Die AfD und ihre verlorene, weil schlecht sitzende Maske


Man kommt ja kaum hinterher im Moment. Da beschließe ich, einen Blogeintrag zu den Gewaltfantasien eines Herrn Arppe zu schreiben und schon kommt der nächste Hammer. Deshalb jetzt einfach ein Beitrag zur AfD im Allgemeinen.
Eines ist ganz klar: Die Ereignisse der letzten Tage rund um die AfD machen einmal mehr ganz klar, was man von der AfD zu erwarten hat. Außer Lügen, rassistischen und/oder xenophoben Parolen sowie Diffamierungen nämlich gar nichts. Wie die AfD arbeitet, kann jeder sehen, der es sehen will – schließlich sitzen genug AfDler in diversen Landtagen, Stadträten und Kreistagen. Was sie dort zustande bringen? Nicht viel. (1) Sie stellen unsinnige und teils einfach nur vorurteilsbehaftete Anfragen an die jeweiligen Regierungsverantwortlichen – man könnte auch sagen: Sie halten die Regierungen von wirklich wichtigen Dingen ab. Von der Instrumentalisierung des Instruments der Kleinen oder Großen Anfrage mal ganz abgesehen. Außerdem hat sich im Politikalltag gezeigt, dass PolitikerInnen AfD weiterhin nicht zwischen Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik unterscheiden können (oder wollen). Dafür verursachen die Fraktionen teils unnötige Kosten – wie z. B. die zwischenzeitliche Spaltung der Fraktion im baden-württembergischen Landtag.

Nachdem Gauland seine abartigen, rassistischen Sprüche über Aydan Özoguz abgegeben hatte (worüber ich ja bereits einen Beitrag geschrieben hatte), kamen Chatprotokolle ans Licht, in denen der Vize-Fraktionsvorsitzende der AfD im mecklenburg.-vorpomm. Landtag seinen Gewalt Fantasien freien Lauf ließ. (2) Die Empörung war entsprechend groß, zumal dieser Herr Arppe weiterhin im Landtag sitzen wird – nur eben nicht als Vize-Fraktionsvorsitzender. Und genau das ist die eigentliche Ungeheuerlichkeit: Dass jemand, der wirklich kranke Fantasien hat und diese auch noch öffentlich äußert. (Schließlich hat er es im Internet geschrieben, das ist dann öffentlich – ob „private“ Gruppe oder nicht. Was sich im Netz befindet, ist letzten Endes öffentlich.)
Nun könnte jemand mit dem Niveau eines AfD-Fanboys auf die Idee kommen, das Ganze herunterzuspielen und zu sagen, dass niemand davor gefeit wäre, Fantasien zu haben, die auch mal heftiger sein können. Okay, ja sicher, habe ich auch, aber das, was der Herr Arppe da offenbar vor sich hin fantasiert, ist nicht einfach etwas heftiger. Das waren einfach nur krasse Gewaltfantasien, die auch noch einen Hang zum Größenwahn offenlegten. Ob bei ihm auch eine Bereitschaft zur Ausführung dieser Gewalt vorhanden ist, sei mal dahingestellt. Aber allein dadurch, dass er diese Dinge äußert, kann er Leute, bei denen sehr wohl eine Gewaltbereitschaft vorhanden ist, zu derartigen – eigentlich wirklich unvorstellbaren – Taten anstacheln. Sicher, das muss nicht sein, die Gefahr besteht dennoch – und das wird auch ein Herr Arppe wissen. Klar ist, wer solche Gewaltfantasien noch herunterspielen will und solche Äußerungen („… von einem wilden Schimpansen vergewaltigen lassen“ mit dem Zusatz, dem Mann täglich einen Finger seiner Frau zuzuschicken.) für mehr oder minder ‚gewöhnliche‘ Fantasien hält, sollte sich vielleicht doch mal Gedanken machen. Klar ist es individuell völlig verschieden, ob man es als hilfreich betrachtet, sich in Fantasien zu ergehen, Menschen, die einen verletzt haben – ob nun physisch und/oder psychisch spielt da im Grunde keine Rolle – dieses oder jenes zuzufügen oder ob man dies nicht macht. Deshalb kann ich mich hier nur auf mich selber beziehen: Ich besitze zugegebenermaßen eine ausgeprägte Fantasie, für mich sind Fantasien aber in allererster Linie etwas Schönes, sodass ich gar keine Lust darauf hätte, mich während dieser Zeit mit Leuten zu beschäftigen, die ich am liebsten komplett aus meinen Erinnerungen streichen würde (was selbstverständlich auch der falsche Weg wäre). Nein, das sind Dinge, mit denen ich mich an anderer Stelle befasse oder bereits befasst habe. Zumal ich ehrlich gesagt auch aus der Phase raus bin, dass ich gewisse Menschen am liebsten auf den Mond schießen würde – okay, außer vielleicht einige AfDler betreffend (sollen sie doch dort ihre völkische, einheitliche, abgeschottete und wohl eher spießbürgerliche Nation aufbauen). 😈 😜
Aber überhaupt empfinde ich es vor allem als unschön, mir vorzustellen, jemand anderem Gewalt zuzufügen, weil ich mit ihm oder ihr mal Probleme hatte. Zumal ich der Meinung bin, dass ich dann im Grunde nicht besser wäre, als er oder sie. Deshalb wünsche ich Menschen, die ich nicht abkann, auch nicht sonst was an den Hals. Das kann man jetzt für zu moralisch halten, aber ich halte es in der Regel nach dem Motto: Was ich nicht für mich will, wünsche ich auch niemand anderem. Aber das nur am Rande.
Denn der Punkt ist eigentlich der: Wer wie Arppe derartige Gewaltfantasien offenbar als angenehm empfindet oder sogar stolz drauf ist – immerhin hat er sie öffentlich verkündet, gehört nicht in einen Landtag, sondern besser zu einem Psychologen (zumal der dann auch gleich die Ursache für Xenophobie und einiges anderes klären könnte – gut, wenn der Patient mitmacht). Insofern wäre ein solcher Herunterspielversuch zum Scheitern verurteilt, denn schon der Vergleich mit ‚gewöhnlichen‘ Fantasien würde extremst hinken.
Doch damit auch genug zu Arppes Gewaltfantasien an sich. Denn mehr noch als die Äußerungen dieses Herrn, gibt zu denken, wie die AfD sich zu diesem Fall verhält. Dazu ein für sich sprechender Artikel (3), in dem Gauland es für unnötig hält, dass die AfD sich von Arppe distanziert oder sich für ihn entschuldigt. Dazu bemüht er folgenden Vergleich: «Wenn ein Ladendieb mit CDU-Parteibuch festgenommen wird, ist das deswegen doch auch keine Sache der CDU.» Aha. Was für eine Logik. Da vergleicht der Mann, der übrigens als notorischer Falschparker gilt (4), die Gewaltfantasien eines Herrn Arppe mit einem Ladendieb. Offenbar ist ihm einfach kein Vergleich eingefallen, der etwas weniger hinkt. Ich meine, der Ladendieb stiftet durch seine Festnahme niemanden zu einer Straftat an, die Äußerungen eines Herrn Arppe könnten – rein theoretisch – sehr wohl jemanden zu Straftaten anstiften. Immerhin scheint das Aggressionslevel nicht weniger AfD-Anhänger ziemlich hoch zu sein. Nun ja, aber man beharrt bei der AfD ja auch weiterhin darauf, dass man bei der AfD nichts mit Rechtsextremisten am Hut hätte. Dabei sieht die Wahrheit anders aus, wie z. B. der Artikel unter (5) aufzeigt.
Dann folgte ein Aufreger, der eher positiv war, der jedoch erschreckende Einblicke in die Gedankenwelt vieler AfD-Anhänger (und auch einiger AfD-Mitglieder) gab: Die Übernahme von 31 Facebookgruppen durch „Die Partei“. (6) Ein absolut gelungener Coup, der vor allem auch deshalb Respekt verdient, da sich die Akteure eine lange, lange Zeit tagtäglich die Hetze der AfD Unterstützer reinziehen mussten. Das gönne ich echt nicht meinem schlimmsten Feind…
An dieser Stelle noch ein kleiner Tipp am Rande: Wer aus Protest keine der im Bundestag sitzenden Parteien wählen will, könnte ja „Der Partei“ seine Stimme geben, wenn ihm/ihr auch von den zahlreichen kleinen Parteien keine zusagt. Ist jedenfalls tausendmal besser als „aus Protest“ die AfD zu wählen – obwohl man weiß, dass die AfD weder eine Alternative ist noch praktikable Lösungen für komplexe Probleme hat.

Und dann folgte der Weidel-Abgang: Dass der geplant war, war im Grunde von Anfang an klar. Denn Weidel hat bei „Wie geht’s, Deutschland?“ keine Gelegenheit ausgelassen, zu provozieren. Nicht nur mit ihren absurden Äußerungen, nein, auch mit ihrer arroganten, herablassenden Attitüde. Es ist diese Mischung, die in einer Talkshow ganz schnell dazu führt, dass die sich so verhaltende Person quasi allein da sitzt. Das wird auch einer Weidel klar gewesen sein. Aber das spielt letztlich gar keine Rolle, da diese oder eine ähnliche Mischung von fast allen AfDlern genutzt wurde, die bislang in Talkshows waren. Und so wird es wohl auch bleiben. Denn das ist ihre Strategie, um sich immer wieder als das arme Opfer der bösartigen, voreingenommen öffentlich-rechtlichen Medien inszenieren zu können – weil eben einfach echte Argumente fehlen. Dabei sind es gerade diese Medien, die den selbsternannten PolitikerInnen der AfD immer wieder eine Plattform geben. Wo ist eigentlich das Dankesschreiben der AfD an die öffentlich-rechtlichen Medien? Immerhin haben sie zum Aufstieg der AfD beigetragen. Stattdessen wird ihnen auch von der AfD der Stempel ‚Lügenpresse‘ (nach Petry auch „Pinocchiopresse“) aufgedrückt. Naja, AfDler sind halt eben undankbare Schnösel. Außerdem würde Ihnen dann ja ein Feindbild abhanden kommen. So geht also der von der AfD beschwörte „Mut zur Wahrheit“ – wie ich schon des Öfteren dachte: „Mut zur Unwahrheit“ würde besser passen.
Wie auch immer, es war noch während ihrem Abgang klar: Dieser Abgang war inszeniert. (7) Mit echten Argumenten konnten sie logischerweise nicht dienen, also musste die Aufmerksamkeit wie üblich anders gesichert werden. Genau das haben sie bei der AfD ja bereits im Januar in einem „Strategiepapier“ festgehalten. (8) Zu diesem Szenario passt auch das Statement von Weidel. Und das liegt längst nicht nur am Zeitpunkt – die so kurz nach dem Abgang erfolgte Veröffentlichung -, sondern auch am Inhalt. Denn dort gibt sie der Moderatorin Marietta Slomka die Schuld an ihrem Abgang, indem sie ihr vorwirft, parteiisch zu sein – eben das Übliche Bla Bla, um sich als Opfer darzustellen. Doch nun fand ihr Abgang nicht statt, nachdem sie sich mit Slomka ein Wortgefecht geliefert hatte. Der Abgang erfolgte erst, als Scheuer es wagte, Höcke als Rechtsextremisten zu bezeichnen und Weidel zu einer Distanzierung aufzufordern. Nun ist Scheuer nicht gerade der glaubwürdigste AfD-Gegner, dennoch ist es das erste Mal, dass ich dem CSU-Generalsekretär zustimme. Was allerdings nicht mein Bild über ihn ändert. Dazu hat er zu oft selber ins AfD- Horn geblasen. Dass aber Höcke ein Rechtsextremist ist, lässt sich einfach nicht abstreiten. Weidel hätte bspw. darauf hinweisen können, dass sie im Fall Höcke für ein Ausschlussverfahren gestimmt hatte. Stattdessen verließ sie die Sendung und schien beim Verlassen des Studios innerlich zu triumphieren. Auf mich wirkte es, als hätte sie nur den passenden Moment gesucht, um mit schlecht gespielter Empörung das Studio zu verlassen. Und da sie nicht wissen konnte, ob sich später noch eine bessere Situation entwickeln würde, hat sie einen der wenigen vernünftigen Sätze von Scheuer genutzt. Passt zwar nicht zum vorbereiteten Statement, aber who cares? Die AfD-Anhänger bestimmt nicht, die lassen sich eh jeden Mist erzählen, wenn er ihnen von den richtigen Leuten erzählt wird. AfD & Co. = 100%-ig glaubwürdig, alle anderen = 100%-ig unglaubwürdig – das nennt man dann AfD-Logik.

Übrigens: Ein Grund, warum ich Weidel einfach nicht ernstnehmen kann – abgesehen von ihren Ansichten und ihrem öffentlichen Verhalten – ist, dass sie, die mit einer Frau zusammenlebt, mit der sie außerdem zwei Kinder großzieht, für eine Partei kandidiert, in der Homophobie Gang und gäbe ist. Man erinnere sich alleine an den AfDler aus Sachsen-Anhalt, der Homosexuelle (wieder) ins Gefängnis werfen will. (9) Wie kann sie es mit ihrem Gewissen vereinbaren, dass sie Spitzenkandidatin einer Partei ist, die im Grunde die Diskriminierung von LGBTI befürworten. Sie selber befürwortet sogar die weitere Diskriminierung, indem sie die „Ehe für alle“ ablehnt und die Ehe ausschließlich als „Verbindung zwischen Mann und Frau“ sieht. Ich nehme ihr das nicht ab. Und wenn sie das wirklich ernst meint, dann kann ich sie noch weniger ernstnehmen, da sie in diesem Fall Ihre eigene Sexualität für ein Bundestagsmandat verrät. Das muss selbstverständlich niemand so sehen, es ist aber eben meine Meinung. Die Ehe sollte in erster Linie die Verbindung zwischen zwei Liebenden sein. Die Ehe sollte jedoch kein Instrument zur Diskriminierung von Menschen sein, nur, weil sie zufälligerweise nicht heterosexuell sind. Vor einigen Tagen habe ich einen recht passenden Tweet entdeckt, in dem derjenige sinngemäß schrieb, er könne die Weidel nicht mal als „Domina“ ernstnehmen. (10) Ja, genau so sieht es aus. Denn wer keinerlei Glaubwürdigkeit zu bieten hat, ist dann eben auch nicht ernstzunehmen. Außerdem ist bei Weidel nicht nur aus den oben genannten Gründen keinerlei Glaubwürdigkeit auszumachen, denn mit der Wahrheit hat sie es scheinbar generell nicht so. (11) Andauernd spuckt die Weidel falsche Zahlen aus, sie kommt mit sog. ‚alternativen Fakten‘ um die Ecke und sie scheut auch nicht davor zurück, weiter zu lügen, obwohl sie bereits ‚erwischt‘ wurde. Wie soll man so jemanden auch nur ansatzweise ernstnehmen können? Was Weidel bisher so von sich gezeigt hat, ist jedenfalls alles andere als authentisch – geschweige denn sympathisch. Nein, sie wirkt arrogant, verlogen und vollkommen abgehoben – was schon fast wieder lustig ist, wenn man bedenkt, wie oft und gerne AfDler die PolitikerInnen im Bundestag und in der Regierung als abgehoben bezeichnen. Eine abgehobene Weidel dagegen scheint für AfD-Anhänger dennoch wählbar. Tja, bei der AfD wird eben grundsätzlich mit zweierlei Maß gemessen. Sollte jedem klar sein, der plant, diese Partei zu wählen.
Am letzten Samstagabend stieß ich dann bei Twitter auf einen Artikel der Welt (12), laut dem Weidel die Veröffentlichung einer E-Mail aus dem Jahr 2013 zu verhindern versucht. In dieser E-Mail wird deutlich, dass sie offenbar nie die „Gemäßigte“ war, die sie gerne vorgibt zu sein bzw. als die sie auch von der AfD ‚präsentiert‘ wird. Natürlich gab es von Weidels Sprecher auch direkt mal wieder einen Fälschungsvorwurf.
Auch der neueste Wahnsinn betrifft Weidel (das musste jetzt noch kurz zugefügt werden):
Denn diese soll eine geflohene Syrerin schwarz bei sich beschäftigt haben. (13) Und als wäre das nicht noch schlimm genug, kommt dann noch das AfD-Sprachrohr Lüth mit dem Spruch, dass die Syrerin kein Geld bekommen habe. Bitte? Ist das echt Euer Ernst, AfD? DAS soll Eure Rechtfertigung sein? Da lässt sich nur sagen: Die sind noch kranker, als ich ohnehin schon dachte. Und dann kam von eben diesem Sprecher noch der Verweis, dass „Barzahlungen an Haushaltshilfen“ ja in der Schweiz legal seien. Während Weidel das Ganze zurückweisen lässt (von wegen, befreundet und so).
Die Heuchelei dieser AfD-Deppen bleibt trotzdem nur widerlich. Klagen, Flüchtlinge nähmen Deutschen die Arbeit weg, aber selber nutzen Sie Flüchtlinge als billige Arbeitskräfte (oder eben auch als unbezahlte Arbeitskraft?) Und die AfD-Gläubigen? Rufen natürlich direkt «Fälschung». Aber selbst wenn 100% beweisbar wäre, dass es so war, wie berichtet, würden sie ‚ihre‘ AfD weiter verteidigen. Es ist diese Irrationalität, die es unmöglich macht, vernünftig mit AfD-Anhängern zu diskutieren. Denn sobald sie schnallen, dass ihre ‚Argumente‘ im Nu zerpflückt werden, werden sie persönlich. Und irgendwann werfen sie einem allen Ernstes vor, keine Argumente zu haben. Da könnte ich dann echt platzen vor Lachen, wäre es nicht so ernst. Wobei das Sich-lustig-machen auch nicht unwichtig ist, denn das scheinen die wenigsten AfDler abzukönnen.

Unabhängig von Weidel nun noch einige Sätze zur „Ehe für alle“. Gut, es mag ein, dass dieses „Ehe für alle“ etwas missverständlich ist, allerdings ist es auch nicht zuviel erwartet, ein Hashtag nicht gleich für den Namen eines Gesetzes zu halten. Doch genau das tun offenbar sämtliche AfD-PolitikerInnen (und der AfD nahestehende PolitikerInnen). (14) Da gibt es dann Leute, die von Mehrfachehen schwadronieren – was im Grunde ja nichtmal so schlecht wäre, solange auch Frauen zustünde, bspw. zwei Männer und eine Frau zu heiraten. 😊 Dass jemand auf die Idee kommen könnte, bspw. den Magdeburger Dom zu heiraten, klingt völlig irre, ist aber auch noch okay (warum nicht sein Bett heiraten dürfen😉). Doch all das war noch harmlos, sodass natürlich noch was drauf gesetzt werden musste. Also fing man erst an, die „Ehe für alle“ als eine Hintertür für Pädophile zu bezeichnen – schließlich könnten dann Homosexuelle Kinder adoptieren, um diese dann zu missbrauchen. Es waren auch Kommentare lesen, von wegen, dass dann bald auch Pädophile Kinder heiraten könnten. Das war an Widerwärtigkeit wirklich kaum noch zu überbieten. Nicht nur, dass es schon unfassbar ist, dass jemand überhaupt auf so einen Gedanken kommt, zeugen diese einmal mehr vom extrem kruden Weltbild selbsternannter PolitikerInnen der AfD. Homosexuelle werden mit Pädophile gleichgesetzt, was – wenn man es ganz genau nimmt – all jene Kinder und jetzige Erwachsene, die heterosexuellen Pädophilen zum Opfer gefallen sind, egalisiert. Doch unabhängig davon finde ich es schon sehr bedenklich, dass jemand eben überhaupt auf sowas kommt. Da will man nicht wirklich wissen, was in solchen Köpfen sonst noch so vorgeht.
Zusatz: Heute morgen gab es im morgendlichen Correctiv-Newsletter einen Absatz zu der geplanten LGBTI-feindlichen „Demo für alle“ in Köln, was aber glücklicherweise nicht gelungen ist. Artikel dazu unter (Z). Schlimm genug, dass sie in Stuttgart und Wiesbaden auflaufen konnten. Jedenfalls gab es dort zum bereits erwähnten Artikel noch einen Hintergrundartikel von „Queer.de“ (Za), in dem einmal mehr die gesamte Perfidie dieser homophoben, ewiggestrigen Spießbürgern zu Tage trat.
Das Thema „Ehe für alle“ eignet sich daher sehr gut als typisches Beispiel für das Vorgehen von AfD-Mitgliedern und – Anhängern. Es geht immer darum, heftigere Provokationen zu bringen und neue Tabus zu brechen. Nun mag es in bestimmten Bereichen extrem bereichernd sein, Tabus zu brechen, in diesem Fall ist es jedoch ein Problem. Denn die stetige Eskalation von immer mehr Provokationen und neuen Abgründen, was Äußerungen von AfDlern angeht, führt irgendwann dazu, dass aus verbaler Gewalt physische Gewalt wird. Und genau das macht die AfD so gefährlich. Denn auch, wenn sich deren Mitglieder keinerlei Mühe mehr geben, ihre wahre Gesinnung zu verbergen, gibt es immer noch genug Menschen, die meinen, dass die AfD mit ihren vermeintlichen einfachen Lösungen Probleme lösen kann und die nicht sehen wollen, dass zumindest eine Mehrheit der AfD-Mitglieder und – Anhänger die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die sie angeblich bewahren wollen, regelrecht verabscheuen. Wer zumindest das Wahlprogramm der AfD aufmerksam gelesen hat, kann das auch recht schnell erkennen. Dazu ist vielleicht auch dieser etwas ältere Artikel interessant, wenn er sich auch auf das Programm der AfD Baden-Württemberg zur letzten Landtagswahl bezieht. (15)
Dass also die AfD endlich ihre ohnehin sehr schlecht sitzende Maske der Bürgerlichkeit meist komplett weglässt, ist gut, reicht aber längst nicht aus. Deshalb sollte trotz der Selbst-Demaskierung nicht aufgehört werden, weiter darauf zu setzen, deutlich zu machen, dass die AfD außer dem Verbreiten von Lügen, dem Schüren von Vorurteilen, Angst und Hass sowie dem Diffamieren der Gegner nichts drauf gaben. Gerade angesichts der immer häufiger kommenden Provokationen müssen die AfD-PolitikerInnen erst recht mit Argumenten kaltgestellt werden. Das sollte auch gerade auch für die Medien gelten. Leider ist es aber eher so, dass viele Medien entweder auf die Provokationen der AfD eingehen oder dass sie nach zuviel Kritik von AfDlern plötzlich weniger kritisch über diese Partei berichten. Dazu bekommen die bekannteren AfD- Vertreter regelmäßig eine Bühne in diversen Talkshows. Was sogar gut wäre, wenn insb. die ModeratorInnen dieser Talkshows mit stetigem Nachhaken den Zuschauern vorführen, dass die AfD keine Argumente hat und deren vermeintlich einfachen Lösungen nicht funktionieren würden. Oft genug passiert leider das Gegenteil. Zu häufig lassen sich andere Gäste von den Sprüchen des jeweiligen AfDlers provozieren lassen, was dann die AfD-Sympathisanten jubeln lässt. Und das, obwohl klar ist, dass diese im Gegensatz zu den provozierenden AfDlern Argumente haben, mit denen sie die sogenannten Politiker der AfD blöd aussehen lassen könnten. Doch das wäre nochmal einen ganz eigenen Beitrag wert. Denn diesen Beitrag möchte ich nun doch langsam mal beenden, bevor mir immer noch irgendwas Neues einfällt, was man noch hinzufügen könnte, so wie heute die neueste Weidel-Sache. Nachdem ich die diversen Links (zum zweiten Mal😠) zusammensuchen ‚durfte‘ wünsche Euch/Ihnen einen angenehmen Rest-Abend, eine Gute Nacht & für morgen einen guten Start in den Tag! 😉🍀

P. S.: In etwa eineinhalb Wochen wird die Bundestagswahl gelaufen sein. Also nur noch wenig Zeit, weiter darauf aufmerksam zu machen, um was für eine Partei es sich bei der AfD handelt. Und vor allem nochmal klarmachen, dass es dieses Jahr noch wichtiger als bisher war, seine Stimme zu nutzen. Denn je mehr AfD-Gegner ihre Stimme nutzen, umso weniger stark wird die AfD. In diesem Sinne: Auf in den Endspurt!

(1)

http://afdowl.blogsport.eu/nicht-von-dauer-kommunale-afd-fraktionen-in-ostwestfalen/

http://m.faz.net/aktuell/politik/inland/studie-viele-afd-fraktionen-scheuen-sacharbeit-15057846.html

(2)

http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Rassistische-Chats-Fraktionsvize-verlaesst-AfD,afd1204.html

http://m.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/MV-aktuell/Protokoll-der-Perversionen-das-steht-in-Arppes-Chats

http://www.welt.de/regionales/mecklenburg-vorpommern/article168202836/Chatprotokolle-offenbaren-Denkweise-der-AfD.html

(3)

http://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/gauland-afd-muss-sich-nicht-fuer-arppe-entschuldigen-0529773709.html

(4)

http://m.tagesspiegel.de/berlin/alexander-gauland-afd-vize-kassierte-54-strafzettel-im-letztem-halben-jahr/13754062.html

http://www.bz-berlin.de/berlin/umland/afd-vize-gauland-beleidigt-verkehrspolizisten-als-knallchargen

(5)

http://m.huffpost.com/de/entry/17911474

(6)

http://m.tagesspiegel.de/politik/die-partei-infiltrierte-gruppen-was-der-cyberputsch-gegen-die-afd-verraet/20287150.html?utm_referrer=

http://www.br.de/bundestagswahl/afd-die-partei-sonneborn-shahak-shapira-100.html

(7)

http://meedia.de/2017/09/06/kalkulierter-eklat-afd-politikerin-alice-weidel-verlaesst-tv-studio-bei-live-sendung-und-die-medien-stuermen-hinterher/

Das hier ist noch der Link zu einem interessanten Interview mit einem Mimikexperten über den Weidel-Abgang, das manche meiner Eindrücke zu der Verhaltensweise von Weidel zum größten Teil bestätigt hat😮 :

https://www.welt.de/politik/deutschland/article168377573/Weidel-drueckt-ihre-Verachtung-bewusst-und-deutlich-aus.html

(8)

https://www.tagesschau.de/inland/afd-strategiepapier-100.html

(9)

http://www.sueddeutsche.de/politik/sachsen-anhalt-afd-politiker-homosexuelle-ins-gefaengnis-stecken-1.3019169

(10)

(11)

http://faktenfinder.tagesschau.de/inland/afd-weidel-101.html

(12)

https://amp.welt.de/amp/politik/article168489086/Alice-Weidel-will-Veroeffentlichung-rassistischer-E-Mail-stoppen.html

(13)

http://mobil.n-tv.de/politik/Weidel-soll-Asylbewerberin-beschaeftigt-haben-article20032101.html

(14)

http://m.huffpost.com/de/entry/17358888

http://www.queer.de/detail.php?article_id=29501

https://de.nachrichten.yahoo.com/erika-steinbach-vergleicht-auf-twitter-homo-ehe-mit-padophilie-092427785.html

(15)

https://kattascha.de/?p=1923

(Z)

http://www.queer.de/detail.php?article_id=29660

(Za)

http://www.queer.de/detail.php?article_id=29648

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