Heilpflanzen – Frauenmantel


Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist eine zu den Rosengewächsen (Rosaceae) zählende Heilpflanze, die besonders bei sog. Frauenleiden hilft.
Zunächst einmal befasse ich mich jedoch mit dem äußeren Erscheinungsbild:

Die auch „Marienmantel“ genannte, ausdauernde Pflanze kann eine Höhe von bis zu 50 cm erreichen und hat einen eher krautigen Wuchs, auch wenn sie eigentlich als „Halbrosettenstaude“ eingestuft wird.

Ein Exemplar der Alchemilla vulgaris aus meinem Herbarium

Aus ihrem dicken Wurzelstock wachsen langgestielte, sieben- bis elflappige Blätter, die sich nach und nach entfalten. Die rundlichen bis nierenförmigen, später auch leicht sternförmigen Blätter haben einen gezähnten Blattrand, sind auf der Oberseite saftig grün und in der Regel unbehaart, wogegen die eher mattgrüne Unterseite oft borstig behaart ist.

Laubblätter des Frauenmantel

Es gibt verschiedene Assoziationen zum Aussehen der Blätter, so weisen auch die Bezeichnungen „Bärenfuß“ und „Löwenfußkraut“ auf die Form der Blätter hin, die für mich am ehesten kelchähnlich aussehen.
Andere volkstümliche Namen beziehen sich übrigens auf die – vermeintlichen – morgendlichen Tautropfen auf der Blattoberfläche. Dies ist nicht nur ein schöner Anblick, es ist eine Besonderheit der Frauenmantelblätter, die feine Poren besitzen, aus denen sie Wasser ausscheiden. Diese Tropfen wurden früher als Tautropfen (dazu später noch mehr) angesehen, eigentlich werden sie aber als „Guttationstropfen“ bezeichnet. Dennoch sind wegen dieser Eigenschaft Namen wie „Taublatt“, „Taumantel“ und „Tauschüssel“ entstanden.

Blüten und Blätter des Frauenmantel

Etwa ab Mai beginnen sich die Blütenstände zu entwickeln und es erscheinen gelb-grüne kleine Blüten. Diese wären einzeln extrem unscheinbar, zusammenstehend in Trugdolden jedoch geben sie ein recht hübsches Bild ab.
Die einzelnen fünfzähligen Blüten sind bis zu sieben Millimeter groß und sie bestehen ausschließlich aus Kelchblättern, Kronblätter fehlen.

Blütenstände des Frauenmantel

Im Blütenzentrum befinden sich vier Staubblätter, die oft als veränderte Kronblätter gesehen werden, und in der Regel ein Fruchtblatt.
Nach erfolgter Befruchtung entstehen einsamige Nüsschen, die sich mithilfe einer Art Fallschirm meist durch Wind verbreiten. Frauenmantel zählt zu den Licht- und Kaltkeimern. Neben der Ausbreitung durch Samen vermehrt sich die Pflanze auch vegetativ sehr gut.

Der „Spitzlappige Frauenmantel“ kommt nahezu im gesamten Europa, sowie in den gemäßigten Gebieten Nordamerikas und Asiens bis nach Sibirien vor, wo er bis in eine Hohe von bis zu 2000 m gefunden werden kann. Er wächst an Weg- und Waldrändern, in lichten Wäldern, auf feuchten Wiesen, an Hängen, Böschungen, in Ufernähe sowie in Gräben. Wie diese Standorte schon andeuten, bevorzugt der „Marienmantel“ halbschattige Plätze mit nährstoffreichen, feuchten und humosen Böden.
Wenn er am richtigen Ort steht, kann die Pflanze regelrechte Teppiche bilden, weshalb sie gerne auch in Gärten kultiviert wird – als Bodendecker. Dabei handelt es sich aber häufig um Arten wie Alchemilla mollis („Weicher Frauenmantel“), die nicht als medizinisch wertvoll gelten. Überhaupt ist neben der hier beschriebenen A. vulgaris nur noch A. alpina zur medizinischen Verwendung geeignet.

Frauenmantel in voller Blüte

Gesammelt wird das blühende Kraut von Mai bis September, wobei vor der Blütezeit auch die Blätter gesammelt werden können. Dabei ist zu beachten, die Pflanzenteile wegen der bereits erwähnten morgendlichen Tropfen erst ab Mittag zu sammeln, da sie sonst nicht richtig trocknen und verderben. Zum Trocknen werden die Pflanzenteile in einem luftigen Raum auf Papier ausgebreitet.

Die Wurzel wird im Herbst (oder auch im Frühjahr) ausgegraben. Dazu sollte sich der exakte Standort des Frauenmantels gemerkt werden, um auch letztlich die richtige Wurzel zu bekommen. Und natürlich gilt insb. beim Ausgraben der Wurzel, nur so viel zu sammeln, dass der Bestand nicht gefährdet wird!
Nach dem Sammeln wird die Wurzel gesäubert, zerkleinert und bei rund 40 Grad °C im Backofen getrocknet.

Frauenmantel enthält neben einigen weiteren Wirkstoffen Saponine, Gerbstoffe, Flavonoidglykoside, etwas Salicylsäure und Bitterstoffe.
Die Wurzel enthält außerdem pflanzliche Hormone (Phytohormone), denen progesteronähnliche Wirkungen zugeschrieben werden.

Frauenmantel wirkt u. a. krampflösend, antiseptisch, entzündungshemmend, (leicht) harntreibend, adstringierend, blutstillend, -bildend und –reinigend.
Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Pflanze sehr wirksam bei den unterschiedlichsten Beschwerden, unter denen Frauen leiden können. Deshalb gilt er als typisches Frauenkraut und wird daher auch als Marienpflanze bezeichnet.
Frauenmantel hilft bspw. bei Menstruationsbeschwerden und auch damit verbundenen Unterleibsschmerzen, beim prämenstruellen Syndrom (PMS) sowie bei mit der Menopause zusammenhängenden Problemen. Außerdem soll er auch die Milchbildung fördern, worauf übrigens auch die Bezeichnung „Milchkraut“ hindeutet.

Ansonsten kann der „Frauenrock“ bei Verdauungsbeschwerden, Erkältungen, Nervosität, Zahnfleischbluten, Mund– und Halsentzündungen sowie während Frühjahrs– bzw. Entschlackungskuren gute Dienste leisten.

Äußerlich kann das Kraut ein gutes Mittel bei Wunden, leichtem Sonnenbrand, Hautunreinheiten und Ekzemen.

Während der „Bärenfuß“ selbst wohl schon länger als Heilpflanze bekannt war (zudem wurden ihr magische Kräfte nachgesagt), ist sie erst gegen Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts als „Frauenmantel“ bekannt. Zum Ursprung der Bezeichnung komme ich gegen Ende des Beitrags noch ausführlicher.
Als Heilpflanze war Frauenmantel bis ins 16./17. Jahrhundert hinein ein häufig genutztes Wundheilungs-Mittel bei Wunden aller Art, daneben wurde die „Tauschüssel“ bei Frakturen, entzündeten Geschwüren und sogar bei Epilepsie eingesetzt.
Und natürlich galt der „Marienmantel“ schon früh als wichtiges Pflanzenmittel bei den verschiedensten Frauenleiden. So hieß es bspw., wenn man jedes Jahr eine 14-tägige Frauenmantelkur durchführe, sei man (bzw. frau) vor sämtlichen Frauenkrankheiten gefeit. Dass dem wirklich so ist, bezweifle ich jedoch recht stark. Sicher ist nur, dass Frauenmantel bei vielen Beschwerden u. a. eine lindernde Wirkung hat. Leider sieht das die Schulmedizin größtenteils anders.
Für mich bleibt Frauenmantel dennoch ein wirklich hilfreiches Kraut, wenn es darum geht, Begleiterscheinungen der Menstruation zu lindern.
Das „Marienkraut“ hat keine Nebenwirkungen, sollte allerdings nicht während einer Schwangerschaft eingenommen werden.

Am Einfachsten ist wie sooft auch hier die Zubereitung von Tee. Dazu einen Esslöffel des getrockneten Krautes mit 250 ml Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen. Nach dem Abseihen jeden Tag ein bis zwei Tassen davon trinken.

Für einen Tee aus der Wurzel wird ein Teelöffel in 250 ml Wasser aufgekocht. Das Ganze etwa 10 bis maximal 15 Minuten zugedeckt bei geringer Hitze köcheln lassen und abseihen. Schluckweise trinken; ein bis zwei Tassen am Tag.

Selbstverständlich kann der Tee auch äußerlich, z. B. als Waschungen oder Umschläge, eingesetzt werden. Zudem kann er zum Gurgeln bei Mund- und Halsentzündungen verwendet werden.

Bezogen auf die äußere Anwendung gibt es natürlich noch die Möglichkeit, Umschläge mit dem frischen, zerquetschten Kraut zu machen.
Bei Insektenstichen o. ä. können auch einfach frische Blätter auf die betroffenen Stellen gelegt werden.

Außerdem kann aus dem Kraut und/oder der Wurzel auch eine Tinktur zubereitet werden (Grundrezept dazu unter „Zubereitung von Kräutermitteln – Teil 2“

Und weil es mir selbst schon des Öfteren geholfen hat, möchte ich noch eine weitere Anwendungsmöglichkeit erwähnen:
250 ml Milch (am besten 3,5%-ige) mit je ein bis zwei Teelöffel blühendes Kraut von Frauenmantel und Gänsefingerkraut aufkochen. Danach fünf bis zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und mit etwas Honig süßen.
Diese Milch war mir schon oft eine Hilfe, außerdem schmeckt sie fast wie warme Milch mit Honig. Am Abend getrunken ist sie zudem ein guter Schlaftrunk. Man kann sie aber selbstverständlich tagsüber trinken, ohne müde zu werden. 😉

Übrigens können die jungen Blätter auch gut in Salaten verwendet werden.

Die Bezeichnung Frauenmantel leitet sich von den sog. Schutzmantelmadonnen ab. Diese hatten einen weit geöffneten Mantel, der den Gläubigen Schutz gewähren sollte. Die Blätter des Frauenmantels sollen an ebendiese Mäntel erinnern, weshalb es dann etwa im 15. Jahrhundert zur heute noch verwendeten Bezeichnung kam.

Die botanische Bezeichnung des Frauenmantels „Alchemilla“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Das kleine Wunder“.
Der Ursprung von „Alchemilla“ soll laut einigen Quellen das arabische „alkemelych“ ( = Alchemie) sein. Auch das kann – neben den zahlreichen magischen Wirkungen, die dem „Perlkraut“ zugeschrieben wurden – ein Grund für die volkstümliche Bezeichnung „Alchimistenkraut“. Alchemisten haben übrigens geglaubt, dass der Frauenmantel sie zum „Stein der Weisen“ führen könnte. Besonders starke Kräfte wurden insb. den ‚Tautropfen‘ nachgesagt; diese sollten wahre Wunder wirken.
Zu dieser Thematik gibt es allerdings so viele verschiedene Legenden und Mythen, dass es hier den Rahmen sprengen würde. Deshalb verweise ich an dieser Stelle auf einige Links zum Thema unter (1).

Damit beende ich diesen Beitrag nun auch und wünsche allen einen guten Start ins Wochenende! 🍀🐞

Weitere Informationen zum „Taumantel“ bspw. unter:

http://www.herbaversum.de/altes-wissen/kraeuter-und-pflanzen/kraeuter-profile/frauenmantel/

https://www.heilpflanzenkatalog.net/heilpflanzen/heilpflanzen-europa/202-frauenmantel.html

http://henriettes-herb.com/eclectic/madaus/alchemilla.html

http://www.biomedicus.de/heilpflanzen/frauenmantel/

Bisher konnte ich leider nur Fotos von der auch im Beitrag erwähnten A. mollis machen. Zwar sehen die beiden Arten recht ähnlich aus, doch insb. die Laubblätter unterscheiden sich von der im Beitrag beschriebenen A. vulgaris. So sind die Laubblätter des „Weichen Frauenmantel“ bspw. weniger saftig grün, sondern eher etwas blaustichig.

(1)

http://www.pflanzen-im-brauchtum.de/Frauenmantel.htm

http://www.fischer-oberschwaben.de/Wildpflanzen-Heilkraut/637a.html

http://www.karlaswelt.de/aberglaube/mythen-des-frauenmantel

 

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