Wort der Woche (7)


Das Wort der Woche (von „Freudenwege“ ins Leben gerufen) ist diese Woche „Narzissmus„. Den Grund dafür gibt schon ein wenig die Definition des Wortes (1):

„Narzissmus“ bezieht sich auf den schönen Jüngling Narkissos, der sich laut griechischer Mythologie in sein Spiegelbild, das er in der Wasseroberfläche einer Quelle sah, verliebt hat und steht dementsprechend für eine krankhafte Eigenliebe, Selbstbewunderung sowie Ich-Bezogenheit.
Wenn man nun noch kurz darüber nachdenkt, auf welche derzeit häufig in den Medien vorkommende Person diese Merkmale zutreffen, hat man den Grund fast erdacht. 😏😊

Natürlich ist Trump der Grund dafür, dass Narzissmus das „Wort der Woche“ ist – bzw. sein Gehabe.

Es gab in den letzten Monaten – und das nicht erst seit der Inauguration – immer wieder Vorfälle, die kaum verbergen konnten, was vielen schon lange vor seinem Wahlsieg klar war: Trump zeigt definitiv narzisstische Merkmale – insb. in seinem Auftreten, aber auch in dem, wie er etwas und was er sagt.

Doch der Gipfel des Ganzen war die Kabinettsitzung. Anstatt sich mal mit politischen Inhalten zu befassen, kam eine Lobeshymne nach der Anderen. Als ob nicht die Art und Weise, in der Trump sich selbst lobt, schon zum Gruseln reichen würde. Nein, jedes einzelne Kabinettsmitglied – außer Verteidigungsminister Mattis und dem Nationalen Geheimdienstdirektor Coats – setzte zu Arien der Huldigung an.
Ich kann nichtmal sagen, wer schlimmer war, aber einer der Schlimmsten war definitv Priebus.

Aus meiner Sicht hat Trump mit dieser Huldigungssitzung eigentlich vor allem eines erreicht:
Die Aussage von Comey, dass Trump zu ihm gesagt habe, er erwarte Loyalität, erscheint so nochmal um ein Vielfaches plausibler.
Da kann auch Justizminister Sessions, der sich gestern bei der Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss als Loyalität in Person gezeigt hat, nicht viel dran ändern. Eid hin oder her – glaubwürdig ist anders.
Abgesehen davon könnte man, wenn man es genau nimmt, auch in Sessions Ausführungen über Loyalität eine gewisse Bestätigung von Comey’s „Ich-erwarte-Loyalität“-Aussage erkennen.

Aber wie auch immer man die Anhörung von Sessions (und auch Comey) einschätzt, die Ereignisse der letzten Tage sollten endlich auch dem Letzten klar machen, dass Trump sich nur für sich und seine Belange interessiert (übrigens auch etwas, das die Comey-Aussage gezeigt hat). Das Land und die nationale Sicherheit stehen für einen Trump nicht an erster Stelle – auch, wenn das viel zu viele immer noch glauben. Für ihn steht er an erster Stelle, an zweiter Stelle sein Vermögen; erst danach kommt die Family und dann irgendwann der Rest. Mit etwas Glück schaffen es die Belange der USA noch in die Top Ten. Die Verfassung dagegen interessiert ihn gar nicht. Was aber bisher kaum jemanden bei den Republikanern stört. Da muss man sich schon fragen, wie lange sie sich noch von Trumps Auftreten, seinen Parolen und Ablenkungsmanövern blenden lassen wollen. Das ist eigentlich unwürdig für eine Partei, die „Grand Old Party“ genannt wird – aber eben nur eigentlich, schließlich haben die Republikaner mit so etwas Erfahrung.

Doch genug zum Grund des „Wort der Woche“, denn ich möchte nochmal kurz auf die Herkunft des Wortes eingehen (2):

In der Definition weiter oben habe ich Narkissos (oder auch Narziss) ja schon erwähnt. Obwohl der Narkissos-Mythos eher die Selbsterhebung bzw. die Strafe für diese thematisieren soll, ist die Ableitung „Narzissmus“ etwa seit Beginn des 20 Jahrhunderts (vereinzelt wurde die Bezeichnung wohl bereits im 19. Jahrhundert erwähnt) belegt. Freud spielte eine Rolle bei der Etablierung des Begriffs, heute spielt „Narzissmus“ in den verschiedensten Bereichen eine Rolle – zunehmend auch in der Umgangssprache.
Allerdings gibt es immer mal wieder Diskussionen innerhalb der Wissenschaft über die Verwendbarkeit des Begriffes „Narzissmus“, da einige Wissenschaftler diesen für zu mehrdeutig halten.
Andere sind der Meinung, dass es in der heutigen Gesellschaft kaum möglich ist, als nicht sehr narzisstisch veranlagter Mensch erfolgreich zu sein. Und das ist möglicherweise gar nicht so weit hergeholt…

Überhaupt kann man manchmal den Eindruck bekommen, als sei es irgendwie „in“, narzisstisch zu sein. Das gilt insb., wenn man sich soziale Netzwerke wie Instagram oder auch Facebook anschaut. Und es gibt immer noch viel zu viele Menschen, die (selbsternannten) Politikern – von denen viele, auch und vor allen durch ihr Gehabe, ins Bild eines Narzissten passen – auf den Leim gehen. Die es noch toll finden, wenn sich ein Trump bspw. auf dem NATO-Gipfel in die erste Reihe drängelt und sich, dort angekommen, für’s Foto noch etwas reckt oder der sich von seinen Ministern loben lässt. Vom ständigen Selberloben mal ganz abgesehen, denn für Trumpisten gilt die Redewendung «Eigenlob stinkt» offenbar nicht – jedenfalls, wenn es um den geht, den sie trotz aller Widersprüche, Lügen und Skandale bewundern. Wobei sie ihn ja gerade deshalb toll finden.
Klar, es waren wahrscheinlich auch die Medien, die ihn vor Jahrzehnten dazu getrieben haben, ein windiger Geschäftsmann zu werden, der sich um keinerlei Gesetze schert – jedenfalls, wenn es um seine Angelegenheiten geht…

Aber genug davon, denn bevor ich den Beitrag zum „Wort der Woche“ beende, möchte ich noch auf zwei lesenswerte Artikel hinweisen, die sich mit Narzissmus befassen. (3)

Angesichts dessen, dass die „Narzisse“ die Pflanze gewesen sein soll, in die sich Narkissos nach seinem Tod verwandelte, habe ich im „Wort-der-Woche-Bild“ eine Narzissenblüte verwendet.
Allerdings hat der Name „Narzisse“ etymologisch nichts mit „Narziss“ zu tun, denn die Bezeichnung soll sich vielmehr vom griechischen „narkein“ (= „betäuben“) ableiten. Die Gründe dafür sind ebenfalls bei den alten Griechen zu suchen, da man glaubte, der starke Duft der Blüte habe eine betäubende Wirkung. Dies trifft zwar nicht auf viele Narzissen zu, kann aber trotzdem als plausibel angesehen werden, da im Mittelmeerraum (und damit auch in Griechenland) die „Weiße Narzisse“ („Narcissus poeticus“; auch „Dichternarzisse“) ihren ursprünglichen Verbreitungsraum hatte. Und diese hat einen stärkeren Duft als die meisten anderen Narzissenarten. Damit komme ich nun aber wirklich zum Ende und wünsche noch einen schönen Nachmittag! 😉

(1)
http://www.duden.de/suchen/dudenonline/narzissmus

(2)
http://www.wissen.de/wortherkunft/narzisst

(3)
http://www.tagesspiegel.de/wissen/narzissmus-ich-ich-ich/8921394.html

http://m.huffingtonpost.de/sharon-greenthal/5-zeichen-dass-sie-es-mit-einem-narzissten-zu-tun-haben_b_4874359.html

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