Heilpflanzen – Schlüsselblume


Die Schlüsselblume (Primula veris) ist ein unter Naturschutz stehendes Primelgewächs (Primulaceae), womit sie zur Ordnung der Heidekrautartigen (Ericales) gehört.

Exemplar der Primula veris aus meinem Herbarium (leider sind die hellgelben Blüten durch den Klebstoff blau geworden)

Der „Himmelsschlüssel“ wird rund 20 cm, bei perfekten Bedingungen auch bis 30 cm, hoch und bildet etwa im zeitigen Frühjahr eine grundständige Blattrosette aus gestielten, eingerollten Laubblättern, die nach dem Entrollen eiförmig aussehen. Die runzlig wirkende Oberseite der Blätter ist saftig-grün und weich-filzig behaart, die Unterseite ist ebenfalls behaart, jedoch blass-hellgrün; der Blattrand ist wellig-gezähnt.

Illustration der Primula veris – Bildquelle Wikipedia

Aus der Mitte der Blattrosette wachsen ab Mitte März etwas nach oben gebogene, blattlose und leicht behaarte Stängel, an denen sich die hängenden Blütenstände bilden. Diese sind einseitsgewandte Dolden – die an einen Schlüsselbund erinnern – und bestehen aus fünf bis fünfzehn (seltener zwanzig) jeweils fünfzähligen gelbe Blüten, die sich von Ende März (witterungsabhängig) an öffnen und leicht nach Honig duften.

Blütenstand der Echten Schlüsselblume – Bildquelle: Wikipedia

Die radiärsymmetrischen, zwittrigen Blüten setzen sich aus fünf blassgrünen Kelchblättern, die leicht glockenartig miteinander verwachsen sind, und fünf (hell-)gelben Kronblättern zusammen. Letztere sind zu einer Röhre verwachsen, die Spitzen (oder Lappen) der Kronblätter sind tellerförmig ausgebreitet; zudem haben sie jeweils einen orangenen Fleck an ihrer Basis. Im Zentrum der Krone sind die fünf Staubblätter mit der Kronröhre verwachsen, wahrend fünf Fruchtblätter zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen sind.
Nach der erfolgreichen Befruchtung durch Hummeln oder Schmetterlinge entwickelt sich eine fünf bis zehn Millimeter lange leicht bauchige, ovale Kapselfrucht, die sich bei Reife öffnet, um die Samen zu verstreuen.

Der auch „Wiesen-Primel“ genannte Frühblüher kommt in den gemäßigten Zonen Europas und Vorderasiens bis in eine Höhe von 1.700 Metern vor, wo sie vor allem auf sonnigen Wiesen, an Waldrändern, in Gebüschen und in lichten Wäldern zu finden ist.

Allerdings ist die Pflanze mit den hübschen Blüten sehr selten geworden; so ist die Schlüsselblume bspw. in Mitteleuropa nur noch zerstreut zu finden. Deshalb steht sie u.a. in Deutschland unter besonderem Schutz, wobei der Schutzstatus von Bundesland zu Bundesland verschieden sein kann. Das bedeutet, dass insb. die Wurzel geschützt ist und nicht ausgegraben werden darf. Da die Primel aber besonders in einigen Regionen immer seltener wird, halte ich es für angebracht, in freier Natur die gesamte Pflanze stehen zu lassen, da schließlich auch die Blüten zur Weiterverbreitung beitragen.

Die Schlüsselblume ist leider ein perfektes Beispiel dafür, wenn medizinisch wirksame Pflanzen in einem so starken Maß gesammelt werden, dass sie im Zusammenspiel mit chemischen Düngemitteln etc. in der Wildnis fast komplett ausgerottet wird. Denn ein Grund für ihre Seltenheit ist, dass der hohe Bedarf (für ein Kilogramm werden etwa 3.000 Blüten benötigt) lange Zeit nahezu ausschließlich aus Wildsammlungen gedeckt wurde und zum großen Teil immer noch wird. Daher ist die unkontrollierte Nutzung der Bestände eine große Gefahr für die Zukunft der Schlüsselblume. Ein zusätzliches Problem ist die Intensivierung der Landwirtschaft, wodurch der „Wiesen-Primel“ ihre bevorzugten Standorte verloren gehen. Daher ist sie in großen Teilen ihres Verbreitungsgebietes selten oder vom Aussterben bedroht; in der Türkei gilt sie bspw. zu den am stärksten bedrohten Heilpflanzen.
Darum ist es sehr wichtig, sich solche Folgen beim Sammeln von Heilpflanzen immer wieder vor Augen zu führen.

Gesammelt wird das blühende Kraut bzw. die voll aufgeblühten Blüten zur Blütezeit von März bis April, die Wurzeln werden im Herbst ausgegraben. Das Trocknen der Blüten und der Blätter erfolgt wie üblich dünn ausgebreitet auf Papier, die Wurzel kann bei 30 C°Backofen getrocknet werden.

Da die Pflanze, wie erwähnt, unter Naturschutz steht, darf sie nicht in der freien Natur gesammelt werden. Daher gelten diese Angaben nur für den Fall, dass Schlüsselblumen im eigenen Garten angepflanzt sind (oder auch werden). Eine andere Möglichkeit ist, die fertig getrockneten Pflanzenteile in der Apotheke zu kaufen.

Die heilenden Eigenschaften des „Himmelsschlüssels“ sind insb. den enthaltenen Flavonoiden, Schleimstoffen, ätherischen Öle, Saponinen (in den Wurzeln Triterpensaponine), Phenolglykosiden (v. a. Primulaverin), Gerbstoffen, Kieselsäure etc. zu verdanken.

Das wohl wichtigste und bekannteste Einsatzgebiet der Schlüsselblume sind Erkrankungen der Atemwege wie Erkältungen, grippale Infekte und Bronchitis, aber auch Schnupfen, was vor allem an den schleimlösenden, auswurffördernden und entzündungshemmenden Eigenschaften liegt. Doch die Schlüsselblume hat noch weitere positive Wirkungen auf den Körper: Bspw. wirkt sie harntreibend, leicht beruhigend, krampflösend, blutreinigend, schweißtreibend, stoffwechselanregend und schmerzlindernd.

Daher ist die Primel auch ein gutes Mittel bei Harnwegsinfektionen, Zahnfleisch– und Mundraumentzündungen, Rheuma sowie Verstopfung. Daneben soll die auch als „Frauenschlüssel“ bezeichnete Heilpflanze ein gutes Mittel gegen Spannungskopfschmerz, Nervosität, Schlaflosigkeit und Nasennebenhöhlenentzündungen sein.

Übrigens hat schon Hildegard von Bingen die positiven Wirkungen der Schlüsselblume gekannt und schrieb ihr eine stimmungsaufhellende Wirkung zu. Ob dies wirklich der Fall ist, kann ich nicht sagen, aber vielleicht sollte ich es doch irgendwann einmal ausprobieren…😖

Laut Signaturenlehre soll(te) die Frühlingsprimel gegen Leber- und Gallenerkrankungen helfen. Dies ist wohl auf die gelbe Farbe zurückzuführen, kann aber auch mit den runzlig aussehenden Laubblättern zusammenhängen, die entfernt an die Gallenblase erinnern.

Äußerlich kann die Schlüsselblume wegen ihrer blutstillenden Wirkung bei Wunden eingesetzt werden, zudem hilft sie bei Hautproblemen im Allgemeinen.

Tee wird am besten mit der Wurzel der Schlüsselblume zubereitet, da diese gerade bei Atemwegserkrankungen besonders wirksam sind. Für einen Arzneitee werden ein bis zwei Teelöffel getrocknete, zerkleinerte Wurzel (am besten auch Blüten zugeben) mit einer Tasse heißem Wasser übergossen. Zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und möglichst heiß bis zu drei Tassen am Tag in kleinen Schlucken trinken.

Sehr gut eignet sich die Frühlingsprimel auch für Teemischungen, z. B. zusammen mit Thymian bei Husten.

Für eine beruhigende Wirkung wird ein Tee mit den Blüten der Schlüsselblume zubereitet.

Wegen der blutreinigenden Wirkung ist die Primel auch ein guter Bestandteil von Frühjahrskuren.

Rezept für einen Frühlingstee:
Je 20 g Veilchenblüten, Birkenblätter und je 10 g Ehrenpreis-, Taubnessel-, Huflattich- und Schlüsselblumenblüten mischen. Pro Tasse einen Esslöffel der Mischung mit 200 ml kochendem Wasser übergießen, zehn bis fünfzehn Minuten ziehen lassen. Nach dem Abseihen möglichst heiß trinken und bei Bedarf mit Honig süßen.

Eine andere Möglichkeit zur Nutzung ist die Herstellung einer Tinktur, von der ein bis dreimal am Tag zehn bis vierzig Tropfen mit Wasser verdünnt eingenommen werden.

Die jungen, frischen Blätter können auch in Salaten verwendet werden.

Vorsicht➡Es kann bei empfindlichen Menschen zu einer Primelallergie kommen.
Zudem kann eine Überdosierung Symptome wie Übelkeit und Erbrechen sowie Durchfall hervorrufen.

Wichtig: Keine Anwendung der Schlüsselblume während Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten!

Zum Namen der Schlüsselblume gibt es u. a. folgende Legende: Der Hl. Petrus soll vor lauter Schreck den Schlüssel zum Himmel verloren haben, nachdem er erfuhr, dass Eindringlinge Nachschlüssel zur Himmelspforte angefertigt hatten. Obwohl er sich den Schlüssel sofort zurückholen ließ, sollen dort, wo der Himmelsschlüssel auf die Erde fiel, Schlüsselblumen gewachsen sein. Daher stammen wohl auch die Bezeichnungen „Petriblume“ und „Himmelsschlüssel“.
Einige Märchen stellen die Primel auch als eine Art „Wunderblume“ dar, die Eingänge zu Schätzen öffnen kann, die unterirdisch verborgen sind. In dem Zusammenhang wurde auch davon ausgegangen, dass eine Schlüsselblume besonders zauberkräftig ist, wenn sie zu Weihnachten aufblüht.

Soweit das Wichtigste zur Schlüsselblume; leider konnte ich bisher nur Fotos von der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior; auch „Wald-Schlüsselblume“) machen, die zwar ähnlich aussieht und auch bspw. schleimlösend sowie auswurffördernd wirkt, aber insg. eine weniger starke Heilwirkung besitzt.

Hohe Schlüsselblume (Primula elatior)Komplettansicht

Sichtbare Unterschiede zwischen Primula veris und P. elatior:
Die „Hohe Schlüsselblume“ wird insg. etwas höher als die „Echte Schlüsselblume“ und auch ihre Laubblätter sind etwas größer.
Die Blüten der „Wald-Schlüsselblume“ sind eher blassgelb und haben im Gegensatz zur „Echten Schlüsselblume“, bei der jedes Kronblatt ein orangenen Fleck hat, in der Mitte der Krone einen dunkelgelben Punkt. Zudem duften sie nicht so stark wie die Blüten der „Echten Schlüsselblume“.

Blütenstand der Hohen Schlüsselblume (Primula elatior)

Die nach Befruchtung entstehenden Kapselfrüchte sind bei der Primula elatior eher zylindrig geformt.
Ein weiterer Unterschied ist, dass die „Echte Schlüsselblume“ einen eher trockenen Untergrund bevorzugt, während die „Hohe Schlüsselblume“ etwas feuchtere Böden bevorzugt. Daher ist Letztere z. B. auch in Auwäldern und an Bach- bzw. Flussrändern zu finden.

Die Fotos der Primula veris sind deshalb (hoffentlich erstmal) von Wikipedia übernommen.

Das Beitragsbild stammt von:

Weitere Informationen zur Schlüsselblume:

https://www.kraeuter-verzeichnis.de/kraeuter/schluesselblume.htm

http://blumensprache.blogspot.de/2009/01/schlusselblume.html

https://gesund.co.at/schluesselblume-heilpflanzenlexikon-24553/

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