Zum unfassbaren Verhalten sogenannter BVB-‚Anhänger‘


Es passiert immer wieder: Der Fußball wird zur Nebensache, weil Leute, die oft auch in den Medien als ‚Fans‘ bezeichnet werden, zu zivilisiertem Verhalten nicht in der Lage sind. Die Euro 2016 hatte da auch einige unschöne Vorfälle zu „bieten“, doch auch in der Bundesliga gibt es immer wieder Hass und Gewalt. Bei einigen Vereinen passiert sehr selten etwas, bei anderen liest man regelmäßig von Gewaltorgien vor, während oder nach einem Spiel. Dazu gehört (leider) auch der BVB – mein geliebter BVB.
Mich regt schon immer das andauernde Einsetzen von Pyrotechnik auf, aber was sich sogenannte BVB-‚Anhänger‘ am Samstag geleistet haben, ist unter aller Sau. Vor dem Anpfiff des Spiels BVB gegen RB Leipzig um 18.30 Uhr konnten sich RBL-Fans in Dortmund alles andere als sicher fühlen. Steine, Pyrotechnik, Flaschen, Mülleimer und Bierkästen flogen in Richtung Leipzig-Fans und nicht einmal vor Frauen und Kindern wurde halt gemacht
Selbst der Einsatzleiter der Polizei war vollkommen schockiert und sagte, er habe noch nie in derart hasserfüllte Fratzen geblickt.(1) Und das sagt jemand, der mit Sicherheit in seiner Polizeilaufbahn schon viel erlebt hat. Es ist beschämend und widerlich – und das ist noch untertrieben!

Auch im Stadion selbst gab es zahlreiche Anti-RBL-Plakate. An sich wäre das nicht das Problem, denn sicherlich gibt es genug, was an RB Leipzig zu kritisieren ist. Aber was auf einigen dieser Banner stand, war keine Kritik – nein, es waren persönliche Angriffe auf RBL-Verantwortliche. Da wurde Ralf Rangnick zum Suizid aufgefordert und wegen seines früheren Burnouts lächerlich gemacht. So etwas ist ekelerregend und gehört sich einfach nicht! Das hat etwas mit Anstand und Moral zu tun. Burnout mögen vielleicht viele für eine Art „Modekrankheit“ halten, aber es ist eine ernsthafte Erkrankung. Nicht wenige haben wegen eines Burnout-Syndroms versucht, sich umzubringen; bei vielen blieb es nicht beim Versuch. Ich persönlich sehe ohnehin zwischen Burnout-Syndrom und Depressionen keinen Unterschied – ersteres klingt, oberflächlich betrachtet – höchstens etwas ‚besser‘.
Nein, für solche Auswüchse habe ich einfach kein Verständnis.
Was haben diese Leute überhaupt davon?! Und wie kann man nur so von Hass zerfressen sein, dass man vor keiner Schweinerei zurückschreckt?!
Ich kann es nicht nachvollziehen.

Wie ich schon schrieb, es gibt vieles, was an dem Geschäftsmodell von RBL zu kritisieren ist, und ich bin auch absolut keine Sympathisantin dieses Vereins. Es hat aber nichts mit Kritik zu tun, wenn man sich so verhält. Beleidigungen, Diffamierungen, Gewalt und Drohungen zu äußern, hat rein gar nichts mit dem Üben von Kritik zu tun! Kritik sollte konstruktiv sein!
Abgesehen davon wäre etwas mehr Ehrlichkeit nicht schlecht. Immerhin ist RBL nicht der einzige Verein, bei dem es um Kommerz geht. Klar, ohne Kommerz könnte heute kein Fußballclub mehr in der obersten Liga lange überleben – das ist leider so. Bei Leipzig ist die Situation höchstens dadurch anders gelagert, dass RBL – mal ganz vereinfacht formuliert – vorrangig dazu da ist, die Marke „Red Bull“ zu vermarkten. Letztlich heißt der Verein nur „Rasenballsportler Leipzig“, weil der DFB „Red Bull Leipzig“ nicht zugestimmt hat, da die Namensgebung zu Werbezwecken laut Satzung des DFB unzulässig ist. Auch beim Wappen gab es Probleme. (2) Dazu kommt, dass RBL nicht ganz unten anfangen musste, sondern in der Oberliga starten konnten. Dass es da zu Spekulationen kommen kann, ist kaum verwunderlich. Es gäbe noch einige weitere Gründe dafür, warum einem das Konstrukt RBL suspekt sein kann. Aber: Es gibt noch einige andere Vereine in der Liga, bei denen ebenso nicht viel mit der oft bemühten „Tradition“ ist:
Da wären Wolfsburg (VW),
Hoffenheim und Leverkusen, das eigentlich sehr wohl ein Verein mit „Tradition“ ist, gilt vielen jedoch auch als „Werbeclub“ für Bayer.
Dortmund selber ist an der Börse.
Vom Super-Kommerz-Club Bayern München mal ganz zu schweigen. Das sind nur einige Beispiele, warum ich die Auswüchse zum Teil schon für stark übertrieben halte. Was ich allerdings sehr fragwürdig finde, dass jetzt Leipzig-Fans Watzke persönlich verantwortlich machen für das, was am Samstag passiert ist. (3) Natürlich hat Watzke nicht mit Kritik gespart – und das kann man durchaus kritisieren -, aber das kann doch keine Erklärung für derartige Hassausbrüche sein. Zumal Watzke auch schon andere Clubs (z.B. den FCB) kritisiert hat – und das nicht allzu selten. Auch finde ich es nicht in Ordnung von RBL-Fans, dass diese nun alle «Dortmunder» gleichermaßen als (mit-) verantwortlich bezeichnen. Von wegen «die gewalttätigen Dortmund-Fans». So dreht man die Eskalationsspirale aber noch zusätzlich etwas auf. Ich will mich nicht mit irgendwelchen asozialen Idioten (Entschuldigung für die Ausdrucksweise) auf eine Stufe stellen lassen! Zehntausende Dortmund-Fans im Stadion waren (und sind) ganz normale Fans, die einfach nur ‚ihren‘ BVB sehen wollen. Selbst wenn es 1.000 vermeintliche Anhänger waren, ist das immer noch eine Minderheit im Vergleich zu all den Hunderttausenden ’normalen‘ BVB-Fans. Pauschalisieren hilft auch hier nicht, vermeintlich leichte und schnelle Erklärungen. Der Hass, der sich in Dortmund entladen hat, kann nicht mit Kritik am Konzept von RBL erklärt werden. Um so etwas zu erklären, braucht es mehr. Denn ein solcher Hass ist abnormal, vielleicht sogar pathologisch.
Sicher ist: Distanzieren und verurteilen ist unerlässlich, aber nicht ausreichend. Deshalb hoffe ich sehr, dass der BVB wirklich hart durchgreift und die Aufarbeitung gut vorangeht. (4)

Außerdem müssen alle Fußballclubs etwas gegen ihre nicht vor Gewalt zurückschreckenden ‚Anhänger‘ unternehmen. Es muss mehr passieren, als sich immer nur zu distanzieren, wenn mal wieder etwas passiert ist. Die Vereine müssen endlich nach Lösungen suchen. „Stadionverbot und gut“ kann nicht die Lösung sein. Den Tätern muss klar sein, dass sie nicht einfach so davon kommen. Und natürlich wäre auch Prävention eine wichtige Sache. Borussia Dortmund setzt sich bspw. für Aufklärung in Sachen Rechtsextremismus ein. Vielleicht sollte so etwas in der Art von jedem Verein für das Verhindern von „Nachwuchs“ für gewaltbereite Ultras und/oder Hooligans versucht werden. Denn jeder Ansatz wäre besser als keiner. Aber das ist nur meine Meinung zu dem Ganzen – oder besser ein Teil meiner Meinung zu der Thematik im Allgemeinen -, die ich einfach mal noch loswerden musste.

Stellungnahme des BVB vom 05. Februar 2017:

Screenshot eines Teils der Stellungnahme des BVB
Screenshot eines Teils der Stellungnahme des BVB
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http://www.bvb.de/Spiele/Spielberichte/2016/Bundesliga/19-Borussia-Dortmund-Rasenballsport-Leipzig/Nachbericht/Stellungnahme-von-Borussia-Dortmund

«Wir arbeiten mit Hochdruck an der Aufarbeitung»:
http://www.bvb.de/News/Uebersicht/Wir-arbeiten-mit-Hochdruck-an-der-Aufarbeitung

Links zu den Artikeln:

(1) Artikel zu der Gewaltorgie in Dortmund:
http://Mobil.ruhrnachrichten.de/sport/bvb/Taetlicher-Angriff-auf-Leipzig-Fans-Polizei-Einsatzleiter-Freyhoff-Bin-schockiert;art11635,3209721

http://mobil.n-tv.de/sport/fussball/-RB-verliert-ein-Spiel-Dortmund-seine-Ehre-article19689377.html

Kommentar:
http://www.rp-online.de/sport/fussball/borussia-dortmund/borussia-dortmund-hass-orgie-gegen-rb-leipzig-schadet-dem-klub-aid-1.6585528

(2)
http://www.handelsblatt.com/sport/fussball/rb-leipzig-aus-red-bull-wird-rasenballsport/8546098-2.html

Wappenänderung:
https://www.welt.de/sport/fussball/article127277746/RB-Leipzig-darf-nur-mit-neuem-Wappen-in-Liga-zwei.html

(3)

http://m.spiegel.de/sport/fussball/krawalle-bei-borussia-dortmund-vs-rb-leipzig-hans-joachim-watzke-mitverantwortlich-a-1133310.html

(4)

http://www.derwesten.de/erste-taeter-wohl-schon-identifiziert-bvb-boss-watzke-spricht-von-ermittlungserfolgen-id209519849.html

das

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6 Gedanken zu “Zum unfassbaren Verhalten sogenannter BVB-‚Anhänger‘

  1. Als ob „Geschäftsmodelle“ das Problem sind. Fußball ist ein Spiel und sollte es bleiben, aber Sponsoren, Überbezahlung, Alkohol und Events bringen zu Tage was wirklich in so einigen Menschen steckt. Körperverletzung, Sachbeschädigung und Co beim Fußball ist einfach nur ein Armutszeugnis für die Täter.

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    1. Ja, Fußball sollte ein Spiel bleiben. Aber allein schon die in unglaubliche Höhen schießenden Transfersummen und Gehältern führen dazu, dass Fußball nur noch Geschäft ist.

      Ehrlich gesagt, wäre dieser Vorfall doch mal geeignet, sich endlich zu einem Alkoholverbot im und vorm Stadion durchzuringen. Das ist für viele zwar unvorstellbar, aber ginge es nach mir, gäbe es das schon lange. Auch wenn damit die Ursachen dieses extremen Hasses nicht zu erklären sind, spielt Alkohol trotzdem eine nicht zu verharmlosende Rolle, da er bspw. die Hemmschwelle sinken lässt.
      Ja, es ist ein Armutszeugnis für die Täter und eine weitere Warnung an alle Verantwortlichen in der Bundesliga, endlich wirklich etwas zu tun, um solche Gewaltorgien zu vermeiden. Ob die Warnung ernst genommen wird – man wird sehen…😩😐

      Liebe Grüße, Marisa

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      1. Es gibt beim DFB ein Alkoholverbot vor und während des Spieles. Aber solche Verbote kannst du halt nicht für die ganze Stadt ausgeben, sondern nur für das Stadion. Dann gehen die Leute halt erst zwei Straßen weiter in die Kneipe, kippen was und gehen dann zum Stadion. Man kann nur auf Vernunft setzen, aber die fehlt bei so einigen völlig.
        Ich denke es ist auch die Art und Weise wie Fußball propagiert wird. Es gibt so viele Sportarten, aber es zählt hauptsächlich Fußball. Jeder will ein Kicker sein und wenn es daheim vor der Glotze ist. Jeder kann es besser, Fußballer sind Volkshelden, keine Sportler. Dieser Kult ist das Problem.
        Einen schönen Mittwoch
        Asmaa

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  2. Schöner Kommentar. Ich war im Stadion, selten habe ich mich beim Fußball so geekelt. Manchen ist ihre „Tradition“ wichtiger, als Teil der Evolution zu sein. Und ich bin selbst Anhänger eines sogenannten Traditionsvereins. Insgeheim hoffe ich, dass Leipzig Deutscher Meister wird. Just for fun.

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    1. Danke; ja es ist ekelerregend. Habe die Bilder ’nur‘ im TV gesehen, doch der dort freigelassene Hass war quasi noch durch den Fernseher zu spüren.
      Ja, „Tradition“… Bei den heutigen Zuständen nur noch schwer zu erkennen. Marketing hier, Kommerz da und ganz zu schweigen von den durch die Decke schießenden Transfersummen und Gehältern.
      Platzen könnte ich, wenn ich daran denke, dass ausgerechnet Ultras gerne so tun, als wären sie diejenigen, die überhaupt noch die „Tradition“ hochhalten. Tolle Tradition, gegnerische Vereine zu beleidigen, den Fans gegenüber gewalttätig zu werden und noch nicht einmal vor Kindern und Frauen halt zu machen. Wenn ich sowas höre, könnte ich platzen.
      Und überhaupt, dass diese Leute auch noch in manchen Medien als Fans und Anhänger bezeichnet werden, ohne diese Wörter in Anführungszeichen zu setzen oder „sogenannt“/“vermeintlich“/“angeblich“ hinzuzufügen. Denn wer wirklich Fan eines Vereins ist, würde schon allein deshalb so etwas nicht tun, weil sie eben nicht dem Verein schaden wollen. Aber genau das tun die selbsternannten ‚Fans‘, sie schaden vor allem dem Verein. Und was sie den Menschen mit ihren Widerwärtigkeiten antun – es sind längst nicht nur physische Verletzungen, die psychischen Auswirkungen sind viel schlimmer -, scheint sie noch nicht einmal zu interessieren. Als würden die dem jeweiligen Gegner absprechen, ganz „normale“ Menschen zu sein. Ich werde es nie verstehen, was diese Leute davon haben…

      Liebe Grüße, Marisa P. 🌸

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