Heilpflanzen – Bärlauch


Der Bärlauch (Allium ursinum) bildet innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) zusammen mit Pflanzen wie Knoblauch, Zwiebeln, Schnittlauch, Porree etc. die Unterfamilie der Lauchgewächse (Alliaceae). Er ist wegen seines angenehm würzigen und knoblauchähnlichen Geschmacks ein beliebtes Küchenkraut. Doch auch die positiven Wirkungen auf unsere Gesundheit sollte nicht vergessen werden.

Blätter und Blüten des Bärlauchs; Quelle siehe Ende des Beitrags

Die auch als „Waldknoblauch“ bezeichnete Pflanze wird bis zu 50 cm hoch und hat eine eher schlanke, längliche Zwiebel, aus der bereits im zeitigen Frühjahr die ersten Blätter sprießen. Diese sind grundständig, haben eine lanzenartige Form und werden max. fünf Zentimeter breit.

Laubblätter des Bärlauchs; Quelle siehe Ende des Beitrags

Wenn die Blätter ausgebildet sind, wagt sich auch langsam der meist dreikantige, aufrecht wachsende Stängel an die Oberfläche. An diesem entwickeln sich etwa ab Ende April die endständigen, flachen bis kugelförmigen Scheindolden, die aus jeweils fünf bis zwanzig weißen Einzelblüten bestehen.

Kugelige Scheindolde des Bärlauchs

Die einzelnen Blüten haben sechs weiße, lanzettliche Blütenhüllblätter, die bis zu zehn Millimeter lang sein können und sternförmig angeordnet sind.
Im Zentrum des Perigons sind meist sechs, am Ansatz verwachsene Staubblätter angeordnet, in deren Mitte wiederum ein grüner, dreifach gefurchter Fruchtknoten steht. Aus diesem entwickelt sich nach der Befruchtung eine Kapselfrucht, die einige Samen enthält.
Nach dem Abblühen bzw. der Samenreifung zieht sich der Bärlauch wieder zurück in die Zwiebel.

Der wilde Knoblauch wächst in nahezu ganz Europa – abgesehen von mediterranen Ländern – und in einigen Regionen Nordasiens. Auch in Mitteleuropa ist der Bärlauch wild anzutreffen, allerdings ist das Vorkommen etwas ungleich verteilt:
So ist das Kraut im Süden bspw. sehr viel häufiger als im Norden Deutschlands. In Brandenburg und Hamburg z. B. ist die vielseitige Pflanze unter Kategorie 1 in der „Roten Liste“ zu finden, womit sie in diesen Bundesländern als „vom Aussterben bedroht“ gilt. In Schleswig-Holstein dagegen wird er als „potenziell gefährdet“, in Bremen als „extrem selten“ eingestuft.
Wo die „Hexenzwiebel“ aber wächst, ist er am häufigsten in Laub- und Auwäldern anzutreffen, wo er sogar ganze Teppiche bilden kann. Manchmal kommt Bärlauch auch in dichten Gebüschen vor, die in der Nähe von Flüssen oder Bächen wachsen.
Diese Standorte lassen bereits erahnen, welche Bedingungen der „Knoblauchspinat“ bevorzugt: Er mag am liebsten feuchte, lehmige Böden und eher schattige Plätze, sauren Untergrund meidet die Pflanze.

Da die Blätter möglichst frisch verwendet werden sollten, empfiehlt es sich, den „Waldknoblauch“ im eigenen Garten anzupflanzen. So hat man immer die Möglichkeit, im Frühjahr schnell einige Blätter zu pflücken und geht der gegebenen Verwechslungsgefahr (dazu etwas weiter unten mehr) aus dem Weg. Bei der Aussaat ist zu beachten, dass Bärlauch ein Kaltkeimer ist und sehr lange braucht, bis er keimt. Zudem wachsen dann im ersten Jahr nur einzelne Blätter, die aber stehengelassen werden sollten – die junge Pflanze benötigt ja auch Energie durch Photosynthese. Daher ist es im Grunde besser, sich vorgezogene Pflänzchen zu kaufen oder in einem Laubwald mit unzähligen Bärlauchexemplaren eine Zwiebel ausgraben und im Garten einsetzen. Letzteres sollte aber nur gemacht werden, wenn Bärlauch in dem Gebiet nicht unter Schutz steht bzw. der Wald nicht zu einem Naturschutzgebiet gehört und wirklich sehr zahlreich vorhanden ist.
Es sollte aber auf jeden Fall bei einer Zwiebel bleiben – schließlich soll die Pflanze noch lange den Waldboden bedecken -, zumal sich der Bärlauch im Garten von ganz allein vermehren, wenn er am richtigen Platz steht.

Die Blätter des wilden Knoblauchs werden vor der Blüte gesammelt und am besten frisch verwendet.
Vorsicht: Bärlauch kann bei lediglich oberflächlicher Betrachtung durchaus mit Blättern des Maiglöckchen (Convallaria majalis), der Herbstzeitlosen (Colchicum autumnale) und einiger Weißwurzen (Polygonatum) verwechselt werden (siehe auch Bild weiter unten), manchmal werden auch noch die Blätter des Aronstabs (Arum) genannt. Neben der Giftigkeit haben diese Pflanzen gemeinsam, dass ihre Blätter nicht nach Knoblauch duften, wenn man ein Blatt zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und etwas reibt – ein untrügliches Erkennungsmerkmal des Bärlauchs.

Bärlauch (links) im Vergleich zu Maiglöckchen (Mitte) und Herbstzeitlose (rechts)

Natürlich sehen auch die Blüten der Pflanzen komplett verschieden aus. Das spielt jedoch weniger eine Rolle, da Bärlauch nur vor der Blüte gesammelt wird und er etwa zur gleichen Zeit wie Maiglöckchen und Weißwurz seine Blüten zeigt. Es ist jedenfalls äußerst wichtig, beim Sammeln aufmerksam zu sein und im Zweifel die Pflanze stehen zu lassen.

Nach dem Sammeln sollten die Blätter schnell verarbeitet werden, denn durch Trocknung verlieren sie an Geschmack und Wirksamkeit. Zur Not können sie allerdings eingefroren werden.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Bärlauchs sind Sulfide, die durch Zerkauen zu Sulfensäuren werden, die wiederum die Vorstufe zu Thiosulfinat sind. Dieser Stoff gilt als hochwirksames Mittel gegen Bakterien und Pilze. Wegen des hohen Gehalts an Sulfiden wird Bärlauch sogar wirksamer als Knoblauch eingestuft.
Daneben enthält das Küchenkraut Vitamin C, Mineralstoffe und Spurenelemente (insb. Eisen, Magnesium, Mangan), ätherische Öle, Schleimstoffe, Flavonoide, Allizin und Alliin.

Durch das Zusammenspiel dieser Wirkstoffe hat der Bärlauch u.a. antiseptische, durchblutungsfördernde, blutreinigende, appetitanregende, entschlackende, schleimlösende, entzündungshemmende und (stoffwechsel-) anregende Eigenschaften.
Dies macht die Pflanze zu einem guten Mittel bei Durchblutungsstörungen, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörungen, leichteren Entzündungen und – insb. in Verbindung mit anderen Pflanzen – bei Husten.
Da die „Hexenzwiebel“ zudem gegen Frühjahrsmüdigkeit hilft, sollte sie in Frühjahrskuren besser nicht fehlen.

Daneben ist Bärlauch ein guter Schutz gegen Arteriosklerose, da er die Wahrscheinlichkeit verringert, dass sich Cholesterinpartikel an den inneren Gefäßwänden festsetzen. Auch soll er hilfreich bei Hypertonie sein.

Äußerlich kann das Kraut bei schlechter Wundheilung, Hauptproblemen und kalten Gliedmaßen helfen.

Bärlauch ist schon sehr lange als Heilpflanze bekannt. So wurde die Pflanze bei den Kelten verehrt,
Germanen galt er als eine der ersten Pflanzen nach der Erschaffung der Erde. Den Römern galt sie als „Herba salutaris“ (= „Heilpflanze schlechthin“), sie setzten sie vor allem zur Blutreinigung ein.
In der Volksmedizin wurde der wilde Knoblauch besonders während Frühjahrskuren und auch zur Blutreinigung, aber auch z. B. gegen Wurmbefall, Hauterkrankungen und Verdauungsproblemen eingesetzt.
Und natürlich kannte auch Hildegard von Bingen den „Waldknoblauch“:
Sie empfahl die Pflanze insb. bei Gicht und Fieber, wies aber auch darauf hin, dass Menschen mit empfindlichem und/oder erkranktem Magen-/Darmtrakt beim Verzehr vorsichtig sein sollten.

Auch heute noch gibt es die Empfehlung, dass Menschen mit Magen-/Darmerkrankungen Bärlauch nur gekocht und in Maßen zu sich nehmen. Zudem kann es bei übermäßigem Verzehr zu Magen-/Darmreizungen kommen. Ansonsten sind keine Nebenwirkungen bekannt.

Angewendet wird Bärlauch am besten als Saft, der aus den frischen Blättern gepresst wird und der gut mit anderen Säften vermischt werden kann.

Zudem kann aus den frischen Blättern eine Tinktur hergestellt werden, die sowohl innerlich (drei Mal am Tag 10 bis 50 Tropfen; z. B. bei Bluthochdruck und zur Arteriosklerosevorbeugung) als auch äußerlich (bspw. mit einigen Tropfen der Tinktur versehene Kompressen) angewendet werden kann.

Das „Hauptanwendungsgebiet“ ist jedoch die Küche, denn sein Aroma macht ihn wie bereits erwähnt zu einem beliebten und vielseitigen Küchenkraut.
Und auch wenn der „Knoblauchspinat“ von Geruch und Geschmack her Knoblauch ähnelt, hat er einige Vorteile gegenüber diesem:
Zum Einen ist der Geschmack milder, was ihn evtl. zu einer Alternative für jene Menschen macht, denen Knoblauch zu stark ist. Zum Anderen fallen die negativen Begleiterscheinungen wie Mund- und Körpergeruch von Knoblauchgenuss größtenteils weg.

Daher ist Bärlauch insb. im Frühling kaum aus der Küche wegzudenken, denn er kann in Salaten, Soßen, Suppen, Dips, Kräuterbutter etc. verwendet werden, wobei er besonders gut zu Milchprodukten wie Quark, Frischkäse und Joghurt passt. Wie viele Lauchgewächse ist der „Waldknoblauch“ außerdem in Eiergerichten wie Rührei eine schmackhafte Bereicherung.
Und natürlich können die Blätter in den unterschiedlichsten Gerichten verwendet werden. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass die Blätter nicht zu lange mitgekocht werden, da sie dadurch große Teile des Aromas und ihre Wirkung verlieren.
Gerade, wenn Bärlauch aus medizinischen Gründen angewendet wird oder auch während Frühjahrskuren, ist es am besten, wenn er frisch und roh – also in Salaten, Milchprodukten o. ä. – gegessen wird.

Nun noch drei sehr leckere Rezepte mit Bärlauch:

Bärlauch-Pesto
Dazu 125 g Bärlauch waschen, etwas zerkleinern und mit 50 g (oder mehr) geriebenem Parmesankäse, 30 g Pinienkernen, einer Prise Salz ind etwas Pfeffer in einen Mörser oder Mixer geben. Das Ganze gut zerkleinern und vermischen, dabei nach und nach etwa 120 ml Pflanzenöl zufügen, bis die Masse eine cremige Konsistenz bekommt. In luftdicht verschließbare Gläser füllen; kühl und dunkel aufbewahren.

Bärlauchfrischkäse
Ein sehr simples Rezept für einen sehr leckeren Aufstrich und/oder Dip, für das 40 g gewaschener, zerkleinerter Bärlauch mit 200 g Frischkäse und zwei Esslöffeln Sahne vermischt wird. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken und fertig.

Bärlauchspätzle
200 g Bärlauch und 50 g Petersilie reinigen und in 100 g Sauerrahm (oder auch Crème fraîche) pürieren. 225 g Mehl, vier Eigelb, zwei Eier, 50 g Hartweizengries und etwas Öl zugeben und schlagen, bis ein Teig entsteht. Aus diesem dann die Spätzle fertigstellen und in Salzwasser garen, bis sie an der Oberfläche schwimmen. Nach dem Abgießen des Wassers kann bspw. Käse zu den Spätzle gegeben werden, um ihn schmilzen zu lassen. So schmecken mir die Bärlauchspätzle am besten, es gibt aber auch noch andere Variationsmöglichkeiten.

Bevor ich zum Ende komme, noch kurz etwas zur Bezeichnung „Bärlauch“: Diese ergibt sich aus dem lateinischen Namen „Allium ursinum“, da „Allium“ für „Lauch“ steht und „ursinum“ bedeutet „vom Bären gefressen“. Das wiederum kommt wohl daher, dass sich Bären nach ihrem Winterschlaf erst einmal über den jungen Bärlauch hergemacht haben sollen.
Außerdem wurden in früheren Zeiten stark wirksame bzw. positiv auf die Gesundheit wirkende Pflanzen oft nach Bären benannt, die von den Menschen wegen ihrer Kraft und Fruchtbarkeit verehrt wurden. Vielleicht sind beide gleichermaßen der Grund für den Namen „Bärlauch“ – der insb. früher auch „Bärwurz“ und „Bärenklau“ (ohne Bezug zum eigentlichen Bärenklau) genannt wurde.
Die Bezeichnung „Hexenzwiebel“ macht zudem auf eine Legende aufmerksam, nach der Hexen daran Schuld sind, dass Bärlauch nur vor der Blüte gesammelt werden sollte. Da Bärlauch meist ab Mai seine Blüten zeigt, wurde eine Verbindung zur Walpurgisnacht hergestellt, in der die Hexen auf ihren Besen durch die Wälder ritten und dem Bärlauch die Kraft nahmen.
Wie vielen stark duftenden Pflanzen wurde somit auch dem Bärlauch eine zauberabwehrende Wirkung zugesprochen. Das zeigt sich besonders in einer Empfehlung, nach der jeder, der sich mit Bärlauch die Brust einrieb, vor Hexen gefeit sei. Damit wird einmal mehr ersichtlich, wie stark verbreitet Aberglaube – vor allem im Mittelalter – war.

Blühender Bärlauch im Wald; Quelle siehe Ende des Beitrags

Soweit das Wichtigste zum Bärlauch, mehr Wissenswertes zu dem Kraut bspw. unter:

http://baerlauch.die-heilpflanze.de/index.htm

http://www.heilpflanzen-welt.de/2005-03-Frischpflanzenpresssaft-Baerlauch-Fruehjahrsputz-fuer-Blut-und-Gefaesse/

https://www.daskochrezept.de/magazin/specials/kraeuter/steckbrief-baerlauch_151680.html

Leider ist Bärlauch hier etwas rar und an die alten Bilder komme ich nicht ran, da der Laptop den Geist aufgegeben hat. Daher muss ich zurzeit auf im Internet vorhandene Bilder zurückgreifen. Diese stammen aus folgenden Quellen:

▫ Bild ganze Pflanze

▫ Bild der Laubblätter

▫ Bild des kugeligen Blütenstandes
Wikipedia

▫ Bild Bärlauch im Wald

▫ Bild der Unterschiede zwischen Bärlauch, Maiglöckchen und Herbstzeitlose

▫ Beitragsbild:

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