Heilpflanzen – Ruprechtskraut


Das Ruprechtskraut (Geranium robertianum) gehört zu den Storchschnabelgewächsen (Geraniaceae) und ist eine krautig wachsende, bis rund 50 cm hoch werdende Pflanze, die etwas kurios riecht (daher auch „stinkender Storchschnabel“ genannt). Sie kommt sehr häufig vor in mitteleuropäischen Wäldern und gilt den meisten Menschen als recht lästiges Unkraut.

Zwei Blüten – naja, mit der kleinen in der Ecke drei – des Geranium robertianum

An ihren aufrecht bis niederliegenden, dünnen, rötlichen Stängeln wachsen handförmig geteilte, fiederspaltige Laubblätter. Diese sind ebenso wie die meist recht verzweigten Stängel und Knospen mit rötlichen Härchen besetzt.

Blühendes Ruprechtskraut

Etwa ab Ende Mai erscheinen die rosa Blüten, die aus jeweils fünf Kelch- und Kronblättern bestehen und oft zu zweit nebeneinander stehen. Die rund sechs Millimeter langen Kelchblätter sind wie erwähnt mit rötlichen Härchen besetzt, die bis zu 14 mm langen Kronblätter sind wie erwähnt rosa-rötlich und haben jeweils hellere Streifen sowie jeweils eine dunklere Linie auf ihrer Oberfläche.

Einzelne Blüte des Geranium robertianum

In der Mitte der Blüte befinden sich in zwei Kreisen stehend kurze Staubblätter und ein rosa, oberständiger Griffel mit fünf gekrümmten Narben, aus denen sich nach der Bestäubung – die meist durch Bienen, seltener über Selbstbestäubung erfolgt – ca. zwei Zentimeter lange Spaltfrüchte entwickeln. Diese haben fünf Kammern und sind mit steifen Haaren besetzt, die als „Grannen“ bezeichnet werden. Bei trockenem Wetter rollen diese sich zusammen, bei feuchtem dagegen strecken sie sich wieder. Durch diese Bewegung lösen sich die Früchte ab und fallen zu Boden, wo sie sich quasi in die Erde bohren.

Sich entwickelnde Früchte des Geranium robertianum

Ruprechtskraut ist in gemäßigten Regionen Europas und Asiens anzutreffen, wo es in eine Höhe von bis zu 1.700 m zu finden ist.
Hierzulande kommt die schattige Standorte bevorzugende Pflanze an allen möglichen Stellen vor, am häufigsten wächst sie an Mauern, in Gebüschen, an Ackerrändern und Wegrändern, auf Brachland und in Wäldern.

Gesammelt wird das blühende Kraut von April bis September (manchmal ist auch von Mai bis August angegeben), getrocknet wird es dünn ausgebreitet in einem luftigen, schattigen Raum. Alternativ kann das Kraut zu Sträußen zusammengebunden und zum Trocknen kopfüber aufgehängt werden.

Die wegen ihres Geruches auch „Stinkender Storchschnabel“ genannte Pflanze enthält Gerbstoffe, Flavonoide, Geraniin, Vitamin C, Bitterstoffe und ätherisches Öl – das für den Geruch verantwortlich ist.

Wirkt vor allem stoffwechselanregend, leicht entzündungshemmend, harntreibend, wundheilend, adstringierend und blutstillend.

Die auch als „Blutkraut“ bezeichnete Pflanze kann bspw. bei Verdauungsproblemen, Mund– und Rachenentzündungen sowie Harnwegserkrankungen helfen. Außerdem soll sie kontrahierend auf die Gebärmutter wirken und bei starker Menstruation helfen.
Ansonsten ist die Pflanze besonders hilfreich bei der äußerlichen Verwendung, z. B. bei Wunden, Hautproblemen wie unreiner Haut und leichteren Ausschlägen. Zudem heißt es, Ruprechtskraut solle bei durch Stillen wund gewordenen Brustwarzen helfen, weshalb es wohl auch als „Warzenkraut“ bezeichnet wurde. Vielleicht wurde ihm auch eine Wirkung gegen Warzen zugeschrieben, was ich aber nicht sicher sagen kann.

Erwähnt wurde das Ruprechtskraut insb. von Hildegard von Bingen, Hieronymus Bock und Paracelsus, die es explizit als Heilpflanze beschrieben. So wurde es zu einem recht bekannten Mittel bei den verschiedensten Beschwerden, auch bei solchen, bei denen heute eher ein Gang zum Arzt zu empfehlen wäre.
Doch trotz ihrer beschriebenen Heilwirkungen wird die krautige Pflanze heute nur noch sehr selten genutzt, was selbstverständlich vor allem daran liegt, dass die Wirkungen wissenschaftlich nicht belegt sind. Dementsprechend kommt das Ruprechtskraut in der Regel nicht in weniger alten Kräuterbüchern vor.

Wie sooft ist die Zubereitung als Tee die beste Möglichkeit der Nutzung. Dazu werden ein bis zwei Teelöffel des getrockneten Krautes mit 200 ml kochendem Wasser übergossen. Nach bis zu zehn Minuten Ziehzeit abseihen und schluckweise ein bis zwei Tassen am Tag trinken.
Neben der inneren Anwendung, auch als Mittel zum Gurgeln bei Mund- und Halsentzündungen, ist Tee auch zur äußerlichen Verwendung, z. B. in Form von (kalten oder heißen) Umschlägen oder Waschungen geeignet.

Noch etwas wirksamer als Tee ist jedoch die äußere Anwendung von Saft aus dem frischen Kraut.
Alternativ können auch die frischen Pflanzenteile auf die betroffenen Stellen gelegt und mit einer Mullbinde o. ä. fixiert werden.
In alten Kräuterbüchern heißt es übrigens noch, dass das Auflegen von frischem, zerquetschtem Ruprechtskraut bei schmerzenden und geschwollenen Gliedern helfen soll.

Wer das enthaltene Vitamin C, das durch Trocknungsvorgang und Hitze zerstört wird, nutzen will, kann den Saft auch sehr gut vermischt mit anderen Pflanzen-/Gemüsesäften einnehmen.

Aus dem getrockneten Kraut kann außerdem eine Tinktur hergestellt werden, eine weitere Möglichkeit ist die Verarbeitung zu Pulver. Dieses kann dann sowohl äußerlich als auch innerlich eingesetzt werden.

Wegen der möglichen Wirkung auf die Gebärmutter sollten Schwangere auf die Einnahme verzichten; sonst sind keine Nebenwirkungen bekannt. Da die Wirkungen wissenschaftlich nicht belegt sind, ließe sich darüber streiten, ob man die Pflanze nutzen sollte oder nicht. Da sie aber nicht giftig ist, muss das jeder selbst entscheiden. Ich verwende das Kraut hauptsächlich in Kräutermischungen, also wenn ich bspw. einen harntreibenden Tee möchte, mische ich es mit anderen Kräutern, die ebenfalls diuretisch wirken sie Brennnessel, Goldrutenkraut und/oder Schachtelhalm. So können ähnlich wirkende Heilpflanzen miteinander gemischt werden, eben auch, um die Wirkung zu verbessern.

Aus irgendeinem Grund halten einige Menschen das Ruprechtskraut für eine Giftpflanze. So sagte meine Mutter mir als Kind immer, ich solle dieses Kraut bloß nicht anfassen. Später, als ich anfing, mich mit Heilpflanzen zu beschäftigen und alle möglichen Kräuterbücher las, erfuhr ich dann, dass das „Blutkraut“ keineswegs giftig ist. Als ich das meiner Mutter sagte, konnte sie nicht sagen, warum sie das dachte. Somit kenne ich den Grund für diese Annahme bis heute nicht, ich vermute jedoch, dass es möglicherweise mit dem unangenehmen Geruch zusammenhängt.
Der Name Storchschnabel bezieht sich auf die langen Fruchtgrannen, da diese an Storchenschnäbel erinnern. Dies ist ein familienbestimmendes Merkmal, weshalb ich immer etwas irritiert war, dass in älteren Kräuterbüchern meist nur die Bezeichnung Storchschnabel verwendet wird, obwohl die botanische Bezeichnung „Geranium robertianum“ angegeben ist. Aber vielleicht liegt es daran, dass das Ruprechtskraut die am häufigsten vorkommende Storchschnabelart in Mitteleuropa ist und es früher manche heute eingebürgerten Arten noch nicht vorkamen oder unbekannt waren. Gelesen habe ich auch mal, dass das Ruprechtskraut die erste Storchschnabelart war, die hierzulande in Gärten angepflanzt wurde.
Jedenfalls wurden die glückbringenden Eigenschaften des Storches auf den Storchenschnäbel übertragen. So hieß es bspw., dass ein Haus, auf dem ein Storch sein Nest baut, vom Hl. Ruprecht beschützt werde – womit ein Zusammenhang zur Bezeichnung „Ruprechtskraut“ hergestellt wäre. Also hingen die Menschen ein Sträußchen Ruprechtskraut in ihre Häuser.

Die botanische Bezeichnung „Geranium“ hat allerdings nichts mit Störchen zu tun, denn es ist vom griechischen „geranion“ ( = Kranich) abgeleitet. Doch wie bei der deutschen Bezeichnung war auch hier die Form der Früchte ausschlaggebend für die Namensgebung.

Das war soweit das Wichtigste zum Ruprechtskraut, weitere Informationen bspw. unter:

http://www.awl.ch/heilpflanzen/geranium_robertianum/storchenschnabel.htm

http://henriettes-herb.com/eclectic/madaus/geranium.html

http://www.kraeuterallerlei.de/ruprechtskraut-oder-geranium-robertianum/

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s