Verarbeitung von Heilpflanzen – Die Zubereitung von Kräutermitteln – Teil 3


In diesem dritten und letzten Teil möchte ich noch einige andere Möglichkeiten zur Verarbeitung von Heillflanzen vorstellen:

Kandierte Blüten und Blätter
Dazu werden die frischen Blüten und/oder Blätter in ein bis zwei steif geschlagenen Eiweiß gewendet, bis sie komplett mit Eiweiß bedeckt sind. Möglich ist auch, die Pflanzenteile mit einem Küchenpinsel zu bepinseln. Dann werden sie in Puderzucker oder normalem Zucker gewendet und auf ein mit Backpapier ausgelegtem Ofenrost für zwei Tage an einem warmen Ort zum Trocknen aufgestellt.
Eine andere Variante ist, die gezuckerten Blüten und Blätter bei 30 C° im Backofen zu trocknen, wobei die Backofentür einen Spalt geöffnet bleiben sollte.
Nach dem vollständigen Trocknen werden die Blüten vorsichtig in ein gut verschließbares Glas (möglich sind auch luftdichte Keksdosen) gefüllt. Um ein eventuelles Verkleben der Blüten zu verhindern, kann zwischen jede Schicht kandierter Pflanzenteile eine Lage dünnes Papier gelegt werden.
Aufbewahrt an einem kühlen, dunklen Ort halten sich die gezuckerten Blüten und Blätter recht lange.
Mit ihnen können Desserts, Kuchen bzw. Torten, Sorbets etc. garniert werden.
Bei kleineren Pflanzen kann auch das gesamte blühende Kraut gezuckert werden, doch die Länge des Pflanzenexemplares sollte zehn Zentimeter nicht übersteigen.
Besonders gut eignen sich bspw. Blüten von Veilchen, Borretsch, Lavendel, Gänseblümchen, Rosen (bzw. die einzelnen Blütenblätter) und Ringelblumen sowie Blätter von Melisse, Minze, Basilikum, Klee etc.

Noch ein Tipp: Weiße Blüten sind zwar oft besonders hübsch, eignen sich aber nicht besonders gut zum Kandieren, da sie schnell braune Stellen bekommen.

Salben
Wie bei der in Teil zwei beschriebenen Herstellung von Ölauszügen gibt es auch bei der Zubereitung von Salben verschiedene Möglichkeiten. Im folgenden zwei Zubereitungsarten, die mir bislang am meisten zusagten:

1.) Die eine Möglichkeit ist, eine Salbe direkt aus den Blüten herzustellen. Dabei werden 100 g Schweineschmalz (oder bspw. Lanolin) im Wasserbad geschmolzen, bevor etwa 50 bis 100 g (frischer, zerkleinerter) Pflanzenteile unter Rühren zugegeben werden. Die Mischung so lange erhitzen, bis sie kocht; aus dem Wasserbad nehmen und einen Tag zugedeckt ziehen lassen. Danach noch einmal im Wasserbad erwärmen, bis das Fett mit den Pflanzenteilen flüssig genug zu abseihen ist. Nach dem Abseihen abkühlen lassen und in Cremedosen füllen.

2.) Die andere Art der Zubereitung ist, Salben aus im zweiten Teil beschriebenen Ölauszügen herzustellen. Dazu werden 250 ml Heilpflanzenöl in einem Wasserbad erhitzt, dann werden zwei Esslöffel Lanolin und 30 bis 40 g Bienenwachs zugegeben. Unter Rühren einschmilzen lassen, den Topf vom Herd nehmen und die Mischung mit dem Schneebesen schlagen. Ist die Salbenmischung abgekühlt und zu einer dicken Masse geworden, wird die fertige Salbe in Cremedosen gefüllt.

Die Wirkung der Salbe kann übrigens erhöht werden, indem man nach dem Abkühlen etwas Kräutertinktur einrührt.
Bei der richtigen Lagerung – d.h., dunkel, kühl und natürlich gut verschlossen – können Salben bis zu einem Jahr halten.
Wie genau die jeweiligen Salben am besten verwendet werden, hängt auch mit der Zusammensetzung zusammen. So werden bspw. Salben aus Ringelblumen-, Kamillen- oder Arnikablüten vor allem bei Hautproblemen und/oder Verletzungen verwendet. Genaue Angaben zur Anwendung werden in den einzelnen Pflanzenbeschreibungen zu finden sein.

Gesichtswasser
Auch Gesichtswasser kann auf verschiedene Arten hergestellt werden:

Die erste ist einfach, da nichts weiter gemacht werden muss, als aus den gewünschten Kräutern einen Tee aufzubrühen. Dieser muss lediglich länger ziehen, wenn er als Gesichtswasser verwendet werden soll. Nach der Ziehzeit abseihen und lauwarm verwenden.

Die zweite Möglichkeit ist ein Gesichtswasser mit Alkohol, was z. B. wegen der Haltbarkeit von Vorteil ist. Dazu werden 50 g (frische, zerkleinerte) Kräuter mit 125 ml Hamamelis- oder Rosenwasser und 50 ml 70 %-igem Alkohol in ein Glasgefäß gegeben und gut vermischt. Zugedeckt einen Tag ziehen lassen, abfiltern und in ein ausgekochtes, gut verschließbares Glas füllen.
Morgens und abends mit einem Wattepad auftupfen.

Kräuterhonig
Auch hier gibt es zwei Varianten der Zubereitung:

1.) Einen Tee – wie in Teil 1 beschrieben, jedoch mit doppelter Menge getrockneter Heilpflanzen auf 500 ml Wasser – zubereiten. Diesen Sud einen Tag stehen lassen und dann mit dem geschmolzenen Honig mischen.

2.) 50 bis 100 g der jeweiligen frischen oder getrockneten Pflanzenteile (bspw. Blüten, blühendes Kraut und/oder Samen) zerkleinern, in eine feuerfeste Schüssel füllen und 500 ml Honig zugeben. Das Ganze im Wasserbad bei 40 bis 60 C° verflüssigen.
Tipp: Wenn der Honig nach einer Woche ein weiteres Mal erwärmt wird, verstärkt sich seine Wirkung.

Der Honig ist in gut verschließbaren Gläsern sogar bei Zimmertemperatur sehr lange haltbar und kann vielseitig eingesetzt werden.

Wenn Kräuterhonig als pflanzliches Arzneimittel verwendet wird, kann er pur auf einem Löffel (anfangs alle zwei, später vier Stunden einen Teelöffel; bei Kindern die halbe Dosis) oder in Tee oder Milch eingenommen werden. Wegen der Süße lässt sich Kräuterhonig gut als Naturmedizin bei Kindern nutzen, wobei allerdings beachtet werden sollte, Honig erst bei Kindern ab frühestens einem Jahr (bei allergiegefährdeten Kindern sogar bis zum zweiten Jahr) anzuwenden. Da nämlich die Darmflora bei Neugeborenen noch in der Entwicklung ist, können sich Erreger leichter ansiedeln. Im Falle von Honig kann dies zum Säuglingsbotulismus, ausgelöst durch Clostridium botulinum, führen.

Ansonsten eignet sich Kräuterhonig gut zur Aromatisierung von Getränken, aber auch von Desserts.

Kräuterbutter
Kräuterbutter ist nicht nur eine schmackhafte Verfeinerung normaler Butter, sie ist auch eine Art der Konservierung.

Zubereitung:
250 g Butter schaumig rühren und 50 bis 100 g frische Kräuter mit etwas Zitronensaft unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und nach Geschmack weiteren Gewürzen abschmecken.
Aufbewahrt im einem gut verschließbaren Glas kann Kräuterbutter bis zu drei Wochen im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Verwendet werden kann Kräuterbutter auf Broten aller Art, zu Gegrilltem und Gebratenem sowie zu Salaten. Zudem kann Kräuterbutter portionsweise in Eiswürfelformen eingefroren werden und so bspw. bei Bedarf als Bratfett eingesetzt werden.

Kräutersalz und – zucker
Für ein Kräutersalz werden 25 g der gewünschten Kräuter in einem Mörser fein zerrieben und mit 250 g (Meer-) Salz vermischt.
Hierzu eignen sich besonders gut Küchenkräuter wie Basilikum, Oregano, Petersilie, Rosmarin etc.
Kräutersalz kann jedoch auch gut als Badezusatz eingesetzt werden. In diesem Fall werden am besten Kräuter mit wohltuenden Wirkungen wie Rosmarin, Melisse, Lavendel oder Kamille mit Meersalz gemischt (Mengen wie oben beschrieben). Für ein Vollbad werden etwa 100 g des Kräutersalzes benötigt.

Genau so wie die Zubereitung von Kräutersalz funktioniert auch die Aromatisierung von Zucker: 25 g der Blüten oder Blätter werden in einem Mörser fein zerstoßen und mit 250 g Zucker vermischt.
Besonders geeignet für Kräuterzucker sind Blüten von Lavendel, Veilchen und Rosen sowie die Blätter von Melisse und Minze.

Zum Schluss möchte ich noch auf zwei Möglichkeiten der Konservierung eingehen. Zum Trocknen hatte ich bereits in einem vorherigen Beitrag einiges geschrieben, doch Kräuter können auch auf folgende Weisen konserviert werden:

Einsalzen
Dies ist vor allem bei Kräutern, die am besten frisch verwendet werden, eine gute Methode der Konservierung, da sie so – bei kühler und trockener Lagerung – mehrere Wochen frisch bleiben.
Dazu werden 250 g zerkleinerte Pflanzenteile mit 50 g Salz schichtweise in ein luftdichtes Glas gegeben. Ganz unten eine Schicht Salz, darauf die erste Schicht Kräuter, wieder Salz und immer so weiter. Nach der obersten Salzschicht das Glas fest verschließen.
Die eingesalzenen Kräuter eignen sich am besten für die Verwendung in der Küche; das Salz kann im Prinzip wie Kräutersalz genutzt werden.

Einfrieren
Diese Methode ist nicht bei allen Heilpflanzen möglich und sollte auch nur bei Kräutern in Betracht gezogen werden, die in der Küche verwendet werden sollen.
Dazu werden ganze oder zerkleinerter Kräuter zunächst gut ausgebreitet kurz angefroren, bevor sie in luftdicht verschließbare Gefrierbeutel oder -dosen gefüllt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist das portionsweise Einfrieren in Eiswürfelformen:
Hierzu werden die zerkleinerten Kräuter schichtweise in die Eiswürfelformen gegeben, die dann mit etwas Wasser aufgefüllt und eingefroren werden.
Diese Kräuterwürfel können dann ganz einfach beim Kochen in das zu würzende Gericht gegeben werden.

Eine Variation davon sind geeiste Blüten und Blätter:
Einzelne Blüten und/oder Laubblätter werden dazu in Eiswürfelformen gelegt, mit Mineralwasser aufgefüllt und eingefroren.
Die Blüten-/Blättereiswürfel eignen sich so wunderbar zum Garnieren von Getränken o. ä.
Besonders gut geeignet sind u. a. Blüten von Veilchen, Gänseblümchen, Borretsch, und Blütenblätter von Rosen sowie die Blätter von Melisse, Waldmeister und Minze.

Das waren, denke ich, die wichtigsten Arten der Zubereitung von Kräutermitteln. Sollte mir später noch etwas einfallen, werde ich es ergänzen. 😉

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