Grundlagen zum richtigen Umgang mit Heilpflanzen – Teil 1


Nachdem ich bereits zwei Pflanzen und deren Heilwirkungen näher beschrieben habe, nun also der erste Beitrag zu den Grundlagen der Phytotherapie. In diesem befasse ich mich zunächst mit allgemeinen Hinweisen zum richtigen Umgang mit Heilpflanzen. In diesem ersten Teil möchte ich mich zunächst einmal mit dem richtigen Verhalten bei der Selbstbehandlung mit Heilpflanzen beschäftigen. Deshalb das Wichtigste vorweg:
Bei starken, stärker werdenden und/oder wiederkehrenden Beschwerden als auch bei Unklarheiten bezüglich der Ursache von Symptomen, gehen Sie in jedem Fall zum Arzt und experimentieren Sie nicht selbst herum. Denn nur ein Arzt kann genau abklären, was hinter den Beschwerden steckt und eine entsprechende Therapie anordnen. Sicherlich gibt es Krankheitsbeschwerden, die durch die Nutzung von Heilpflanzen behandelt werden können, jedoch sollte eine Selbstbehandlung nicht den Gang zum Arzt ersetzen. Manche Erkrankungen bedürfen einfach einer ärztlichen Behandlung.
Im Folgenden einige Fälle, bei denen eine Selbstbehandlung mit Heilpflanzen (zunächst) in Frage kommt und ab wann ein Arzt hinzugezogen werden sollte:

▪ Erkältungen, (leichte) grippale Infekte mit Fieber bis 39 C°; bei Husten (trockenem Reizhusten als auch bei produktivem Husten), Schnupfen und Halsschmerzen sowie weiteren grippebedingten Symptomen kann eine Behandlung mit Heilpflanzen besonders hilfreich sein. Da eine normale Grippe fast immer durch Viren verursacht wird, ist Antibiotika ohnehin unwirksam, es ist also ohnehin nur eine symptomatische Therapie möglich. Dazu kommt, dass viele der Arzneimittel, die zur Behandlung in Frage kommen, ohnehin rezeptfrei sind und oft Wirkstoffe enthalten, die auch in Heilpflanzen enthalten sind.
Sollte das Fieber jedoch über 39 C° steigen bzw. geht es trotz fiebersenkender Maßnahmen nicht herunter, auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt, wenn die Symptome stärker werden oder länger als eine Woche anhalten. Wer zu den sog. Risikogruppen, was Infektionen wie Grippe betrifft, gehört, sollte ohne jeglichen Versuch der Selbstmedikation zum Arzt gehen. In diesen Fällen wäre es auch ratsam, über eine jährliche Grippeimpfung nachzudenken.

▪ Stressbedingte (Ein-) Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Nervosität im Allgemeinen eignen sich ebenfalls zur Selbstbehandlung mit Heilpflanzen. So lässt sich z. B. Prüfungsangst wunderbar mit Kräutern wie Baldrian behandeln. Doch auch hier gilt: Bei anhaltenden Beschwerden unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn dauerhafte stressbedingte Symptome können zu schwerwiegenden psychischen und/oder psychosomatischen Erkrankungen führen. Generell gilt: Fühlen Sie sich dem Stress bzw. den Problemen nicht mehr gewachsen, scheuen Sie sich nicht, sich professionelle Hilfe zu suchen. Je früher Sie sich selber eingestehen, dass Sie Hilfe benötigen, um so einfacher ist es, diese Probleme wieder in den Griff zu bekommen.

▪ Bei Kopfschmerzen ist eine Selbstmedikation angezeigt, so lange die Kopfschmerzen nur selten auftreten oder Begleiterscheinung einer Erkältung sind. Bei ständigen, anhaltenden Kopfschmerzen aber sollte unbedingt die Ursache abgeklärt werden.

▪ Auch Menstruationsbeschwerden sind mit Heilpflanzen zu lindern. Das gilt ebenso für PMS als auch für Schmerzen während der Periode.

▪ Bei Magen-/Darmbeschwerden ist ebenfalls eine Selbstmedikation möglich, jedoch auch nur solange es sich um leichte Magenverstimmungen oder eine leichtere Magen-Darm-Grippe handelt. Bei starken Symptomen wie anhaltendem Erbrechen und Durchfall einen Arzt aufsuchen, dasselbe gilt für anhaltende Beschwerden wie Magenschmerzen, Verdauungsprobleme, etc.

▪ Leichtere Verletzungen wie kleinere Schnitt- und Schürfwunden, Sonnenbrand und leichte Verbrennungen und Prellungen können meist auch sehr gut mit Mitteln aus Heilpflanzen behandelt werden.

▪ Zur Krankheitsvorbeugung z. B. durch die Stärkung des Immunsystems, richtige Ernährung und die Einnahme von gesundheitsfördernden Kräutern.
Generell gilt: Tritt nach drei bis spätestens sieben Tagen – was natürlich auch von den Beschwerden abhängt – keine Besserung auf, gehen Sie zum Arzt. Dasselbe gilt für Beschwerden, die chronisch werden. Bei Unsicherheiten sollten Sie selbstverständlich ebenfalls einen Arzt aufsuchen.

Nun noch einige wichtige Grundsätze für die Selbstbehandlung mit pflanzlichen Mitteln:

▫ Die Anwendung alternativer Heilmethoden kann wie schon geschrieben, einen notwendigen Arztbesuch nicht ersetzen, ebensowenig nicht die regelmäßige Vorsorge und Kontrolle (Check-Ups, Krebsvorsorge bzw. Krankheitsprävention im Allgemeinen u. ä.). Nutzen Sie die Selbstbehandlung daher v. a. für Ihr Wohlbefinden und zur Unterstützung Ihrer Gesundheit. Hierzu gehören die oben beschriebenen Punkte, aber natürlich auch eine möglichst gesunde Lebensweise.

▫ Auf keinen Fall dürfen Sie verordnete Medikamente absetzen, um diese durch pflanzliche Mittel zu ersetzen. Das gilt insbesondere bei Erkrankungen wie Diabetes, Hypertonie und Herz-/Kreislauferkrankungen im Allgemeinen, schweren Infektionen sowie allen schwerwiegenden Erkrankungen. Selbiges gilt auch für psychische Krankheiten wie Depressionen. Sicherlich hat z. B. Johanniskraut eine leichte antidepressive Wirkung, es ersetzt aber keine richtige medikamentöse Therapie mit Antidepressiva. Es kann jedoch vorkommen, dass ein/e Psychiater/in bei einer sog. leichten depressiven Episode ein standardisiertes Johanniskrautpräparat verschreibt. Bei stärkeren depressiven Episoden oder einer bipolaren Störung bspw. wird das nicht helfen. Überhaupt sollte eine medikamentöse Therapie bei psychischen Erkrankungen nur ein Teil der Therapie sein; das Wichtigste in solchen Fällen ist eine Psychotherapie.
Es ist auch ratsam, bei chronischen Krankheiten wie Diabetes und schweren Erkrankungen mit dem Arzt abzuklären, ob eine Unterstützung durch pflanzliche Mittel in Ordnung ist.
In Schwangerschaft und Stillzeit ist zu beachten, dass es Heilpflanzen gibt, die dann besser nicht verwendet werden sollten. Diese Hinweise werde ich in die nach und nach folgenden Pflanzenbeschreibungen einfließen lassen.

▫ Wichtig ist auch, dass Sie sich klarmachen, dass Heilpflanzen – anders als bspw. Schmerzmittel, Antibiotika etc. – nicht sofort die Beschwerden lindern. Bei der Nutzung von Heilpflanzen kommt es darauf an, dass die von den Heilpflanzen ausgehende Heilinformation regelmäßig auf den Organismus einwirken kann. D. h., dass die Einnahme über einen längeren Zeitraum jeden Tag erfolgen sollte. Wichtig in dem Zusammenhang ist auch, dass in der Phytotherapie weniger mehr ist. Deshalb sollte immer die jeweils vorgeschriebene Dosierung eingehalten werden. Mehr zu den Dosierungen werde ich in einem der nächsten Texte schreiben, spezielle Dosierungen werde ich auch in den Pflanzenbeschreibungen nennen.
Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine Beratung in der Apotheke.

▫ Ein weiterer Unterschied zu synthetischen Medikamenten ist, dass bei Heilpflanzen erst das Zusammenspiel verschiedener Wirkstoffe zu der jeweiligen Wirkung führt. Dagegen ist in synthetischen Arzneimitteln meist ein bestimmter Hauptwirkstoff für die Wirkung verantwortlich. Zudem beruhen die Heilwirkungen von Heilkräutern recht stark auf einer Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Letzteres ist, ebenso wie das Fehlen eines einzelnen, bestimmten Wirkstoffes, oft der Grund dafür, dass viele Wirkungen von Heilpflanzen nicht wissenschaftlich exakt belegt werden können, weshalb die Schulmedizin diese Pflanzen als unwirksam einstufen. Dabei wird aber leider übersehen, dass die Wirkung eben nicht dem „Wirksystem“ synthetischer Medikamente entspricht. Ausnahmen sind häufig giftige Heilpflanzen. So enthalten viele dieser Pflanzen bestimmte Alkaloide oder Glykoside, die in einigen Fällen auch eine bestimmte symptomatische Wirkung erzielen. Ein Beispiel wäre hier Papaver somniferum (Schlafmohn), das z. B. schon durch das enthaltene Morphin-Alkaloid Schmerzen lindert (weitere enthaltene Alkaloide sind Codein, Papaverin, Thebain u.v.m.). Dazu aber mehr im noch folgenden (Schlaf-) Mohn-Beitrag.
Aus Heilpflanzen wie z. B. Schlafmohn und Fingerhut sind deshalb die wichtigen Wirkstoffe extrahiert worden, um diese weiter zu erforschen, um sie in der Medizin als Arzneimittel einzusetzen. Mittlerweile werden allerdings die meisten Wirkstoffe pflanzlichen Ursprungs direkt synthetisch hergestellt und zu Medikamenten verarbeitet. Doch ein Großteil der Heilpflanzen wird in der Schulmedizin nicht als wirksam eingestuft. Und das, obwohl es teils jahrhundertealte Erfahrungen mit diesen gibt.

▫ Pflanzliche Arzneistoffe haben durch ihre biochemische Verwandtschaft mit unserem Organismus außerdem kaum schädliche Nebenwirkungen, was ein großer Vorteil gegenüber chemischer Arzneimittel ist. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, auf die ich in den jeweiligen Pflanzenbeschreibungen aufmerksam machen werde.

▫ Wichtig bei der Anwendung alternativer Heilmethoden ist auch die Einstellung: Sehen Sie diese eher skeptisch, könnten dadurch die Selbstheilungskräfte blockiert werden, was ein positives Ergebnis unwahrscheinlicher macht. Im Grunde geht es aber dabei weniger darum, an die Heilwirkung zu „glauben“. Vielmehr geht es um die positive Einstellung. Ständiger Pessimismus kann nämlich durchaus Einfluss auf den Körper haben, weshalb es schon deshalb besser ist, optimistisch an die Dinge heranzugehen.

▫ Besonders in der Phytotherapie ist es unerlässlich, dass Sie über die diversen Pflanzen Bescheid wissen und die Grundlagen der Pflanzenheilkunde generell kennen. Besonders wichtig ist, bspw. Aussehen, Inhaltsstoffe und auch eventuelle Nebenwirkungen der Pflanzen zu kennen. Ebenso sollten auch Alternativen, die in bestimmten Situationen möglicherweise besser geeignet sind, bekannt sein. Nur so können Sie gesundheitliche Risiken durch Verwechslungen, falsche Dosierung oder Handhabung und Unwissenheit über mögliche Neben/Wechselwirkungen vermeiden, weshalb es im nächsten Beitrag über die Grundlagen der Selbstbehandlung mit Heilpflanzen auch insb. um die Bestimmung der unterschiedlichen Heilpflanzen gehen wird.

▫ Zum Schluss dieses Beitrages noch einige Worte zur Dosierung und Anwendung – dazu zunächst ein Zitat von Paracelsus:
«Alle Dinge sind Gift und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.»

Und genau das ist der Punkt: Sind Sie sich unsicher, welche Dosierung richtig ist, lassen Sie sich beraten. Dasselbe gilt, wenn Sie nicht sicher sind, welche Heilpflanze o. -methode für Sie denn nun die Beste ist. Wenden Sie sich in solchen Fällen für eine Beratung an einen Arzt oder eine Apotheke. Bitte experimentieren Sie nicht einfach herum, denn das kann im besten Fall dazu führen, dass die Behandlung keine Wirkung zeigt, im schlimmsten Fall kann es wirklich gesundheitsschädigend sein. Mehr zu Dosierung und Anwendung in einem der folgenden Beiträge zum Thema Heilpflanzen.

Soviel also erst einmal zu den wichtigsten allgemeinen Hinweisen zur Phytotherapie. Als nächstes entweder der erwähnte Text zu Pflanzenbestimmung etc.; vielleicht ziehe ich aber auch den Huflattich-Beitrag vor.
Mal sehen, nun erst einmal einen schönen Frühlingsnachmittag für Euch/Sie! ☀🌱🌷

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