendwann ein Bild entsteht, das mit der Realität rein gar nichts zu tun hat. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass das einigen der Verantwortlichen auch klar ist, dass diesen aber die Quote wichtiger ist. Denn es bringt natürlich nicht genug Aufmerksamkeit, wenn komplexe Themen differenziert dargestellt werden. Mit Vereinfachungen und Verallgemeinerungen bekommt man auch mehr Klicks.
Aber entspricht das noch dem Pressekodex? (2) Sollte nicht unabhängig von Quote und Klicks eine ausgewogene Berichterstattung Vorrang haben?
Aus meiner Sicht: Ja! Und ich bin der Meinung, dass Medien dazu beitragen sollten, zu verhindern, dass sich rechte Hetzer durch einseitige Berichterstattung noch bestätigt fühlen.
Zum Umgang der Medien mit Rechtspopulismus würde mir gerade noch so einiges einfallen. Da das aber hier nicht Thema sein soll, werde ich dazu in den nächsten Tagen noch einen Extra Beitrag schreiben.
Aber zurück zur eigentlichen Thematik:
Es gäbe genug Beispiele für Menschen muslimischer Religion, die integriert sind, hart arbeiten, Steuern zahlen, dich für ihre (neue) Heimat einsetzen und die das Grundgesetz respektieren und einhalten. Im Übrigen gäbe es mindestens ebenso viele Beispiele für Deutsche, die das Grundgesetz – auf deutsch gesagt – einen Dreck interessiert und die man in gewisser Weise auch als schlecht integriert bezeichnen könnte. Das wollen aber die meisten Menschen nicht hören. Aber sind Medien etwa dazu da, das zu schreiben, was die Leute hören wollen? Ich dachte bisher immer, dass Medien vor allem dazu da sind, umfassend zu informieren. Und dieses „umfassend“ ist es, was (mir) oft zu kurz kommt.
Doch natürlich sind die Medien nur ein Teil des gesamten Problems; die Ursachen liegen sehr viel tiefer. Eine wichtige Ursache für die ausufernde Islamophobie sind in besonderer Weise Vorurteile, die über Jahrzehnte kultiviert worden sind und gegen die nie wirklich etwas getan wurde. Dabei wäre es gar nicht so schwer, gezielt etwas gegen Vorurteile zu tun, wenn jeder bei sich selbst anfangen würde. Wenn ich etwas oder jemanden nicht kenne, bin ich logischerweise anfällig dafür, Stereotype als die Tatsachen schlechthin zu sehen. Aber erst, wenn ich mir das bewusst mache, kann ich etwas dagegen tun.
Im Falle des Islams wäre das, mich zunächst einmal umfassend über diese Religion zu informieren. Dazu gehört auch, sich einmal mit dem Koran zu befassen und nicht mit einzelnen, aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten. Und das Wichtigste: Muslime kennenlernen. Sehr viele Moscheen halten einen „Tag der offenen Tür“ ab, wo es genau darum geht, sich gegenseitig besser kennenzulernen. Aber auch außerhalb solcher Tage ist es möglich, mal eine Moschee zu besuchen. Überhaupt, es ist alles andere als schwer, mit Menschen muslimischer Religion ins Gespräch zu kommen.
Ich habe, gerade in letzter Zeit, die Erfahrung gemacht, dass oft schon ein Lächeln ausreicht.
Leider bekommt man auch oft das Gefühl, dass viele Moslems – und in besonderer Weise Muslimas – fast überrascht auf ein freundliches Lächeln reagieren.
Ist es wirklich so selten geworden, dass Frauen nicht schief angeguckt werden, weil sie ein Kopftuch tragen? Ich finde das einfach nur beschämend. Wie soll Integration denn bitte so funktionieren?
Genau, gar nicht. Mir ist klar, dass das viele nicht sehen und/oder hören wollen, aber Integration kann nur dann erfolgreich sein, wenn auch die (aufnehmende) Gesellschaft etwas dafür tut. Es kann nicht sein, dass es heißt: “Das geht uns nichts an.” Sicherlich ist es auch an den Immigranten, etwas für eine gelungene Integration zu tun – bspw. durch Deutschkurse und das Respektieren der im jeweiligen Land üblichen Gepflogenheiten.
Aber: Wenn die „Einheimischen“ den „Neuen“ von vornherein das Gefühl geben, nicht gewollt oder anerkannt zu sein, kann Integration nicht funktionieren. Es ist ganz klar: Integration darf keine Einbahnstraße sein!

Was außerdem wichtig ist: Perspektiven eröffnen.
Gerade junge Menschen brauchen Perspektiven – und zwar unabhängig davon, ob „deutsch“ oder „nicht-deutsch“. Denn ob islamistische oder rechtsextremistische Gruppierungen: Es sind meistens jungen Menschen ohne Perspektiven, die in deren Fänge geraten. Und islamistische wie rechtsextremistische Ideologen sprechen ganz gezielt gerade diese Menschen an, weil sie wissen, dass diese besonders leicht zu manipulieren sind; noch leichter als junge Menschen es aufgrund fehlenden Erfahrungen ohnehin schon sind. Islamistische Rekrutierer wissen ganz genau, wo sie anzusetzen haben, um ihren jeweiligen Opfern eine Gehirnwäsche zu verpassen. Das ist auch ein Grund für die Tatsache, dass sich auch immer wieder junge Leute ohne jegliche ausländische Wurzeln von Islamisten einlullen lassen. Es ist nicht die Religion, sondern fehlende Zukunftsperspektiven. Leider ist es auch eine Tatsache, dass diese Aspekte gerade von vielen Politikern nicht gesehen werden, weil sie nicht ins Weltbild passen oder schlimmer noch, weil sie aus Bequemlichkeit auf Vereinfachungen und Verallgemeinerungen setzen. Aber in einer Zeit, in der immer mehr Menschen auf Vorurteile setzen und auf dreiste Lügen reinfallen, ist es unerlässlich, solch komplexen Themen gerecht zu werden, indem diese differenziert dargestellt werden und aufgezeigt wird, warum es falsch ist, auf sog. einfache Lösungen zu setzen. Denn es gibt keine „einfachen Lösungen“ für komplexe Probleme.

Ein Blick über den „großen Teich“ reicht aus, um zu sehen, wohin Pauschalisierungen und das Vertiefen von Vorurteilen führt.
Nun behauptet Trump, es handle sich gar nicht um ein Einreiseverbot für Muslime (3) – schlimmer noch: Er behauptet, er hätte Mitgefühl mit allen Verfolgten. Mitgefühl?! Als ob Trump wüsste, was das bedeutet! Ihm geht es nur darum, seine zum großen Teil rassistischen Anhänger zu bedienen. Menschlichkeit, demokratische Grundsätze, Menschenrechte und solche Dinge sind ihm zuwider, solange es nicht ihn selbst betrifft. Denn natürlich besteht Trump darauf, dass ihm – und den USA – bspw. Respekt entgegengebracht wird. Etwas, das er anderen verweigert.
Aber immerhin gibt es sehr viele Proteste und kritische Stimmen gegen Trump’s Irrsinn – unter anderem auch aus den eigenen Reihen. (4) Sogar ein Dutzend US-Diplomaten haben gegen das Einreiseverbot protestiert. Sean Spicer dazu lapidar: «Sie sollen entweder mitmachen – oder sie können gehen.» Womit die Trump-Administration wieder einmal zeigt, dass sie keinerlei Kritik gestattet oder annimmt.

Das, was der 45. Präsident der USA seit Amtsantritt veranstaltet, ist der absolute Irrsinn. Dieses Einreiseverbot ist keine Maßnahme, um islamistischen Terrorismus einzudämmen – nein, es wird Islamisten erst Recht in die Karten spielen.
Denn die immer stärker auftretende Islamophobie ist im Prinzip ein Geschenk an die Islamisten. Umso einfacher werden sie es beim Rekrutieren neuer Kämpfer haben, denn die real auftretende Diskriminierung ist leider das beste Argument für deren Zwecke.
Diese Entwicklung geht in die absolut falsche Richtung und es wird Zeit, dass gerade gewisse verantwortliche Politiker das verstehen. Es ist jetzt ja auch nichts, was besonders schwer zu begreifen wäre – im Gegenteil, etwas logisches Denken reicht schon. Und das sollte bei Politikern, die zum Teil seit Jahren in Regierungsverantwortung sind, ja wohl mindestens zu erwarten sein.
Die Realität sieht leider anders aus. Das zeigt sich zurzeit nahezu täglich – jedenfalls, wenn man es sehen will. Aber es sind immer noch zu viele Menschen, die die Augen vor diesem Problem verschließen. Dabei wäre es spätestens jetzt an der Zeit, die Augen zu öffnen und etwas gegen diese Entwicklung zu tun. Und wenn man nur immer wieder darauf aufmerksam macht. Deshalb habe ich diesen Text geschrieben. Auch wenn ich damit nicht viele Menschen erreiche – wenn ich nur einen Menschen damit erreiche, hat sich das Schreiben gelohnt.

In diesem Sinne beende ich diesen Blog-Eintrag nun und wünsche Euch/Ihnen eine geruhsame Nacht.

(1)
http://www.deutschlandfunk.de/islamberichterstattung-mehr-ausgewogenheit-weniger-klischees.761.de.mhtml?dram:article_id=377571

(2)
http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/

(3)
https://web.de/magazine/politik/trumpnennt-einreiseverbot-muslim-bann-32141824

https://www.merkur.de/politik/chaos-und-proteste-trump-bleibt-unbeeindruckt-zr-7341316.html

(4)
http://www.n-tv.de/politik/Trump-verschreckt-die-eigenen-Reihen-article19679124.html

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.amerikas-reaktionen-auf-trumps-einreiseverbot-der-widerstand-gegen-den-muslim-bann-waechst.43c4332b-ce20-45f3-a465-33f36c7858f2.html

http://mobil.n-tv.de/politik/US-Diplomaten-kritisieren-Einreiseverbot-article19679402.html

http://m.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Politik/Obama-reagiert-auf-Trumps-Einreiseverbot

http://www.stern.de/wachsender-widerstand-weltweite-welle-des-widerstands-gegen-trumps-einreiseverbot-7304382.html

http://de.radiovaticana.va/news/2017/01/30/d_trump-dekret_könnte_den_gegenteiligen_effekt_haben/128912

http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Nouri-zeigt-Trump-die-Rote-Karte-_arid,1541012.html

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4 Gedanken zu “Einige Gedanken zum Thema Islamophobie

  1. Das war wirklich ein sehr schöner „Artikel/Kolumne“! Nur der Schluss ist etwas zwiespältig, denn ich finde, egal ob links oder rechts, man muss immer ein offenes Ohr schenken, denn vieles basiert auf Missverständnissen. Und Trump und seine Administration zu verunglimpfen finde ich sehr unpassend, der Beitrag war bis dorthin sehr sachlich und gut formuliert.

    Trump wurde gewählt und dafür gibt es gute Gründe, die Mittelschicht in Amerika wird immer kleiner und ärmer, dies mögen nicht die Leute mit der besten Schulbildung sein, aber meistens die Leute die unsere Wirtschaft überhaupt funktionieren lassen. Diese Leute sehen, wie oft von Minderheiten gesprochen wird, ihnen selbst aber keiner hilft, ob das stimmt oder nicht steht auf einem anderem Blatt! Allerdings trifft da die gleiche Perspektivenlosigkeit zu wie oben von Ihnen behandelt.

    Diese Mittelschicht ist es satt mit politischen Floskeln, von Studenten oder Personen die ein gutes einkommen haben, sagen zu lassen, „hier komm lass uns den helfen und diesen hier auch“. Und ich kann das ehrlich gesagt ein stückweit nachvollziehen. Die Leute die rufen „Refugees welcome“ aber nicht bereit sind einem Obdachlosen auf der Straße wieder aufzuhelfen sind von Doppelmoral so zerfressen das sie ihr eigenes Weltbild nicht mehr reflektieren können.

    Ein weiteres großes Problem ist die besagt Integration, dazu zählt aber auch das zum Beispiel im vereinigtem Königreich 47% der Muslime sagen das es nicht ok wäre wenn ein Lehrer schwul ist, 23% das Gesetz der Sharia gerne in bestimmten Gegenden hätten und 39% sagen das Frauen immer ihrem Mann gehorchen sollten. source: (https://www.theguardian.com/uk-news/2016/apr/11/british-muslims-strong-sense-of-belonging-poll-homosexuality-sharia-law)

    Der Islam an sich ist ja auch rechts/konservativ und alles andere als liberal/links siehe Patriarchalismus, „Schwulenfeindlichkeit“ etc.

    Ich bin diese Diskussion Links gegen Rechts und Konservativ gegen Liberal aber auch mehr als satt, die Medien und allgemein viele Personen wollen das man sich klar einer Richtung anschließt dabei ist ja der Mensch und nicht nur der Islam vielschichtig. Man ist direkt gegen alle Muslime wenn man dies sagt und man ist nicht patriot genug wenn man liberale Standpunkte vertritt.

    Man sollte selbst nie Ohren und Augen verschließen und dies nicht nur der Opposition vorwerfen.

    Ich hoffe das ich jetzt nicht als konservatives rechtes Schwein angesehen werde, wie gesagt ich stimme mit sehr vielem überein aber wir sind ja alle vielschichtig!

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  2. Erst einmal vielen Dank für den Kommentar.

    Ja, natürlich ist es unerlässlich, jedem Menschen unabhängig von politischer Gesinnung, Religion, Nationalität etc. Gehör zu schenken. Leider wird einem das in letzter Zeit nicht gerade einfach gemacht. Will man bspw. die Sorgen eines sog. besorgten Bürgers hinterfragen, um deren Sichtweise wirklich verstehen zu können, kommt es leider viel zu oft vor, dass die „Antwort“ aus allem besteht, nicht aber aus der Antwort auf die eigentliche Frage. Schon dadurch wird eine wirkliche, konstruktive Diskussion unmöglich gemacht. Weist man dann darauf hin, wird man gleich als „linksgrün-versiffte Volksverräterin“ o. ä. bezeichnet. Das kann auf die Motivation gehen…

    Was mich etwas wundert, ist, dass ich Trump und seine Administration verunglimpft haben soll. Ich habe meine Meinung geäußert. Dass dieser Teil etwas emotional geraten ist, liegt einfach daran, dass Trump’s bisheriges „Regieren“ für mich mehr als besorgniserregend ist. Ja, Trump wurde gewählt. Allerdings, weil es das Wahlmännersystem gibt. Ich weiß, er behauptet, die Millionen mehr Stimmen für Clinton seien von Illegalen gekommen. Wer jedoch, wie bspw. Trump’s Chefberater Bannon der Meinung ist, nur weiße US-Staatsbürger sollten wählen dürfen, hält wahrscheinlich jeden afro-amerikanischen und lateinamerikanischen US-Staatsbürger für einen Nicht-Wahlberechtigten. Nur hat das wenig mit der Realität zu tun. Und das die Trump nicht interessiert, zeigt er fast täglich.
    Okay, es mag oberflächlich betrachtet „gute Gründe“ geben, warum Menschen Trump gewählt haben. Die genannten Probleme gibt es, keine Frage. Wenn man aber mal genau hinschaut, kann man durchaus erkennen, dass das, was Trump propagiert, die Lage nicht besser werden wird.
    Bsp. Strafzölle: Die Preissteigerungen auf dem US-Markt werden die Konsumenten in ihren Geldbörsen spüren – natürlich auch Trump-Wähler.
    Bsp. Protektionismus: Es ist ganz logisch, warum Protektionismus der eigenen Wirtschaft – auf Dauer – schadet. Es mag vll. kurz funktionieren, aber auf lange Sicht wird auch das gerade Trump-Wählern schaden.
    Bsp. Einreiseverbot: Es betrifft komischerweise keine Staaten, in denen Trump wirtschaftliche Interessen hat; so hat er bspw. in Dubai einen Golfplatz – die VAE sind nicht auf der Liste; in Indonesien sind seine Firmen ebenfalls aktiv – auch nicht auf der Liste. Dazu kommen Länder wie Saudi-Arabien, Kuwait und Ägypten, aus denen bspw. einige der 9/11 Terroristen stammten. Gerade in Saudi-Arabien haben die USA nicht zuletzt starke wirtschaftliche Interessen. Dafür ist auf der Liste bspw. der Irak genannt, mit dem bspw. gemeinsam gegen Daesh kämpft. Außerdem trifft es die Falschen. Menschen mit doppelten Staatsbürgerschaften – darunter auch (deutsche) Politiker/innen und Künstler/innen-, US-Bürger, die Eltern mit einer der sieben Nationalitäten hat – sogar einem 5-jährigen wurden Handschellen angelegt. Und deshalb wird diese Entscheidung leider nur zu mehr Hass führen und Terroristen wird das Rekrutieren so noch einfacher gemacht. Und das sind nur einige Gründe, warum ich der Meinung bin, dass diese Einreiseverbote grundfalsch sind.
    Genauso könnte ich noch unzählige Bsp. aufzählen, weshalb – tut mir leid – Trump für eine Bedrohung halte.

    Es ist übrigens ein ziemlicher Trugschluss, dass die Leute, die gegen Trump (bzw. Rechtspopulisten und Rechte im Allgemeinen) alle gute Jobs und viel Kohle haben. Nein, im Gegenteil! Es gibt unzählige Menschen, die selber nichts haben und denen dennoch klar ist, dass das, was die Rechtspopulisten propagieren nur Parolen oder maximal Scheinlösungen sind. Abschottung bspw. stärkt die eigene Wirtschaft nicht, sie schwächt sie. Und die gezielte Spaltung der Gesellschaft führt ebenfalls zu nichts Gutem. Es kann nicht sein, dass man als ‚Volksverräter‘ bezeichnet wird, weil man anderer Meinung ist, als bspw. AfD-Anhänger. Auch Trump und seine Leute scheint Kritiker für Verräter zu halten. Und ausgerechnet diese Rechtspopulisten tun so, als träten sie für Meinungsfreiheit ein?! Ich halte eine solche Entwicklung für äußerst gefährlich. Dasselbe gilt für das Ausspielen der ärmsten Gesellschaftsgruppen gegeneinander. Zumal die meisten rechtspopulistischen Parteien, so auch die AfD, alles andere als sozial sind. Um das zu sehen, muss man sich „nur“ mal das Parteiprogramm der AfD antun. Es stimmt auch nicht, dass Menschen, die der Meinung sind, dass es unerlässlich ist, Schutzsuchende aufzunehmen, bspw. Obdachlose verachten und ihnen nicht helfen. Zumal die beiden Probleme gar nicht vergleichbar sind. Im Übrigen finde ich es äußerst zynisch, wenn ausgerechnet Rechte – wie schon oft geschehen – davon reden, dass „deutsche Obdachlosen“ wegen der Flüchtlinge vergessen werden. Das kommt ausgerechnet aus einer Richtung, wo es scheinbar ein „Hobby“ ist, Obdachlose (halb) tot zu prügeln. Sorry, aber so etwas ist zynisch.
    Und das ist auch der Grund, warum ich seit meiner Jugend gegen rechte Gesinnungen bin. Und zwar nicht, weil mich die vermeintliche „linksgrün-versiffte Systempresse“ mich beeinflusst hat, sondern weil ich meine Erfahrungen gesammelt habe. Vielleicht kommt noch dazu, dass ich erzkatholische, stockkonservative Eltern hatte, die auch nicht unbedingt wenige Vorurteile gegenüber „Ausländern“ haben. Ich habe sogar Ärger bekommen, wenn ich bspw. italienische Musik gehört habe. Doch ich habe meine eigenen Erfahrungen gesammelt, die absolut gegen die Richtigkeit dieser Vorurteile und Ressentiments sprachen.
    Es gibt halt einfach unter jeder Nationalität, Religion, Kultur etc. immer Menschen, die extremistisch, kriminell oder was auch immer sind. Das ist nun einmal eine Tatsache. Wer wider besseres Wissen anderes behauptet, ist für mich nicht ehrlich.
    Im Übrigen finde ich es besorgniserregend, dass in politischen, gesellschaftlichen und sozialen Fragen offenbar subjektive Gefühle wichtiger sind, als ein objektiver Umgang mit den Fakten und Tatsachen. Und es ist bspw. eine Tatsache, dass der Großteil der Muslime einen friedlichen Islam leben und die Instrumentalisierung ihrer Religion durch die bestialisch mordenden Terroristen verabscheuen.
    In dem Guardian-Artikel steht übrigens auch folgendes:
    «The research suggests that 86% of British Muslims feel a strong sense of belonging in Britain, which is higher than the national average of 83%. A large majority (91%) of the British Muslims who took part in the survey said they felt a strong sense of belonging in their local area, which is higher than the national average of 76%.
    Of those questioned, 88% said Britain was a good place for Muslims to live in, and 78% said they would like to integrate into British life on most things apart from Islamic schooling and some laws.»
    Das ist nicht wenig.
    Ja, natürlich gibt es auch Probleme, so z. B. betreffend Homosexualität und Gelichberechtigung von Frauen.
    Das ist allerdings auch unter Rechtspopulisten nicht selten, eher im Gegenteil. Das Frauenbild der AfD bspw. erinnert mich an die 50er-Jahre, Homosexualität wird von den meisten negativ gesehen. Dasselbe gilt für strenggläubige Christen, wie ich es bspw. durch meine Eltern erfahren habe.
    Meistens kommt nach diesen Äußerungen dann der Vorwurf, ich verharmlose das Frauenbild des Islam oder ähnliches. Dabei weise ich nur darauf hin, dass es diese Ressentiments überall gibt. Ein Problem ist das immer, egal aus welcher Richtung es kommt.

    Andersherum ist das auch nicht wirklich besser. Immer wieder werden Leute beschimpft, diffamiert und sogar bedroht, weil sie eine Meinung äußern, die gewissen Leuten nicht passen. Die reden aber über Meinungsfreiheit, gleichzeitig treten sie diese mit Füßen. Medien aussperren, weil diese – oftmals berechtigterweise – kritisch über AfD & Co. berichten?! Es kann doch nun wirklich nicht allzu überraschend sein, dass, wenn gewisse Leute beleidigend etc. werden, man irgendwann ebenfalls mehr oder weniger ungewollt auf dieses Niveau runtergeht. Überhaupt haben diese Menschen ein kurioses Demokratieverständnis.
    Aber, wie geschrieben, das ist meine Meinung, die sich einfach über eine lange Zeit entwickelt hat und für die ich unzählige Gründe habe. Nebenbei: Ich stimme zwar in vielen Dingen mit linken Parteien überein, hätte aber auch so einiges am linken Spektrum zu kritisieren.

    Und warum sollte ich Sie als «konservatives rechtes Schwein» sehen?
    Ich halte es für extrem wichtig, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, nur dann ist eine Demokratie lebendig. Leider zeigt sich seit einiger Zeit, dass Meinungsfreiheit eben auch Grenzen hat. Für mich bspw. sind diese erreicht, wenn systematisch ganze Bevölkerungsgruppen an den Pranger gestellt werden, wenn man beschimpft und bedroht wird, weil man seine Meinung vertritt und wenn dreiste Lügen und Diffamierungen verbreitet werden. Hass verbreiten hat für mich nichts mit Meinungsfreiheit zu tun.
    Doch das ist meine rein subjektive Einschätzung.
    Ja, wir sind alle vielschichtig. Und das ist auch gut so; es wäre langweilig, wenn alle gleich gestrickt wären. Deshalb ist mir auch Vielfalt im Allgemeinen wichtig.
    So, jetzt ist die Antwort doch etwas lang geworden, aber bei dieser Thematik passiert das bei mir schnell…😌

    Liebe Grüße, Marisa P.

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  3. Sehr schöner Kommentar. Der Text spiegelt auch meine Gedanken wieder. Es gibt auch nicht den Islam, genauso wenig wie es den Deutschen gibt. Allerdings fällt mir auf, dass viele Muslime sich nur als Opfer sehen und nicht die problematischen Suren kritisch hinterfragen. Heute würden viele Christen keine Homosexuellen umbringen wollen, obwohl in der Bibel diese getötet werden. In vielen Bereichen haben sich die muslimischen Gläubigen nicht reformiert. Auch sind viele islamische Länder patriachial beeinflusst z. B. zu wenig Frauenrechte. Das Wichtigste ist der Dialag und an dem mangelt es in vielen Talkshows. Meist werden dann Extreme eingeladen z. B. Pegida Anhänger trifft auf Niqab Trägerin. Führt dies zu einem ausgewogenen Bild?

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  4. Was ich auch noch interessant finde wie toll viele AfDler Trump finden und sie nicht dabei bedenken, dass er eventuell Strafzölle gegen deutsche Produkte wie BMW erheben wird. Dadurch sind Arbeitsplätze gefährdet. Wo ist da ihr Patriotismus für ihre Heimat, die sie immer beschwören?

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