Heilpflanzen – Schnittlauch


Schnittlauch (Allium schoenoprasum) ist vor allem ein beliebtes Küchenkraut, doch es hat auch einige positive Wirkungen auf unseren Körper.

Allium schoenoprasum – Illustration (Quelle: Wikipedia)

Schnittlauch gehört zu den Lauchgewächsen (Alliaceae), die eine Unterfamilie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) ist. Wie viele Pflanzen dieser Familie ist es ein Zwiebelgewächs.
Aus den kleinen, meist eiförmigen Zwiebeln treiben ab dem Frühjahr jeweils etwa zwei bis etwa 30 cm lange, röhrenförmige Blätter. Diese sind hohl und haben einen Durchmesser von zwei bis fünf Millimetern. Dass Schnittlauch dennoch meist den Eindruck macht, als wachse es in dichten, vielblättrigen Horsten, liegt daran, dass die Zwiebeln sich unterirdisch vegetativ vermehren, also Tochterzwiebeln bilden.

Schnittlauchhalme und -knospen

Etwa ab Ende April entstehen an den Spitzen der Halme Knospen, die sich etwa im Mai öffnen – was aber natürlich auch von der Witterung abhängt. Dann entwickeln sich die endständigen kugeligen, scheindoldigen Blütenständen, die aus bis zu 50 rosa-violetten, zwittrigen Einzelblüten bestehen können.

Schnittlauch – Blütenstand

Die einzelnen radiärsymmetrischen Blüten sind dreizählig, haben eine etwas glockenartige Form und sechs rosa-violette (manchmal auch blau-violette oder weiße) Blütenhüllblätter, die sich nach oben hin zuspitzen.
In den Blüten stehen jeweils sechs Staubblätter, die in zwei Kreisen angeordnet sind, und drei Fruchtblätter. Letztere bilden einen oberständigen, etwas kugeligen Fruchtknoten, aus dem sich nach der Befruchtung jeweils eine Kapselfrucht entwickelt. In ihr befinden sich mehrere schwarze Samen.

Schnittlauch – Habitus

Die auch „Prieslauch“ genannte Pflanze ist auf beinahe der gesamten Nordhalbkugel anzutreffen, wobei natürliche Bestände insb. in alpinen Hochgebirgen in (kalt-) gemäßigten Regionen Eurasiens und Nordamerikas. Möglicherweise kommt daher die Bezeichnung „Bergzwiebel“.

Da Schnittlauch nahezu weltweit auch in Gärten, auf Balkonen oder auf Fensterbänken kultiviert wird, ist es bspw. in Europa auch immer wieder wild anzutreffen. Dort wächst es insb. an Fluss- bzw. Bachufern, auf Auen und feuchten Wiesen, da Schnittlauch besonders feuchte, nährstoffreiche und kalkhaltige Böden und sonnig bis halbschattige Standorte bevorzugt.

Daher sollte beim Anpflanzen im Garten oder auf der Fensterbank direkte Sonne vermieden werden und ausreichend gegossen werden – dabei allerdings Staunässe vermeiden.
Beachtet werden sollte auch, dass Schnittlauch ein Kalt- und Dunkelkeimer ist – d. h., die Samen benötigen einen Kältereiz und müssen mit Erde bedeckt werden, um keimen zu können.

Ein netter Nebeneffekt des Schnittlauchs ist zudem, dass die enthaltenen Senföle die Pflanze aromatisch duften lässt und dadurch Pflanzenschädlinge (insb. Mehltau und manche Käfer) vertreibt. Zudem ernähren sich Regenwürmer u.a. vom Schnittlauch, während die Blüten besonders bei Bienen beliebt sind.

Es gibt mittlerweile übrigens auch mehrere Hybriden, die in ihrem Wuchs, aber auch in ihrem Geschmack unterschiedlich sind.

Gesammelt wird Schnittlauch am besten vor der Blüte, wobei diese durch stetiges Ernten verhindert/verzögert werden können. Das ist auch deshalb möglich, weil Schnittlauch nur frisch verwendet werden sollte und daher jedes Mal neu gesammelt werden muss. Wurde allerdings doch mal zuviel gepflückt, kann es zur Not eingefroren werden.

Wenn die Blüten aber erschienen sind, können auch sie verwendet werden – z. B. zum Garnieren von Salaten.

Da Schnittlauch im Garten oft in dichten Horsten wächst, kann man auch einfach einen Teil blühen lassen, einen anderen nicht.
Zudem kann man im Winter, nach den ersten Frösten, einen Wurzelballen ausgraben und ihn in einen Topf pflanzen. Diesen dann auf eine Fensterbank stellen, um die „Bergzwiebel“ austreiben zu lassen.

Schnittlauch enthält viele wertvolle Inhaltstoffe, darunter insb. die Vitamine A, B2, B3, B6, E und C, Folsäure, ätherische Öle (v.a. Senföle), Diallylsulfide, Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Calcium, Kalium, Phosphor sowie Eisen.

Dank dieser und einiger weiterer Wirkstoffe hat die auch „Schnittzwiebel“ genannte Pflanze u.a. blutreinigende, appetitanregende, schleimlösende, blutdrucksenkende, harntreibende und antimikrobielle Eigenschaften.
Vor allem letztere sind besonders auf die enthaltenen Diallylsulfide zurückzuführen. Dies zeigten Studien, nach denen Schnittlauch krankheitsfördernde Bakterien, v.a., wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden, abtöten kann.

Ansonsten kann Schnittlauch gegen Appetitlosigkeit, Blähungen, Völlegefühl, Harnwegsentzündungen und Husten helfen.
Zudem sind die grünen Halme ein gutes Mittel bei Frühjahrsmüdigkeit und soll auch auf Hypertonie eine positive Wirkung haben.

In der Volksmedizin wurde Schnittlauch nicht viel anders als Knoblauch (Allium sativum) verwendet.
In mittelalterlichen Kräuterbüchern heißt es zudem, „Prieslauch“ sei ein Aphrodisiakum und helfe zusammen mit Honig gegen Schlangenbisse.

In letzter Zeit wurde zudem in Studien nachgewiesen, dass Schnittlauch das Prostatakrebs-Risiko senken kann. Daneben wurden in Verbindung mit anderen Lauchgewächsen auch krebsschützende Eigenschaften beobachtet, die sich insb. bei Tumoren im Verdauungstrakt zeigen.

Verwendet wird am besten der frisch gepresste Saft aus den Blättern, der innerlich wie äußerlich angewendet werden kann und mit Gemüse- und/oder anderen Kräutersäften vermischt werden.
Daneben kann er auch mit etwas Essig vermischt werden.

Ansonsten kann man von den positiven Wirkungen des Schnittlauchs – wie bspw. auch beim Bärlauch – insb. durch die Nutzung in der Küche profitieren.
Wegen seines würzigen, zwiebelähnlichen Geschmacks (daher wohl auch die Bezeichnung „Schnittzwiebel“), der an Knoblauch erinnert, aber weniger stark ist, sind die Einsatzmöglichkeiten vielseitig:
Es verfeinert z. B. Salate, Gemüse- und Fleischgerichte, Kräuterquark, Soßen, Suppen, Dips, Kräuterbutter und Eiergerichte wie Rührei.
Zudem kann Schnittlauch auch einfach auf mit Butter bestrichenes Brot gestreut werden, was lecker und gesund ist.
Daneben ist Schnittlauch ein wichtiger Bestandteil der „Fines herbes“ (neben Schnittlauch Kerbel, Petersilie und Estragon, manchmal noch weitere Kräuter wie Rosmarin, Thymian oder Basilikum) in der französischen Küche (1) und eine wichtige Zutat für die Frankfurter „Grünen Soße“ (2).

Zum Abschluss des Abschnitts über die Anwendung von Schnittlauch in der Küche noch einige Rezepte:

Schnittlauchpesto
Zwei Bund Schnittlauch zerhacken und mit zwei zerkleinerten Knoblauchzehen, 30 g geriebenen Parmesan sowie 20 g geriebenen Pecorino in eine Schüssel oder einen Mörser geben und alles unter Zugabe von fünf bis sechs Esslöffeln Pflanzenöl vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und in luftdicht verschließbaren Gläser möglichst kühl und dunkel lagern.

Rührei mit Schnittlauch
Einen Bund Schnittlauch waschen und zerkleinern. Vier Eier mit etwa 50 ml flüssiger Schlagsahne verquirlen und den Schnittlauch unterrühren. In eine Pfanne geben, mit Salz, Pfeffer und etwas Paprikapulver würzen, anbraten.
Reicht für zwei Portionen; Mengen können natürlich variiert werden.

Sauerrahm-Dressing mit Schnittlauch
Einen Bund Schnittlauch in Ringe schneiden und 200 ml saure Sahne mit dem Saft von einer Limette sowie zwei bis drei Esslöffel Pflanzenöl verrühren. Schnittlauch zugeben und mit Salz, Pfeffer sowie etwas Zucker abschmecken.

Schnittlauch-Kartoffelpuffer
750 g Kartoffeln säubern, schälen und reiben. Zwei Bund Schnittlauch zerkleinern und mit einem Ei sowie ein bis zwei Esslöffel Mehl zu den geriebenen Kartoffeln geben und unterrühren. Mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen.
Dann etwas Pflanzenöl in einer Pfanne erhitzen und mit einem Löffel kleine Häufchen der Kartoffel-Schnittlauchmasse in die Pfanne geben, andrücken und beide Seiten goldbraun anbraten.
Um ein Abkühlen zu verhindern, die jeweils fertigen Kartoffelpuffer bei etwa 100 C° auf einem Teller in den Backofen stellen.
Schmeckt besonders gut zusammen mit Kräuterquark.

Salat mit Frühlingskräutern
250 g gemischte Blattsalate waschen, in mundgerechte Stücke zupfen und in eine Salatschüssel legen. Je einen Bund Schnittlauch und Lauchzwiebeln waschen und zerhacken, zwei weitere Bund frische Frühlingskräuter nach Belieben (z. B. Kresse, Petersilie oder Knoblauchsrauke) zerkleinern und mit den beiden Lauchgewächsen, zwei geviertelten Eiern und einem Bund zerkleinerten Radieschen zum Blattsalat geben.
Dazu passen Sahne-Dressings, aber auch Dressings auf Essig-Öl-Basis.

Gemüsespaghetti mit Schnittlauch
Zwei Möhren säubern, schälen und raspeln, zwei Stangen Lauchzwiebeln sowie eine Zucchini waschen und würfeln. Ein Bund Schnittlauch in Röllchen schneiden, je eine Schalotte und Knoblauchzehe abziehen und würfeln.
Etwa 200 g Spaghetti in Salzwasser ganz normal garen und währenddessen in einer Pfanne Öl erhitzen, Schalotten- und Knoblauchwürfel zusammen mit den Möhren dünsten und Zucchiniwürfel zugeben. Ist das Gemüse gut angedünstet werden die Lauchzwiebeln zugegeben und etwas weitergedünstet. Mit 50 ml Gemüsebrühe aufgießen und einkochen, dann 150 ml Schlagsahne einrühren; mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Wenn die Spaghetti „al dente“ sind, Wasser abgießen und die Spaghetti zu der Gemüse-Sahnemischung geben. Alles gut vermischen und noch einmal zusammen einige Minuten auf kleiner Stufe köcheln lassen.
Zum Schluss die Schnittlauchröllchen unterrühren und dann: Schmecken lassen. 😃😉

Es kann auch noch (Parmesan-) Käse und weitere Kräuter (z. B. Oregano, frisches Basilikum oder Petersilie) zugegeben werden, zudem können die Zutaten variiert (z. B. Sojacreme statt Sahne, normale Spaghetti durch Vollkornspaghetti ersetzen) werden, sodass die Gemüsespaghetti dann auch auch für VeganerInnen in Frage kommen.

Übrigens wurde der „Prieslauch“ bereits im frühen Mittelalter kultiviert und es gibt sogar Berichte, nach denen die Pflanze schon im Jahre 3.000 vor Christus von den Chinesen genutzt wurde.

Sicher ist jedenfalls, dass schon die Römer das Kraut nutzten:
So soll der römische Kaiser Nero angeblich an manchen Tagen frischen Schnittlauch mit Öl – ohne Brot o. ä. – gegessen haben, da er dadurch seiner Stimme einen angenehmen Klang geben wollte. Überhaupt wurde es wegen seines Geschmacks und den positiven Wirkungen auf die Gesundheit sehr geschätzt.

Ansonsten gibt es noch einiges mehr oder weniger Kurioses über das Schnittlauch:
So sollte die Pflanze nicht bei abnehmendem Mond ein- oder umgepflanzt werden und um schönen Schnittlauch zu erhalten, sollte dieser gestohlen oder erbettelt sein.
Außerdem hieß es in manchen Regionen, je schöner das Schnittlauch wuchs, desto böser sei die Frau des zum Garten gehörenden Hauses. Es soll auch mal die Empfehlung gegeben haben, das Kraut mit Kaffeesatz zu düngen. Ob das aber wirklich einen guten Einfluss auf die Entwicklung des Lauchgewächs hat, kann ich (zurzeit?) nicht beurteilen.

Nun noch kurz zur lateinischen Bezeichnung der „Schnittzwiebel“: Dabei ist vor allem „schoenoprasum“ interessant, da es aus den griechischen Wörtern „schoinos“ („Binse“) und „prason“ („Lauch“) zusammengesetzt ist. Das wirkt etwas doppelt gemoppelt, da ja bereits „Allium“ die Zugehörigkeit des Schnittlauchs zur Familie der Lauchgewächse anzeigt.
Die Bezeichnung „Binsenlauch“ bezieht sich aller Wahrscheinlichkeit nach auf das Aussehen bzw. die Form der Laubblätter.

Rosmarin, blühendes Schnittlauch und Waldmeister auf der Fensterbank

Soviel zum Schnittlauch, weitere Infos bspw. unter:

http://symptomat.de/Schnittlauch

https://www.vitamine.com/heilpflanzen/schnittlauch/

https://gesund.co.at/schnittlauch-gesund-12478/

Die Illustration ist – wie schon in der Bildunterschrift erwähnt – von Wikipedia, das Bild mit mehreren Schnittlauchpflanzen habe ich irgendwann mal im Netz gefunden. Leider ist das zu lange her, als dass ich noch wüsste, von welcher Seite ich dieses Bild hatte.
Und nun hoffe ich mal, dass Ihr alle gut in den Mai kommt! 😁😉

🐞🌱🌿🌸🐝🐞

Wünsche Euch/Ihnen noch einen schönen Sonntagabend!

(1)
http://www.grundrezept.de/655/5123/fines-herbes/

(2)
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCne_Sauce

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