Heilpflanzen – Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)


In diesem Beitrag werde ich mich mit dem Lungenkraut befassen, einem Frühblüher, der gerade langsam seine ersten Blüten öffnet. Nachdem ich das erste blühende Lungenkraut in Iserlohn entdeckt habe, habe ich gestern gesehen, dass nun auch direkt vor dem Wohnzimmerfenster die ersten Lungenkräuter gesprießt sind und die bald ihre Blüten komplett öffnen werden.
Update: Heute, einen Tag später, haben sich die ersten Blüten geöffnet.

Das Gefleckte Lungenkraut (Pulmonaria officinalis) ist eine mehrjährige Pflanze und gehört zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae), hat aber, im Vergleich zu vielen anderen Pflanzen dieser Art, einen relativ wenig behaarten Stängel. An ihm stehen grüne, eher weich behaarte Laubblätter, die herzförmig bis oval sind und helle Flecken haben (daher auch der Name „Geflecktes Lungenkraut“). Die Farbe der Laubblätter wird jedoch mit der Zeit immer dunkler.

Lungenkraut am Morgen

Etwa von März bis Mai erscheinen dann die ersten Blüten, die aus je fünf Kelchblättern und trichterförmigen, rötlichen bis tiefrosa Kronblättern bestehen und endständig in Wickeln am aufrechten Stängel stehen.
Eine Besonderheit des Lungenkrauts ist, dass die Blüten durch eine Veränderung des pH-Wertes mit der Zeit blau werden. Dabei steht die Farbe rot für sauer, blau für basisch. Oft sind die Blüten dann auch zweifarbig.

Pulmonaria officinalis – Blüten

Wegen der leichten Ähnlichkeit der Blüten mit der Schlüsselblume (Primula veris) wird das Lungenkraut auch als „blaue Schlüsselblume“ bezeichnet, obwohl ansonsten keine Verwandtschaft zwischen den beiden Pflanzen besteht. Nach der Blüte, wenn im Mai und Juni die Früchte gereift sind, neigt sich der Fruchtkopf in Richtung Erde, wodurch das Lungenkraut sich selbst aussät.

Erstes blühendes Lungenkraut im Gartenbeet vor dem Fenster

Ebenfalls nach der Blütezeit erscheinen die gefleckten, dunkelgrünen Wurzelblätter (Herba Pulmonariae maculosae), die mit den Laubblättern des Wald-Habichtskrautes (Hieraceum silvaticum) verwechselt werden können. Deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen, denn dann sind die hell gepunkteten Blätter des Lungenkrauts recht gut von den komplett grünen, manchmal rötlich gepunktete Blätter des Wald-Habichtskraut zu unterscheiden. Zudem sind die Blattränder letzterer Pflanze im Gegensatz zu denen des Lungenkrauts grob bis leicht gezähnt.

Gesammelt wird die blühende Pflanze, deren Pflanzenteile an einem warmen, schattigen und luftigen Ort getrocknet werden. Da die eben genannten Wurzelblätter eine besonders hohe Konzentration an Inhaltsstoffen enthalten sollen, sollten möglichst auch einige dieser Blätter zum blühenden Kraut zugefügt werden. Um nicht doch in die Situation des Verwechselns zu kommen, ist es ratsam, sich den Standort der gesammelten Pflanzen zu merken, um auch einige Wurzelblätter zu pflücken, wenn sich diese ausgebildet haben. Getrocknet werden diese wie das blühende Kraut, also einzeln ausgebreitet an einem schattigen, warmen und luftigen Platz.

Verbreitet ist das Lungenkraut in fast ganz Europa, ist im Westen bis zu den Ardennen und im Osten bis zum Kaukasus und dem Balkan zu finden. Obwohl sie auch im nördlichen Europa vorkommt, ist sie im Süden häufiger. Dort wächst es vom Flachland bis in eine Höhe von rund 1300 Metern und ist vor allem in Laubwäldern, Gebüschen, an Bächen und Waldrändern zu finden. Das Lungenkraut bevorzugt frische, nährstoffreiche und kalkhaltige Lehmböden, wächst aber auch auf eher steinigem Untergrund.

Exemplar von Pulmonaria officinalis aus meinem Herbarium

Wie der Name schon andeutet, ist das Lungenkraut ein wirksames Mittel bei Atemwegserkrankungen. Dies liegt in der Signaturenlehre begründet, nach der die Natur für jedes Leiden eine Heilpflanze zu Verfügung stellt, die im Aussehen an bestimmte Körperteile bzw. -organe erinnern.
Im Falle des Lungenkrauts erinnern die weiß gefleckten Blätter wirklich in gewisser Weise an den Aufbau der Lunge (deshalb auch „pulmonaria“, vom lateinischen „pulmo“ für ‚Lunge“), wobei das Lungenkraut nicht direkt gegen Lungenerkrankungen, sondern vor allem bei Erkrankungen der oberen Luftwege eingesetzt wird. Dennoch bezeichnet auch Hildegard von Bingen das Lungenkraut als „Lungenwurz“.

Das Lungenkraut enthält Kieselsäure, Schleimstoffe, Saponine, Gerbstoffe, größere Mengen Mineralien, Allantoin und einige andere Inhaltsstoffe. Die Blüten enthalten außerdem einen zu den Anthocyanen gehörenden Farbstoff.
Durch die genannten Inhaltsstoffe, insb. durch die enthaltenen Saponine, Schleimstoffe und der Kieselsäure wirkt das Lungenkraut vor allem hustenreizstillend, wodurch es sehr gut bei Reizhusten eingesetzt werden kann. Doch dieses Heilkraut besitzt auch schleimlösende und damit auswurffördernde Eigenschaften, womit es bei Husten generell ein wichtiges Mittel ist.
So ist es natürlich nicht überraschend, dass Hauptanwendungsgebiete des Lungenkrauts Erkrankungen der oberen Luftwege sind. In der Volksheilkunde wird es aber nicht nur wegen seiner heilenden Wirkung bei Erkrankungen wie Bronchitis, Halsentzündungen, Katarrhen der oberen Luftwege, grippalen Infekten und Symptomen wie Husten und Heiserkeit häufig eingesetzt. Das Lungenkraut hat nämlich noch weitere Eigenschaften: So wirkt es harntreibend, entzündungshemmend, adstringierend (zusammenziehend) und blutstillend sowie stopfend, wodurch es auch bei Durchfall eingesetzt werden kann. Durch seine harntreibende und entzündungshemmende Wirkung ist Lungenkraut außerdem ein gutes Mittel bei Blasenentzündungen – allerdings nur unterstützend. Blasenentzündungen sollten in erster Linie mit Antibiotika behandelt werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass die Erreger die Harnleiter hochwandern, wodurch sie zu den Nieren gelangen können und bspw. eine Nierenbeckenentzündung verursachen können. Diese ist nicht nur extrem unangenehm (ich spreche, äh schreibe, aus Erfahrung), sie kann auch Nierenschäden hervorrufen. Doch auch eine Antibiotikabehandlung sollte mit viel Flüssigkeit unterstützt werden, da es wichtig ist, dass die Harnwege gut durchgespült werden. Dazu ist dann eben Lungenkraut geeignet, am besten in einer Teemischung mit harntreibenden Heilpflanzen wie Brennnessel, Schachtelhalm und/oder Löwenzahn.

Außerdem kann Lungenkraut äußerlich bei Wunden und Pickeln eingesetzt werden, denn Inhaltsstoffe wie Allantoin und Gerbstoffe sorgen für eine wundheilende Wirkung. Allantoin ist übrigens auch Haupt-Wirkstoff von Beinwell (Symphytum officinale), einer ebenfalls zu den Raublattgewächsen zählende Heilpflanze. So kann Lungenkraut äußerlich ähnlich angewendet werden wie Beinwell.
Zudem soll es bei Hämorrhoiden helfen.

Am einfachsten und häufigsten ist die Einnahme als Tee. Dazu wird das blühende, getrocknete Kraut verwendet, von dem ca. zwei Teelöffel mit 200ml Wasser übergossen werden, die für etwa zehn Minuten ziehen sollten. Von diesem Tee sollten, insb. bei Erkrankungen der oberen Luftwege, täglich drei Tassen getrunken werden. Eine andere Möglichkeit ist, Lungenkraut zusammen mit anderen getrockneten Kräutern zu vermischen und daraus einen Tee zu machen. Welche anderen Heilpflanzen das sind, hängt von dem jeweiligen Anwendungsgebiet ab. So empfiehlt sich bei Reizhusten eine Mischung aus Eibisch, Malve, Thymian, Spitzwegerich, Schlüsselblume, Lindenblüten und/oder Königskerze.
Bei produktivem Husten dagegen wäre eine Mischung aus Kräutern wie Salbei, Thymian, Efeublätter (nur in sehr geringer Dosis), Kapuzinerkresse und/oder Anisfrüchte hilfreich.

Neben der Einnahme als Tee können getrocknete Pflanzenteile zu Pulver gestoßen werden, welches dann bspw. in mit Honig gesüßter lauwarmer Milch eingenommen werden kann. Auch kann es auf vorher gereinigte Wunden aufgetragen werden.

Besonders wirksam ist laut traditioneller Pflanzenheilkunde der frische Saft aus den möglichst jungen Blättern, jedoch ist es auch die schwierigste Variante, da es schon ziemlich viele Blätter erfordert, um jeweils eine ausreichende Menge Saft zu bekommen.
Bei der äußerlichen Anwendung können außerdem auch frische (zerquetschte) Blätter auf Wunden oder Pickel aufgelegt werden.

Bei der Einnahme zu beachten ist, dass die Dauer der Anwendung nicht länger als sechs Wochen am Stück dauern sollte, da sonst die Wirksamkeit nachlässt und auch Nebenwirkungen nicht auszuschließen sind. Jedoch sollte aus meiner Sicht eine derart lange Einnahme nur in Ausnahmefällen erfolgen, denn – wie ich im ersten Teil mit Hinweisen zum richtigen Umgang mit Heilpflanzen schrieb – sollte, wenn nach max. einer Woche die Beschwerden nicht nachgelassen haben, ohnehin ein Arzt aufgesucht werden. Wichtig wäre der obige Hinweis deshalb vor allem bei einer kurmäßigen Anwendung bspw. als pflanzliche Unterstützung einer medikamentösen Therapie.

Lungenkrautblüten mit Besuch

Soviel erst einmal zum Lungenkraut, zum Schluss noch drei Links für weitere Informationen zum Gefleckten Lungenkraut:

http://www.awl.ch/heilpflanzen/pulmonaria_officinalis/lungenkraut.htm

http://www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Lungenkraut.html

http://www.blumen-garten-pflanzen.de/stauden-3/lungenkraut-pulmonaria.htm

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