Die Verarbeitung von Heilpflanzen – Die Trocknung


Bevor ich zu der Hauptthematik der folgenden Beiträge komme, der Zubereitung von Mitteln aus Heilpflanzen, möchte ich in diesem Beitrag noch auf die wichtigsten Punkte zum Trocknen von Heilpflanzen hinweisen.

Der Trocknungsvorgang sollte im Allgemeinen an einem mäßig warmen, luftigen und nicht zu hellen Ort erfolgen. Einzelne Pflanzenteile und kleinere Pflanzen werden am besten zum Trocknen auf Unterlagen wie Küchenpapier, Stofftücher und/oder Holzbretter gelegt.

Gut geeignet für Kräuter, die im Ganzen kopfüber zum Trocknen aufgehangen werden können, ist bspw. ein Dachboden. Wenn keiner vorhanden ist, kann man auch einen Wäscheständer benutzen. Im Sommer kann bei trockenem Wetter theoretisch auch draußen getrocknet werden, allerdings gibt es dabei einige Einschränkungen:

– Die Möglichkeit von Regen und einer erhöhten Luftfeuchtigkeit sollte beim Trocknen außerhalb der Wohnung/des Hauses natürlich bedacht werden. Während Regen in der Regel vorher zu erahnen ist, stellt eine erhöhte Luftfeuchtigkeit ein etwas weniger ’sichtbares‘ Risiko dar. Denn eine zu hohe Feuchte in der Luft beeinträchtigt den Trocknungsvorgang und kann die zu trocknenden Pflanzenteile gar unbrauchbar machen. Deshalb und wegen der Gefahr von Morgentau sollten die zu trocknenden Pflanzen zum Abend hereingeholt werden. Zudem sollten sie nur rausgehängt/-gelegt werden, wenn man sie zur Not schnell hereinholen kann.

– Direkte Sonneneinstrahlung sollte vermieden werden, da dies für den Gehalt der Inhaltsstoffe in der Regel nicht gut ist. Durch zu große Hitze und zu hoher Lichtstrahlung können einige Wirkstoffe zerstört werden. Dazu später noch mehr.
Aus diesem Grund sollte in jedem Fall ein eher schattiger Platz gesucht werden.
Da Feuchtigkeit den Trocknungsvorgang stört, versteht es sich von selbst, dass die Pflanzenteile nicht mit Wasser gereinigt werden dürfen, da sie dann leicht verderben können. Daher sollte man bereits beim Sammeln darauf achten, keine stark verschmutzten Pflanzenteile zu pflücken.

Im Folgenden einige Besonderheiten die beim Trocknen der einzelnen Pflanzenteile beachtet werden sollten:

Laubblätter
Am besten werden die Laubblätter, die zum Großteil möglichst jung gesammelt werden sollten, dünn ausgebreitet getrocknet. Dabei sollte unbedingt die direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden, da dies – wie erwähnt – die Wirkstoffkonzentration beeinträchtigen kann. Dies ist insb. bei Pflanzen der Fall die ätherische Öle und Vitamine enthalten, weshalb viele dieser Kräuter häufig frisch verarbeitet werden.
So ist die Flüchtigkeit der ätherischen Öle und Vitamine auch in der Nutzung in der Küche zu beachten: Kräuter wie Basilikum und Schnittlauch bspw. sollten immer erst kurz vor dem Servieren zugegeben werden, da zu viel Hitze das Aroma mindern kann.
Ähnliches gilt für Kräuter, die Vitamine enthalten. Diese werden eigentlich ohnehin am besten in Salaten und Kräuterquarks genutzt,
ansonsten werden sie vorsichtig kurz gedünstet.
Für die Zubereitung von Tee und Teemischungen sind jedoch getrocknete Blätter besser geeignet, nicht zuletzt wegen der Haltbarkeit. Schließlich sollten Teemischungen aufbewahrt werden können. Zudem bekommen einige Laubblätter ihr besonderes Aroma erst durch den Trocknungsvorgang.
Auf die Besonderheiten, die bei den verschiedenen Pflanzenarten zu beachten sind, werde ich in den individuellen Pflanzenbeschreibungen hinweisen.

Die Blätter sind ausreichend trocken, wenn sie zwischen den Fingern zerbröseln, aber zugleich noch grün sind. Blätter, die nach der Trocknung eher bräunlich aussehen, werden aussortiert. Es sei denn, es sind Inhaltsstoffe wie Aucubine und Chinone enthalten. Dies betrifft bspw. Wegerichgewächse (Plantaginaceae) wie Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und Ehrenpreis (Veronica) sowie Königskerzen (Verbascum; Braunwurzgewächse), Augentrost (Euphrasia; Sommerwurzgewächse), Äpfel (Malus) und Blätter der Bärentraube (Arctostaphylos). Ist dies der Fall, werde ich das in den jeweiligen Pflanzenbeschreibungen extra erwähnen.

Blätter, die Gerbstoffe enthalten können fermentiert werden. Besonders gut geeignet dazu sind Laubblätter des Brombeerstrauches. Ein Tee aus frischen Brombeerblättern ist nahezu geschmacklos, einen aromatischen Tee erhält man erst durch die Fermentierung. Siehe dazu Link unter (1).

Die Blätter, die auch nach dem Trocknen noch in Ordnung sind, werden in Gefäßen möglichst aus (dunklem) Glas gefüllt und an einem lichtgeschützten Platz aufbewahrt.

Blüten
Bei den Blüten kommt es darauf an, wie groß und dicht die Blüten sind. So werden die bei Korbblütlern am besten die Einzelblüten vom Blütenköpfchen abgezupft und dann am besten auf einem Blatt Papier dünn ausgebreitet getrocknet. Die Röhrenblüten im Inneren des Körbchens können an Ort und Stelle bleiben.
Blütenstände werden im Ganzen gepflückt und je nach Aufbau getrocknet. So werden Blütenstände, die eher luftig aufgebaut sind, an einem Stück getrocknet werden, während bei dichten Blütenständen vor der Trocknung besser die einzelnen Blüten abgezupft werden.
Ansonsten werden die Blüten einzeln gesammelt und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt dünn ausgebreitet getrocknet.

Auch die Blüten und Blütenstände sollten noch ihre ursprüngliche Farbe und keine bräunlichen Stellen haben.

Benötigt man die gesamte Pflanze, werden die zur gleichen Art gehörenden Heilpflanzen jeweils zu Sträußen zusammengebunden (am besten mit Packband oder anderen Bändern; möglichst keine Gummis verwenden, da diese die Stängel eindrücken können) und kopfüber zum Trocknen aufgehängt.
Nach dem Trocknen werden die Blüten bzw. das blühende Kraut genauso wie die Laubblätter aufbewahrt.

Früchte/Samen
Genauso wie eben geschrieben werden Pflanzen getrocknet, deren Samen benötigt werden. Beispiel Doldenblütler wie Anis, Fenchel, Dill oder Kümmel, von denen vor allem oder auch die Samen benötigt werden:
Die Pflanzen werden wie oben beschrieben jeweils zu Sträußen zusammengebunden und kopfüber aufgehängt. Allerdings sollte hier unbedingt ein Tuch auf den Boden unter den Pflanzen gelegt werden. Dann werden die Samen, wenn sie soweit sind, von diesem Tuch aufgefangen. Sind alle Samen auf dem Tuch, werden sie mit einem Sieb von Blättchen o.ä. befreit und dann ebenso wie die anderen Pflanzenteile an einem dunklen Ort aufbewahrt.

Früchte können sehr vielseitig verarbeitet werden; sie können getrocknet (z.B. Hagebutten, Heidelbeeren, Preiselbeeren, Johannisbeeren, Weintrauben), eingekocht (Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Steinfrüchte, Ananas, Tomaten, Kürbis etc.) und eingefroren (bspw. Himbeeren, Heidelbeeren, Brombeeren, Paprika, Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen) werden, man kann sie zu Saft, Marmelade, Quarkspeisen, Suppen und Soßen verarbeiten. Und natürlich kann man die meisten Früchte auch frisch verzehren.

Besonders Beeren, aber auch Sammelfrüchte wie Hagebutten lassen sich gut trocknen. Sie können wie Wurzeln und Rinden auch im Backofen getrocknet werden, wobei die Temperatur 40 C° nicht überschreiten sollte.
Wie die jeweiligen Früchte ansonsten am besten verarbeitet werden, werde ich in den Texten zu den einzelnen Heilpflanzen näher beschreiben.

Wurzeln und Rinden
Nach dem Ausgraben bzw. Abnehmen werden Wurzeln und Rinden abgebürstet, um Anhaftungen von Erde und/oder ähnlichem zu befreien. Die Reinigung der Wurzeln durch das Abbürsten unter fließendem Wasser, wie in manchen Büchern empfohlen, sollte nur dann erwogen werden, wenn man die Wurzeln in einem speziellen Dörrgerät oder dem Backofen trocknet oder bei Verschmutzung, die anders nicht wegzubekommen ist. Dann sollten Wurzeln aber nur kurz abgespült werden. Wichtig: Auch das stärkste Trockenreiben kann nicht 100%-ig verhindern, dass Feuchtigkeit zurückbleibt.
Nach dem Abbürsten werden sehr große Wurzeln bzw. Wurzelteile und Rinden zerkleinert, da die Trocknung dadurch einfacher wird.
Will man die Wurzeln und Rinden im Backofen trocknen, sollte dies bei einer Temperatur von 30 bis maximal 50 C° erfolgen. Im Gegensatz zu Blüten und Blättern können Wurzeln und Rinden auch in der Nähe von Heizungen getrocknet werden.
Eine weitere Möglichkeit, die in vielen Kräuterbüchern genannt wird, ist, die Wurzelstücke auf Fäden zu ziehen und diese „Wurzelstückgirlande“ aufzuhängen.
Sind die Wurzeln ausreichend trocken, was man erkennt, indem sie leicht zu brechen sind, werden sie wie die anderen Pflanzenteile aufbewahrt.
Das war soweit das Wichtigste zum Trocknen von Heilpflanzen, weitere Informationen unter (2).

Im nächsten Beitrag geht es dann um die eigentliche Verarbeitung der Heilpflanzen, z. B. zu Tee, Tinkturen, Salben, Sirup etc.

(1)

http://www.kraeuterallerlei.de/fermentation-bei-der-tee-herstellung-erzeugt-intensives-aroma/

(2)
http://heilkraeuter.de/sammelkalender/trocknen.htm

http://www.pflanzenfreunde.com/heilpflanzen/kraeuter-trocknen.htm

https://www.heilpflanzenkatalog.net/pflanzentipps/4-das-richtige-trocknen-von-heilpflanzenzen.html

https://www.vitamine.com/heilpflanzen/ratgeber/selber-trocknen/

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