Die Verarbeitung von Heilpflanzen – Die Zubereitung von Kräutermitteln – Teil 2


Nachdem ich mich im ersten Teil zum Thema Zubereitung von Kräutermitteln mit der Herstellung von Tee beschäftigt habe, befasse ich mich nun im zweiten Teil mit der Herstellung von weiteren Mitteln aus Heilpflanzen wie Tinkturen, Ölauszüge und Kräutersirup etc.

Tinkturen
Tinkturen haben wegen des enthaltenen Alkohols den Vorteil, dass sie lange haltbar sind. Für die Zubereitung von Tinkturen muss selbstverständlich nicht der teure Alkohol aus der Apotheke verwendet werden, Weinbrand ist genauso einsetzbar wie Wodka. Wichtig ist nur, dass der verwendete Alkohol mind. 40 %-ig ist, damit er auch wirklich konservierend wirkt.

Zur Zubereitung selbst werden 250 g der gewünschten Pflanzenteile in ein Einmachglas gegeben und mit 500 ml Alkohol übergossen. Fest verschlossen wird das Glas für sieben bis zehn Tage an einen mäßig warmen Ort gestellt. Während dieser Zeit sollte das Ganze einmal am Tag gut durchgeschüttelt werden. Nach der Ziehzeit wird das Ganze abgeseiht und in dunkle Flaschen gefüllt.

Je nachdem, wie die Tinktur verwendet werden soll, kann die Menge etwas variiert werden:
Für die äußere Anwendung können etwas mehr Kräuter genommen werden, für die innere Anwendung und bei stark wirksamen Heilpflanzen sollten weniger Pflanzenteile eingesetzt werden.
Es ist auch möglich, Tinkturen aus mehreren Kräutern herzustellen, die dann als „zusammengesetzte Tinkturen“ bezeichnet werden.

Wichtig: Es versteht sich von selbst, dass Tinkturen nicht angewendet werden sollten, wenn eine Alkoholabhängigkeit vorliegt. Ist bspw. ein Familienmitglied von einem Alkoholproblem betroffen, sollte man besten auf die Nutzung von Tinkturen verzichtet werden, aber zumindest sollten die Flaschen, die Tinkturen enthalten, noch einmal zusätzlich kenngezeichnet werden.

Eingenommen werden Tinkturen immer verdünnt, die genaue Menge ist abhängig von der jeweils enthaltenen Pflanze. In manchen Fällen kann man auch einige wenige Tropfen der Tinktur auf einen Teelöffel Zucker geben, einnehmen und mit Wasser nachspülen.
Besonderheiten, genaue Dosierungen und/oder besonders gut geeignete Pflanzen werde ich jeweils in den Pflanzenbeschreibungen nennen. Im Allgemeinen sollten Tinkturen innerlich vor dem Essen eingenommen werden, insb., wenn sie wegen Beschwerden des Verdauungsapparates angewendet werden.

Kräutersirup
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein Sirup aus Heilpflanzen herzustellen. Hier die beiden Zubereitungsarten, die mir am ehesten zugesagt haben:

1.) 100 g der jeweiligen frischen Pflanzenteile waschen, trockentupfen, wenn nötig, zerkleinern und in 500 ml Wasser aufkochen. Das Ganze bei schwacher Hitze 30 Min. köcheln lassen, den Saft einer Zitrone hinzufügen und abseihen. Dann den Sud mit 500 g Zucker unter Rühren eindicken, bis eine sirupartige Konsistenz entsteht. In ein Glasgefäß füllen und einen Tag durchziehen lassen.

2.) Eine Zitrone in Scheiben schneiden, mit 500 g Zucker und 500 ml Wasser aufkochen. Wenn sich der Zucker gelöst hat, 100 g der gewünschten frischen Kräuter in ein hitzebeständiges Glasgefäß füllen und mit der Zucker-Zitronen-Flüssigkeit aufgießen. Gut verschließen und mind. einen Tag, besser zwei Tage, ziehen lassen, danach filtern.

Mir persönlich sagt die erste Variante mehr zu, doch egal, welche Möglichkeit auch genutzt wird: Das fertige Sirup in gut verschließbare, möglichst dunkle Flaschen füllen und im Kühlschrank aufbewahren. Dort ist es ungeöffnet bis zu sechs Monate haltbar, geöffnet einen Monat.

Eine weitere Möglichkeit ist, das Sirup in Eiswürfelformen einzufrieren. Diese können dann zur Aromatisierung bzw. zum Süßen von Desserts, Mineralwasser, Milch o.ä. verwendet werden.

Bei der Anwendung von Kräutersirup als Heilmittel wird je nach Beschwerden und Wirkungsweise der Pflanzenart je morgens und abends ein Löffel des Sirups genommen.

Besonders gut geeignet für die Herstellung von Kräutersirup sind Pflanzen, wie Waldmeister, Thymian, Veilchen, Salbei, Lavendel und Melisse sowie die Blüten von Holunder und Linde.
Besondere Dosierungsangaben u.ä. werden in den einzelnen Pflanzenbeschreibungen zu finden sein.

Ölauszüge
Eine weitere wichtige Zubereitungsform sind Ölauszüge.
Zur geläufigsten Art der Zubereitung werden 250 g (je nach Art) getrocknete oder frische Pflanzenteile in einem gut verschließbaren Einmachglas mit 500 ml Öl übergossen. Das Glas fest verschließen und für etwa einen Monat an einen warmen, möglichst sonnigen Platz stellen, täglich durchschütteln.
Nach der Ziehzeit abseihen und dabei die Pflanzenteile gut auspressen. Danach noch einmal , am besten durch eine Filtertüte, filtern und das Öl in dunkle Fläschchen bzw. eine dunkle Flasche füllen.

Die Menge der Kräuter und des Öls kann selbstverständlich angepasst werden (wichtig ist, dass die Pflanzenteile komplett von Öl bedeckt sind), denn es sollte immer nur so viel Kräuteröl hergestellt werden, wie in einem Jahr benötigt wird. Länger sollte es nicht aufbewahrt werden, da das Öl sonst mit der Zeit ranzig wird. Es gibt zwar Möglichkeiten, das ranzig werden künstlich zu verhindern, doch ich persönlich halte davon wenig.

Besonders gut geeignet zur Herstellung von Kräuterölen sind bspw. Johanniskraut- und, Lavendelblüten, Basilikum, Ringelblumenblüten sowie Oregano.

Welches Öl am besten geeignet ist, hängt vor allem davon ab, wie das jeweilige Kräuteröl genutzt werden soll. Im Allgemeinen ist Oliven-, Keim- oder Sonnenblumenöl eine gute Wahl. Soll das Heilpflanzenöl äußerlich, z. B. zur Hautpflege, eingesetzt werden, ist bspw. Kokos-, Mandel-, Jojoba- oder Sesamöl eine gute Möglichkeit.
Einzelne Pflanzen betreffende Besonderheiten, die bei der Herstellung von Ölauszügen zu beachten sind, werde ich natürlich in den jeweiligen Pflanzenbeschreibungen erwähnen.

Saft
Der Saft (Succus) aus Heilpflanzen wird vor allem in Frühjahrskuren verwendet, kann aber auch zur äußeren Behandlung von Wunden, Pickeln o.ä. eingesetzt werden.
Säfte selbst herzustellen, ist mit den richtigen Hilfsmitteln recht einfach, allerdings müssen sie jedesmal frisch zubereitet werden. Am einfachsten ist es natürlich, den Saft mit einer Saftpressmaschine zuzubereiten. Es ist aber auch möglich, die Pflanzenteile mit etwas Wasser in einem Mörser zu zerreiben, um Saft herzustellen. Dies ist jedoch etwas langwieriger, da aus Pflanzenteilen wie Blättern und Stängeln jeweils nur wenig Saft zu gewinnen ist; man benötigt also vergleichsweise viele Kräuter.

Wer z. B. im Frühjahr wirklich eine Saftkur mit Löwenzahn und anderen gesunden Frühlingskräutern machen möchte, sollte sich daher vielleicht überlegen, ob es nicht einfacher wäre, die benötigten Säfte fertig zu kaufen. Zu erhalten sind Pflanzensäfte in Naturläden bzw. Reformhäusern. Der Nachteil dabei sind allerdings die Kosten.

Die Verarbeitung zu Saft ist vor allem bei Pflanzen(teilen) zu empfehlen, die frisch verwendet werden sollten, um ihre Wirkstoffe zu erhalten. Dazu zählen neben Früchten wie Heidelbeeren, Cranberries, Ananas, Brom- und Himbeeren bspw. Löwenzahn, Birkenblätter, Brennnessel, Petersilie, Kresse etc. Bei besonders bitteren Pflanzen sollte der Saft mit anderen Säften (z. B. Tomaten- oder Karottensaft) vermischt werden.

Pflanzenbrei
Dazu werden die zuvor gemahlenen bzw. im Mörser zerstoßenen Kräuter mit kochendem Wasser angerührt und so lange unter ständigem Rühren gekocht, bis die Konsistenz senfähnlich ist.
Aus dem entstandenen Brei werden am besten Umschläge gemacht, die sowohl heiß als auch kalt angelegt werden können.
Heute werden solche Breiumschläge zu einem großen Teil von elektrischen Heizkissen etc. verdrängt, dennoch sind sie bei manchen Beschwerden (z. B. Blähungen und Koliken) kaum wegzudenken.
Am bekanntesten sind Breiumschläge aus Leinsamen, Kamille und Bockshornklee, bspw. bei rheumatischen Beschwerden sind auch Umschläge mit dem Brei aus Brennnesseln zu empfehlen.

Soweit der zweite Teil mit den wichtigsten Zubereitungsformen; weitere Informationen z. B. unter:
http://www.heilkraeuter.de/rezept/Kopie%20von%20index.htm

http://heilpflanzen-experten.de/service/herstellung-von-oelauszuegen-und-tinkturen.html

http://krautwerk.de/oelauszuege/

Im nächsten Teil folgen noch einige andere Möglichkeiten der Weiterverarbeitung von Heilpflanzen – z. B. die Herstellung kandierter Blüten und Salben.

Das Beitragsbild mit Johanniskraut und Wiesen-Labkraut habe ich letztes Jahr im Sommer gemacht.

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2 Gedanken zu “Die Verarbeitung von Heilpflanzen – Die Zubereitung von Kräutermitteln – Teil 2

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