Heilpflanzen – Brennnessel


Die Große Brennnessel (Urtica dioica) gehört innerhalb der Ordnung der Rosenartigen (Rosales) zu der Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae) und ist wohl vor allem als lästiges Unkraut bekannt. Doch sie ist viel mehr als das, denn sie ist eine wichtige Heilpflanze und kann zudem in der Küche genutzt werden.

Junge Exemplare der Brennnessel (Urtica dioica)

Die ausdauernde, krautig wachsende Pflanze kann eine Höhe von bis zu 250 cm erreichen und ist eigentlich recht leicht zu erkennen.
Die gestielten Blätter stehen gegenständig am aufrechten, kantigen Stängel, der ebenso wie die Laubblätter mit hautreizenden Brennhaaren besetzt ist. Die Blattspreite ist langgezogen-herzförmig und am oberen Ende zugespitzt, die Blattränder sind gesägt.

Stark vergrößerte Brennhaare der Brennnessel – Bildquelle: Wikipedia

Da die Brennnessel eine zweigeschlechtliche Pflanze ist, d.h., männliche und weibliche Blüten kommen nicht auf einer Pflanze vor, sind die Blüten eingeschlechtlich, also entweder männlich oder weiblich. Das setzt eine Fremdbestäubung voraus, im Falle der Brennnesseln ist der Wind für die Bestäubung zuständig. Und da sie somit nicht auf Insekten als Bestäuber angewiesen sind, haben sie auch nur unscheinbare Blüten.
Diese sind sehr klein, grünlich-bräunlich und vierzählig; die weiblichen Blüten stehen in länglich-schmalen, hängenden Rispen, die männlichen Blüten sind in aufrecht bis waagerecht stehenden Rispen angeordnet.
Aus dem aus einem Fruchtblatt bestehenden Fruchtknoten der weiblichen Blüten entwickeln sich nach der Bestäubung kleine, eiförmige Nüsschen, die nach der Reifung ab September entweder durch Tiere oder ebenfalls über den Wind verbreitet werden.
Zudem kann die Brennnessel sich über Wurzelausläufer verbreiten.

Ein Exemplar der Brennnessel (Urtica dioica) aus meinem Herbarium

Brennnesseln sind so ziemlich auf der ganzen Welt in gemäßigten Zonen (bis in etwa 2.000 Meter Höhe) zu finden, wobei sie bspw. in Südeuropa und nicht tropischen Zonen Afrikas sehr viel seltener vorkommt als z. B. in Mitteleuropa.

Sie wachsen so ziemlich überall, bevorzugen jedoch dennoch feuchte, humose und stickstoffreiche Böden. Zudem gelten sie als Stickstoffanzeiger. Wegen des häufigen Vorkommens auch in Gärten, ist es nicht nötig, die Brennnessel extra im Garten anzupflanzen – zumal sie sehr stark wuchert und wohl in relativ kurzer Zeit das Beet dominieren würde.

Die jungen Blätter, die in der Küche verwendet werden sollen und sich besonders gut für Frühjahrskuren eignen, werden von März bis April gesammelt. Doch auch danach können die Blätter der Brennnessel noch gesammelt werden. Erst zu Beginn der Blüte sollte das Ernten eingestellt werden.
Wichtig: Beim Pflücken Handschuhe tragen, um den Kontakt mit den Brennhaaren zu vermeiden. Nach dem Trocknen in einem luftigen, mäßig warmen Raum haben die Brennhaare ihre Wirkung verloren, sodass die Blätter nun auch gefahrlos mit bloßen Händen angefasst werden kann.
Die Wurzel wird im Herbst ausgegraben und bei max. 40 C° im Backofen getrocknet.

Wie bereits erwähnt, gilt die Brennnessel besonders unter (Hobby-) Gärtnern als lästiges Unkraut, dabei würde es die Bezeichnung liebenswertes Unkraut etwas besser treffen. Denn die Brennnessel ist zwar nicht gerade hübsch anzusehen, dafür ist sie aber umso gesunder. Das liegt vor allem an Wirkstoffen wie Kieselsäure, Flavonoiden, Karotinoiden, Tanninen, Vitamin A und C, pflanzlichen Enzymen, Mineralstoffen und Spurenelementen, Nesselgift (enthält u.a. Ameisensäure), Histamin etc.

Besonders bekannt ist die Brennnessel für ihre harntreibende und entschlackende Wirkung, die für eine vermehrte Ausscheidung von Harnsäure sorgt. Daher ist die Brennnessel ein sehr gutes Mittel bei Harnwegsinfektionen (wie ich gerade erst selber wieder erfahren ‚darf‘). Auch soll sie durch Harnsteine verursachte Schmerzen lindern.
Desweiteren wirkt die Brennnessel blutreinigend, stoffwechselanregend, (abwehr-)stärkend, entzündungshemmend, durchblutungsfördernd, appetitanregend und auch schmerzstillend. Brennnesselkraut hilft bei Durchfall ebenso wie bei Verstopfung und kann zudem bei verschleimten Atemwegen, Zahnfleischentzündungen, Rheuma und Gicht, Eisenmangel sowie Frühjahrsmüdigkeit eingesetzt werden. Letzteres ist ein Grund, warum die Pflanze ein unverzichtbarer Bestandteil für Frühjahrskuren ist; daneben ist sie auch im Allgemeinen ein gutes Stärkungsmittel, bspw. nach einem grippalen Infekt.
Äußerlich kann sie bei Nasenbluten, Haarausfall, Wunden, unreiner Haut bzw. Hautproblemen im Allgemeinen verwendet werden.

Angewendet werden kann die Brennnessel auf unterschiedlichste Arten:

Am häufigsten und einfachsten ist es auch hier, Tee zuzubereiten. Dazu einen Teelöffel Brennnesselblätter (oder –wurzeln) mit 200 ml heißem Wasser übergießen, max. zehn Minuten ziehen lassen und abseihen. Drei Tassen am Tag jeweils vor den Mahlzeiten und möglichst heiß trinken.

Der Tee kann auch als Mundspülung bei Zahnfleischentzündungen und Infektionen im Mund sowie als Haarwasser bei Haarausfall verwendet werden.

Besonders Brennesselsamen sollen ein gutes Mittel bei Müdigkeit und allgemeiner Erschöpfung sein, weshalb es sich in diesen Fällen empfiehlt, einen Tee aus den Samen zuzubereiten.

Aus dem getrockneten Kraut kann auch eine Brennnesseltinktur hergestellt werden (20 g Kraut auf 100 ml 60 %-igem Alkohol).

Für Frühjahrskuren wird am besten der Saft der frischen Pflanze genutzt, da bspw. die Vitamine durch Trocknen und Erhitzen zerstört werden.

Früher wurde bei Rheuma insb. das enthaltene Nesselgift genutzt, indem die Patienten mit frischen Brennnesseln an den besonders betroffenen Stellen geschlagen wurden. Dadurch drang das Nesselgift in die Haut ein und rief ein relativ lange anhaltendes Wärmegefühl hervor. Heute wird diese Methode kaum noch angewendet.

Wichtig: Bei Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe) wegen Herz- oder Niereninsuffizienz sollten keine längeren Kuren mit Brennnesselpräparaten durchgeführt werden.
Zudem kann es bei längerer Anwendung zu leichten Magen-Darm-Beschwerden kommen.

Im Folgenden einige Rezeptvorschläge für Heilmittel mit der Brennnessel:

Entwässernde Teemischung
50 g Brennnesselblätter mit je 30 g Goldrute, Melisse und je 20 g Schafgarbenblüten sowie Birkenblättern vermischen und in ein luftdicht verschließbares Glasgefäß füllen. Davon jeweils drei Teelöffel mit 500 ml kochendem Wasser übergießen, zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und drei Tassen am Tag möglichst heiß und schluckweise trinken. Insb. bei Harnwegsinfekten kurmäßig über mind. zwei Wochen anwenden.
Bei Zystitis kann zu den genannten Zutaten noch 20 g Zinnkraut zugegeben werden.

Blutreinigende Teemischung
Je 20 g Brennnesselblätter, Holunder- und Schlehenblüten mit 40 g Birkenblättern gut vermischt in ein gut verschließbares Glasgefäß geben. Für einen Tee jeweils einen Esslöffel der Teemischung in 250 ml Wasser drei Minuten lang aufkochen. Abseihen und vier Wochen lang jeden Morgen eine Tasse der Teemischung trinken.

Kräuterhonig gegen Husten
Je einen Teelöffel Brennnesselspitzen, Meerrettichblätter, junge Fichtentriebe und Huflattichblüten mit vier Teelöffeln Spitzwegerichkraut gut zerkleinert in einen Kilogramm Honig mischen und eine Tasse Huflattichtee zugeben. In luftdicht verschließbare Gläser füllen und auf den Kopf gestellt lagern, da sich die Kräuter mit der Zeit oben absetzen. Dieser Kräuterhonig ist ein wirksames Mittel auch bei hartnäckigem Reizhusten und kann löffelweise Tees zugegeben oder teelöffelweise pur eingenommen werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Einnahme in warmer Milch.

Brennnessel-Haarwasser
Zwei Hände voll Brennnesselblätter mit einem Liter Essigwasser (zubereitet aus jeweils einem halben Liter Wasser und (Obst-) Essig, also beides zu gleichen Teilen) übergießen und 30 Minuten lang köcheln lassen. Abseihen, in eine Flasche füllen und jeden Abend in die Kopfhaut einmassieren. Hilft bei Schuppen und glanzlosem Haar.

Haarwasser gegen Haarausfall
Je eine Handvoll Brennnesselblätter, Klettwurz und Birkenblätter mit 300 ml heißem Wasser übergießen und kurz aufkochen. In ein verschließbares Gefäß füllen und durchziehen lassen. Nach 24 Stunden abseihen, einen weiteren Tag stehen lassen und dann durch ein Leinentuch filtern. In eine luftdicht verschließbare, dunkle Flasche füllen und nach jeder Haarwäsche in die Kopfhaut einmassieren; möglichst nicht ausspülen.

Kräuter-Gesichtswasser
Zwei Esslöffel Brennnesselkraut und ein Esslöffel Salbei mit 50 ml 70 %-igem Alkohol und 250 ml (destilliertes) Wasser zusammenmischen und ein bis zwei Wochen lang in einem geschlossenen Glasgefäß durchziehen lassen. Abfiltern und in eine dunkle Flasche füllen.
Dieses Gesichtswasser ist besonders gut bei fettiger Haut geeignet, da es die Haut porentief reinigt und zusammenziehend wirkt.

Natürlich lässt sich die Brennnessel auch in der Küche verwenden. So können junge Blätter (ältere Blätter sind zu bitter) in Salaten, Kräuterquarks, Dips, Pesto und Suppen eingesetzt werden, zudem eignen sich die Blätter der Brennnessel auch als Spinatersatz. Bspw. werden sie in Albanien, besonders in ländlichen Regionen, (manchmal auch zusammen mit Spinat) für die Füllung von Böreks verwendet (byrek me hithëra).
Daneben lassen sich verschiedene Speisen mit Brennnesselblättern verfeinern, z. B. bekommen Omeletts ein besonderes Aroma, wenn einige in Öl angebratene Brennnesselblätter zugegeben werden.

Für Salate und Kräuterquarks sollte übrigens kurz etwas heißes Wasser über die frischen Blätter gegossen werden, damit die Brennhaare inaktiviert werden. Durch den Verzehr von frischen Brennnesselblättern während Frühjahrskuren wird deren Effekt noch verstärkt.

Nun einige Rezeptvorschläge für die Küche:

Salat
Einen schnellen Salat bekommt man, indem man einige frische, junge Brennnesselblätter mit einem Dressing aus rotem Balsamicoessig, Öl und je einer Prise Salz und Pfeffer mischt. Natürlich können nach Belieben auch Tomaten, Salatblätter o.a. zugegeben werden.

Brennnesselaufstrich
Eine Handvoll junge, frische Brennnesselblätter kurz blanchieren und nach dem Abkühlen zerkleinern. Während die Brennnesseln abkühlen eine zerdrückte oder zerhackte Knoblauchzehe mit 250 g Quark und etwas Buttermilch mischen, Zitronensaft zugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken und die zerkleinerten Brennnesselblätter untermischen. Je nach Geschmack können noch weitere Küchenkräuter wie Schnittlauch, Petersilie und/oder Basilikum zugefügt werden.

Pesto
200 g frische, junge Brennnesselblätter max. 30 Sekunden blanchieren und danach direkt mit möglichst kaltem Wasser abschrecken, um die grüne Färbung zu erhalten. Dann die Blätter, 60 g frisch geriebenen Pecorino oder Parmesan mit 100 ml Öl (am besten Olivenöl) in einen Mixer geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken (wenn gewünscht, können auch weitere Kräuter wie Basilikum zugegeben werden); das Ganze gut pürieren. In fest verschließbare Gläser füllen und im Kühlschrank aufbewahren (bis zu drei Wochen haltbar.
Je nach Geschmack können den genannten Zutaten noch 50 g geröstete Pinienkerne zugefügt werden.

Smoothie
Zwei junge Brennesselstängel mit einem Apfel und einer Banane in einem Mixer zerkleinern und in ein Glas füllen – schon ist ein vitaminreicher Smoothie trinkfertig. Da die Brennnessel neben weiteren Spurenelementen auch Eisen enthält, ist dieser Smoothie zusätzlich ein gutes Mittel bei Eisenmangel.

Die Brennnessel ist übrigens außerdem eine wichtige Pflanze für die Entwicklung von Schmetterlingen, da es einige Schmetterlingsarten (z. B. das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs) gibt, deren Raupen sich mehr oder weniger ausschließlich von der Brennnessel ernähren.
Desweiteren gilt die Brennnessel als gutes Düngemittel; bspw. kann aus ihr die sog. Brennnesseljauche hergestellt werden:
Dazu werden bis August bzw. vor der Samenreife gesammelte Brennnesseln in einer Tonne aufgeschichtet und mit Wasser aufgefüllt (ein Kilogramm Brennnesseln auf zehn Liter Wasser). Das Ganze täglich umrühren. Jauche fängt bereits nach kurzer Zeit an zu stinken und zu schäumen, weshalb die Tonne unbedingt einen Deckel haben bzw. abgedeckt werden sollte. Wenn die Jauche klar wird und sich braun färbt, ist sie fertig. Vor dem Verwenden im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnen.

Interessant zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang vielleicht noch, dass in Frankreich die eben beschriebene Brennnesseljauche nicht erlaubt ist bzw. war. Im Jahr 2006 wurde dazu ein Gesetz erlassen, das aber im Jahr 2011 wieder zurückgenommen wurde. Das ist zumindest im Eintrag zur Brennnessel in der französischen Version von Wikipedia bzw. in einem darin enthaltenen Link zu einem entsprechenden Text zu lesen. Ansonsten sind nur noch Einträge zu dem Thema zu finden, die zu einem großen Teil von etwas fragwürdigen Seiten kommen und das Thema zudem noch ziemlich aufblasen – zumindest aus meiner Sicht.

Neben all diesen positiven Eigenschaften der Brennnessel hat sie auch im Aberglauben eine Rolle gespielt. So wurden im Mittelalter Nesselsträuße an Häusern aufgegangen, um damit Blitzschlag, böse Geister, Hexen und Dämonen abzuhalten. Zur Sonnenwende wurde auch zum Fernhalten von Krankheiten das Haus mit dem Kraut der Brennnessel ausgeräuchert. Eine andere Erzählung war, dass Brennnesseln Krankheiten auf sich ziehen und diese dann, wenn sie der betreffenden Person wohlgesonnen ist, mit ihrem Gift vernichten.
Bis heute heißt es zudem in Teilen von Schwaben, dass am Gründonnerstag gegessener Brennnesselsalat das Jahr über vor Geldmangel schützen soll.

Brennnessel (Urtica dioica); fotografiert von oben

Das war soweit das Wichtigste (und vielleicht auch etwas mehr 😉) zur Brennnessel; weitere Informationen z. B. unter:

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/brennnessel-blaetter-ia.html

http://www.naju-wiki.de/index.php/Brennnessel

http://krautwerk.de/brennnessel-samen/

http://www.smarticular.net/die-brennnessel-das-reichhaltige-wunderkraut-fuer-kueche-und-gesundheit/

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