Die Verarbeitung von Heilpflanzen – Die Zubereitung von Kräutermitteln – Teil 1


Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten zur Verarbeitung von Heilpflanzen. Am häufigsten werden Heilpflanzen wohl genutzt, um Tee zubereiten, weshalb ich mich in diesem Teil erst einmal mit den diversen Möglichkeiten zur Teezubereitung beschäftigen werde:

🔹 Tee
Im Allgemeinen gelten für Teezubereitungen folgende Dosierungen:
– bei stark wirksamen o. bitteren Kräutern wird nur ein TL pro 250ml Wasser genommen;
– bei „normalen“ Heilpflanzen wird dagegen ein Esslöffel mit 250ml Wasser übergossen.

Aufguss
Hier werden die getrockneten, zerkleinerten Pflanzen mit kochendem Wasser übergossen, dann das Ganze – je nach Pflanzenart – fünf bis maximal zehn Minuten durchziehen lassen und mit einem Sieb abseihen.
Die meisten Tees können auf diese Weise zubereitet werden, insb. dann, wenn die Tees aus Blättern und/oder Blüten bzw. dem blühenden Kraut bestehen.
Besonders gut eignen sich Aufgüsse für Heilpflanzen wie bspw. Kornblumen, Huflattich, Ringelblumenblüten, Weißdorn, Johanniskraut und Kamillenblüten.

Kaltwasserauszug
Bei der auch als Mazerat (lat. maceratio; macerare➡einweichen) bezeichneten Zubereitungsmethode werden die getrockneten (bei einigen Pflanzen können auch frische Pflanzenteile verwendet werden), zerkleinerten Pflanzenteile mit kaltem, vorher abgekochtem Wasser übergossen. Sofort mit einem Tuch abdecken und 10 bis 16 Stunden (am besten über Nacht) ziehen lassen. Nach der Ziehzeit wo das Ganze vor dem Abseihen einmal gut durchgerührt.
Auch hier gilt für die innere Anwendung die oben angegebene Dosierungsempfehlung. Will man den Kaltwasserauszug ausschließlich äußerlich anwenden (z. B. für Umschläge) können auch mehr Kräuter verwendet werden.
Zum Trinken wird er kurz leicht angewärmt, aber nicht zu stark, um die Wirkstoffe nicht zu zerstören. Besonders wichtig ist es hier, den Tee immer frisch zuzubereiten.

Ein Kaltwasserauszug ist besonders zu empfehlen, wenn es sich um Pflanzen handelt, deren wichtigste Inhaltsstoffe ätherische Öle und Schleimstoffe sind, da diese die Hitze von kochendem Wasser nicht vertragen. Dies gilt u.a. für Blüten der wilden Malve, Lindenblüten, Isländisches Moos, Eibisch, Leinsamen und Mistel.

Absud
Hier wird das Wasser zunächst bis zum Siedepunkt erhitzt, dann erst werden die Pflanzenteile der Heilpflanze(n) zugegeben. Nach dem Aufkochen wird der Topf vom Herd genommen, zugedeckt 10 bis maximal 15 Minuten ziehen gelassen und dann abgeseiht.
Auch wenn Tee aus Heilpflanzen eigentlich immer frisch zubereitet werden sollte, ist es auch bei einem Absud besonders wichtig, ihn jedesmal frisch herzustellen.

Abkochung
Eine weitere Möglichkeit der Teezubereitung ist die auch als Dekokt (lat. decoctum, decoquere = abkochen) bezeichnete Abkochung, die vor allem für Wurzeln, Rinden und knorpelige Pflanzenteile die beste Methode ist.
Denn durch einen normalen Aufguss oder Absud könnten bei holzigen, dicken Pflanzenteilen die Wirkstoffe nicht richtig extrahiert werden. Würde man dagegen Blüten oder Blätter auf diese Art zubereiten, würden zahlreiche Wirkstoffe zerstört werden. Deshalb ist die richtige Zubereitungsform für eine positive Wirkung sehr wichtig.
Um eine Abkochung herzustellen, wird die am Anfang des Abschnitts „Tee“ angegebene Menge Pflanzenteile in Wasser angerührt, wobei wegen der Verdunstung während des Kochvorgangs etwas mehr als Wasser genommen werden sollte. Das Ganze wird zum Kochen gebracht und dann 30 Minuten unter Rühren weitergekocht. Danach noch rund fünf Minuten ziehen lassen, abseihen und etwas auspressen.
Tees, die auf diese Art zubereitet wurden, sollten möglichst vor den Mahlzeiten getrunken werden.

Einige weitere Hinweise zu Tee
Tee ist bei den meisten Beschwerden, die innerlich behandelt werden, die erste Wahl, doch es gibt einige Anwendungsgebiete, bei denen Tee besonders gut hilft – eine Auswahl:

Erkältung➡Besonders hilfreich ist bei Erkältungen Holunder- oder Lindenblütentee, insb., wenn sie bei den ersten Anzeichen getrunken werden, da sie Erreger aus dem Körper spülen, was durch ihre schweißtreibende und stoffwechselaktivierende Eigenschaften noch unterstützt wird.

Husten➡Hier muss zwischen trockenem Reizhusten und produktivem Husten unterschieden werden.
Bei trockenem Reizhusten wird vor dem Schlafengehen eine Tasse Tee aus Heilpflanzen, die hustenreizlösend bzw. hustenstillend wirken, getrunken. Beispiele für bei Reizhusten hilfreichen Pflanzen sind: Eibisch, Efeu, Königskerze, Lavendel, Veilchen etc.

Bei produktivem Husten wird Tee aus schleimlösend bzw. auswurffördernd wirkenden Heilpflanzen wie Thymian, Huflattich, Spitzwegerich, Quendel, Veilchen und/oder Ingwer über den Tag verteilt getrunken.

Kopfschmerzen➡Besonders gut gegen Kopfschmerzen wirkt ein Tee aus Madesüß, und/oder Weidenrinde, da diese Pflanzen v.a. wegen der enthaltenen Salicylsäure leicht schmerzstillend wirken. Ebenfalls hilfreich bei Kopfschmerzen ist ein Tee aus Lavendel, da dieser beruhigend wirkt und so den Druck im Kopf lindern kann.
Fangen Kopfschmerzen langsam an oder hat man das Gefühl, Kopfschmerzen zu bekommen, kann man zu Rosmarintee greifen, der verhindern kann, dass die Schmerzen stärker werden. Gut sind auch Mischungen aus verschiedenen Kräutern, z. B. ein Tee aus etwas Madesüß, Lavendel und Melisse.
Bei Migräne sind jedoch auch salicylsäurehaltige Heilpflanzen kaum wirksam. Das einzige, mir derzeit bekannte pflanzliche Mittel, dass bei Migräne helfen kann ist Ingwer, der nicht nur dem Schmerz lindern kann, sondern auch gegen Übelkeit hilft.
Nebenbei: Ein anderes Hausmittel, das bei Kopfschmerzen schnell einsetzbar ist, ist Minzöl. Einfach ein bis zwei Tropfen auf die Schläfen geben und einmassieren.

Generell gilt: Bei ständigen, also chronischen Kopfschmerzen unbedingt einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abklären zu lassen. Dasselbe gilt für Kopfschmerzen, die in bestimmten Situationen und/oder immer häufiger auftreten. Eine Selbstbehandlung kommt nur bei leichten Kopfschmerzen, die bspw. durch eine Erkältung oder auch kurzzeitigen Stress verursacht werden, in Frage.

Blasenentzündung➡Wichtig: Blasenentzündungen (Zystitis) sollten, insb., wenn sie häufig vorkommen, mit Antibiotika behandelt werden, da die Erreger sonst über die Harnleiter in die Nieren gelangen können, was dann zu einer Ausweitung der Blasenentzündung führt, die unbehandelt zu irreparablen Nierenschäden führen kann. Die Antibiotikabehandlung kann jedoch wunderbar mit Tees das Ausspülen der Erreger unterstützt werden. Dazu eignen sich am besten Teemischungen mit harntreibenden, entschlackenden und antibakteriell wirkenden Heilpflanzen wie Goldrute, Acker-Schachtelhalm, Birkenblätter, Hauhechel, Liebstöckel, Gundermann, Kapuzinerkresse und/oder Meerrettich.

Halsschmerzen➡Das wohl bekannteste Mittel gegen Halsschmerzen ist Salbei. Der Tee aus Salbeiblättern wird getrunken und kann zusätzlich zum Gurgeln genutzt werden.
Ebenfalls hilfreich bei Halsschmerzen ist ein Tee aus Blättern und Wurzel des Eibisch, der durch seine Schleimstoffe entzündungshemmend und reizlindernd wirkt.

Schlafstörungen➡Besonders zu empfehlen ist ein Tee aus Baldrianwurzel, ebenfalls beim Einschlafen hilft ein Tee oder eine Teemischung aus beruhigenden, entspannend wirkenden Heilpflanzen wie Passionsblume, Lavendel, Hopfen und/oder Melisse.
Dies gilt für vorübergehende Schlafstörungen, die durch Ereignisse wie bevorstehende Prüfungen, kurzzeitige nervöser Unruhe o.ä. hervorgerufen werden können. Bei langanhaltenden, schwerwiegenden Schlafstörungen dagegen sollte ein Arzt hinzugezogen werden, da diese bspw. durch psychische/psychosomatische Probleme hervorgerufen werden können.

Magenbeschwerden➡Bei Verdauungsbeschwerden im Allgemeinen helfen Tees aus Anis, Kümmel, Kamille, Fenchel u.ä.; bei Sodbrennen ist eher ein Tee aus Süßholz zu empfehlen.

Im Folgenden noch eine Aufzählung von haltbar machenden und geschmacksverbessernden Kräutern:

Heilpflanzen, die Tees bzw. Teemischungen länger haltbar machen sind z. B. Huflattich, Himbeerblätter, Salbei, Beifuß, Ehrenpreis und Spitzwegerich.
Kräuter wie Pfefferminze, Melisse, Anis, Lavendel Süßholz und Fenchel dagegen sorgen für einen verbesserten Geschmack.
Selbstverständlich haben die genannten Pflanzen auch alle eigene Heilwirkungen, weshalb sie natürlich auch als einzige Teezutat genutzt werden können. Als Ergänzungskraut wählt man jeweils die Heilpflanzenart aus, die von den Wirkungen und dem Geschmack zu der jeweiligen Teemischung passt. So kann in Erkältungstees bspw. Pfefferminze und/oder Melisse zugegeben werden, bei Teemischungen gegen Kopfschmerzen kann neben Lavendel auch Baldrian zugegeben werden, um die entspannende Wirkung zu verstärken.
Himbeerblätter passen zu so ziemlich jeder Teemischung, weshalb sie die beste Möglichkeit zur Haftbarmachung von Tees darstellen.
Das war denke ich das Wichtigste zu der Zubereitung der verschiedenen Teevarianten; mehr zur Herstellung von Tees bspw. unter:

http://heublumen.net/herstellung-von-heilpflanzen-tee/index-mobile.php

http://www.heilpflanzen-welt.de/2014-03-Heiltee-Zubereitungwillgelerntsein/

http://heilkraeuter.net/anwendungen/index.htm

Im nächsten Teil geht es dann um weitere Möglichkeiten der Verarbeitung, wie die Herstellung von Ölauszügen, Tinkturen, Kräutersirup etc.

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