Heilpflanzen – Scharbockskraut (Ficaria vernus)


Ein weiterer in der Pflanzenheilkunde genutzter Frühblüher ist das Scharbockskraut (Ficaria verna). Die zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) gehörende krautige, mehrjährige Pflanze wird maximal 20cm hoch und hat saftig grüne Laubblätter. Diese sind herzförmig bis rundlich, haben einen gekerbten Blattrand und eine glänzende Blattoberfläche, während die Unterseite eher mattgrün wirkt.

Blätter des Scharbockskraut

Ab März erscheinen an relativ langen Stängeln die sternförmigen Blüten, die aus meist drei, seltener fünf grünen Kelchblättern sowie acht bis elf leuchtend gelben, glänzenden Kronblättern bestehen.

Die erste fast komplett geöffnete Blüte im Gartenbeet vor dem Wohnzimmerfenster

Letztere sind genau genommen Nektarblätter (auch als Honigblätter bezeichnet), was übrigens auch der Grund für den Glanz der Blütenblätter ist.
Das und die leuchtende Farbe lockt zum einen zahlreiche Bestäuber an, zum anderen wird mit dieser auffälligen Färbung darauf aufmerksam gemacht, dass die Pflanze nun (leicht) giftig ist. Der Grund dafür ist, wie bei den meisten Hahnenfußgewächsen, Protoanemonin, das äußerlich insb. in hoher Dosierung Häute und Schleimhäute reizen kann. Innerlich kann es in hohen Dosen Magen-, Darm- und/oder Nierenreizungen, Erbrechen sowie Durchfall verursachen.
Deshalb sollte Scharbockskraut nur vor der Blüte verwendet und gesammelt werden. Das heißt, es werden ausschließlich die möglichst jungen Laubblätter gepflückt.
Um sicherzugehen, dass die Blätter gefahrlos frisch verwendet werden können, hilft ein kleiner Geschmackstest: Gefahrlos zu verwendende Blätter würzig, leicht scharf und herb, bei einer schon erhöhten Protoanemoninkonzentration dagegen ist der Geschmack extrem bitter und stechend. Dann könnten die Blätter jedoch noch getrocknet werden, damit das Protoanemonin unschädlich wird, was aber den Vitamingehalt stark reduziert. Zur Anwendung aber später noch mehr.
Beim Sammeln ist außerdem zu beachten, dass die Laubblätter des Scharbockskrautes mit Blättern der Haselwurz (Asarum europaeum) verwechselt werden können. Letztere ist giftig und ziemlich selten, nur in Österreich kommt die Pflanze häufiger vor. Deshalb sollte man immer genau hinsehen, denn dann fallen die Unterschiede doch recht schnell auf:
Die oberirdischen Pflanzenteile sind im Gegensatz zu denen des Scharbockskraut behaart,und riechen intensiv; die immergrünen Blätter sind langgestielt, herzförmig bis rund, haben anders als das Scharbockskraut keine gekerbten Blattränder, sind an der Oberseite glänzend und an der Unterseite behaart. Zudem gibt es einige bräunlich-grüne „Niederblätter“. Die Blüten der Haselwurz sind dunkelrot und glockenförmig und somit problemlos vom Scharbockskraut zu unterscheiden.

Exemplar Ficaria vernus aus meinem Herbarium

Scharbockskraut kommt vor allem im mittleren und nördlichen Europa – abgesehen vom äußersten. Norden – vor, ist aber auch in Nordafrika und Kleinasien anzutreffen. Dort bildet es auf Wiesen, in Gebüschen, Laubwäldern, Parks und an Waldrändern die erste grüne Bodenbedeckung im Frühjahr. Bevorzugt wächst die Pflanze auf eher feuchten Böden. Die Bodenbeschaffung kann übrigens auch den Gehalt von Protoanemonin beeinflussen.

Neben dem schon erwähnten Protoanemonin enthält Scharbockskraut auch Vitamin C, Saponine, Gerbstoffe und Anemonin; letzteres vor allem im getrockneten Kraut.

Wegen des Vitamin-C-Gehaltes wurde Scharbockskraut früher vor allem genutzt, um Skorbut vorzubeugen. So gehörte die Pflanze zum Standard-Reisegepäck von Seeleuten, da sie während der Zeit auf dem Meer so gut wie keinen Zugang zu frischem Gemüse hatten. Von der Vitamin-C-Mangelkrankheit leitet sich übrigens auch der Name ab, da „Scharbock“ früher eine Bezeichnung für Skorbut war.

Zudem hilft das Scharbockskraut gegen Frühjahrsmüdigkeit, stärkt die Abwehr und hat eine blutreinigende Wirkung, weshalb die Pflanze sich gut für Frühjahrskuren eignet. Dazu wird am besten aus den jungen, frischen Blättern ein Saft hergestellt. Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung in Salaten und Kräuterquark, da es durch seinen schon erwähnten leicht scharfen und würzigen Geschmack den Speisen eine besondere Note verleiht. Wohl deshalb wird Scharbockskraut auch als „Frühlingssalat“ oder „Frühsalat“ bezeichnet.
Äußerlich ist das Scharbockskraut ein gutes Mittel bei Hautunreinheiten, zudem soll es laut traditioneller Pflanzenheilkunde bei Warzen und Hämorrhoiden helfen.

Zur Behandlung der oben genannten Beschwerden wird aus den getrockneten Blättern am besten ein Aufguss zubereitet. Dieser kann als Tee getrunken werden; zur Blutreinigung während einer Frühjahrskur ist eine Teemischung mit Scharbockskraut und weiteren blutreinigend (Brennnessel, Löwenzahn, Frauenmantel, Brunnenkresse, Tausendgüldenkraut etc.) entschlackend (Goldrute, Löwenzahn, Bärlauch, Brennnessel, Schachtelhalm usw.) wirkenden Heilpflanzen besonders empfehlenswert.
Doch der Aufguss ist auch für die äußere Anwendung geeignet: So kann er bei Hautunreinheiten als eine Art Gesichtswasser genutzt werden, bei Hämorrhoiden dagegen empfiehlt sich ein Sitzbad.
Bei Warzen werden laut Volksheilkunde Wurzelknollen benötigt. Diese ähneln Feigwarzen, weshalb sie gegen diese eingesetzt wurden. Da gerade Wurzelknollen eine besonders hohe Konzentration von Protoanemonin enthalten, ist ihr Saft derart scharf, dass er Warzen sozusagen wegätzen kann. Wegen dieser starken Wirkung muss beim Auftragen des Saftes sehr vorsichtig vorgegangen werden.

Bevor ich zum Ende komme, noch einmal eine kurze Zusammenfassung zur Protoanemonin-Problematik:
▪ Blätter nur sammeln, bevor die Blüte erscheint.
▪ Will man den Vitamin-C-Gehalt erhalten, werden die Blätter frisch verwendet, da Vitamin C den Trocknungsvorgang nicht übersteht; dasselbe gilt übrigens für Hitze.
▪ Getrocknete Blätter werden für Tee verwendet.
▪ Unterirdische Pflanzenteile enthalten die höchste Konzentration Protoanemonin, weshalb diese innerlich nicht angewendet werden sollten. Bei äußerlicher Anwendung ist Vorsicht gefragt.
▪ Außerdem wichtig ist, dass während Schwangerschaft und Stillzeit auf die Einnahme von Scharbockskraut verzichtet werden sollte.

Ein Bild aus dem letzten Jahr, als das Scharbockskraut blühte (dazwischen Immergrün)

So, das war es vom leuchtend gelb blühenden Frühblüher, von dem ich eben die erste fast komplett geöffnete entdeckt habe. Wenn weitere Blüten geöffnet sind, folgt noch ein besseres Fotos der Blüte.

Hier noch drei Links für weitere Informationen zum Scharbockskraut:

http://www.heilkraeuter-heilpflanzen.de/scharbockskraut.html

http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/natur_und_artenschutz/natur_erleben/s/scharbockskraut/

http://www.wildkrautgarten.de/2013/04/13/das-scharbockskraut-ein-kraut-gegen-vitamin-c-mangel/

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