Heilpflanzen – Vergissmeinnicht


Es gibt zahlreiche Vergissmeinnicht-Arten, doch die Art, die üblicherweise in der Pflanzenheilkunde Verwendung findet, ist insb. das Acker-Vergissmeinnicht (Myosotis arvensis). In manchen, v.a. alten, Kräuterbüchern wird auch das Wald-Vergissmeinnicht (M. sylvatica) sowie das Sumpf-Vergissmeinnicht (M. scorpioides) erwähnt bzw. abgebildet. Die Gattung Vergissmeinnicht gehört mit ihren diversen Arten zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae) und kann eine Höhe von bis zu 90 cm (M. scorpioides) erreichen. Acker- und Waldvergissmeinnicht dagegen werden in der Regel bis max. 50 cm hoch.

Ein Exemplar des Myosotis sylvatica aus meinem Herbarium

An sich ist die äußere Erscheinung bei allen drei Vergissmeinnicht-Arten ähnlich:
Im Frühjahr bilden die jeweils behaarten, ganzrandigen und gestielten, jeweils etwa acht Zentimeter lange Laubblätter eine grundständige Blattrosette, aus denen mit der Zeit, im Gegensatz zu vielen anderen Raublattgewächsen, eher leichter behaarte Stängel sprießen. An ihnen sitzen ebenfalls ganzrandige und zwischen drei und fünf Zentimetern lange, lanzettlich bis eiförmige Laubblätter, die wechselständig angeordnet sind.
Natürlich gibt es einige individuelle Abweichungen, was die Erscheinung der Laubblätter bei den drei Arten betrifft. So entwickelt das Sumpfvergissmeinnicht bspw. etwa ca. zehn Zentimeter lange oberirdisch verlaufende Ausläufer, während die Ausläufer des Wald-Vergissmeinnichts meist kürzer sind.

Blütenstände des Garten-Vergissmeinnichts

Je nach Witterung erscheinen frühestens ab Mitte April die kleinen, hübschen Blüten. Diese sind fünfzählig, radiärsymmetrisch und hellblau bis rosa, wobei die Farbe, wie bei vielen Raublattgewächsen üblich, von dem pH-Wert der Blüten abhängt. Die Farbe variiert zudem je nach Art ein wenig: So scheint es mir meist, als hätten die Blüten des Sumpf-Vergissmeinnichts eine etwas hellere Blaufärbung als bspw. das Wald-Vergissmeinnicht. Letzteres hat wie das Acker-Vergissmeinnicht zunächst rosa, später (himmel-)blaue Blüten.

Die fünf Kelchblätter bilden einen fünfzipfeligen Kelch, der sich bei einigen Arten des Vergissmeinnichts nach der Blüte vergrößert. Die fünf Kronblätter sind trichterförmig miteinander verwachsen und bilden eine tellerförmige Krone, dessen Durchmesser je nach Art zwischen fünf (M. arvensis) und zwölf Millimeter (M. scorpioides) beträgt.
Im Inneren der Krone der in der Regel zwittrigen Blüten stehen fünf Staubblätter, die einen ovalen Staubbeutel besitzen. Sie ragen wie der Griffel nicht aus der Kronröhre hervor und enden auf gleicher Höhe, weshalb es bei Vergissmeinnichts auch zu einer spontanen Selbstbestäubung kommen kann.
Die Blüten stehen jedoch nicht einzeln am oberen Ende des Stängels, stattdessen stehen sie in dichten Blütenständen, die aus gepaart angeordneten Wickeln bestehen.

Blüten eines wild blühenden Vergissmeinnichts

Nach der Befruchtung durch Schmetterlinge oder Hautflüglern wie Bienen und Hummeln entwickelt sich eine Klausenfrucht, die mit der Zeit in vier zwischen 1,5 (M. scorpioides) und 2,5 (M. arvensis) Millimeter lange Klausen zerfallen. Diese vier Teilfrüchte sind braun-schwarz, seltener grünlich-braun und haben eine glatte, leicht glänzende Oberfläche.
Die Früchte bzw. Samen werden auf verschiedene Arten verbreitet: Von Tieren, Ameisen (wenn Elaiosomen vorhanden sind), seltener durch den Wind.

Wild blühendes Vergissmeinnicht

Vergissmeinnichtarten kommen auf allen Kontinenten vor, die drei in (alten) Kräuterbüchern erwähnten Arten sind in Eurasien heimisch und mögen es in der Regel eher halbschattig:
Das Wald-Vergissmeinnicht ist insb. im südlichen Teil Deutschlands bis in 1800 m Höhe häufig anzutreffen, wo es frische, feuchte und nährstoffreiche Böden bevorzugt und an Wegrändern, auf Wiesen und an Waldrändern wächst.
Das Acker-Vergissmeinnicht ist in Europa und im westlichen Asien beheimatet und an Wegrändern, Äckern, Wiesen und in Gebüschen zu finden. Es bevorzugt ebenfalls feuchte, nährstoffreiche, aber eher lehmige Böden.
Auch das Sumpf-Vergissmeinnicht kommt in Europa und Westasien vor, ist aber auch in Nordamerika anzutreffen, wo es durch den Menschen angesiedelt wurde. Es fühlt sich, wie der Name schon andeutet, an feuchten bis sumpfigen Standorten besonders wohl und ist dementsprechend an Fluss- bzw. Seeufern, auf nassen Wiesen, in wassernahen Gräben und sumpfigen Gebieten anzutreffen.

Blühende Garten- Vergissmeinnichts

Trotz ihres bei oberflächlicher Betrachtung eher unscheinbaren Aussehens sind Vergissmeinnichts beliebte Zierpflanzen für Gärten und Parks. Das als „Garten-Vergissmeinnicht“ bezeichnete Hybride geht auf das Wald-Vergissmeinnicht ; ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erste Arten für die Nutzung als Zierpflanzen gezüchtet. Übrigens wurde bis zum selben Zeitraum kaum bis gar nicht zwischen den diversen Vergissmeinnichtarten unterschieden, was eine Erklärung für die unterschiedlichen Abbildungen in Kräuterbüchern darstellen kann.

Gesammelt wird von April bis Juni das blühende Kraut, das wie üblich breit und dünn ausgelegt getrocknet wird.
Vergissmeinnichts enthalten vor allem Inhaltsstoffe wie Kalium, Gerbstoffe sowie Alkaloide.

Das Vergissmeinnicht hat adstringierende, entzündungshemmende, leicht beruhigende und antibakterielle Eigenschaften, wobei insb. letztere nicht wissenschaftlich bewiesen sind.

Die auch als „Blauer Augentrost“ bezeichnete Pflanze (hat dennoch nichts mit dem echten Augentrost zu tun) soll ein gutes Mittel bei Lungenerkrankungen sein, aber auch gegen Durchfall und Augenentzündungen helfen.

In der Homöopathie wird insb. das Acker-Vergissmeinnicht bei Erkrankungen des Lymphsystems eingesetzt.

Zudem soll es äußerlich besonders hilfreich bei entzündlichen Hauterkrankungen sein.

Auch das Vergissmeinnicht wird am häufigsten als Tee angewendet. Dazu werden ein bis zwei Teelöffel des getrockneten Krautes mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen und zehn Minuten ziehen gelassen. Abseihen und in kleinen Schlucken jeden Tag ein bis drei Tassen trinken.

Da die Wirkungen des Vergissmeinnichts weniger stark sind als es bei anderen Heilpflanzen der Fall ist, eignet sich das „Blaue Mäuseohr“ auch gut für Teemischungen.

Außerdem kann aus dem blühenden Kraut des Vergissmeinnichts eine Tinktur hergestellt werden. Diese wird v.a. äußerlich, z. B. für Umschläge, genutzt.

Das Vergissmeinnicht gilt außerdem als Blume der Treue. Die Bedeutung in der Blumensprache wird schon durch den Namen der Pflanze ersichtlich: „Vergiss mich nicht!“

Während der NS-Zeit wurde das Vergissmeinnicht zum Symbol der Freimaurer, da es wegen der Gleichschaltung auch den Freimaurern verboten war, ein (offizielles) Abzeichen der Gemeinschaft zu tragen. Noch heute wird das Vergissmeinnicht unter Freimaurern symbolisch verwendet.

Die Bezeichnung „Myosotis“ kommt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet „Mäuseohr„, was wiederum auf die Form der Laubblätter zurückgeht, die in gewisser Weise an Mäuseöhrchen erinnern.

Zum Schluss noch eine kleine Experiment-Idee für Kinder:
Abgeschnittene Blütenstängel des Vergissmeinnichts flach in eine Wasserschale legen. Am nächsten Tag sollten sich die Stängel aufgerichtet haben und senkrecht stehen. 😉

Das war dann soweit das Wichtigste zum Vergissmeinnicht, weitere Informationen u.a. unter:
https://www.vitamine.com/heilpflanzen/vergissmeinnicht/

http://symptomat.de/Vergissmeinnicht

http://sprache-der-blumen.de/vergissmeinnicht/

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