Heilpflanzen – Spitzwegerich


Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eine sehr unscheinbare, aber medizinisch wertvolle Pflanze, die besonders bei Atemwegserkrankungen hilfreich ist. Darauf deutet auch die alte Bezeichnung „Lungenblatt“ hin. Doch dazu später mehr. 😉

Der Spitzwegerich zählt zu den Wegerichgewächsen (Plantaginaceae), die zur Ordnung der Lippenblütlerartigen (Lamiales) gehören und ist eine krautig, ausdauernd wachsende Pflanze.

Blatt und Blütenstängel des Spitzwegerichs aus meinem Herbarium

Diese besitzt tief in den Boden reichende Wurzeln, aus denen zunächst eine aus zahlreichen lanzettlichen Laubblättern bestehende Rosette hervorsprießt.

Eine austreibende Blattrosette des Spitzwegerichs

Die ganzrandigen, oben spitz zulaufenden Laubblätter haben mit ihren parallel verlaufenden Blattadern eine gut erkennbare Nervatur.

Noch nicht blühende Blütenstände und Laubblätter des Spitzwegerichs

Aus der grundständigen Rosette entwickelt sich dann etwa ab Mai jeweils ein unverzweigter, blattloser Stängel, an dessen Ende dann ab Ende Mai der etwa zwei bis vier Zentimeter lange ährige Blütenstand erscheint. Dieser ist relativ dicht und setzt sich aus kleinen braun-weißlichen, zwittrigen Einzelblüten zusammen.

Blütenstand des Plantago lanceolata

Nach der Bestäubung, die hauptsächlich durch Wind, aber auch durch kleinere Insekten stattfindet, entstehen an den Ähren Kapseln, in denen je zwei Samen enthalten sind. Diese kleinen, klebrigen Samen werden vor allem durch Tiere und Menschen verbreitet.
Eine wichtige Rolle bei der Ausbreitung spielt aber auch die vegetative Vermehrung durch Wurzelsprossen.

Das „Spitz-Wegeblatt“ stammt aus Europa, ist heute jedoch nahezu über die ganze Welt verbreitet und bevorzugt sonnige und trockene Standorte.
Er kommt an Wegen, in Parks, auf Äckern, Brachland und Wiesen vor, ist allerdings auch oft in Gärten zu finden, wo „Wegreich“ hauptsächlich als Unkraut gilt.

Mehrere Blütenstände des Plantago lanceolata

Gesammelt wird das blühende Kraut, was etwa von Juni bis August möglich ist.
Möglich ist jedoch auch, die jungen Blätter bereits vor der Blüte zu sammeln.
Dabei sollte aber darauf geachtet werden, nur einige Blätter pro Pflanze zu pflücken. Schließlich soll die weitere Entwicklung nicht verhindert werden. Natürlich gilt auch beim Sammeln der gesamten oberirdischen Pflanzenteilen, den weiteren Bestand nicht zu gefährden.

Ob ganze Pflanze oder nur Blätter: Sollen die Pflanzenteile getrocknet werden, werden sie in einem luftigen Raum auf Papier ausgebreitet. Dabei sollte beachtet werden, dass dunkle Flecken entstehen können, wenn die Blätter zu lange zum Trocknen brauchen oder zu lange liegengelassen werden. In diesem Fall sollten die Blätter entsorgt werden.

Spitzwegerich enthält insb. Gerbstoffe, Saponine, Kieselsäure, Schleimstoffe, Vitamin C und Iridoidglykoside (u. a. Aucubin und Catalpol).

Diese und einige weitere Inhaltsstoffe sorgen für die schleimlösenden, reizmildernden, hustenlösenden, antibakteriellen, entzündungshemmenden, blutreinigenden, zusammenziehenden und harntreibenden Eigenschaften des „Heilwegerichs“ – eine Bezeichnung, die nicht unverdient ist:

Denn die Pflanze ist ein wichtiges Mittel bei Erkrankungen der Atemwege im Allgemeinen, wobei sie besonders gut bei Erkältungen und produktivem Husten hilft.
Außerdem kann Spitzwegerich bei Entzündungen der Mund– und Rachenschleimhaut, Appetitlosigkeit und Durchfall eingesetzt werden.

Äußerlich ist insb. frischer Spitzwegerich hilfreich bei leichten Verbrennungen wie Sonnenbrand, bei kleineren Wunden, Insektenstichen (vor allem Mückenstiche), Hämorrhoiden und Ekzemen.

Interessant zu erwähnen ist auch noch, dass es Hinweise gibt, dass Spitzwegerich bereits in der Steinzeit zur Anwendung kam. Auch die Assyrer nutzten die Pflanze, indem sie bspw. die frischen oder getrockneten Blätter auf Schwellungen legten.
Und die alten Griechen schätzten den Spitzwegerich als Pflanze, die gegen die verschiedensten „bösen Zufälle“ helfen sollte.
Ebenfalls nicht uninteressant ist, dass in einigen Regionen in Frankreich und Bosnien der Spitzwegerich als Heilmittel der Männer gesehen wurde, während Breitwegerich als Heilmittel der Frauen galt.

Natürlich ist, wenn es um Anwendungsarten geht, auch beim „Spitz-Wegeblatt“ zunächst einmal die Nutzung als strong>Tee zu nennen:
Für diesen werden zwei Teelöffel des getrockneten Krautes mit 200 ml heißem Wasser übergossen. Nach zehn Minuten Ziehzeit abseihen und möglichst heiß in kleinen Schlucken trinken (kann gut mit Honig gesüßt werden).
Die Anwendung als Tee ist vor allem bei Husten zu empfehlen. Besonders wirksam sind in diesem Zusammenhang auch Teemischungen (s. Rezepte).

Besonders gesund ist der frische Pflanzensaft, der insb. bei Beschwerden des Magen-Darm-Trakts (z. B. Magenschmerzen, Verdauungsprobleme) ein gutes Mittel sein soll. Zudem ist er wegen seiner blutreinigenden Wirkung und seines Vitamin-C-Gehaltes gut für Frühjahrs- bzw. Fastenkuren geeignet.

Neben der inneren Anwendung kommt der frisch gepresste Saft auch für die äußerliche Anwendung in Frage – bspw. bei Insektenstichen, (kleinere) Wunden und leichten Verbrennungen.
Statt des Saftes können aber auch einfach frische Blätter auf die betroffenen Stellen gelegt werden (ggf. mit einer Mullbinde o. ä. fixieren).

Für die innere Anwendung kann aus Spitzwegerich auch ein Sirup hergestellt werden (unter Rezepten beschrieben), das besonders gut bei Husten und Erkältungen eingesetzt werden kann.

Neben diesen Möglichkeiten der Anwendung gibt es in Drogerien und Apotheken zahlreiche Präparate, die Spitzwegerich enthalten. Dabei ist gut und wirksam nicht gleich teuer. Ein korrekt zubereitetes Sirup bspw. wirkt nicht weniger gut als ein teures Apothekenpräparat.

Wichtig ist aber auch hier, bei anhaltenden und/oder zunehmenden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen. Eine Selbstbehandlung mit Heilpflanzen kann keine notwendige ärztliche Behandlung ersetzen. Bspw. wird eine Bronchitis oft durch Bakterien verursacht, die dann wiederum mit einem Antibiotikum behandelt werden sollte. Anders ist die Lage bei einer normalen Erkältung: Hier können ohne Probleme Spitzwegerich und andere Heilpflanzen zur Selbstbehandlung eingesetzt werden. Wenn jedoch die Symptome nicht innerhalb einer Woche abnehmen, sollte auch dann ein Arzt aufgesucht werden.

Neben der Nutzung als Heilmittel können die jungen Blätter der „Schlangenzunge“ auch in der Küche eingesetzt werden. Insb. der Vitamin-C-Gehalt macht die Pflanze zu einem gesunden Nahrungsmittel, mit dem am besten Salate zubereitet werden. Zu Salat mit Spitzwegerichblättern passen besonders gut Joghurt-/Sahnedressings, doch insb. in Verbindung mit Gemüse und anderen Kräutern ist auch ein Essig-Öl-Dressing sehr lecker.

Wichtig zu beachten ist jedoch, dass ältere Blätter sich nicht mehr für die Verwendung in Salaten eignen. Das liegt vor allem an den im Alter recht harten Blattadern, die bei jungen Blättern aber noch nicht voll ausgebildet sind. Ach, und soll es positiv auf den Geschmack wirken, wenn die Spitzwegerichblätter in kaltes Salzwasser gelegt werden. Bis zu 25 Minuten darin ziehen lassen, abtropfen lassen und in möglichst dünne Streifen schneiden.
Wie ich schon erwähnt hatte, nun noch einige Rezepte mit dem „Wegreich“:

Spitzwegerich-Sirup
Dafür wird 50 g frisches oder getrocknetes Spitzwegerichkraut in ein Liter kochendes Wasser geben und 30 Minuten abgedeckt ziehen lassen. Abseihen, dabei etwas pressen und den Sud wieder in den Topf gießen und ohne Deckel solange köcheln lassen, bis noch etwa die Hälfte der Flüssigkeit im Topf ist. Dann 300 g Honig zugeben und rühren, bis der Honig komplett aufgelöst ist. Noch warm in gut verschließbare Flaschen füllen und an einem dunklen, kühlen Ort aufbewahren.
Bei Erkältungen mit Husten u. ä. täglich drei bis vier Teelöffel jeweils nach den Mahlzeiten einnehmen.

Salat mit Wild- und Gartenkräutern
100 g junge Spitzwegerichblätter, je 50 g Löwenzahnblätter, Wegwartenkraut und Feldsalat sowie je ein Sträußchen Schnittlauch und Basilikum waschen und zerkleinern.
Drei Esslöffel Pflanzenöl mit zwei Esslöffeln weißem Balsamicoessig in eine Schüssel geben, etwas Salz und Pfeffer dazugeben und dann die Kräuter untermischen.
Je nach Belieben können noch Gemüsesorten wie Tomaten, Gurken und/oder Paprika zugefügt werden.
Vor dem Servieren kann der Salat mit Blüten von Gänseblümchen und Wegwarte garniert werden.

Erkältungstee
Je einen Teelöffel Spitzwegerich- und Vogelmierenkraut mit 250 ml kochendem Wasser übergießen. Maximal zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und möglichst warm zwei Tassen pro Tag trinken. Kann wie reiner Spitzwegerichtee mit Honig gesüßt werden und hilft vor allem mit seiner schleimlösenden Wirkung.

Teemischung gegen Reizhusten
30 g getrocknetes Spitzwegerichkraut, je 20 g Isländisch Moos und Königskerzenblüten sowie 10 g Thymiankraut in ein gut verschließbares Glas füllen und durchmischen. Von dieser Mischung je zwei Teelöffel mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Drei Tassen am Tag möglichst warm und Schluck für Schluck trinken.

Rezept für einen Hustensaft mit „Heilwegerich“ unter (1).

Der Name „Spitzwegerich“ kommt wahrscheinlich daher, dass seine lanzettlichen Blätter nach oben hin spitz zulaufen und er eben häufig an Wegen anzutreffen ist.
Bei der botanischen Bezeichnung lässt sich sagen, dass „Plantago“ aus „planta“ (= Pflanze) und „agere“ (= bewegen) zusammengesetzt ist, während „lanceolata“ von „lanceola“ (= kleiner Speer) kommt und wie die geläufigste deutsche Bezeichnung auf die Form der Blätter hindeutet.

Habitus des Spitzwegerich

Das war soweit das Wichtigste zum „Lungenblatt“; weitere Informationen bspw. unter folgenden Links:

http://www.spitzwegerich.org/steckbrief/

https://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/149-spitzwegerich.html

https://www.pflanzen-vielfalt.net/wildpflanzen-a-z/übersicht-r-z/wegerich-spitzwegerich/

http://www.fid-gesundheitswissen.de/pflanzenheilkunde/spitzwegerich/

http://www.heilendepflanzen.de/wegerich.htm

http://www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/spitzwegerich/

(1)
https://spitzwegerich.net/heilpflanze/hustensaft/

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