Wort der Woche (2)


Irgendwie ist die Zeit diese Woche noch mehr gerast als sonst und dazu hatte ich Probleme, mich auf eine Sache zu konzentrieren. Alles mögliche habe ich angefangen, aber fast nichts auch zuende gemacht. Dazu hat mein Partner meine Nerven ziemlich strapaziert, sodass ich auch das „Wort der Woche“ erstmal vergessen habe (und überhaupt kaum zum Schreiben gekommen bin).

Aber wie auch immer, dieses Mal habe ich mich für ein Wort entschieden, dass allerdings für mich eher als „Unwort“ einzustufen ist:

Leitkultur

In der letzten Zeit kommt man kaum daran vorbei, dieses Wort zu hören oder zu lesen. Und jedes Mal könnte ich mich tierisch aufregen.
Den Ausschlag gegeben hat ‚unser‘ Innenminister mit seinem „Zehn-Punkte-Katalog für eine deutsche Leitkultur„.
Allein der Satz «Wir sind nicht Burka.» zeigt – wieder einmal – das Niveau ‚unseres‘ Innenministers. Ist ihm überhaupt klar, dass das, was er meint, gar nicht Burka heißt?! Offenbar eher nicht.

Doch wie dem auch sei, der Punkt ist:
Deutschland braucht keine Leitkultur!

Schon alleine, weil Deutschland viel zu vielseitig ist, als dass es irgendeinen Sinn hätte, sich irgendwelche Regeln auszudenken, die dann für alle gelten sollen.

Zum Beispiel wird, wenn es um eine deutsche „Leitkultur“ geht, immer wieder die christliche Religion genannt.
Damit würden dann quasi alle Nicht-Gläubigen schonmal gegen einen Teil der Leitkultur verstoßen. Das kann es echt nicht sein.

Im Fall von de Maizière’s „Katalog“ kam mir auch die Erwähnung des Vermummungsverbotes bei Demonstrationen ziemlich kurios vor. Denn wenn es um die Vollverschleierung geht, geht es um den Alltag der betroffenen Frauen.
Und auch, wenn ich absolut nichts von Vollverschleierung halte, denke ich doch, es gehört zur freien Entscheidung. Wenn eine Frau ohne Zwang durch ihre Familie oder ihren Vater entscheidet, Niqab und Abaja zu tragen, ist das zu respektieren. Das eigentliche Problem stellt doch der Zwang dar, den es immer noch gibt. Ebenso wie das Problem mit der Gleichberechtigung im Allgemeinen.

Doch auch im Fall des Zwangs, ist es doch besser, den Frauen die Möglichkeit zu geben, verschleiert in die Öffentlichkeit zu gehen, als sie quasi durch ein Vollverschleierungsverbot in die Situation zu bringen, das Haus nicht mehr verlassen zu dürfen.
Es geht dabei auch um Persönlichkeitsrechte und Religionsfreiheit.
Oder soll jetzt eine „Leitkultur“ über das Grundgesetz gestellt werden? Bitte nicht!

Im Zusammenhang mit Gleichberechtigung der Frauen sei auch daran erinnert, dass es auch in den ach so fortschrittlichen, ‚zivilisierten‘ Ländern sehr lange gedauert hat, bis Frauen bestimmte Rechte bekamen. Und auch heute sind Frauen noch nicht zu 100 % gleichberechtigt – was manche Männer nicht daran hindert, so zu tun, als würden die Frauen ihnen etwas wegnehmen.
Und die katholische Kirche verweigert Frauen bis heute die komplette Gleichberechtigung.

Vielleicht sollten wir endlich mal einsehen, dass wir nicht besser, zivilisierter oder was auch immer sind als weniger fortgeschrittene Länder. Immer, wenn sich diese deutsche Überheblichkeit zeigt, schrillen bei mir schnell die Alarmglocken. Wann verstehen endlich auch die letzten Deutschen, dass „die Deutschen“ nicht das Maß aller Dinge sind?!
Insb., wenn man bedenkt, dass es „die Deutschen“ so gar nicht gibt. Aber das will man ja nur ungern wahrhaben…

Es gäbe noch viele Gründe, warum ich eine Leitkultur für unnötig halte, vielleicht mache ich da mal einen ausführlicheren Beitrag zu.

Zusammengefasst denke ich, dass eine „Leitkultur“ kein einziges (reales) Problem lösen würde – eher im Gegenteil.
Diese ganze Debatte ist nichts weiter als ein Kniefall vor denen, die von „Umvolkung“ und „Invasoren“ brabbeln. Anstatt vernünftige Lösungen zu präsentieren und Antworten zu liefern, fängt man an, eine völlig utopische „Leitkultur“ zusammenzubasteln.
So werden keine Ängste ernstgenommen, so gaukelt man den Menschen vor, dass ein paar verbindliche Regeln die Probleme lösen. Und damit ist insb. die CDU keinen Deut besser als die angstverbreitenden Schreihälse, die gegen eine tolerante Gesellschaft hetzen.
Für mich war die CDU nie eine wählbare Partei, aber zurzeit ist sie so unwählbar wie selten zuvor. Erst von „freundlichem Gesicht“ sprechen, aber dann vor einer ewiggestrigen, schreienden Minderheit einknicken ist ein Armutszeugnis für diese Partei und die Regierung.

Übrigens könnte man eine „deutsche Leitkultur“ auch einfach aus folgenden Grund für unnötigen Nonsens halten:
Wir haben schließlich bereits seit 1949 einen Leitfaden für unsere Gesellschaft – das Grundgesetz.

Bevor ich gar kein Ende mehr finde, beende ich diesen Beitrag nun und wünsche Euch einen schönen Sonntag!

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