Zum Umgang der Medien mit den sogenannten Rechtspopulisten


Dieses Mal möchte ich mich mit dem Umgang der Medien in Sachen „Rechtspopulismus“ beschäftigen, da ich finde, dass dieser oftmals – vorsichtig formuliert – recht suspekt erscheint. Wie in anderen Blog-Einträgen stellt auch dieser Text natürlich nur meine persönliche Meinung dar.

Ob Trump, AfD oder andere sogenannte Rechtspopulisten – sie alle wären ohne die Medien niemals da, wo sie jetzt sind. Damit haben sie – neben Lügen und Diffamierungen – gemeinsam, dass sie sich eine Strategie zum Stimmenfang zu eigen gemacht haben, die man mit wenigen Worten zusammenfassen kann: Provokationen und Manipulationen.
Sie haben von Anfang an darauf vertraut, dass sie so die Aufmerksamkeit bekommen, die sie wollten. Gleichzeitig haben sie recht schnell damit angefangen, das Vertrauen in die Medien zu stören. Was da nicht alles schon für Bezeichnungen zu hören waren: Ob ‚Lügenpresse‘ oder ‚links-grün versiffte Systemmedien‘ (mehr „Kreativität“ könnte man von Rechten kaum erwarten) – Hauptsache, immer mehr Leute verlieren das Vertrauen in die Medien.
Während gegen die „normalen“ Medien gehetzt wird, propagieren die neuen Demagogen, dass nur sie die Wahrheit „verkünden“. Dabei ist schon einer der Slogans der AfD: «Mut zur Wahrheit!» eine Riesen-Lüge und sollte besser „Mut zur Lüge!“ lauten. Denn dass AfDler, wenn es um sie selbst geht, so gar nichts von Wahrheit halten (1), kann mittlerweile nur noch denen nicht klar sein, die schon vollkommen geblendet sind. Dafür ist längst nicht nur die die Facebook-Blase verantwortlich – im Gegenteil. Denn die „normalen“ Medien scheinen zu großen Teilen vor AfD und Co. eingeknickt zu sein. Besonders auffällig ist das bei den „öffentlich-rechtlichen“ Medien: Ständig sitzt irgendein AfDler in irgendeiner Talkshow, die ARD will die AfD gar nicht mehr als „rechtspopulistisch“ bezeichnen. Wäre okay, wenn sie stattdessen „rechtsextremistische“ Partei sagen/schreiben würden, da sie genau das sind. Dann wäre zwar das Geschrei der AfD-Anhänger groß, aber immerhin wäre es die Wahrheit. Stattdessen tut man der AfD den Gefallen, sie wie eine ganz normale Partei zu behandeln.
Doch was ist „normal“ an einer Partei, die mit mehreren Punkten ihres Programmes gegen das Grundgesetz verstößt?!
Die ständig diffamiert, droht, rassistische Ressentiments salonfähig machen will und Lügen verbreitet?! Entschuldigung, aber das ist nicht normal!
So wird die Gesellschaft immer weiter gespalten und der Hass wird salonfähig gemacht. Das kann nicht der richtige Weg sein.
Klar ist natürlich auch, dass man solche Parteien nicht einfach ignorieren kann. Es ist ohne Frage wichtig, über deren wahre Absichten zu informieren, ihnen muss die ‚bürgerliche‘ Maske entzogen werden. Wenn allerdings Medien anfangen, ihre Art der Berichterstattung zu verändern, weil sie bspw. als ‚Lügenpresse‘ bezeichnet werden, läuft etwas schief. Denn das bestätigt diese laute Minderheit doch erst!
Ein Beispiel wäre die Debatte um die Nennung der Nationalitäten von (“nicht-deutschen“) Straftätern. Letzten Endes wurde solange gehetzt und diffamiert, bis zahlreiche Medien den Pressekodex (2) recht weit ausgelegt haben. Seither ließ sich durchaus feststellen, dass die Nationalitäten immer häufiger genannt wurden. Und das betraf eben längst nicht nur Straftaten, die von starkem öffentlichem Interesse waren (oder es nicht waren).
Immerhin hat der Presserat entschieden, an der bisherigen Handhabung festzuhalten und die Richtlinie 12.1 nicht zu verändern (3). Und das ist auch absolut richtig so. Es hat nichts mit Zensur zu tun, wenn es um den Schutz von Persönlichkeitsrechten geht. Und die sollten jedem Menschen zugestanden werden. Zumal es sich nicht um ein festgeschriebenes Gesetz handelt, sondern eben um eine Richtlinie. Es liegt eben im jeweiligen Ermessen der Redaktionen, so oder so zu entscheiden. Dass man sich aber bei dieser Entscheidung scheinbar von einer lautstarken Minderheit beeinflussen lässt, kann nicht sein. Da muss sich dann niemand wundern, warum (auf Deutschland bezogen) die AfD in Umfragen auf zweistellige Werte kommt. Natürlich fühlen deren Sympathisanten und Anhänger sich durch solche Verhaltensweisen erst recht bestätigt. So nach dem Motto: Wenn die Medien jetzt die Art der Berichterstattung ändern, sind wir im Recht. Nein, das kann keine Lösung sein.

Ein perfektes Beispiel, wie man mit chronischen Lügnern umgeht, hat erst kürzlich ein Journalist von CNN geliefert. Es handelte sich um ein Interview mit Kellyanne Conway (4) – also der Frau, die nicht nur den Begriff „alternative Fakten“ (5) geschaffen hat, sondern auch noch ein Massaker erfunden (6) hat. Der Interviewer, Jake Tapper, hat nicht nur die richtigen Fragen gestellt, das gesamte Auftreten hätte kaum besser sein können, wenn man es mit jemandem wie Conway zutun hat. So fing Conway nicht nur an einigen Stellen regelrecht an zu stammeln, sie war sogar gezwungen ihrem Chef, dem Präsidenten, zu widersprechen. Genau so entlarvt man pathologische Lügner, die vor allem ihren Anhängern suggerieren wollen, dass nur sie die Wahrheit sprechen.
Und genau so sollte man auch AfD-PolitikerInnen ihre Maske entziehen. Das ist bisher zu selten passiert, obwohl es genug Möglichkeiten dazu gäbe.
Stattdessen lässt man zu, dass der/die AfD-Politiker/in am Ende sogar punkten kann – ganz besonders in Talkshows. Dabei gäbe es unzählige Argumente, die man Behauptungen von AfDlern entgegenstellen könnte, ebenso könnten die richtig gestellten Fragen für eine (Selbst-) Entlarvung sorgen. Woran liegt es also, dass hier zu wenig getan wird? Die meisten Medien gehen auf jede noch so verrückte Provokation ein, womit sie dieselben Fehler wie die US-Medien im Wahlkampf machen.
Was es dagegen bräuchte: Das ernsthafte, ruhige Beschäftigen mit dem, was diese Partei eigentlich wirklich will. Eine objektive Berichterstattung, die erkennbar auf Fakten und Tatsachen basiert, die nicht auf das Niveau der Rechten geht. Im Übrigen sollte Journalisten auch zugestanden werden, ihre eigene Meinung äußern zu können. Da fällt mir bspw. Dunja Hayali ein, die von rechten Hetzern wegen ihres (privaten) Engagements bspw. gegen Rechts angefeindet wird. Gewisse Leute sprechen ihr in gewisser Weise sogar ab, Journalistin zu sein, indem sie sie als Aktivistin bezeichnen. All das natürlich, ohne die Frau zu kennen und einzugestehen, dass jeder Mensch – und damit auch Journalisten – das Recht auf eine eigene Meinung hat.
Problematisch wird es, wenn diffamierende und beleidigende Äußerungen mit Meinungsfreiheit verteidigt werden. Schließlich hat auch Meinungsfreiheit gewisse Grenzen, weshalb Beleidigungen etc. damit nicht mit Kritik an der Regierung o.ä. gerechtfertigt werden können. Denn Kritik ist etwas völlig anderes. Doch statt mal die Menschen zu hören, denen es um konstruktive Kritik am Verhalten, diesen oder jenen Entscheidungen der Regierung u.ä. geht, lässt man sich von denen beeinflussen, die am lautesten sind.
Leider werden jetzt seit Jahren dieselben Fehler wiederholt, aber es ist immer möglich, etwas zu verändern – auch die Art und Weise der Berichterstattung. Gerade in diesem Jahr der Bundestagswahl wäre das wichtig. Auch, wenn ich mich wiederhole, die Aufgabe der Medien ist auch, aufzuklären und zu kritisieren, wenn es etwas zu kritisieren gibt. Es ist nicht Aufgabe der Medien, wegen Beschwerden einer Partei plötzlich weniger kritisch zu schreiben.
Und ob der AfD das nun passt oder nicht:
Pressefreiheit hört nicht bei der Berichterstattung über selbsternannte Politiker und vermeintliche Patrioten auf.
Wie ich schon erwähnt habe: Die AfD und andere sogenannte Rechtspopulisten kann man nur kritisieren. Was die für Vorstellungen haben, sind eine Gefahr für sozialen Frieden, Stabilität und Frieden im allgemeinen. Es ist einfach nur zynisch, wenn eine Petry die AfD als «Partei des sozialen Friedens» bezeichnet.
Was auf ein Land stattdessen zukommt, wenn solche Leute die Macht bekommen, die sie wollen, sieht man derzeit in den USA.
Ich frage mich immer mal wieder, wie die ganzen ‚Trumpisten‘ reagieren, wenn sie endlich aufwachen und merken, dass sie nur manipuliert wurden. Und zwar von einem größenwahnsinnigen, egozentrischen, arroganten Narzissten, der so tat, als könnte er die Sorgen der „kleinen Leute“ verstehen.
Klar, ausgerechnet einer, der nie Armut kennengelernt hat und der ausschließlich steinreiche Leute in sein Kabinett geholt hat. Das, was er vorhat, kann nicht funktionieren, schon gar nicht auf lange Sicht. Schon deshalb wird sich irgendwann der Hass der ‚Trumpisten‘ auf Trump selbst richten. Hoffentlich kann er vorher gestoppt werden, denn würde es so weit kommen, könnte das böse enden.
Genau das muss uns allen hier in Europa ein Warnschuss sein. Ich habe das schon öfter geschrieben, und auch dieses mal wird es nicht das letzte Mal gewesen sein. Denn es ist fünf vor zwölf. Jetzt muss die Strategie gegen rechte Gruppierungen verändert bzw. verbessert werden. Das gilt eben auch besonders für die Medien.
So, das waren erst einmal die drängendsten Gedanken, die mir zu diesem Thema immer wieder durch den Kopf geistern. Es wird zwar wohl kaum das letzte Mal sein, dass ich diese Thematik aufgreife, aber für’s erste habe ich mich genug dazu ausgelassen. 😊

Links:

(1)
http://mobil.stern.de/investigativ/afd-in-nrw—ich-bring-dich-unter-die-erde–7318258.html

https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/305/mut-zur-wahrheit-4174.html

http://m.taz.de/!5336541;m/

https://flaschenpost.piratenpartei.de/2014/03/08/afd-nur-mut-zur-eigenen-wahrheit/

http://www.matthias-gastel.de/afd/

Kommentar:
http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/landespolitik-sachsen-anhalt/afd-in-sachsen-anhalt-mz-kommentar–von-wegen–mut-zur-wahrheit–25633582

(2)
http://www.presserat.de/pressekodex/pressekodex/

(3) http://m.spiegel.de/kultur/gesellschaft/presserat-haelt-an-praxis-zur-herkunftsnennung-von-straftaetern-fest-a-1081547.html

(4) http://m.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/trump-beraterin-kellyanne-conway-im-cnn-interview-14868268.html

http://edition.cnn.com/2017/02/07/politics/kellyanne-conway-jake-tapper-interview-cnntv/index.html

http://www.politico.com/story/2017/02/kellyanne-conway-cnn-interview-234760
(beide englisch)

(5)
http://www.sueddeutsche.de/politik/neuer-us-praesident-trump-beraterin-unser-pressesprecher-hat-alternative-fakten-dazu-1.3345069

http://edition.cnn.com/2017/01/22/politics/kellyanne-conway-alternative-facts/index.html

(6)
http://www.tagesschau.de/ausland/conway-massaker-fake-news-101.html
http://www.fr-online.de/usa/alternative-fakten-und-bowling-green-massaker-das-ist-kellyanne-conway,11442534,35132976.html

http://www.politico.com/story/2017/02/bowling-green-massacre-kellyanne-conway-cosmo-234687 (beide englisch)

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s