Heilpflanzen – Weißdorn


Der Weißdorn (Crateagus laevigata; auch C. oxyacantha) ist ein zu der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehörendes Kernobstgewächs und gilt vor allem als herz- und kreislaufstärkendes Mittel.
Die hierzulande wichtigsten Arten sind der eingriffelige (C. monogyna) und der zweigriffelige Weißdorn (C. laevigata), von denen vor allem der eingriffelige Weißdorn medizinisch genutzt wird.

Äußerlich sind die Unterschiede zwischen den beiden Arten eher gering. Bspw. ist ein Unterschied zwischen C. monogyna und C. laevigata, dass die Staubblätter des Ersteren gelblich sind, die des zweigriffeligen Weißdorns dagegen rosa. Auf letzteren beziehe ich mich in der folgenden Pflanzenbeschreibung.

Ein Exemplar des Crataegus laevigata aus meinem Herbarium

Der sommergrüne Strauch kann bis zu zehn Meter hoch werden, seine recht stark verzweigten, verholzten Stängel tragen spitze Dornen und haben eine glatte, hellgraue Rinde. Die meist gelappten Laubblätter erscheinen etwa ab Mitte bis Ende April. Diese sind nicht behaart und haben an der Oberseite eine saftig- bis dunkelgrüne Farbe, während die Unterseite eher hellgrün ist.

Blütenstand des Weißdorns

Im Mai öffnen sich die weißen, radiärsymmetrischen Blüten, die in doldigen bis rispigen Blütenständen stehen. Die einzelnen eher kleinen Blüten bestehen aus jeweils fünf grünen, anliegenden Kelchblättern, weißen Kronblättern, meist rötlich-rosa Staubblättern und einem unterständigen Fruchtknoten. Die ebenfalls vorhandenen zwei bis drei Griffel sind oftmals auch noch an den nach der Befruchtung entstehenden Früchten zu erkennen, welche bei Reife leuchtend rot sind und die gemeinhin als Mehlbeeren bezeichnet werden, worauf auch die Bezeichnung „Mehlbeerbusch“ zurückzuführen ist. In diesem Zusammenhang ist noch wichtig zu erwähnen, dass es noch die ‚richtigen‘ Mehlbeeren (Sorbus) gibt, die allerdings rein gar nichts mit diesen „Mehlbeeren“ zu tun haben – außer vielleicht, dass sie beide der Familie der Rosengewächse angehören.
Die Früchte des Weißdorns werden wohl vor allem wegen ihrem im rohen Zustand recht mehligen Geschmacks als „Mehlbeeren“ bezeichnet.

Weißdorn ist in nahezu dem gesamten gemäßigten Europa, aber auch in Vorderasien und Nordamerika anzutreffen. Vor allem der eingriffelige Weißdorn ist in Deutschland weit verbreitet, der Zweigriffelige kommt aber ebenfalls in allen Bundesländern vor, ist aber bspw. an den Alpen nur zerstreut vorhanden.
Weißdorn wächst besonders oft in Hecken, woher auch die Bezeichnung „Heckendorn“ kommt. Daneben wächst der Strauch an Waldrändern, wobei er vor allem kalkreiche Böden mag. Er ist auch eine beliebte Gartenpflanze.
Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der eingriffelige Weißdorn laut einigen Kräuterbüchern wohl nicht sonderlich gut für den Garten geeignet ist, da sie Feuerbrandrost übertragen können. Daher sollte im Garten besser der zweigriffelige Weißdorn gepflanzt werden. Zudem gibt es Kreuzungen, von denen besonders der Echte Rotdorn (Crataegus laevigata ‚Paul’s Scarlet‘) sehr beliebt ist. Dieser ist allerdings nicht für die medizinische Nutzung geeignet, zumal diese Art auch kaum Früchte bildet.

Die Blüten des „Zaundorns“ werden zu Beginn der Blütezeit – je nach Witterung Anfang bis Mitte Mai – gesammelt, die Früchte im Herbst, wenn sie schön rot sind. Auch wenn die Beeren roh nur wenig Geschmack haben und recht mehlig schmecken (daher die Bezeichnung Mehlbeeren), können sie gut zu einem Mus verkocht werden.
Zudem können die Beeren getrocknet werden, wozu sie nach dem Sammeln erst einmal möglichst einige Zeit im Freien ausgelegt werden, bevor sie im Backofen bei etwa 40 C° getrocknet werden.

In manchen Kräuterbüchern wird auch das Sammeln der Laubblätter empfohlen, die noch vor der Blüte gepflückt werden sollten. Nach dem Sammeln werden die Blätter genau wie die Blüten zum Trocknen in einem luftigen, mäßig warmen Raum auf Küchenpapier o. ä. dünn ausgebreitet.

Weißdorn enthält u. a. Flavonoide und Flavonolglykoside (darunter Vitexinrhamnosid), Crataegussäure, ätherische Öle (insb. Triterpensäuren), sowie Procyanidine.
Vor allem Letztere sind für die positiven Wirkungen auf Herz und Kreislauf verantwortlich sind. So verbessern sie die Versorgung der Koronargefäße – wodurch der Herzmuskel besser durchblutet wird – und regulieren Herzrhythmus sowie Blutdruck – was für Hypertonie ebenso gilt wir für Hypotonie.
Auch haben Weißdornextrakte einen positiven Einfluss auf die Kalziumkonzentration, was die Aktivität der Herzmuskelzellen und damit die Pumpkraft des Herzens erhöht.

In den Mehlbeeren sind vor allem Catechine, Flavonoide und Kaffeesäure (Chlorogensäure) enthalten.

Neben der bereits erwähnten Nutzung als wichtiges kreislauf- und herzstärkendes Mittel haben Extrakte des Weißdorns antioxidative, durchblutungsfördernde, gefäßerweiternde und adstringierende Eigenschaften. Letztere macht die auch „Hagedorn“ genannte Pflanze zu einem guten Mittel gegen Durchfall (siehe auch weiter unten im Beitrag).
Zudem kann Weißdorn bspw. laut Hieronymus Bock Nervosität, Reizbarkeit und psychische Probleme lindern; so soll z. B. ein Tee aus den Blüten eine beruhigende Wirkung haben.

Äußerlich kann der „Heckendorn“ ein hilfreiches Mittel bei unreiner, großporiger Haut sein.

Was vielen Heilpflanzen, die teils seit Jahrhunderten bekannte Heilwirkungen haben, verwehrt blieb, hat der (eingriffelige) Weißdorn geschafft:
Er wird auch in der Schulmedizin bei Arteriosklerose, unterstützend bei Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen sowie bei dem Symptom Angina pectoris angewendet. (1)
Außerdem soll die Pflanze bei durch Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) verursachte Herzunruhe helfen.

Zur Anwendung sei zunächst einmal erwähnt, dass es zahlreiche Weißdornmittel in Apotheken und Drogerien gibt. Wegen dieser Menge an Präparaten ist es ratsam, sich zunächst vom Arzt beraten zu lassen und sich nicht in der Apotheke das Teuerste aufschwatzen zu lassen. Denn Teuer ist nicht immer auch das Beste.

Statt der standardisierten Präparate kann man aus den Blüten natürlich auch Tee zubereiten. Dazu einen Teelöffel der getrockneten Blüten mit 200 ml kochendem Wasser übergießen. Nach fünfzehn Minuten Ziehzeit abseihen und zwei bis drei Tassen am Tag langsam trinken.
Eine Weißdornkur sollte wenigstens vier Wochen dauern, wobei es nach oben hin – meines Wissens nach – keine Beschränkungen gibt.

Der Tee kann natürlich auch aus Blüten und Blättern zubereitet werden.

Daneben kann aus getrockneten Weißdornblüten eine Tinktur zubereitet werden, wozu 30 g der Blüten eine Woche lang in 60 ml, möglichst 70%-igem, Alkohol ziehen müssen. Danach abseihen und in dunkle Fläschchen (im besten Fall mit Tropfenzählaufsatz) füllen. Jeden Tag morgens und abends je 20 Tropfen pur oder in Flüssigkeit (z. B. Tee) einnehmen.

Bei nervösen Beschwerden und Durchfall soll übrigens ein Mus aus den Beeren (siehe unter Rezepten) besonders wirksam sein.

Wegen der enthaltenen Kaffeesäure wurden die getrockneten Mehlbeeren übrigens früher auch als Kaffeeersatz genutzt.

Zur äußeren Anwendung bei unreiner Haut werden am besten mit Weißdorntee getränkte Auflagen jeden Abend rund zehn Minuten aufs Gesicht gelegt.

Wichtig:
Wie bei den meisten Heilpflanzen sollte auch Weißdorn über längere Zeit, also kurmäßig, angewendet werden. Erst dann tritt die gewünschte Wirkung ein. Das kann insb. bei Herz- und Kreislauferkrankungen zu schwerwiegenden Folgen führen. So ist bspw. bei Symptomen wie Angina pectoris schnelle Hilfe nötig. Nicht nur deshalb sollte bei Erkrankungen dieser Art immer erst ein Arzt aufgesucht werden. Denn bei Erkrankungen von Herz und Kreislaufsystem sind in den allermeisten Fällen weitergehende Therapien nötig, die jedoch durch die Anwendung von Weißdorn unterstützt werden können. Dies sollte aber mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.
Dasselbe gilt für psychische Probleme, die über stressbedingte, zeitweise auftretende Beschwerden wie Nervosität, Reizbarkeit und/oder Schlafstörungen hinausgehen.

Bevor ich noch u. a. zu den Bezeichnungen des Weißdorns komme, zunächst noch einige Rezepte mit Pflanzenteilen des Weißdorns:

Mehlbeerenmus
Eine mittelgroße Schüssel Mehlbeeren sammeln, die Stiele entfernen, waschen und in einen großen Topf mit ausreichend geben. Das Ganze aufkochen und etwas vor sich hin köcheln lassen, bis die Früchte weich sind. Dann die gekochten Mehlbeeren mit einem (Stab-) Mixer oder in einem Küchenmixer pürieren.

Soll das Mus für die Selbstbehandlung von bspw. Durchfall genutzt werden, sollte das Mus so belassen werden.

Möchte man jedoch das Mus als normales Lebensmittel nutzen, werden die pürierten Beeren wieder in einen Topf gegeben und mit Zucker, ein bis zwei Vanillestangen sowie ein bis zwei Spritzern Zitronensaft erneut aufkochen. Es kann auch noch ein Glas stückiges Apfelmus zugegeben werden, ebenso können weitere Früchte mit eingekocht werden (z. B. Holunder (siehe Rezept unter (2) oder Hagebutten).
Noch einige Minuten köcheln lassen und noch heiß in gut verschließbare Gläser füllen. Nach dem Einfüllen und Verschließen sollten die Gläser eine Zeitlang auf den Kopf gestellt werden. Danach möglichst kühl und dunkel aufbewahren.
Leider kann ich keine Mengenangaben machen, es ist also etwas Ausprobieren angesagt. 😉

Teemischung gegen Hypertonie
Je 20 g Mistel und Weißdornblüten in ein verschließbares Glas füllen, gut durchmischen und an einem dunklen, eher kühlen Ort aufbewahren.
Von dieser Mischung je einen Esslöffel mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und jeden Tag mindestens eine, besser zwei, Tassen ungesüßt trinken.

Teemischung gegen nervöse Herzbeschwerden
Je 20g Weißdornblüten und Baldriankraut mit 60g Melissenblättern mischen und in ein verschließbares Glas geben.
Je einen Esslöffel der Mischung mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und nach zehnminütiger Ziehzeit abseihen. Morgens (vor dem Frühstück) und Abends je eine Tasse langsam ungesüßt trinken.

Teemischung bei nachlassender Konzentration
Je 20g Kornblumenblüten und Rosmarin mit je 15 g Weißdorn- und Arnikablüten sowie Tausendgüldenkraut in ein Glas geben, durchmischen und gut verschlossen an einem dunklen Ort aufbewahren.
Von der Kräutermischung zwei Teelöffel mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und 10 bis max. 15 Minuten ziehen lassen. Nach dem Abseihen möglichst heiß und ungesüßt zwei bis drei Tassen am Tag trinken.

Weißdornsirup
Zunächst die reifen Weißdornfrüchte sammeln, von Stielen befreien und waschen. In einem großen Topf mit ausreichend Wasser eineinhalb bis zwei Stunden köcheln lassen und danach filtern. Die gefilterte Flüssigkeit mit dem Saft von ein bis zwei Zitronen (je nach Menge) wieder in den Topf geben, nochmal aufkochen und soviel Zucker zufügen, dass eine sirupartige Konsistenz entsteht.
Noch heiß in gut verschließbare Glasflaschen füllen, nach dem Verschließen die Flasche möglichst einige Male umdrehen und kühl und dunkel aufbewahren. Geöffnete Flaschen unbedingt im Kühlschrank aufbewahren.
Auch hier kann ich leider keine exakten Mengenangaben machen, aber mit etwas Ausprobieren sollte es dennoch funktionieren. 😉

Nun aber zu den Bezeichnungen des Weißdorns:
Die geläufigste, deutsche Bezeichnung bedarf wohl keine größeren Erläuterungen, da schnell ersichtlich ist, dass sich das „Weiß“ auf die Blütenfarbe, das „Dorn“ auf die vorhandenen Dornen bezieht.
Ähnlich klar ist das recht häufig als Synonym verwendete Heckendorn, das sich auf das häufige Vorkommens des Weißdorns in Hecken bezieht.
Doch wofür steht die botanische Bezeichnung? „Crataegus“ ist höchstwahrscheinlich auf eine Weißdornart, die im Mittelmeerraum beheimatet ist, zurückzuführen. Dabei handelt es sich um den Azaroldorn (Crataegus azarolus), der in Griechenland „krataigos“ genannt wird. Dies wiederum bezieht sich wohl auf das altgriechische Wort „krataiós“ ( = stark, fest), was wiederum mit dem recht harten Holz des Weißdorns zusammenhängt.

Interessant zu erwähnen ist vielleicht noch, dass der Weißdorn auch im Volksglauben eine Rolle spielte – zwar weniger im Deutschen, dafür aber umso mehr im französischen und englischen.
So soll nach einer französischen Legende die Dornenkrone, die Jesus – wenn man den Erzählungen der Bibel glaubt – bei seiner Kreuzigung tragen musste, aus Weißdornästen bestanden haben. Dies wurde bereits im fünften Jahrhundert von Marcellus Empiricus, einem gallischen Volksmediziner so dargestellt.
Daneben glauben Franzosen und Engländer, dass die Dornenzweige des Hagedorns vor Blitzen schützen. In England ging man zudem davon aus, dass Weißdorn vor Hexen schützt.

Insb. im Mittelalter glaubte man zudem, dass Weißdorn alles Böse abhalte. Wohl auch deshalb glaubten die Menschen, dass das Fällen eines Weißdornbusches Unglück bringen soll. Das war ein Grund, warum viele Menschen Weißdornhecken um ihr Haus bzw. Grundstück pflanzten – so sollten neben Unglück und bösen Geistern auch Fremde und wilde Tiere ferngehalten werden. Daher nannte man die Pflanze auch „Hagedorn“ (vom mittelhochdeutschen „hat“ für Hecke) bzw. nennt sie oftmals auch heute noch so.
Anders als bei der Nutzung als Heckenpflanze, die eben auch vor ganz realen Gefahren schützen sollte, ist folgende Legende aber definitiv im Gebiet des Aberglaubens zu verorten:
Höchstwahrscheinlich Bezug nehmend auf das Märchen „Dornröschen“ glaubte man, dass jeder, der sich an einem Dorn des Weißdorns sticht, in einen tiefen Schlaf fallen würde.

Außerdem galt Weißdorn in vielen Gegenden als Zauberpflanze, so soll es bspw. sogar einen „Gebärzauber“ gegeben haben:
Dafür sollte die schwangere Frau von einem Mehlbeerbusch drei Dornen abbrechen und diese dann in einem Säckchen auf der linken Körperhälfte bei sich tragen. Das sollte für eine leichte Geburt sorgen.

Und dann gibt es noch eine Erzählung, nach der unter einem Weißdorn-Busch auf dem eine Mistel wächst, ein Schatz vergraben sein soll. Leider weiß ich nicht, woher diese stammt.

Ob es auch nur Volksglaube ist, dass man Weiß- und Schwarzdorn (Schlehdorn) nicht nebeneinander pflanzen soll, weiß ich nicht. Ich habe aber mal im Zusammenhang mit Weißdorn im Volksglauben gelesen, der Schwarzdorn würde grundsätzlich den Kürzeren ziehen und nach und nach absterben, wenn man die beiden Büsche nebeneinander pflanzen würde. Ob dem so ist, kann ich aber auch nicht sagen. Und mir fehlt der Platz, um es auszuprobieren. 😉

Damit beende ich jetzt mal den Beitrag zu der Pflanze, die übrigens im Jahr 1990 Heilpflanze des Jahres war; weitere Informationen u. a. unter:

http://www.kraeuterweisheiten.de/weissdorn.html

http://www.heilpflanzen-welt.de/20012-09-Weissdorn-Fruechte-ernten/

http://symptomat.de/Wei%c3%9fdorn

http://www.apotheken-umschau.de/heilpflanzen/weissdorn

(1)
http://www.biomedicus.de/heilpflanzen/weissdorn.html

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/herzinsuffizienz/article/446208/weissdorn-praeparat-herzinsuffizienz-sicher.html

(2)
http://eatsmarter.de/rezepte/holunder-weissdorn-marmelade

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