Die Feiertage rund um Ostern – Gründonnerstag


Der Gründonnerstag (auch „Hoher Donnerstag„) – an dem im Christentum dem letzten Abendmahl von Jesu mit seinen zwölf Jüngern am Vorabend seiner Kreuzigung gedacht wird – ist der fünfte Tag der Karwoche oder auch der heiligen Woche (in liturgischer Zählung mit Palmsonntag beginnend) und ist einer der drei Kartage.
Die liturgische Bezeichnung ist „Feria quinta in coena Domini“ (= fünfter Tag, Abendmahl des Herrn).
Die deutsche Bezeichnung Gründonnerstag gab es wohl bereits im 13. Jahrhundert und hat mehrere Ursprünge:
Am häufigsten wird der Name jedoch auf das althochdeutsche „greinen“ (= weinen) zurückgeführt. Dies wiederum ist möglicherweise auf die Bedeutung des Gründonnerstag für „Sünder“ zurückzuführen (siehe etwas weiter unten).
Auch könnte der seit mindestens dem 14. Jahrhundert bekannte Brauch, am Gründonnerstag grünes Gemüse wie Brennnesseln, Salate und andere Grünpflanzen, insb. junge Triebe von Wildkräutern, zu essen, ein Ursprung der Bezeichnung sein. Dies passt einerseits zu den Fastenvorschriften für die Karwoche, andererseits ging man davon aus, so die Kraft des Frühlings und damit eine positive Wirkung auf die Gesundheit für das ganze Jahr aufgenommen würde (was ich jedoch eher für eine Art des Aberglaubens halte, da der einmalige Verzehr von gesunden Pflanzen nicht wirklich viel bringt). Doch Glaube versetzt ja bekanntlich Berge. Ein weiterer Bezug zum Grün ist, dass der Gründonnerstag insb. in einigen Regionen eine wichtige Bedeutung für die Bestellung des Gartens und der Äcker hat(te), z. B., wurde und wird z. T. heute noch in vielen Regionen an diesem Tag die erste Aussaat vorgenommen. Früher versprachen sich die Menschen auch eine besonders gute Ernte, wenn die Pflanzen am Gründonnerstag ausgesät wurden.
Zudem gibt es noch die Herleitung von der liturgischen Farbe Grün, was aber eher unwahrscheinlich ist, da der liturgische Farbkanon vor dem 16. Jahrhundert nicht verbindlich war und außerdem der heutige Farbkanon des „Römischen Ritus“ am Gründonnerstag Weiß vorsieht.
Früher wurde der Gründonnerstag in einigen Regionen auch als „Antlasstag“ bezeichnet, was wahrscheinlich auf das Wort „Ablass“ zurückgeht. Am Gründonnerstag wurden früher nämlich öffentlich Sünden vergeben. Während dies in der römisch-katholischen Kirche nicht mehr der Fall ist, wird dies in der Orthodoxie z. T. noch praktiziert. Bis heute heißt es jedoch, dass jeder, der bei/nach der Kommunion das „Tantum ergo“ betet, einen vollständigen Ablass erhält.

Mit dem abendlichen Gottesdienst am Gründonnerstag beginnt das „Triduum Sacrum“ (oder auch „Triduum Paschale“), d. h., die Feier der drei österlichen Tage – also Karfreitag, Karsamstag u. Ostersonntag. Dabei wird der biblisch überlieferte Fußwaschung Christi an seinen Aposteln ebenso wie dem letzten Abendmahl gedacht. Um letzteres zusätzlich deutlich zu machen, werden bei der Wandlung während der Messe zudem die Worte „[… Am Abend vor seinem Leiden,] das ist heute […]“ zugefügt.

Zudem findet während des Gottesdienstes am Gründonnerstag die sog. Präsanktifikation der Hostien statt, da am Karfreitag – der ja als Tag der Trauer gilt – keine Heilige Messe abgehalten wird. Die vorgeweihten Hostien werden dann in der Passionsliturgie bei der Kommunion gereicht.

Es ist außerdem üblich, dass nach dem „Gloria“ die Glocken sowie die Orgel bis zum „Gloria“ in der Osternachtmesse am Abend des Karsamstags verstummen. Einer alten Volkslegende nach „fliegen die Glocken nach Rom“ (betrifft nur die Glocken, nicht die Orgel). Woher diese Legende stammt, ist wohl unklar; je nach Region unterscheiden sich die Begründungen für den Flug der Glocken nach Rom:
▫ Sie holen sich einen Segen vom Papst;
▫ sie nutzen die Zeit in Rom, um Kraft zu tanken (und mit dem Papst zusammen zu essen);
▫ sie holen die Osterbotschaft ab und bringen sie zur Osternachtsmesse mit;
▫ sie fliegen nach Rom, um die Beichte abzulegen.

Statt der Glocken, die sonst zur Messe rufen, ziehen z. B. vor der Karfreitagsliturgie Ministranten mit sog. Ratschen um die Kirche oder manchmal auch durch die Straßen.
In manchen Regionen im deutschsprachigen Raum sind ganze Umzüge mit Ratschen und Klappern üblich. Diese sollen jedoch nicht nur die Glocken ersetzen, sondern auch böse Geister vertreiben.

Nach dem abendlichen Gottesdienst wird sämtliches schmückendes Beiwerk vom Altar und aus dessen Umgebung entfernt – außer dort, wo sich nun vorübergehend das „Allerheiligste“ befindet. Es ist nämlich üblich, dass während der Kartage die „Heilige Eucharistie“ nicht im eigentlichen Tabernakel, sondern in einem vorübergehenden Tabernakel aufbewahrt wird. Dort findet auch die Anbetung statt, die nach der Gründonnerstagsmesse stattfindet und meist bis Mitternacht geht (dabei ist auch die Rede von der „Heiligen Stunde“).

Am Morgen des Gründonnerstag findet übrigens noch die „Chrisammesse„, in der das „heilige Öl“ für die Sakramente im neuen Kirchenjahr geweiht wird, statt.

Zum Abschluss noch eine Bauernregel zum Gründonnerstag:
«Ist der Gründonnerstag weiß, wird der Sommer sicher heiß

So, das war der Gründonnerstag. Mal sehen, ob ich bei den nächsten Tagen auch so wenig nachlesen muss. Es ist aber wohl doch mehr hängen geblieben, als ich dachte (was der diesem Beitrag und folgenden Beiträgen zugrundeliegende Gedanke war). Deshalb beziehe ich mich auch nur auf die katholische „Variante“ des Gründonnerstags bzw. der weiteren Kar-/Ostertage.

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