Heilpflanzen – Hirtentäschel


Der Hirtentäschel (Capsella Bursa pastoris) ist eine sehr unscheinbare, einjährige Pflanze, die eine Höhe von bis zu 50 cm erreichen kann und zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) gehört.

Ein Exemplar des Hirtentäschel aus meinem Herbarium

Aus der tief in den Boden reichenden Wurzel sprießen zunächst grundständige, schmal-längliche Blätter mit unregelmäßig gezackten Blatträndern, die in einer lockeren Rosette angeordnet sind. Daraus wachsen die aufrechten, meist verzweigten Stängel, an denen einzelne stängelumfassende, lanzettliche Blätter stehen.

Habitus des Hirtentäschel

Etwa ab April erscheinen die weißen verlängerten Trauben, in denen jeweils mehrere der kleinen Blüten angeordnet sind. Diese bestehen aus je vier Kelch- und Kronblättern, wobei der Kelch kaum ausgebildet ist. Die Krone besteht aus vier weißen, etwa drei Millimeter langen Blütenblättern, in der Mitte der Blüte befinden sich vier lange und zwei kürzere Staubblätter (was typisch für Kreuzblütler ist) und zwei Fruchtblätter, die den oberständigen Fruchtknoten bilden.

Blütenstand des Hirtentäschel

Die nach erfolgreicher (Selbst-)Befruchtung entstehenden Schötchen sind mit ihrer dreieckig bis herzförmigen Form ein recht gutes Erkennungsmerkmal. Sie messen etwa einen halben Zentimeter und haben eine schmale Scheidewand, in den beiden Kammern befinden sich bis zu zwölf Samen. Diese verbreiten sich vor allem durch Wind selbst, manchmal aber auch mithilfe von Regentropfen: Wenn nämlich ein Regentropfen ein Schötchen trifft, werde durch die Bewegung die Samen herausgeschleudert. Dort, wo sie landen, werden sie dann meist von Kleintieren wie Regenwürmern eingegraben. Daneben können die Samen natürlich auch durch Tiere weiterverbreitet werden.

Doch wie auch immer die Verbreitung stattfindet:
Unter günstigen Umständen beginnen sie recht schnell zu keimen, was der Grund dafür ist, dass die Pflanze nahezu das ganze Jahr zu finden ist; in milden Wintern kann sie sogar noch im Dezember bzw. bereits im Januar Blüten tragen. Auch die Zeit Fruchtreife kann sich bis Dezember ausdehnen.

Noch unreife Schötchen des Hirtentäschel

Ursprünglich war das „Täschelkraut“ im südlichen Europa heimisch, breitete sich dann aber Richtung Norden aus. So hat sich die Pflanze in vielen Jahrhunderten in ganz Europa verbreitet, auch hierzulande hat sie sich angesiedelt und kann so ziemlich überall angetroffen werden, wobei sie sonnige und nährstoffhaltige Standorte bevorzugt. Am häufigsten wächst sie daher wohl an Wegrändern, auf Wiesen, Äckern und Schuttplätzen, an Mauern sowie in Gärten. In letzterem wird Hirtentäschel jedoch vor allem als Unkraut angesehen. Und da es wegen den Wurzeln, die bis fast ein Meter lang werden können, nicht so leicht zu entfernen ist, vor allem als lästiges Unkraut.

Da Hirtentäschel aber viel mehr als Unkraut ist, ist es eigentlich sogar gut, dass Hirtentäschel, wie erwähnt, so ziemlich über das ganze Jahr wächst. Denn dadurch kann Hirtentäschel im Prinzip immer, wenn er benötigt wird, gepflückt werden. Zwar kann die Pflanze getrocknet werden, die Wirksamkeit ist im frischen Zustand aber noch besser. Das gilt insb. dann, wenn Inhaltsstoffe wie Vitamin C und ätherisches Öl erhalten bleiben sollen, bspw. während Frühjahrskuren. Am besten ist es, immer ein paar blühende Stängel zu sammeln, die dann verarbeitet werden. Das, was evtl. übrig bleibt, kann man leicht anwelken lassen und für die Zubereitung von Tee nutzen.
In einigen Kräuterbüchern wird eher die Nutzung des getrockneten Krautes empfohlen – außer für Saft -, doch da ich mit der Wirkung von Tee aus den leicht angewelkten Pflanzenteilen zufrieden war, bin ich immer dabei geblieben. 😉

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Hirtentäschels sind Flavonoide, Aminosäuren, Kalium, Vitamin C, cholinartige Wirkstoffe und etwas ätherisches Öl.

Dank der Zusammensetzung aus diesen und einigen weiteren Stoffen hat das Kraut blutreinigende, stoffwechselanregende, harntreibende, blutstillende, adstringierende, leicht krampflösende und entzündungshemmende Eigenschaften. Zudem soll das Täschelkraut blutdruckregulierend und fiebersenkend wirken.

Da Hirtentäschel ein gutes Mittel bei allerlei „Frauenleiden„, wie Regelschmerzen und starken Regelblutungen, gilt er als „Frauenkraut„. Daneben ist er aber auch ein guter Bestandteil von Frühjahrskuren und soll bei Magenbeschwerden, Kreislaufschwäche, Harnwegsinfektionen, Mund– sowie Halsentzündungen helfen.
Äußerlich hilft Hirtentäschel bei kleineren Hautverletzungen, Ekzemen und Hämorrhoiden.

Angesichts dieser Heilwirkungen ist es schade, dass die medizinischen Eigenschaften des Hirtentäschels heute so ziemlich in Vergessenheit geraten sind. Obwohl er, wie oben schon geschrieben, so häufig vorkommt, wird er eher selten genutzt.
Dabei ist das Täschelkraut eine sehr alte Heilpflanze: Im Zusammenhang mit medizinischer Nutzung wurde das Kraut erstmals im 15. Jahrhundert erwähnt. Es wurde gegen alle möglichen Krankheiten und Symptome empfohlen, was besonders in alten Kräuterbüchern zu sehen ist. So werden dort auch Anwendungsgebiete genannt, die aus heutiger Sicht eher nicht selbstbehandelt werden (sollten). Bspw. wird dort geschrieben, man solle Hirtentäschel anwenden, wenn man Blut spuckt. Andere Anwendungsgebiete waren – wie die Bezeichnung „Blutkraut“ bereits andeutet – starke Blutflüsse im Allgemeinen und Gelbsucht. Da dies jedoch keine Erkrankungen bzw. Symptome sind, bei denen herumexperimentiert werden sollte, habe ich diese nicht bei den obigen Anwendungsgebieten erwähnt. Wer nämlich Blut spuckt, sollte dringend zum Arzt gehen (am besten gleich zu einem Gastroenterologen), wer stark blutet, gehört in die Ambulanz und bei Gelbsucht ist ebenfalls ein Arzt gefragt.

Nebenwirkungen des Hirtentäschel sind nicht bekannt, es ist aber wichtig zu beachten, Hirtentäschel nicht einzunehmen, wenn zugleich Medikamente genommen werden, die Auswirkungen auf die Blutgerinnung haben.
Auch sollte Hirtentäschel nicht während der Schwangerschaft verwendet werden, da er frühzeitige Wehen auslösen kann.

Tee kann sowohl aus frischem als auch aus getrocknetem Hirtentäschel zubereitet werden. Pro Tasse werden dazu ein bis zwei Teelöffel des Krautes mit 200 ml Wasser übergossen und zehn Minuten ziehen lassen. Abseihen und schluckweise bis zu drei Tassen am Tag trinken.
Der Tee kann neben der inneren Anwendung auch äußerlich angewendet werden, indem er für Waschungen oder Umschläge genutzt wird.

Soll er als Gurgelmittel bei Mund- und Halsentzündungen eingesetzt werden, empfiehlt sich die Nutzung von frischen Pflanzenteilen. Überhaupt ist die entzündungshemmende, desinfizierende (und blutreinigende) Wirkung bei frischem Kraut stärker.

Auch während Frühjahrskuren sollte das frische Kraut verwendet werden, wobei die Wirksamkeit ohnehin noch größer ist, wenn man aus den frischen Pflanzenteilen Saft herstellt. Dieser kann mit anderen Kräuter- und/oder Gemüsesäften gemischt werden oder mit Wasser verdünnt eingenommen werden.

Bei der äußeren Anwendung gibt es laut alten Kräuterbüchern noch die Möglichkeit, die Pflanze zu trocknen und im Mörser zu Pulver zu zerstoßen. Dieses Pulver kann dann z. B. auf – nicht mehr offene – Wunden gestreut werden, um die Abheilung zu unterstützen.
Außerdem können die frischen Blätter auf Wunden oder Ekzeme

Insb. die jungen Blätter machen sich wegen ihrer leichten Schärfe auch gut in Salaten, können aber auch in Kräuterdips verwendet werden. Diese können übrigens eine gute Ergänzung bei Frühjahrs- bzw. Entschlackungskuren sein.

Die Bezeichnung Capsella bursa pastoris bezieht sich übrigens auf das Aussehen der Schötchen:
So kommt „Capsella“ vom lateinischen „capsa“ (= Kapsel), „bursa“ bedeutet „Tasche“ und „pastor“ steht für „Hirte“. Dahinter steckt, dass die zweikammerigen Früchte in ihrer Form an die Taschen erinnern, die Hirten in früherer Zeit immer bei sich trugen.

Soviel zum Hirtentäschel, ich hoffe nur, ich kann bald noch etwas bessere Fotos hinzufügen. 😏😉

Weitere Informationen z. B. unter:

http://www.heilkraeuter-heilpflanzen.de/hirtentaeschel.html
http://www.medizinalpflanzen.de/systematik/6_droge/capsbp-h.htm

http://www.apotheken-umschau.de/heilpflanzen/hirtentaeschel

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