Das „Trumpeltier“ in Europa – Kein Grund zur Hoffnung


Nachdem Trump sich auf seinen Reisestationen im Nahen Osten versuchte, sich als Staatsmann darzustellen, haut er nun wieder ein Ding nach dem Anderen raus. Nun könnte man achselzuckend sagen: „Ist halt Trump.“ Stimmt auch, ist aber doch irgendwie unpassend, wenn es um Krisen und Themen geht, die die gesamte Welt betreffen.

Erst sein Auftritt auf dem NATO-Gipfel, als er einmal mehr die Mär von den horrenden Schulden, die NATO-Staaten seiner Meinung nach bei der USA haben. (1)

Nicht, dass es verwundern würde, dass Trump offenbar weder das Prinzip der NATO noch der EU versteht, ist es doch eine Anmaßung sich darzustellen, als sei er der Einzige, der seine Interessen vertreten will. Zumal niemand die USA zwingt, seinen ohnehin unfassbar hohen Verteidigungsetat nochmal stark zu erhöhen. Das tut Trump, weil er meint, die USA damit „stärker“ zu machen – nicht wegen der NATO.
Seine rücksichtslos egoistische Ader hat er übrigens besonders stark gezeigt, als er den montenegrinischen Ministerpräsident wegschob, um zum Gruppenfoto in der ersten Reihe neben NATO-Generalsekretär Stoltenberg stehen zu können. (2)

Dann sein Gerede über den deutschen Handelsüberschuss und den zu vielen Autos, die Deutschland in den USA verkauft. (3) Nun, dann baut halt selber bessere Autos. Zudem sollte Trump besser nicht vergessen, dass ein großer Teil der in den USA verkauften deutschen Autos auch dort hergestellt werden. Das bedeutet, deutsche Autofabriken schaffen Arbeitsplätze in den USA. Vielleicht sollte ihm das mal jemand klarmachen.
Davon abgesehen zeigt Trump mit diesem Gerede, dass er keinen Plan davon hat, was EU-Sache ist und was Angelegenheit der einzelnen Staaten. Wenn es also Handel um Handel geht, sollte er den Vergleich von Handelsbilanzen zwischen USA und EU ziehen, nicht aber zwischen USA und einzelnen EU-Staaten. Aber wahrscheinlich hätte selbst das größte Genie Schwierigkeiten, dem derzeitigen US-Präsidenten all dies verständlich zu machen – immerhin ist dessen Aufmerksamkeitsspanne für derart komplexe Themen offensichtlich zu kurz.

Nun geht das „Trumpeltier-Theater“ auf dem G-7-Gipfel in Taormina weiter. Und als gäbe es mit Klima- und Handelspolitik nicht schon genug Problembereiche, weigert sich die Trump-Delegation nun offenbar sogar, ein von Italien angeregtes Bekenntnis zur Flüchtlingspolitik in die Abschlusserklärung aufzunehmen. (4)

Aus meiner Sicht bedeutet das, dass Trump nicht an einer wirklichen Lösung der (durch langjährige Untätigkeit ausgelöste) Flüchtlingskrise interessiert ist. Dass er immer noch nicht begriffen hat, dass dies ein Thema ist, das alle Menschen sowie Staaten betrifft und dass es sehr wohl positive Aspekte der Flüchtlingsaufnahme gibt.

Und auch seine Haltung zum Klimaschutz stimmt nicht gerade hoffnungsvoll.

Schaden tut er damit aber vor allem der Welt und den auf ihr lebenden Menschen – auch denen, die in den USA leben und insb. die zukünftigen Generationen.
Mit seiner Ignoranz und Verweigerungshaltung nimmt Trump letzten Endes den gesamten Planeten und die auf ihm lebende Menschheit in Geiselhaft, nur um seine Anhänger bei Laune zu halten. Dass er damit aber nur weiter spaltet, scheint ihn keinen Nanometer zu interessieren – oder es ist ihm einfach nicht bewusst. Das kann ich mir aber selbst bei einem Trump nicht vorstellen, denn was das Spalten der Gesellschaft angeht, weiß er ganz genau, was er tut. Allerdings glaube ich nicht, dass er die Folgen dieses Verhaltens überblickt. Dazu ist er nämlich viel zu sehr auf sich selbst fixiert und darauf, dass seine Anhänger ihm zujubeln. Dass „das Volk“ aber mehr ist als seine Anhänger, wird ignoriert.

Möglicherweise ist Trump das beste Beispiel dafür, wohin es führen kann, wenn jemand jahrelang in seiner eigenen Blase lebt. Er hat sich seine eigene Welt zusammengestellt, eingeteilt in Unterstützer und Feind. Zwar musste er zum vergangenen 20. Januar den Mittelpunkt seiner Welt – sein Protz-Penthouse im „Trump-Tower“ – verlassen, was aber nichts daran ändert, dass er weiter in seiner Welt feststeckt. Zumal er sich in Washington D. C. im Weißen Haus direkt seine eigene Blase hat aufblasen lassen. Der erste Hinweis darauf war wohl sein Pochen darauf, dass noch nie mehr Menschen bei einer Inauguration anwesend waren: „Alternative Fakten“ für Trump. Es folgten unzählige Lügen, Angriffe gegen seine Gegner und Schmeicheleien gegenüber seinen Anhängern. Dazu seine Wochenendtrips in seinen Privatclub in Florida, für die die amerikanischen Steuerzahler zahlen müssen.
Doch seine Anhänger akzeptieren all das – schlimmer noch, sie bejubeln Trump noch dafür.
Obwohl er kaum etwas von dem erreicht hat, was er alles so versprochen hat im Wahlkampf. Klar, er hat ein Dekret nach dem anderen unterzeichnet. Dass das aber oftmals nichts weiter als Ankündigungen und Aufträge an Behörden zur Prüfung bestimmter Sachverhalte waren – wird übersehen und/oder ignoriert.
Im Wahlkampf sagte Trump einmal, er liebe «the poorly educated». (5)
Tja, da hat er wohl ausnahmsweise mal die Wahrheit gesagt. Wäre es nämlich anders, könnte er seine Anhänger nicht einfach mit Dekreten und Rüpeleien zufriedenstellen.

Dass er damit den notwendigen Fortschritt bei vielen wichtigen Themen verhindert, ist ihm egal.
Hauptsache, er kann einen auf polternden Präsidenten machen und sich als – vermeintlichen – Dealmaker aufspielen. Alles andere scheint für US-Präsident Trump unwichtig zu sein. Besonders wenn es um die Folgen geht, die derartigem Verhalten haben können.
Insofern hat sich in meine Einschätzung zu Trump seit Ende Januar nicht geändert:
Er ist mit seinem egomanischen Gehabe eine Gefahr für die Welt.

Das gilt im Übrigen auch für seine Nahost-Reise. Redet von Frieden, stachelt aber zugleich mit einem dreistelligen Milliardenschwerem Rüstungsdeal für Saudi-Arabien das Wettrüsten im Nahen Osten an. So wird es nicht zum Frieden kommen. Und wenn er seine Reden über den Frieden wirklich ernst meinen würde, würde er sich auch anders gegenüber dem Iran verhalten. Bspw. hätte er mal wahrnehmen können, dass im Iran die Menschen erst kürzlich mehrheitlich für Ruhani gestimmt haben und damit für die Öffnung gegenüber dem Westen. Diese Menschen sollten unterstützt werden, damit sie sich am Ende nicht enttäuscht wieder den Hardlinern zuwenden. Dies sind nur einige Hinweise darauf, dass das Reden über Frieden für Trump nichts weiter als eine hohle Phrase ist. Ein weiterer Grund, warum Trump’s Präsidentschaft nichts Gutes für die Menschen bringen wird.

(1)
http://www.handelsblatt.com/politik/international/us-praesident-trump-nato-partner-schulden-usa-riesige-summen-von-geld/19853804.html

(2)
https://www.wp.de/politik/trump-rempelt-sich-beim-nato-gipfel-in-die-vorderste-reihe-id210696307.html

(3)
http://mobil.stern.de/die-graeben-bleiben-tief-trump-attackiert-deutschlands-handelserfolg—bad–very-bad–7469282.html

(4)

http://www.sueddeutsche.de/news/politik/g7-usa-blockieren-g7-plan-fuer-fluechtlingskrise-gescheitert-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-170526-99-611535

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/g7-gipfel-donald-tusk-donald-trump-klima-handel

(5)
https://www.usatoday.com/story/news/politics/onpolitics/2016/02/24/donald-trump-nevada-poorly-educated/80860078/

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