Heilpflanzen – Knoblauchsrauke


Nachdem ich die letzten Tage kaum zum Schreiben gekommen bin, hier die Beschreibung einer weiteren Heil- und Gewürzpflanze:

Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata oder A. officinalis; auch „Knoblauch-„ oder „Lauchkraut“) gehört zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae) und hat ihren Namen wegen des leicht knoblauchartigen Geschmacks. Daher kann sie gut in der Küche verwendet werden, hat aber auch einige Heilwirkungen.

Ein Exemplar der Knoblauchsrauke aus meinem Herbarium

Die ausdauernd wachsende, krautige Pflanze kann bis zu 80 cm (bei besonders guten Standort-Bedingungen sogar über einen Meter) hoch werden, hat hell-saftiggrüne, ungeteilte Blätter, die wechselständig am vierkantigen, aufrechten Stängel stehen. Sie sind gestielt, herzförmig und haben einen grobgezähnten Blattrand.

Knoblauchsrauke – gesamte Pflanze

Ab April bilden sich endständige doldenähnliche bis traubige Blütenstände, die aus mehreren kleinen weißen Einzelblüten bestehen. Diese sind vierzählig, wobei – wie für Kreuzblütler üblich – ein Kronblatt etwas größer ist als die drei anderen.

Blütenstand der Knoblauchsrauke

Im Zentrum der Einzelblüten stehen jeweils sechs Staubblätter, die mit zwei kürzeren Staubblättern ebenfalls nicht alle gleich groß sind. An deren Grund sind kreisförmig Nektardrüsen angeordnet, der grüne Fruchtknoten besitzt eine Scheidewand, die ihn teilt.
Nach erfolgter Befruchtung insb. durch Bienen, Fliegen und Käfern bilden sich mehrere etwa acht Zentimeter lange Schoten, die wegen der Scheidewand des Fruchtknotens jeweils in zwei Fächer geteilt sind. In diesen entwickeln sich je bis zu acht schwarzbraune, bis zu max. vier Millimeter große Samen.

Knoblauchsrauke – Habitus

Beheimatet ist die Knoblauchsrauke in Europa, wobei sie sich bis nach Vorderasien ausgebreitet hat; in Teile Nordamerikas gilt sie als „Neophyt“.
Zu finden ist die halbschattige Plätze bevorzugende Pflanze in Laubwäldern, Gebüschen, auf Brachflächen, an Wegrändern, Gartenrändern und unter Hecken, wo sie gerne in Gesellschaft von Brennnesseln wächst. Besonders gut gedeiht das „Lauchkraut“ auf nährstoffreichen, humosen Böden.

Gesammelt werden die Blätter oder das gesamte blühende Kraut von April bis August. Am besten werden sie frisch verwendet, da der Trocknungsvorgang den Geschmack und auch die Wirksamkeit stark beeinträchtigt.
Die Samen werden zur Reifezeit gesammelt, die daran zu erkennen ist, dass die jetzt braunen Schoten sich von unten nach oben öffnen.
Die Pfahlwurzel wird im Herbst ausgegraben.

Der „Knoblauchsenf“ enthält u. a. Senfölglykoside (insb. Sinigrin), Vitamin A und C, Mineralstoffe sowie Saponine.

Knoblauchsrauke wirkt insb. antibakteriell, schleimlösend, leicht harntreibend, schweißtreibend, appetitanregend und leicht krampflösend.
Daher galt die Pflanze in der traditionellen Pflanzenheilkunde als gutes Mittel bei Erkältungen, Bronchitis und Husten, doch auch bei Verdauungsbeschwerden, rheumatischen Beschwerden, Zahnfleischentzündungen und in Frühjahrskuren sollte es gute Dienste leisten. Zudem wurde das „Lauchkraut“ wegen des Vitamin-C-Gehaltes bei Skorbut eingesetzt.
Äußerlich findet es Verwendung bei Wunden, Ekzemen und Insektenstichen.

Bei empfindlichen Menschen kann es zu leichten Hautreizungen kommen, darüber hinaus sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Übrigens lassen rund 5.000 Jahre alte Funde von Kochstätten darauf schließen, dass die Knoblauchsrauke schon sehr lange zumindest als Gewürzpflanze verwendet wurde. Spätestens im frühen Mittelalter waren aber auch ihre Heilwirkungen bekannt. Heute spielt die Pflanze, insb. in der Schulmedizin, keine Rolle mehr.

Da Knoblauchsrauke nur frisch wirklich wirksam ist, wird sie am besten als Saft angewendet. Dieser kann auch gut mit dem Saft von Blättern anderer (Frühlings-) Kräuter vermischt werden.
Der gewonnene Saft kann sowohl innerlich, z. B. während Frühjahrskuren oder zur Appetitanregung, als auch äußerlich angewendet werden.

In der Volksmedizin wurden zur äußerlichen Verwendung daneben meist Breiumschläge eingesetzt, bei Insektenstichen bspw. wurden auch einfach die frischen Blätter aufgelegt.
In alten Kräuterbüchern wird auch eine Salbe aus Knoblauchsrauke erwähnt, mit der vor allem schmerzende Gelenke eingerieben wurden. Diese bestand aus zerriebenen Blättern, Ingwer, (Wein- oder Obst-) Essig und etwas Salz. Zu beachten ist, dass die Salbe nur auf intakte Haut aufgetragen werden sollte.

Tee aus „Lauchkraut“ ist eher nicht zu empfehlen, da das kochende Wasser wichtige Inhaltsstoffe wie die Vitamine zerstören kann und auch der Geschmack nicht so angenehm ist.

Wie bereits erwähnt kann die auch „Knoblauchsenf“ genannte Pflanze auch gut in der Küche verwendet werden. Das angenehme Knoblaucharoma macht sie zu einem leckeren Wildgemüse, die nebenbei den Vorteil hat, dass sie auch noch genutzt werden kann, wenn z. B. der Bärlauch – geschmacklich ein guter Knoblauchersatz – längst zu blühen begonnen hat.
Außerdem könnte Knoblauchsrauke – ähnlich wie Bärlauch, nur noch etwas milder – eine gute Alternative für Menschen darstellen, denen Knoblauch zu stark ist.

Die frischen Blätter können als Salat verwendet werden, aber auch zum Aromatisieren von verschiedenen Gerichten. Wichtig ist, sie nicht mitzukochen, weil dadurch die Inhaltsstoffe zerstört werden und die Pflanzenteile an Geschmack verlieren. Daher frische Blätter immer erst direkt vor dem Servieren vorsichtig unterrühren.
Daneben ist Knoblauchsrauke bestens geeignet für Kräuterquark, Dressings, Dips und Pesto.
Die Blüten können ebenfalls gegessen werden und eignen sich zudem zum Garnieren, z. B. von Salaten.

Doch nicht nur Blätter und Blüten kommen für die Nutzung in der Küche infrage:
So kann aus den zerriebenen Samen eine Art Senf hergestellt werden, zudem können sie auch einfach als Gewürzpulver, z. B. statt Pfeffer, genutzt werden.

Und auch die Wurzel kann als Gewürz, das vom Geschmack her Meerrettich ähnelt, genutzt werden. Dazu wird sie möglichst fein gerieben.

Diese Vielseitigkeit ist wohl der Grund, dass das „Knoblauchkraut“ bis in die 20er-Jahre als häufig genutztes Küchenkraut galt. Dies war insb. in ärmeren Gesellschaftsschichten, wo man sich meist teure Gewürze selten leisten konnte, der Fall. Irgendwann geriet die Pflanze mehr und mehr in Vergessenheit, erst in den letzten Jahren hört und liest man wieder häufiger von ihr.

Zum Schluss noch drei Rezepte mit Knoblauchsrauke:

Pesto
Dazu werden 100 g Blätter der Knoblauchsrauke, 80 g Parmesankäse (kann auch mehr sein), Pinienkerne mit Olivenöl und einer Prise Salz in einen Mixer gegeben und gut zerkleinert. Alternativ können die Zutaten auch in einem Mörser zerkleinert werden. Wenn eine gleichmäßige Masse entstanden ist, in luftdicht verschließbare Gläser füllen. Im Kühlschrank aufbewahrt ist das Pesto einige Wochen haltbar.

Brotaufstrich
Etwa 20 g fein zerkleinerte Blätter der Knoblauchsrauke (evtl. auch andere Kräuter wie Schnittlauch, Basilikum o. ä.) und einen Esslöffel Pflanzenöl mit 150 g Frischkäse mischen.

Kartoffelsalat mit Knoblauchsrauke
Sechs große Kartoffeln mit Schale garen, währenddessen eine Zwiebel würfeln und die Blätter eines Bunds Knoblauchsrauke waschen und zerkleinern.
Einen Esslöffel Senf, drei Esslöffel weißes Balsamicoessig und zwei Esslöffel Pflanzenöl in einer Schüssel miteinander verrühren.
Die gegarten Kartoffeln pellen und in Scheiben geschnitten in eine große Salatschüssel geben und mit der gewürfelten Zwiebel, der Senf-Essig-Öl-Mischung und den Raukeblättern vermischen. Nach und nach noch 250 ml Gemüsebrühe unterrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken. Am besten schmeckt der Salat übrigens, wenn er mehrere Stunden ziehen kann. Vor dem Servieren kann der Salat noch mit den kleinen Blüten der Knoblauchsrauke garniert werden.

Blühende Knoblauchsrauke

Das war, denke ich, soweit das Wichtigste über die Knoblauchsrauke; weitere Informationen bspw. unter:
https://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/206-knoblauchsrauke.html

http://www.wildkrautgarten.de/2013/03/08/pflanze-des-monats-die-knoblauchsrauke/

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