Heilpflanzen – Gundermann


Der Echte Gundermann (Glechoma hederacea; auch Gundelrebe) ist ein krautig wachsender Lippenblütler (Lamiaceae), der eine Höhe von bis zu 20 cm erreichen kann, sich aber bis zu zwei Meter lang über den Boden ziehen kann.

Gundermann – Illustration (Quelle: Wikipedia)

An den vierkantigen, eher niederliegenden Stängeln stehen kurz gestielte, herz- bis nierenförmige Laubblätter in gegenständiger bis kreuzgegenständiger Anordnung. Sie haben einen gekerbtem Blattrand und riechen beim Zerreiben zwischen Daumen und Zeigefinger leicht würzig. Mit zunehmendem Alter bekommen die Blätter ein dunkleres Grün und können an den Rändern leicht rötlich aussehen.

Gundermann vor der Blüte

Etwa ab April – je nach Witterung auch schon ab Ende März – erscheinen die violettblauen, fünfzähligen Blüten, die meist zu sechst in scheinquirligen Wirteln in den Blattachseln stehen. Die einzelnen Blüten sind meist zwittrig und bestehen wie alle Lippenblütler aus Ober- und Unterlippe.

Blüten des Gundermanns

Im unteren Teil der Oberlippe befinden sich je zwei lange und kurze Staubblätter, der oberständige Fruchtknoten wird aus zwei miteinander verwachsenen Fruchtblättern gebildet.
Nach der Blüte und bei erfolgter Befruchtung entwickeln sich nüsschenartige Klausen, die mehrere Samen enthalten.

Die auch „Hederich“ genannte Pflanze kommt in den gemäßigten Zonen Europas vor, wo sie auf Wiesen, an Wald- und Wegrändern, unter Gebüschen, Hecken sowie in Mauernischen wächst und regelrechte Teppiche bilden kann. Auch in Gärten ist sie zu finden, wo sie zwischen diversen Kräutern und im Gras vorkommt und nährstoffreiche, frische Böden sowie halbschattige Standorte bevorzugt – allerdings wird die kleine Pflanze von (Hobby-)Gärtnern hauptsächlich als Unkraut angesehen.

Blühender Gundermann

Vor der Blüte werden die jungen Blätter gesammelt, während der Blüte kann das gesamte blühende Kraut gepflückt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Pflanzenteile noch nicht zu alt aussehen, da sie dann nämlich nicht mehr leicht würzig-herb, sondern eher bitter schmecken.

Gundermann enthält u. a. Gerbstoffe, ätherische Öle (insb. Sesquiterpene), Flavonoide, Bitterstoffe, Saponine, Vitamine und Rosmarinsäure.

Diese sorgen für die schleimlösenden, appetitanregenden, entzündungshemmenden, harntreibenden, stoffwechselanregenden, verdauungsfördernden und leicht schweißtreibenden Eigenschaften des Gundermanns.

Trotz dieser recht vielseitigen Wirkungen spielt die Gundelrebe in der heutigen Medizin keine Rolle mehr, da ihre Heilwirkungen wissenschaftlich nicht belegt sind. Eingesetzt wurde das Kraut vor allem in der Volksheilkunde bei Harnwegsentzündungen, Atemwegserkrankungen, Beschwerden des Verdauungstrakts und Menstruationsbeschwerden. Äußerlich hilft es bei Wunden, Hautentzündungen und –problemen.

Hildegard von Bingen sah die „Gewitterblume“ als Pflanze, die wärmende Wirkungen hatte und gegen Erschöpfung wirkte. Auch die schleimlösende Wirkung war bereits im Mittelalter bekannt.

Neben den wissenschaftlich nicht bewiesenen Wirkungen ist in manchen Kräuterbüchern auch die Rede von Nebenwirkungen, wobei offenbar nicht ganz klar zu sein scheint, welche das sind. Bei mäßiger Einnahme sollte es jedoch keine Probleme geben, dasselbe gilt für die äußere Anwendung. Allerdings sollten Schwangere und Stillende sicherheitshalber auf die Nutzung verzichten.

Am einfachsten ist natürlich auch hier die Anwendung als Tee. Dazu wird ein Teelöffel des getrockneten Krautes mit 200 ml kochendem Wasser übergossen. Nach zehn Minuten Ziehzeit abseihen und zwei Tassen am Tag in kleinen Schlucken trinken.

Statt Tee kann auch eine Gundermann-Milch zubereitet werden (gleiche Menge wie beim Tee), was den Vorteil hat, dass nicht-wasserlösliche Inhaltsstoffe sich durch den Fettanteil lösen können.
So kann bspw. bei Menstruationsbeschwerden eine Milch mit Gundermann und Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) Erleichterung schaffen.

Zudem können Ölauszüge oder Tinkturen hergestellt werden, wobei sich besonders Ölauszüge gut für die äußere Anwendung eignen.

Daneben kann frischer Hederich auch in der Küche eingesetzt werden. So können seine frischen Blätter in Salaten, Kräuterquark, Suppen und Kräuterbutter verwendet werden.
Die frischen Blüten können außerdem zum Garnieren genutzt werden.

Bevor ich zum Ende komme, noch einiges zur nicht-medizinischen Nutzung der Pflanze:
Im Mittelalter war Gundermann nämlich ein beliebtes Mittel für Heilungs- und Schutzzauber, die insb. gegen schwere Infektionen sowie gegen Hexen helfen sollten.
Daher wurden bspw. in der Walpurgisnacht Kränze aus der Gundelrebe geflochten, da es hieß, dass die, die diese Kränze trugen, Hexen erkennen könnten. Außerdem wurde geglaubt, dass das Melken durch einen solchen Kranz die Milch vor schlechten Zaubern schütze und den Ertrag verbessere. Zudem gab es den Zauber, bei dem Hederichkraut um eine gelbe Kerze gewickelt wurde. Diese sollte dann an einem Dienstag niedergebrannt werden, um dabei zu erkennen können, ob jemand und wer einem etwas Böses will. Ob dem wirklich so ist, kann ich selbstverständlich nicht sagen. 😉

Daneben galt er als Kraut, dass Häuser vor Gewittern bzw. Blitzschlag schützen konnte – daher kommt wohl auch die Bezeichnung „Gewitterblume“.

Im Althochdeutschen bedeutet „Gund“ übrigens „Eiter“, weshalb die Gundelrebe schon von den Germanen genutzt wurde – vor allem bei eitrigen Wunden und Geschwüren.

Ach ja, und Gundermann wurde bis ins 17. Jahrhundert auch zum Bierbrauen genutzt, dann allerdings vom Hopfen abgelöst.

Soweit das Wichtigste zum Gundermann, weitere Informationen u. a. unter:

http://www.die-wildkräuter-drey.de/gundermann/

https://www.vitamine.com/heilpflanzen/gundermann/

http://www.pflanzen-im-brauchtum.de/gundermann.htm

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2 Gedanken zu “Heilpflanzen – Gundermann

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