Wort der Woche (9)


Nachdem ich jetzt mehrmals das „Wort der Woche“ habe ausfallen lassen, habe ich mich dieses Mal für „Wirsch“ entschieden. Zum einen, weil es gerade zu meinem derzeitigen (Gemüts-) Zustand passt, zum Anderen, weil ich das Wort immer mal wieder benutze.

Foto von Freudenwege

Im Allgemeinen wird dieses Wort besonders oft als Synonym für „wirr“ gebraucht. In diesem Zusammenhang nutze ich „wirsch“ auch regelmäßig und im Moment ist das Wort die wohl passendste Beschreibung dafür, wie ich mich fühle. Die letzten Wochen waren aber auch seltsam. Dauernd war irgendwas, erst dies, dann das. Die x-te Zystitis, dann eine leichte Erkältung, die mich immer noch etwas ärgert und nun ist vor einigen Tagen noch der Heuschnupfen dazugekommen. Und das, obwohl ich seit Ewigkeiten keine Probleme mehr damit hatte. Im Jugendalter war er ganz extrem, nach und nach wurde es aber besser, bis ich in den letzten Jahre kaum Probleme hatte. Wie auch immer, nachdem die städtischen Grünflächen wieder mal gemäht wurden – ein Streifen davon fast direkt vor Wohn- und Schlafzimmerfenster – ist das Ganze noch etwas heftiger geworden. Aber Hauptsache, alles sieht ‚ordentlich‘ aus, wenn Schützenfest ist. Als ob die Biertrinkenden Schützen und Besucher darauf achten würden. Davon abgesehen finde ich die Grünstreifen viel schöner, wenn sie nicht gemäht sind. An einer Stelle, wo gemäht wurde, stand kurz vorher noch ein kurz vor Blüte stehendes Johanniskraut. Jetzt ist es einfach weggemäht, ebenso wie Schafgarbe, Ackerwinden, Klee usw. Finde ich immer irgendwie schade.
Auch, wenn es jetzt nichts mit dem Thema des Beitrags zu tun hat, hier mal schnell zwei Bilder zum Vergleich (die Perspektive ist nicht ganz dieselbe, aber ansonsten ist es die gleiche Stelle.

Vor dem Mähen sah es so aus:

Nach dem Mähen (einige Tage vorher wurden auch noch die Büsche gestutzt):

Kann nur sagen, mir gefällt das erste Bild definitiv besser. Aber da gehöre ich wohl zu einer Minderheit…😳😏

Nun ja, jedenfalls hatte ich am Mähtag schon recht heftige Symptome, dabei war der vorherige Schub gerade erst vorbei. Da juckten meine Augen so extrem, dass ich mich trotz Kühlung nicht zusammenreißen konnte. Schließlich hatte ich richtig geschwollene, getötete Augen. Dazu, wenn es gar nicht mehr ging, noch Histaminika, die mich immer total müde machen. Das alles behinderte meine Konzentration also ohnehin schon.
Und wie das so ist, wenn es sowieso schon schwierig ist, kommen noch andere Dinge dazu. Wie z. B., dass mein Partner mal wieder seine anstrengende Uneinsichtigkeit an den Tag legt, die immer mal wieder etwas ausgeprägter daherkommt. So „überhört“ er gerne genau das, was wichtig ist, während er sich hinterher beschwert, dass man ihm nicht vorher was gesagt hat. Einsehen, dass er nicht zugehört bzw. das Gesagte einfach vergessen hat? Neeeeiiiiiin….
Es sind natürlich alles Kleinigkeiten, aber wenn alles mögliche zusammenkommt, kann das schon den letzten Nerv rauben. Zumindest führte das Alles dazu, dass die Probleme mit der Konzentration eher größer wurden und ich z. T. alles mögliche angefangen habe, aber nur das Wenigste wirklich zu Ende gekriegt habe. Gut, ich kenne diese Phasen von mir und früher waren sie auch schlimmer bzw. ausgeprägter, aber es nervt trotzdem. Immerhin habe ich endlich vieles von dem gelesen, was sich alles so angesammelt hat (trotzdem ist bspw. die Favoriten-/Lesezeichenliste immer noch lang😌😏).
Jetzt aber genug von mir 😊.

Schließlich ist noch offen, woher das Wort „wirsch“ denn nun eigentlich kommt und wofür genau es steht?

Belegt ist „Wirsch“ seit etwa dem 17. Jahrhundert, wobei das ursprüngliche „wirrisch“ sehr wahrscheinlich um einiges älter ist. Genaueres dazu unter (1).
Etymologisch gehört „wirsch“ zu „wirr“, auch wenn das Wort in jüngerer Zeit mit „unwirsch“ verbunden wurde. Dennoch gibt es offenbar nicht wenige Menschen, die „wirsch“ schlicht und einfach für das Gegenteil von „unwirsch“ halten (was mich schon sehr wunderte, als ich das zum ersten Mal irgendwo las😖😊). Den in erster Linie bedeutet „wirsch“ schließlich „ärgerlich“ und „aufgeregt“, es kann aber auch bspw. für „verwirrt“ sowie „reizbar“ stehen.
Mehr oder minder häufig genutzte Synonyme sind daher u. a. „grob“, „schroff“, „wild“ und/oder „verärgert“. (2) Daneben wird „wirsch“ umgangssprachlich auch oft synonym für „komisch“, „seltsam“ oder merkwürdig verwendet.

Direkte Übersetzungen zu „wirsch“ sind übrigens nicht bzw. kaum zu finden, wobei sich „wirsch“ natürlich indirekt durch die entsprechenden Synonyme übersetzen lässt. So wird „wirsch“ bspw. im Italienischen indirekt mit „irritato“ übersetzt (was nicht nur (u. a.) für „ärgerlich“ und „aufgebracht“ steht, sondern auch „gereizt“ und „kribbelig“ bedeutet), im Englischen mit „angry“, im Spanischen mit „enfadado“ oder „molesto“, im Französischen mit „irritée“ und im Niederländischen mit „wrevelig“.

Ich denke, das war soweit das Wichtigste über „wirsch“. Bleibt zu hoffen, dass meine „Wirschheit“ bald beendet ist. Die Zeichen stehen jedoch gerade möglicherweise nicht schlecht, denn es scheint nun langsam bergauf zu gehen. Ich will mich zwar nicht zu früh freuen, aber gestern hielt die Konzentration auch über den Morgen hinaus noch an. Erst ab dem späteren Nachmittag ging sie nach und nach flöten. Aber wird schon. 😊😉
Nun wünsche ich allen noch einen schönen Sonntag! 🍀☀🐞

(1)

http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&lemma=wirsch

(2)
http://www.duden.de/rechtschreibung/wirsch

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