Heilpflanzen – Schneeglöckchen


Mit diesem Beitrag starte ich eine Reihe über Heilpflanzen. Da das Schneeglöckchen eine der ersten blühenden Pflanzen des Jahres ist, beginne ich auch mit diesem Frühblüher:

Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) mit voll geöffneten Blüten
Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) mit voll geöffneten Blüten

Das Galanthus nivalis (Gewöhnliches oder kleines Schneeglöckchen) gehört zu den Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse) und ist den meisten Menschen wahrscheinlich vor allem als der Vorbote des Frühlings bekannt. Wenn man die zarten, hübschen Blüten erblickt, weiß man, es ist nicht mehr allzu weit bis auch andere Frühblüher zu blühen beginnen.

Aus meinem Herbarium: Galanthus nivalis getrocknet
Aus meinem Herbarium: Galanthus nivalis getrocknet

Doch im Schneeglöckchen steckt noch mehr:
Es gehört nämlich auch zu den Heilpflanzen.
Wegen der giftigen Alkaloide sind jedoch nicht für die Selbstmedikation geeignet, jedoch enthalten sie einen für die Medizin wichtigen Wirkstoff:
Galanthamin. Neben diesem enthält das Schneeglöckchen noch Lycorin und Tazettin sowie in der Zwiebel hauptsächlich das Amaryllidaceen-Alkaloid.

Galanthamin ist ein Wirkstoff, dem eine positive Wirkung auf das Gedächtnis haben soll, weshalb es als hilfreich bei Alzheimer eingestuft wird.

So wird im Kaukasus das dort beheimatete Galanthus woronowii (Woronow-Schneeglöckchen) seit langer Zeit in der Volksheilkunde verwendet, wonach die Zwiebeln gegen Alterserscheinungen und Gedächtnisschwäche gegessen werden sollen (wovon dringend abzuraten ist).

Bulgarische Forscher entdeckten während Untersuchungen an der Pflanze den Wirkstoff Galanthamin im G. woronowii. In der Folge stellte sich heraus, dass Galanthamin Alzheimer zwar nicht heilen kann, jedoch in der Lage ist, die Folgen der Erkrankung zu lindern.
Dazu unter (1) ein lesenswerter Artikel.

Neben einer positiven Wirkung auf das Nervensystem soll das Schneeglöckchen auch menstruationsfördernd wirken.
Ob es auch weitere positive Wirkungen gibt, ist unklar, da über das Schneeglöckchen kaum etwas über traditionelle Anwendungen bekannt ist.

Doch wie schon oben erwähnt, eine Anwendung in Eigenregie ist gefährlich, auch, da eine kritische Dosis nicht angegeben werden kann. (Siehe „Allgemeinen Hinweis“ unten)

Sollte das Schneeglöckchen dennoch unsachgemäß angewendet worden sein, können folgende Vergiftungssymptome auftreten:

▪ Bauchschmerzen,
▪ Übelkeit und Erbrechen,
▪ Durchfall,
▪ vermehrter Speichelfluss,
▪ Schweißausbrüche.

Außerdem möglich sind Kreislaufstörungen und Benommenheit.

Nicht zuletzt wegen dieser Vergiftungserscheinungen sollte das Schneeglöckchen, wie andere Giftpflanzen mit heilenden Wirkungen auch, nur als standardisiertes Mittel aus der Apotheke genutzt werden.

Nebenbei: Das natürliche Vorkommen der Schneeglöckchen (selbstverständlich ohne die diversen Züchtungen) würde gar nicht ausreichen, um für alle Alzheimer-Patienten genügend Wirkstoff extrahieren zu können. Nachdem lange Zeit geforscht wurde, hat man es geschafft, Galanthamin synthetisch herzustellen, aus welchem dann das Medikament hergestellt wird.

Soviel zu den weniger bekannten Aspekten des Schneeglöckchens, das uns jedes Jahr auf’s Neue erfreut und uns das baldige Ende des Winters ankündigt. Nun noch eine kurze Beschreibung der Unterschiede zwischen G. nivalis und G. woronowii:

Galanthus nivalis (gewöhnliches Schneeglöckchen)
Galanthus nivalis (gewöhnliches Schneeglöckchen)

Oberflächlich betrachtet ähneln sich die einfachen, parallelnervigen Laubblättern beider Schneeglöckchenarten ziemlich. Doch während die Blätter des kleinen Schneeglöckchens eher bläulich-grün und schmal (bis rd. 0,8 cm) sind, haben die Blätter des Woronow-Schneeglöckchens ein saftigeres Grün und haben außerdem eine Breite von bis zu 2 cm.
Auch in der Länge der Laubblätter unterscheiden sich beide Arten etwas: G. nivalis 4 bis 15 cm, G. woronowii 7 bis 20 cm. Bei beiden Arten verlängern sich die Blätter nach dem Abblühen noch um einige Zentimeter.
Bei den Blüten beider Arten gibt es kaum sichtbare Unterschiede. Sie sind mit einer Länge von 2 bis 3,5 cm (G. nivalis) und 2,5 bis 3 cm (G. woronowii) nahezu gleich groß, auch im Durchmesser sind sie nahezu gleich. Wenn man genau hinschaut, kann man im Blüteninneren, das bei voller Öffnung gut sichtbar ist, einen farblichen Unterschied erkennen. Denn der Farbton der grünen Tupfer auf den inneren Blütenhüllblättern ist in etwa wie der Farbton der jeweiligen Laubblätter. Also beim G. nivalis eher bläulich-grün bis grün, beim G. woronowii eher hellgrün.
Nach der Befruchtung der Blüten entsteht übrigens eine schnell reifende Kapselfrucht.

Galanthus woronowii (Woronow-Schneeglöckchen)
Galanthus woronowii (Woronow-Schneeglöckchen)

Das gewöhnliche Schneeglöckchen kommt überall im nördlichen Mitteleuropa und Nordamerika vor, wo es aus Frankreich, Italien, vom Balkan, dem Südwesten Deutschlands u. a. europäischen Ländern kommend eingebürgert wurde.
Das Woronow-Schneeglöckchen dagegen ist v. a. im westlichen und zentralen Kaukasus beheimatet, weshalb es auch kaukasisches Schneeglöckchen genannt wird. Daneben kommt es auch im Norden der Türkei vor und ist in Deutschland teils verwildert. Insb. in seinen Ursprungsregionen wächst das kaukasische Schneeglöckchen häufig auf steinigen Hängen und Kalkfelsen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass sich das G. woronowii weniger stark vermehrt als G. nivalis, wenn es normal im Garten gepflanzt wird. Manche Pflanzen brauchen einfach bestimmte Bedingungen, was den Boden, aber auch Standort, Klima etc. angeht.

So, das war’s erst einmal vom Schneeglöckchen. 😉 Zu welcher Heilpflanze ich als nächstes etwas schreibe, weiß ich noch nicht genau. Je nachdem, welche als Nächstes in voller Blüte steht… 😊😉

Allgemeiner Hinweis zum Umgang mit giftigen Heilpflanzen:

Bei Giftpflanzen mit Heilwirkungen ist immer von einer Selbstmedikation abzusehen. Denn selbst wenn eine kritische Dosis bekannt ist, ist es unmöglich, abzuschätzen, wie hoch der Wirkstoffgehalt wirklich ist. Dieser schwankt nämlich je nach Standort, klimatischen Bedingungen, Pflanzenteilen und natürlich dem Alter der Pflanze.
Überhaupt: Bei vielen Heilpflanzen spielt auch eine Rolle, ob sie gerade blüht, vor der Blüte steht oder ob die Blüten schon verblüht sind.
So sollten Kräuter wie Basilikum, Oregano, Schnittlauch und Heilpflanzen wie Waldmeister vor der Blüte gesammelt werden. Dagegen sollte bspw. Johanniskraut während des Abblühens gesammelt werden, weil dann der Wirkstoffgehalt höher ist. Aber das nur nebenbei, dazu ein anderes Mal mehr.

Um die positiven Wirkungen der giftigen Heilpflanzen nutzen zu können, gibt es jede Menge standardisierte Mittel der verschiedensten Pflanzen in Apotheken. Viele Giftpflanzen (z. B. Belladonna (schwarze Tollkirsche) oder Aconitum (Eisenhut) werden besonders in der Homöopathie genutzt.

(1)
https://www.aerzteblatt.de/archiv/26556/Galantamin-Schneegloeckchen-Extrakt-gegen-Demenz

Weitere Informationen zum Schneeglöckchen:

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Schneegl%C3%B6ckchen

http://www.frauen-heilkraeuter.de/frauenkraeuter-lexikon/schneegloeckchen

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