Mal wieder Trump


Dass Trump gerne twittert ist nichts Neues, ebensowenig, dass seine Tweets seine Unfähigkeit, sich wenigstens halbwegs präsidentiell zu geben, deutlich zeigen. Aber zurzeit scheint er endgültig vollkommen außer Kontrolle zu sein.

Hat ihm die Reise durch Länder des Nahen Ostens soviel abverlangt? Immerhin hat er dort zumindest versucht, sich etwas präsidialer zu geben. Auch in Rom hat er es noch geschafft, sich mehr oder minder zurückzuhalten. Doch dann war es genug. In Brüssel war er wieder der ganz normale rüpelhafte Präsident, als den ihn die Welt kennengelernt hat. Beim NATO-Gipfel zeigte er dies sogar physisch, indem er den Staatschef von Montenegro zur Seite rempelte. Von seiner Rede dort ganz zu schweigen.
Beim G7-Gipfel (oder besser 6+1-Gipfel) war es auch nicht besser. Im Gegenteil.

Kurze Zeit später folgte dann ein weiterer Beweis dafür, dass Trump die Präsidentschaft für seine neueste Reality-Show hält:
Die Ankündigung, aus dem „Klimaabkommen auszutreten“.
Dazu hatte ich ja schon in einem anderen Beitrag etwas geschrieben, weshalb ich mich hier nicht allzu ausführlich damit beschäftige.
Schon die Ankündigung – oder besser: die diversen Ankündigungen – auf Twitter etc. haben eher den Eindruck erweckt, es handle sich um die Fortsetzung seiner Reality-Soap. Es begann also mit Pence, der Trump in den höchsten Tönen lobte und nach Trump selbst, der hauptsächlich sog. Alternative Fakten von sich gab und sich selbstverständlich noch selbstbeweihräucherte ‚durfte‘ Pruitt noch den Boss loben. Danach wunderte man sich, dass sie nicht auf ihren Schleimspuren ausrutschten.
Letzten Endes macht Trump also eine Show daraus, wenn er den Umweltschutz in die Tonne tritt.
Und sein Gerede, die USA würden das „sauberste Land“ sein, ist doch nichts als ein lahmer, unglaubwürdiger Beschwichtigungsversuch. Schließlich hat Trump schon kurz nach seinem Amtsantritt bewiesen, dass ihm Umweltschutz rein gar nichts bedeutet. (1)
Nach der Entscheidung, dass Übereinkommen von Paris zu verlassen, gab es zudem Mutmaßungen, dass Trump sogar Subventionen für erneuerbare Energien streichen könnte. Ob das wirklich wahrscheinlich ist, weiß ich nicht. Vorstellen kann ich es mir nicht, aber leider ist Trump so ziemlich alles zuzutrauen. Solange er damit seine Anhänger zufriedenstellt, würde er jede noch so folgenreiche Dummheit begehen – egal wie groß der Widerstand ist.

Doch all das reicht einem Trump natürlich nicht. Nein, er muss auf Twitter jeweils noch einen draufsetzen.
Da beklagt er sich über die Medien, über die Demokraten, weil sie ihm seiner Meinung nach die Zustimmung verweigern und im Prinzip über alles, was ihm nicht passt.
Ach ja, und dann war da ja noch „covfefe“. Aber darüber wurde schon soviel geschrieben, dass ich das nicht auch noch tun muss. 😄😉

Dann kam der Anschlag von London. Und Trump hat einmal mehr gezeigt, dass das Niveau immer noch tiefer geht.
Nicht nur, dass er den Terroranschlag dazu nutzte, für sein Einreiseverbot zu werben, nein, er musste auch noch ein ‚Zitat‘ des Londoner Bürgermeisters, Sadiq Khan, aus dem Kontext reißen. (2) Dabei beschwert Trump sich doch selber immer wieder, dass irgendeine seiner Aussagen aus dem Kontext gerissen wurden (auch, wenn das oftmals gar nicht stimmt). Doch das hält ihn nicht davon ab, das selbst zu tun. Was an sich schon fragwürdiges Verhalten ist, ist jedoch in dieser Situation einfach nur widerwärtig.
Und mal im Ernst: Es ist doch ganz normal, dass ein Verantwortung tragender Politiker zu Besonnenheit aufruft. Wenn Khan also davon spricht, nicht in Alarmstimmung zu verfallen – eben auch angesichts der bewaffneten Sicherheitskräfte -, hat er doch recht. Denn Alarmstimmung und Panikmache ist genau das, was Terroristen erreichen wollen. Zumal Khan auch noch viele andere Sätze sagte, die Trump aber nicht zitierte. Schließlich waren diese Sätze nicht zum Stimmung machen geeignet. Gibt doch nichts Besseres zum Schüren von Vorurteilen als einen muslimischen Bürgermeister einer immer wieder von Terror betroffenen Metropole, der angeblich sagt, es gebe keinen Grund zur Besorgnis. Damit hat Trump sich ein weiteres (moralisches)Armutszeugnis ausgestellt.

Zwischen den Tweets gegen Khan gab es auch wieder Tweets, in denen er sich wieder über die Medien beklagte. Da das aber ohnehin Normalität bei Trump ist, gehe ich gar nicht groß darauf ein. Nur soviel:
Es ist echt interessant, dass Trump offenbar mehr Zeit damit verbringt, in den Medien Berichte über sich zu verfolgen, als mit seinen Amtsgeschäften. Insofern ist es doch wirklich nicht verwunderlich, dass Trump und seine Administration kaum etwas hinbekommen und „Mr. President“ vor allem mit Unwissen und Halbwissen auf sich aufmerksam macht.

Damit zu den Tweets zu Katar und Saudi-Arabien, die wirklich beispielhaft für Trump’s Ignoranz und Heuchelei stehen:

Diese Tweets haben mich einmal mehr dazu gebracht, einen Trump-Tweet zu kommentieren. Manche Tweets von Trump sind so irrsinnig, dass ich einfach mamchmal einen Kommentar dazu abgeben muss. Und wenn es nur als Kontrast zu den ganzen „MAGA“-Tweets ist, Hauptsache raus mit den Gedanken zu Trump’s Schmu. 😁😉

Und abgesehen von der erwähnten Ignoranz und Heuchelei kommt in diesen Tweets die ganze Unwissenheit dieses US-Präsidenten zum Vorschein.
Allein dieses «Leader pointed to Qatar.» Aha, das reicht also aus, um einen Trump davon zu überzeugen, dass Katar der böse Terrorismusfinanzierer ist. Ich meine, es ist nichts Neues, dass Katar terroristische Gruppierungen finanziert, aber es ist ebenso kein Geheimnis, dass Saudi-Arabien terroristische Gruppen unterstützt. Mit denen macht er aber einen dreistelligen Milliarden-Rüstungsdeal.
Und was Katar betrifft: Wenn es wirklich ausschließlich um Finanzierung von Terroristen geht und es ihm ernst ist, sollte Trump seine eigenen Geschäfte dort schnellstens aufgeben.
Viel mehr Heuchelei geht echt nicht mehr!
Würde es Trump wirklich darum gehen, effektiv den Terrorismus zu bekämpfen, müsste er sich auch kritisch mit den Saudis beschäftigen.
Davon abgesehen tut er den Terroristen einen Gefallen, indem er nicht zu Besonnenheit aufruft, sondern lieber weiter darauf setzt, zu spalten, indem er u. a. Vorurteile und Hass schürt. Die Terroristen töten, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Sie wollen, dass Regierungen und Menschen Überreaktionen zeigen. Sie wollen erreichen, dass die Menschen Moslems unter Generalverdacht stellen, um dann sagen zu können: „Seht ihr? Wir haben es Euch doch gesagt. Ihr werdet diskriminiert, weil ihr Muslime seid.“
Das mag verrückt klingen, ist aber leider nicht allzu weit hergeholt, denn leider gibt es immer wieder Menschen, die sich so manipulieren lassen. Deshalb muss auch auf Prävention gesetzt werden – was aber auch voraussetzt, dass Muslime nicht mit Terroristen gleichgesetzt werden. Denn Terroristen sind einfach nur Terroristen – nicht mehr und nicht weniger.
Wir sollten den Terroristen nicht den Gefallen tun, so zu reagieren, wie sie es gerne hätten. Nein, wir alle sollten das genaue Gegenteil tun! Und überhaupt: In schweren Zeiten ist Zusammenhalten wichtig. Das funktioniert aber nicht, wenn manche Menschen, die sich Politiker nennen, die Gesellschaft in „Wir“ und „Die“ spalten. So etwas geht nicht gut und spielt den Terroristen in die Karten.
Stattdessen braucht es echten Zusammenhalt zwischen allen – egal, welcher Nationalität und/oder Religion.
Und es braucht eine vernünftige Strategie, um gegen Terrorismus, Fanatismus und Extremismus vorzugehen. Eine solche findet man aber nicht, wenn man auf Panikmache setzt.

(1)
http://m.dw.com/de/trump-schraubt-am-umweltschutz/a-37258029

(2)
http://www.stern.de/politik/ausland/donald-trump-beleidigt-londoner-buergermeister-erneut-auf-twitter-7482094.html

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2 Gedanken zu “Mal wieder Trump

  1. der größte heuchler ist übrigens der heilige Obama. ein massenmörder und kriegsverbrecher, der nebenbei auch noch dafür gesorgt hat, daß das einkommen der schwarzen in den usa um 12% gesunken ist.

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    1. Abgesehen davon, dass ich nicht wüsste, wo ich Obama hier oder anderswo als Heiligen dargestellt habe, ist Ihr Kommentar v.a. unlogisch. Denn kein Mensch der ist fehlerfrei & es ist unbestreitbar, dass Obama vieles hätte anders & besser machen können. Aber Obamas Fehler ändern nichts daran, dass Trump unfähig für das Amt des US-Präsidenten ist.
      Die USA ist keine Firma, die wie das Trump’sche Imperium geführt werden sollte. Erst Recht nicht, wenn der Betreffende ein ignoranter Egomane ist, dem nur sein eigener Vorteil wichtig ist.

      Ja, Obama hat viele Fehler gemacht, aber im Ggs. zu Trump war er ein hundertmal besser für das Amt geeignet.

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