Grundlagen der Pflanzenbestimmung – Teil 3


🔹 Die Laubblätter

Neben den Blüten sind auch die Laubblätter sehr wichtig für die Bestimmung von Pflanzen, manchmal sind sie sogar ausschlaggebend. Letzteres ist vor allem der Fall, wenn die Blätter vor der Blütezeit gesammelt werden und so nicht durch die Blüte bestimmt werden kann. Eine wichtige Rolle spielen dabei insb. Blattformen und Blattränder, aber auch die Unterscheidung von Grundblättern und Stängelblättern, vor allem deren Anordnung, kann wichtig sein.
Im Folgenden nun die wichtigsten Merkmale von Laubblättern:

â–Ş Blattform
Blätter können die verschiedensten Formen haben, wobei der Aufbau meist gleich ist:
So besteht der Großteil der Laubblätter aus einem Blattstiel, der sich für gewöhnlich als Hauptader fortsetzt, und dem eigentlichen Blatt, der Blattspreite. Diese variiert von Form zu Form:
Ein einfaches Blatt bspw. besteht aus einer geschlossenen Blattspreite, während sie bei gefiederten Blättern so stark eingeschnitten sein kann, dass die Hauptader z. T. frei liegt.
Bei gefiederten Blättern gibt es auĂźerdem noch verschiedene Variationen. So wird bspw. unterschieden, ob es unpaarig (Blatt endet mit einem einzelnen Fiederblättchen; z. B. beim Gänsefingerkraut) oder paarig (einzelnes Fiederblättchen fehlt) gefiedert ist. Desweiteren können die einzelnen Fiederblättchen – deren Formen ebenfalls von rundlich ĂĽber lanzettlich bis herzförmig variieren können – eingeschnitten sein, sodass zwei- bis mehrfach gefiederte Blätter entstehen. Eine Sonderform gefiederter Blätter stellen handförmig gefiederte Blätter dar, bei denen alle Fiedern von einem Punkt ausgehen (z. B. Rosskastanie).

Nun aber zu den eigentlichen Formen der Laubblätter:

Die einen sind herzförmig, rundlich, nierenförmig, oval oder handförmig, andere sind lanzettlich, pfeilförmig, lineal oder gefiedert.

Bei den handförmigen Blättern gibt es noch eine Besonderheit, da sie zusätzlich drei- bis elflappig oder mehrfach gefingert/gefiedert (s.o.) sein können.

Das waren natürlich nicht alle Blattformen, doch als Grundlage dürften diese erstmal ausreichen. Die Blattform selber spielt übrigens für die Pflanze selbst eine weniger große Rolle, wichtiger ist die Größe (und Anzahl) der Blätter, denn je größer die Fläche eines Laubblattes ist, umso mehr Sonnenlicht kann aufgenommen werden.

â–Ş Blattstellung

Von nicht unwesentlicher Bedeutung ist auch die Blattstellung bzw. -anordnung: So können Laubblätter wechselständig, gegenständig, gekreuzt oder in Quirlen am Stängel angeordnet sein.

Dabei kann der Blattgrund gestielt, sitzend oder stängelumfassend sein. Ähnliches gilt für grundständige Laubblätter, die z. B. Blattrosette ausbilden (am häufigsten bei zweijährigen Pflanzen wie Lupinen (Lupinus), Fingerhüte (Digitalis) oder Königskerzen; eine Ausnahme ist bspw. das Gänseblümchen (Bellis), bei dem sich direkt am Boden eine Blattrosette bildet) oder den Stängel hochwachsen und diesen sozusagen einrahmen.

▪ Blattränder
Auch die Blattränder kommen in höchst verschiedenen Formen vor:

So können die Ränder eines Laubblattes gekerbt, gewellt bis kraus oder ganzrandig bzw. glatt sein, aber auch gezähnt, gesägt, gelappt oder stachelig aussehen.

Auch eine Rolle bei der Pflanzenbestimmung kann die Blattnervatur spielen:

Blattnerven können parallel oder einzeln liegen, ebenso können Blätter parallel-, bogen- oder netznervig sein.

Nun werde ich mich noch mit einigen weiteren möglichen Kennzeichen befassen, zu denen z. B. die Farbe gehört, denn Blätter sind längst nicht einfach nur grün:
Neben rötlichen Blättern, die jedoch am häufigsten bei Züchtungen vorkommen, gibt es ganz natürliche Farbunterschiede. So variieren die Grüntöne der Pflanzen von hell- bis dunkelgrün. Und die Blätter einer einzigen Pflanzenart sind oftmals nicht einfarbig, da die Oberseiten in vielen Fällen anders gefärbt sind als die Unterseiten: Während die Oberfläche der Blätter unigrün, grün-gefleckt, silbrig, grau-grün, graufilzig, grün-gepunktet oder blau-grün sein kann, ist die Blattunterseite mal silbrig, grau-grün, blau-grün, graufilzig, grünlich oder gar rötlich.
Zudem hängt die Farbe der Blätter bei zahlreichen Pflanzen auch vom Alter der Pflanze ab: Junge Laubblätter sind häufig hell- bis saftig-grün und werden dann mit der Zeit dunkler.

Ebenfalls eine Rolle kann die Beschaffenheit der Blattflächen spielen, die glatt, behaart (fein, stark, filzig, borstig oder rauh), glänzend oder matt sein können.

Daneben können Blätter sehr dünn und leicht oder dick bzw. fleischig sein.
Zudem kann der Geruch bei der Bestimmung von Pflanzen ein wesentliches Merkmal sein, um Verwechslungen zu vermeiden.
Ein Beispiel dafür ist der schon einmal erwähnte Bärlauch, dessen Blätter denen des Maiglöckchens ähneln. Zwar sind die Blüten ein unverwechselbares Kennzeichen, doch da Bärlauch vor Beginn der Blütezeit gesammelt wird, ist die Bestimmung nur über die Blätter möglich. Neben einigen typischen Merkmalen, auf die ich jetzt nicht im Einzelnen eingehe, ist es der aromatische, leicht knoblauchartige Geruch der Blätter, der signalisiert, dass man die richtige Pflanze vor sich hat.
Der Duft von Pflanzen ist sehr vielfältig, sie können süßlich, würzig, aromatisch, zitronig, pfefferartig oder streng riechen, andere Pflanzen dagegen riechen neutral. Der Geruch wird am besten festgestellt, indem man ein Blatt an einer kleinen Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und dann etwas reibt. So gelangen die Duftstoffe in den Blättern an die Finger- bzw. Daumenspitze.
Manche BĂĽcher empfehlen zur Bestimmung auch eine GeschmacksprĂĽfung, was aber nur dann in Frage kommen sollte, wenn klar ist, dass es sich nicht um giftige Pflanzen handelt.

Das waren soweit die wichtigsten Bestimmungsmerkmale der Blätter, die als Grundlage erst einmal ausreichen dürften.
Doch die grünen Blätter sind selbstverständlich mehr als eine Bestimmungshilfe. In ihnen sitzen nämlich sozusagen die Photosynthesefabriken der Pflanzen:
Das in den Chloroplasten sitzende Blattgrün (Chlorophyll) nutzt das Sonnenlicht als Energiequelle, um aus Kohlendioxid, das sie aus der Luft aufnehmen, und Wasser Zucker (Glucose) herzustellen. Den dabei, sozusagen als Abfallprodukt, entstehenden Sauerstoff geben sie wieder an die Umgebung ab. Das war natürlich nur eine sehr kurzgefasste Zusammenfassung zu diesem Thema, denn die Photosynthese und was mit ihr zusammenhängt, ist selbstverständlich sehr viel umfangreicher. Weitere Informationen dazu unter (1).
Übrigens gilt es als belegt, dass der Sauerstoff, den wir atmen, zu rund 99% aus der Photosynthese entsteht. Dies macht Grünpflanzen zu einem überlebenswichtigen Faktor für aerobe Lebewesen wie Säugetiere.
Zudem haben GrĂĽnpflanzen einen wichtigen Einfluss auf das Klima, weshalb es mir absolut unverständlich ist, dass u. a. immer mehr Wälder, insb. Regenwälder, abgeholzt werden. Und das, obwohl ĂĽberall Wissenschaftler warnen, dass z. B. der Klimawandel immer schneller fortschreitet. Es scheint, als wäre die Menschheit nicht dazu in der Lage, ihre Ignoranz abzulegen, um bspw. zu verstehen, dass wir alle von der Natur abhängig sind und einzusehen, dass wir Menschen es sind, die unseren Lebensraum zerstören. Und wenn wir so weitermachen wie bisher, wird dieser Lebensraum schon in wenigen Jahrzehnten mehr oder weniger völlig zerstört sein. Die Anzeichen sind jetzt schon sicht- und spĂĽrbar, doch es gibt immer noch unzählige Menschen, die bspw. den Klimawandel fĂĽr eine LĂĽge halten. Die sich fĂĽr die weitere Nutzung umweltschädlicher Energiequellen etc. einsetzen. Ein Beispiel dafĂĽr ist Klimawandelleugner Trump, der erst vor einigen Tagen endgĂĽltig grĂĽnes Licht fĂĽr das – berechtigterweise – äuĂźerst umstrittene Keystone-Pipeline-Projekt gegeben hat. Ă„hnliche Tendenzen sieht man bei rechten Parteien wie der AfD: Ja zu Atomkraftwerken, Ja zum Kohleabbau, Nein zum Klimaschutz.
Doch das wäre nochmal ein anderes Thema.
Bleibt zu hoffen, dass es doch bald zu einem echten Umdenken kommt, bevor es zu spät ist. Denn wenn wir so weitermachen, werden wir – wie schon gesagt – den Planeten, auf dem wir leben dĂĽrfen, zerstören. Und zwar ausschlieĂźlich aus wirtschaftlichen bzw. materiellen GrĂĽnden.
Deshalb sollten wir alle mehr auf unsere Umwelt achten; denken wir zur Abwechslung wirklich mal daran, was auf zukünftige Generationen zukommen könnte.
Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, den Grundlagen der Pflanzenbestimmung. Nachdem zu den Laubblättern das Wichtigste geschrieben ist, wende ich mich nun kurz dem Stängel zu, denn auch dieser kann manchmal ausschlaggebend für die Unterscheidung von Pflanzen sein:
Der Stängel kann bspw. vierkantig, rund und hohl, dreikantig, rund und nicht hohl, gefurcht oder verholzt sein. Bei einigen Arten ist auch Milchsaft im Stängel enthalten, der meist weiß oder gelblich ist.
Ebenfalls eine Rolle bei der Bestimmung spielen können:

▫ der Stängelwuchs (aufrecht, liegend, schwimmend liegend-kletternd mit oder ohne Ranken etc.);
â–« die Behaarung (vorhanden oder nicht vorhanden, fein, stark, rauh/borstig, filzig, dornig oder stachelig);
â–« die Verzweigung (keine, starke oder schwache);
▫ die Beblätterung (unbeblättert mit oder ohne Hoch- und/oder Endblatt, normal oder schuppenartig beblättert);
▫die Farbe (diverse Grüntöne, rötlich, mehrfarbig (z. B. unterer Stängelbereich rötlich, oberer grünlich), bräunlich).

Als Grundlage dürfte das nun ausreichen, auf die jeweiligen Besonderheiten der einzelnen Pflanzen, die für ihre Bestimmung wichtig sind, werde ich dann in den Beschreibungen der jeweiligen Heilpflanzen näher eingehen.

Einige weitere Informationen zu Laubblättern und ihrer Bestimmung bzw. Anatomie unter (2).

(1)
http://www.pflanzenforschung.de/de/themen/lexikon/photosynthese-285/

https://www.fsbio-hannover.de/oftheweek/120.htm

http://www.bioclips.de/content/02_assimil/grundl.html

http://www.bio.vobs.at/botanik/b-photosynthese-4.htm

Zu Chloroplasten:
http://www.chemgapedia.de/vsengine/vlu/vsc/de/ch/8/bc/vlu/photosynthese/ps_chloro.vlu/Page/vsc/de/ch/8/bc/stoffwechsel/photosynthese/photopigment1.vscml.html

(2)
http://de.hortipedia.com/wiki/Blatt

http://www.heimbiotop.de/merkmale.html

http://www.biologie.uni-ulm.de/lehre/allgbot/anablatt.html

http://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/biologie/ag-doerken/pdf/Morphologie/2_Blatt.pdf (pdf-Datei)

http://www.blattbestimmung.de/

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