Grundlagen der Pflanzenbestimmung – Teil 4


🔹 Die Früchte
Bei nahezu allen BlĂĽtenpflanzen entstehen nach einer Befruchtung durch Insekten FrĂĽchte.
Diese spielen bei der Bestimmung natĂĽrlich nur eine Rolle, wenn es die FrĂĽchte sind, die gesammelt werden sollen.
In der Regel bestehen FrĂĽchte aus den verschiedenen Teilen der BlĂĽten und manchmal zusätzlichen „Hilfsorganen“. Mehr zum genauen Aufbau unter (1).
In ihnen ist der Samen enthalten, der bei der Reife freigegeben und ausgebreitet wird. Die Art und Weise der Verbreitung der Samen spielt u. a. eine Rolle bei der Klassifizierung der FrĂĽchte. Allerdings kann die systematische Gliederung der FrĂĽchte auch nach anderen Kriterien erfolgen. Mehr oder weniger grob lassen sich drei Gruppen unterscheiden, die nochmals unterteilt werden:

◾ Einzelfrüchte➡Bei Einzelfrüchten handelt es sich um Früchte wie bspw. Beeren, Nüsse, Steinfrüchte oder Kapseln.
Diese entstehen aus Blüten, bei denen meist mehrere Fruchtblätter miteinander verwachsen sind. Unterteilt werden die Einzelfrüchte in:

▪ Öffnungs-/Spaltfrüchte➡Bei dieser Untergruppe werden die Samen zur Zeit der Fruchtreife freigegeben.

Beispiele fĂĽr in dieser Untergruppe enthaltene Arten von EinzelfrĂĽchten:

▫ Schoten➡Hier besteht der Fruchtknoten aus zwei oder vier Fruchtblättern, die zusammen mit einer falschen Scheidewand, auf der die Samen liegen, verwachsen sind. Zwei dieser Fruchtblätter lösen sich bei Reife von der sog. Plazentarleiste, wodurch die Frucht geöffnet wird. Schoten kommen bei Kreuzblütlern und manchen Mohngewächsen wie dem Schöllkraut vor.

▫ Kapseln➡ Bei den Kapseln sind mind. zwei, oft auch mehrere Fruchtblättern miteinander verwachsen. Da verschiedene Kapseln bei ihrer Reife auf verschiedene Arten aufspringen, werden sie ebenfalls noch einmal unterteilt in verschiedene Kapselformen. Einige Kapseln lassen sich nicht einer dieser Formen zuordnen, da sie sich unregelmäßig öffnen.

Spaltkapseln können sich nicht ganz öffnen, da an der Fruchtwand nur senkrechte Spalten entstehen. Auch diese Art von Kapseln wird noch einmal unterteilt, was ich aber aus Umfangsgründen überspringe.
Die verschiedenen Spaltkapseln kommen bspw. bei vielen Liliengewächsen (Liliaceae), Nachtkerzen (Oenothera), Schwertlilien (Iris), Diptam (Dictamnus) und Johanniskräutern (Hypericum) vor.

– Bei Deckelkapseln löst sich am obersten Ende ein Kapseldeckel ab. Beispiele fĂĽr Pflanzen, die Deckenkapseln bilden, sind u.a. Nachtschattengewächse (Solanaceae), Wegerichgewächse (Plantaginaceae) und Berberitzengewächse (Berberidaceae).

Porenkapseln, die sich in gewisser Weise gar nicht richtig öffnen, da bei ihnen lediglich kleine Löcher entstehen, durch die dann die Samen herausfallen können.
Porenkapseln sind bei Mohn (Papaver), Glockenblumen (Campanula) und Löwenmäulchen (Antirrhinum) zu finden.

▫ Balgfrüchte➡Hier besteht der Fruchtknoten aus einem einzigen Fruchtblatt, welches an der Bauchnaht verwächst. An dieser Naht öffnen sich die Balgfrüchte bei ihrer Reife.
Beispiele für Pflanzen, die Balgfrüchte bilden sind: Sternanisgewächse (Schisandraceae), Magnolien (Magnolia), Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae), etc.

▫ Hülsen➡Hülsenfrüchte ähneln äußerlich den Schoten, jedoch fehlt bei ihnen die falsche Scheidewand. Zudem bestehen sie, anders als die Schoten, aus nur einem Fruchtblatt.
Hülsen öffnen sich sowohl an der Rücken-als auch der Bauchnaht.
Hülsen werden, wie der Name schon andeutet, von Hülsenfrüchtlern gebildet. Dazu zählen u.a. Erbsen (Pisum), Linsen (Lens) und Bohnen, die umgangssprachlich als Schoten bezeichnet werden, botanisch aber Hülsenfrüchtler sind. Eine Besonderheit der Hülsenfrüchtler ist, dass sehr viele ihrer Arten eine wichtige Rolle für unsere Ernährung spielen. Neben den drei eben genannten sind das z. B. Sojabohnen (Glycine max), Erdnüsse (Arachis), Kichererbsen (Cicereae) und Lupinen (Lupinus).

▪ Schließfrüchte➡Bei ihnen bleiben die Samen bis zu ihrer Verbreitung von der Fruchtwand eingeschlossen, d.h., sie werden zusammen mit der Frucht verbreitet. Unterschieden werden hier:

▫ Beeren➡Die Fruchtwände sind auch im Reifezustand noch fleischig oder saftig, wobei hier zwischen Endo-, Meso- und Exokarp unterschieden werden muss: Die ersten beiden Schichten sind bei Beeren fleischig und saftig, die als Exokarp bezeichnete Außenschicht bildet eine Art Haut.
Zu dieser Fruchtart zählen bspw. Heidelbeeren (Vaccinium), Johannisbeeren (Ribes), Tomaten (Solanum sect. Lycopersicon) und Gurke (Cucumis).
Eine Variation der normalen Beere sind die sog. Lederbeeren, die vor der Reife austrocknen und dessen Fruchtwand ledrig und zäh wird.
Ein Beispiel dafĂĽr ist Paprika (Capsicum).

▫ Nüsse➡Als Nüsse bzw. Nussfrüchte werden einsamige Früchte bezeichnet, bei denen die gesamte Fruchtwand (Endo-, Meso- und Exokarp) holzig bis lederig geworden ist. Häufig ist hier die Fruchtwand untrennbar mit dem Samen verwachsen.
Zu den Nüssen gehören u.a. Haselnüsse, Walnüsse (Juglans; gehörten vorher zu den Steinfrüchten), Eicheln, Edelkastanien (Maroni) und die Erdnüsse (Arachis). Letztere ist zwar eine Variation der Hülsenfrucht, zählt aber zu den Schließfrüchten, da sie sich bei der Fruchtreife nicht öffnen oder spalten.
Unterschieden werden Karyopsen (oberständiger Fruchtknoten), die bei Gräsern vorkommen, und Achänen (unterständiger Fruchtknoten), die bspw. bei Korbblütlern zu finden sind.

▫ Steinfrüchte➡Diese Schließfruchtart ist sozusagen eine Mischung aus Beeren und Nüssen. Die innere Schicht der Fruchtwand ist bei ihnen holzig bis ledrig, wogegen die mittlere Schicht fleischig und saftig und die äußere Schicht häutig ist. Für gewöhnlich sind Steinfrüchte einsamig.
Beispiele fĂĽr SteinfrĂĽchte sind Kirschen, Pflaumen (Prunus domestica), Holunder (Sambucus), Mangos (Mangifera), Mandeln (Prunus dulcis), Pfirsiche (Prunus persica), Oliven (Olea) etc.

◾ Sammelfrüchte➡Unter den Sammelfrüchten sind Sonderformen der oben genannten Fruchttypen zusammengefasst. Sie entstehen aus Blüten mit mehreren Fruchtblättern, die sich jeweils zu Einzelfrüchten entwickeln. Da sie durch Fruchtwände oder Gewebe der Blütenachse verbunden sind, bilden sie eine Einheit.
Unterschieden werden die SammelfrĂĽchte entsprechend ihrer EinzelfrĂĽchte in:

▪ Sammelbalgfrüchte, bspw. bei Pfingstrosen, Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae) wie Ritterspornen (Delphinium), Eisenhut (Aconitum) und Trollblumen (Trollius), Spiersträuchern (Spiraea) etc. vor.
Eine Sonderform sind Äpfel, die biologisch zu den Scheinfrüchten zählen, da ihr Fruchtfleisch nicht aus dem Fruchtknoten der Blüte entsteht, sondern sich aus der Blütenachse bildet. Aus dem balgähnlichen Fruchtblatt entsteht innerhalb des Fruchtfleisches ein pergamentartiges Gehäuse; die Samen im Inneren sind braun bis schwarz und die nicht essbar sind, da sie Cyanide enthalten.

▪ Sammelbeeren➡Die einzelnen Beeren sind bei dieser Sonderform miteinander verwachsen, bei einigen Pflanzen gehört auch der Blütenboden häufig zur Frucht. Sammelbeeren kommen eher selten vor, ein Beispiel wären bspw. die Früchte der Kermesbeeren (Phytolacca).

▪ Sammelsteinfrüchte sind eine weitere Sonderform der Sammelfrüchte, die gebildet werden, indem die an der leicht vorgewölbten Blütenachse aus zahlreichen Fruchtblättern entwickelten kleinen Steinfrüchte untereinander zusammenhaften. Diese löst sich im Reifezustand als Einheit ab und kommt insb. bei Pflanzen aus der Gattung Rubus vor. Dazu gehören u.a. Brombeeren, Himbeeren und Moltebeeren.

▪ Sammelnussfrüchte➡Dieser Fruchttyp kommt vor allem bei Rosengewächsen (Rosaceae) vor. Beispiele sind hier Erdbeeren (die Nüsschen sitzen auf dem nach oben gewölbten, fleischigen Blütenboden) und Hagebutten (der becherförmige, ebenfalls fleischige Blütenboden umschließt die Nüsschen).

▪ Fruchtverbände➡Bei einem Fruchtverband wird aus mehreren Einzelblüten eines Blütenstandes jeweils eine Einzelfrucht gebildet. Diese verbinden sich durch fleischiges Achsengewebe oder Blütenteilen miteinander, oftmals verwachsen sie zur Fruchtreife miteinander, wodurch eine Scheinfrucht entsteht.
Unterschieden werden:

Beerenverbände, bei denen sich aus jeder einzelnen Blüte jeweils eine Beere entwickelt hat. Ein Beispiel dafür ist die Ananas.

Steinfruchtverbände, die aus einer Vielzahl winziger Blüten, die in einem krugförmigen Blütenstand stehen, entstehenden Steinfrüchte bestehen. Zu ihnen zählen insb. Feigen (Ficus carica).

Nussverbände, die vor allem unter den Maulbeergewächsen (Moraceae), zu denen neben der namensgebenden Maulbeere (Morus) auch der Brotfruchtbaum (Artocarpus altilis) gehört, weit verbreitet sind.

Zum Abschluss Zeichnungen einiger der beschriebenen Fruchttypen:

Damit wären die wichtigsten Grundlagen der Pflanzenbestimmung soweit komplett, für weitergehende Informationen habe ich, wie in den drei anderen Teilen, auch hier einige Links angefügt:

http://www.biologie.uni-ulm.de/lehre/allgbot/frucht.html

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/biologie/ag-doerken/pdf/Morphologie/4_Fruechte.pdf (pdf-Datei)

http://www.wikiwand.com/de/Frucht

http://www.seed-dispersal.info/de/further-information/ausbreitungsmerkmale/diaspore-fruit-traits/fruchttypologie.html

(1)
http://www.xonk.de/biologie/studium/botanik/botanik_alt_lerninhalte/semester1/samen_fruechte/

http://www.amleto.de/pflanzen/fachbegr/39fru2.htm

Beitragsbild gefunden unter http://www.snacky.ch/media/wysiwyg/Bilder-Inhalte/Fruechte_komposition.jpg

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